Generalabonnement in der Schweiz

In der Schweiz gibt es eine Fahrkarte zu kaufen, die sich „Generalabonnement“ nennt. Das entspricht in etwa der deutsche BahnCard 100 oder der früheren Jahresnetzkarte.

Man bezahlt also einmal im Jahr einen Betrag von ca. 3600 CHF und kann dann fast alle öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz für ein Jahr benutzen.

In den letzten Jahren gab es gelegentlich Diskussionen, ob dieses Angebot so aufrechterhalten werden sollte.

Konkret hat die neue Verwaltungsratspräsidentin sich dafür ausgesprochen, das „GA neu zu denken“, was wohl auf eine Abschaffung hinauslaufen sollte. In der NZZ am Sonntag wurde das begrüßt, aber der Artikel ist nur für Abonnenten lesbar. Argumentiert wird mit Kostenwahrheit.

Gedanken über mehr Kostenwahrheit im Verkehr sind grundsätzlich zu begrüßen.

Aber wenn man diese verbessern sollte, wäre es besser, zunächst einmal beim motorisierten Individualverkehr (MIV) anzusetzen.

Dieser mag zwar seine Verkehrswege finanzieren, jedoch sind die externen Kosten durch Treibhausgasemissionen, Luftverschmutzung, Lärm und Unfälle erheblich und werden nur zu einem kleinen Teil von den MIV-Nutzern bezahlt. Dieser ist sogar in der Schweiz von der CO_2-Abgabe noch befreit.

Bevor man bei der Bahn bestehende gut etablierte Angebote wie das GA in Frage stellt, wäre es besser, entweder die Steuern auf Benzin deutlich zu erhöhen oder ein flächendeckendes Road-Pricing einzuführen. Hier könnte die Schweiz von der Erfahrung mit der erstaunlich leise und damit wohl problemlos verlaufenden Einführung der LSVA profitieren, und ein flächendeckendes Road-Pricing-System für den gesamten MIV einführen.

Die Preise lassen sich nach Strecken und Zeiten differenzieren. Als grundsätzliche Idee würde ich die Preise umso höher machen, je niedriger die Geschwindigkeitsbeschränkung ist, weil dort die Autos in der Regel am meisten stören. Aber man kann außerdem die zeitliche und räumliche Auslastung der Straßen berücksichtigen. Es ließen damit sogar ohne zusätzliche Straßen Staus weitgehend vermeiden. Soweit Alternativrouten überhaupt existieren, ließen sich enge und gefährliche Ortsdurchfahrten vom Durchgangsverkehr entlasten. Als Seiteneffekt könnten Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht mehr nur punktuell, sondern auch flächendeckend überwacht werden, womit die entsprechenden Bußen weitgehend entfallen würden, weil kaum noch jemand zu schnell fahren würde. Die Chance nicht erwischt zu werden, würde gar nicht mehr existieren. Das würde auch der Verkehrssicherheit, dem Umweltschutz und der Stauvermeidung dienen würde.

Wenn in diesem Bereich signifikante Fortschritte und bei der Kostenwahrheit im MIV erzielt werden, ist es immer noch früh genug, über die Ausgestaltung der Vielfahrerangebote des ÖV mit der dann verfügbaren Technologie nachzudenken. Was man heute schon machen könnte, wäre ein Angebot, das weniger kostet und nur außerhalb der Hauptverkehrszeiten gilt.

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Norwegisch lernen

Norwegisch ist nah mit Schwedisch und etwas entfernter mit Deutsch und auch mit Englisch verwandt. Die Grammatik ist nicht so schwierig, zumindest am Anfang nicht… Eigentlich sollte es eine Sprache sein, die einfach zu lernen ist, vor allem, wenn man Schwedisch schon kann und vielleicht noch mehrere deutsche Dialekte versteht. Ja, das hilft, denn es gibt immer wieder Wörter, die in dem einen Dialekt vorkommen und die im Hochdeutschen verschwunden sind.

Das ist wirklich so, ich kann Norwegisch recht gut lesen, mit etwas Konzentration ganz gut verstehen, jedenfalls wenn die Leute einigermaßen deutlich sprechen. Schreiben kann ich auch etwas und sprechen klappt auch, wobei als Rückfallebene immer die Möglichkeit besteht, Lücken mit Schwedisch zu füllen, das hinreichend ähnlich ist und sowieso von allen Norwegern verstanden wird. Schweden, die nach Norwegen ziehen, sprechen teilweise ihr Leben lang Schwedisch und verstehen die Antworten, die ihnen auf Norwegisch gegeben werden, so wie es die meisten Deutschen in der Schweiz tun, wobei Schweizerdeutsch ein deutscher Dialekt ist und die (eine von vier) offizielle und geschriebene Sprache Deutsch, womit Hochdeutsch gemeint ist, das sich nur um einige minimale Helvetismen vom Hochdeutschen aus Österreich oder Deutschland unterscheidet.

Nun gibt es beim Norwegischen doch eine Herausforderung. Ich sage mal, die Sprache ist nicht sehr homogen. Es werden normalerweise Dialekte gesprochen, das heißt, dass die Norweger immer ihren Dialekt sprechen. Die Dialekte sind so ähnlich, dass man sie gegenseitig versteht, wenn man sich konzentriert und nicht exzessiv schnell und undeutlich spricht. Einige Dialekte in der Nähe der Grenze sind sehr ähnlich wie Schwedisch. Aber da die Dialekte gegenseitig verständlich genug sind, besteht keine Notwendigkeit, auf eine „Hochsprache“ zurückzufallen, um miteinander zu sprechen. Die Dialekte zu verstehen, ist also erforderlich, wenn man Norwegisch lernen will, denn so wird nun einmal gesprochen. Das geht auch einigermaßen, mal besser, mal schlechter.

Witzig ist, dass das Wort für „ich“ mindestens 12 Varianten hat, je nach Dialekt. Wenn man bedenkt, dass es in den meisten Indogermanischen Sprachen im Grunde genommen fast dasselbe Wort ist, was man erst sieht, wenn man es in vielen Sprachen gleichzeitig anschaut, nicht nur in zweien, dann ist das schon witzig, dass es innerhalb von Norwegisch fast die Variationsbreite wie zwischen Spanisch, Deutsch und Russisch gibt, für dieses eine Wort. Man hat mir gesagt, dass es so etwas wie „e“, „äi“, „eg“, „je“, „jäi“, „jeg“, „a“, „ai“, „ag“, „ja“, „jai“ und „jag“ gebe und bei nahe beieinander liegenden Dialekten habe ich schon „a“ und „eg“ im selben Gespräch von verschiedenen Leuten gehört. Wie gesagt, man gewöhnt sich daran, das zu verstehen, vielleicht wie man sich an Synonyme oder Kurzformen von Wörtern gewöhnt. Aber das Sprechen Lernen basiert ja darauf, andere Sprecher zu imitieren. Das ist der Teil, der etwas schwierig wird, weil der nächste Sprecher wieder einen anderen Dialekt spricht.

Wie ist es nun mit dem Schreiben? Historisch gesehen war Norwegen jahrhundertelang dänisch regiert. Da wurde die dänische Schriftsprache als Standard etabliert. Sie war deutlich verschieden vom gesprochenen Norwegisch, aber doch nahe genug, um es relativ leicht zu lernen. Aber im Prinzip musste man zum Schreiben und Lesen eine Fremdsprache lernen. Vor etwa 200 Jahren wurde Norwegen nach den napoleonischen Kriegen von Dänemark unabhängig, aber gehörte stattdessen zu Schweden. Es war wohl in dieser Zeit schon relativ unabhängig, aber die volle Unabhängigkeit kam erst vor etwa 100 Jahren. Die dänische Schriftsprache blieb erhalten und es gibt heute Unterschiede, weil sie sich etwa 200 Jahre auseinander entwickelt haben. So ist in Norwegen Bokmål entstanden. Wer Bokmål lesen kann, kann auch Dänisch lesen und umgekehrt, die Unterschiede sind noch nicht so groß. Nur die Aussprache ist sehr verschieden.

Nun hat man erkannt, dass Bokmål zu weit entfernt von der gesprochenen Sprache ist und auch keine eigentlich eigene norwegische Sprache… So wurde, ähnlich wie in einigen anderen Sprachen, aus den vorhandenen Dialekten eine Schriftsprache konstruiert, das Nynorsk. Eigentlich wäre es logisch, das zu benutzen, weil es sich wie eine Hochsprache in die Dialektlandschaft einfügt und nicht oder weniger wie eine (sehr nahe) Fremdsprache gelernt werden muss. Aber fast alle Bücher sind in Bokmål geschrieben. Ich versuche in Norwegen immer wieder, auch nur ein einziges halbwegs interessantes Buch in Nynorsk zu kaufen, aber bis jetzt habe ich das noch nicht geschafft. Man muss also in Norwegen Bokmål wegen der Bücher unbedingt gut können. Und so ist es heute üblich, dass etwa 20% der Norweger zum Schreiben Nynorsk bevorzugen und 80% Bokmål. In der Schule lernt man beides und alle können die jeweils andere Schriftsprache lesen und natürlich auch schreiben. Ich kann nur Bokmål schreiben. Ich würde lieber Nynorsk verwenden, weil für mich die gesprochene Sprache viel wichtiger ist, aber die Gelegenheit, das zu lernen, ist nicht so üppig vorhanden. So kann ich nur etwas Bokmål schreiben, aber natürlich beides lesen.

Ich höre immer wieder davon, dass es auch in Schweden eine reichhaltige Vielfalt an Dialekten geben soll. Aber ich erlebe das Schwedische als ausgesprochen homogen. In Schonen und überhaupt im Süden ist die Aussprache leicht verändert, aber das ist kein wirklich großer Unterschied. Man denke an Bayern, Norddeutsche oder Schweizer, die Hochdeutsch sprechen. Man hört den Unterschied zwar, aber versteht es gut gegenseitig, wenn man nur will. Es gibt in Schweden einige lokale Dialekte, insbesondere auf Gotland, aber auch z.B. in Dalarna, die so verschieden vom Hochschwedischen sind, dass sie kaum ein Schwede versteht und die deshalb nur von Einheimischen untereinander gebraucht werden. Das Problem schwer verständlicher Dialekte existiert in Schweden nicht wirklich. Ich war zu oft in dem Land und habe praktisch nur Schwedisch gesprochen, seit ich die Sprache einigermaßen kann. Gefühlt ist Schwedisch also sehr homogen, Norwegisch dagegen nicht. Das macht es ein bisschen schwieriger, die Sprache zu lernen.

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