Datums- und Zeitformate

Das Thema mit den Datumsformaten ist natürlich vor allem in der Informatik wichtig, deshalb habe ich in meinem anderen Blog auch darüber geschrieben.

Aber es ist auch sonst sinnvoll, ein modernes Datums- und Zeitformat zu benutzten.

Bei Zeiten setzt sich langsam durch, dass man zumindest beim Schreiben das 24 Stunden-Format verwendet und den „:“ und nicht den „.“ als Trennungszeichen verwendet. 12-Stundenformat ist verwirrend, vor allem das amerikanische „a.m.“ und „p.m.“, wo man mit Merkwürdigkeiten zu kämpfen hat, die die Zeiten zwischen 0:00 und 1:00 und zwischen 12:00 und 13:00 betreffen, auf die ich hier nicht näher eingehen will, weil sie einfach absurd sind und Schwierigkeiten machen, zumindest für Ausländer, die Englisch lernen. Und der Doppelpunkt erlaubt es auf einen Blick zu erkennen, dass es eine Uhrzeit ist. Ich glaube, dass wir da auf einem guten Weg sind.

Für das Datum gibt es eine Vielzahl von Formaten. Ich habe nichts gegen die Formate mit ausgeschriebenem Monat, wenn es primär für Menschen lesbar sein soll und nicht von Programmen ausgewertet werden muss. Man sieht sofort, was gemeint ist, auch wenn man die Sprache nicht so gut kennt und nur gerade weiß, wie die Monate heißen. Bei Datumsangaben wie 2.4.1966 oder 2/4/1966 braucht man schon eine Menge Wissen, um sicher zu sein, ob es der 2. April oder der 4. Februar ist. Das muss man für jede Sprache und Region neu lernen und es wird auch mal verwechselt. Auch wenn alle Deutschen aus „2.4.1966“ den 2. April lesen und alle Amerikaner aus „2/4/1966“ den 4. Februar, ist es doch für Ausländer, die die Sprache nur rudimentär kennen, eine unnötige Hürde. Wir haben ein rein numerischen Datumsformat: 1966-04-02. Bei diesem ist klar, dass es der 2. April ist und zwar weltweit einheitlich in allen Sprachen. Außerdem entspricht es genau unserer Logik, wie wir die Ziffern von Zahlen anordnen. Die größeren Hunderter vor den Zehnern und die Zehner vor den Einern. Oder eben die Jahre vor den Monaten und die Monate vor den Tagen.

Dieses Datumsformat ist in dem ISO-Standard ISO 8601 definiert. Praktischerweise gibt es noch zwei Varianten: 1966-W13-6 für den Samstag in der 13. Kalenderwoche oder 1966-092 für den 92. Tag des Jahres, die man seltener verwendet und weniger kennt.

In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist das Datumsformat Jahr-Monat-Tag aus ISO 8601 das offizielle Datumsformat. Wir sollten es als zumindest in deutschsprachigen Texten bevorzugt statt 02.04.1966 oder 2.4.1966 verwenden, wenn wir nicht die Monate ausschreiben wollen. Und in englischsprachigen Texten, die normalerweise sehr häufig von Nicht-Muttersprachlern gelesen werden, sollten wir sowieso nur noch das ISO-Format verwenden.

Unsere Welt ist internationaler geworden und die Vorteile von kleinen Verbesserungen der Lesbarkeit sind deutlich größer als vor 50 Jahren. Und wir verlieren mit dem veralteten Datumsformat „2.4.1966“ wirklich keine deutsche oder schweizerische oder österreichische Kultur, zumal ja die ausgeschriebenen Monate weiterhin benutzt werden können. Ich hoffe, dass jeder den Monatsnamen „Jänner“ verstehen kann. So wie man auf dem Wochenmarkt noch heute zwei Pfund Äpfel kaufen kann, werden wir auch das veraltete Datumsformat noch lange sehen, aber das ist kein Grund, es selber zu verwenden. Ich verwende seit vielen Jahren bevorzugt das ISO-Format oder ausgeschriebene Monatsnamen für das Datum, auch z.B. in Briefen, E-Mails, Webseiten und Blog-Artikeln.

Vierstellige Jahreszahlen sind immer eine gute Idee, auch lange nach dem Jahr 2000 und lange vor dem Jahr 2100 und außerhalb der Informatik. Es kostet nichts und erleichtert uns das Datum als solches zu erkennen und hilft z.B. auch heute noch, die Geburtsjahre 1917 und 2017 zu unterscheiden.

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Duolingo

Meine Art Duolingo zu benutzen, sieht jetzt so aus:

Ich habe dort maximal drei Sprachen aktiv, also in der Realität normalerweise genau drei. An Tagen mit normalen Zugfahrten setzen ich „time boxes„, also maximal 10 min plus die aktuelle Übung abschließen pro Sprache. Die wichtigste Sprache ist natürlich Russisch und das ist bei Duolingo deshalb immer aktiv, die anderen beiden wechseln immer mal wieder. Für Russisch tue ich noch einiges mit anderen Apps und auch außerhalb der Computer- und App-Welt.

Wenn eine Sprache, die ich schon einmal aktiv hatte, wieder aktiviert wird, fange ich in der Regel von vorne an, also ich mache von jedem Kreis mindestens eine Übung (zu je 10-20 Fragen, je nach Sprache/Übung) bis ich zu den Sachen komme, die ich noch nicht hatte oder bei denen das Crown-Level (CL) höher werden soll. Das heutige Duolingo funktioniert so, dass es ca. 50-150 Kreise (Skills) für die Sprache gibt. Jede Skill kann man auf 5 verschiedenen Crown-Levels erreichen. Pro Crown-Level gibt es 1 bis 30 Übungen, die jeweils wieder aus 10-20 Fragen bestehen. Der Schwierigkeitsgrad der Fragen und die Anzahl der Übungen steigen mit dem Crown-Level an. Um eine Sprache komplett mit Crown-Level 5 abzuschließen muss man also vielleicht 100’000 Fragen beantworten.

Meistens hat man die Sprache abgeschlossen, wenn man alles mindestens mit Crown-Level 1 geschafft hat. Das ist schon schwierig genug, aber man bekommt es irgendwann. Oft kommen später noch Skills oder Übungen zu den Skills dazu, so dass man es noch einmal angehen muss, um das Crown-Level 1 wieder komplett zu haben. Das ist bei Spanisch und Esperanto in sehr großem Umfang passiert und z.B. bei Niederländisch, Französisch und Norwegisch in kleinerem Stil. Ich habe jetzt die Bäume für Esperanto und Französch mit CL 1 abgeschlossen und beide Sprachen wieder an die Seite gelegt. Schwedisch und Spanisch habe ich sie mit CL 2 abgeschlossen, Russisch mit CL 3.

Es sieht jetzt so aus:

Russisch

Schwedisch

Spanisch

Französisch

Esperanto

Niederländisch

 

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Du oder Sie

Manche Sprachen haben zwei oder mehr Anredeformen. Am häufigsten habe ich angetroffen, dass man das „Du“ in die Pluralform bringt, um die „förmliche“ Anrede zu haben, z.B. auf Französisch oder Russisch oder früher mal in den skandinavischen Sprachen. Soweit ich weiß war es auch auf Englisch so und man hat nur am Ende das „you“, das eigentlich der Pluralform bzw. der förmlichen Anrede entspricht, als einzige Form in Gebrauch. Die „nicht-formalen“ Pronomina im Singularform gibt es auf Englisch auch noch, es sind „thee“, „thou“ bzw. „thy“ als Entsprechnung für „your“, aber sie werden nur im religiösen Kontext verwendet und klingen für uns besonders archaisch und besonders formal. Wir haben die Pluralform als formale Anrede auf Deutsch auch noch, das „Ihr“. Ich denke, jeder versteht es und es wird in vielen Dialekten auch benutzt. Das bekannte „Sie“ als Anrede genau wie das verschwundene „Er“ bzw. „Sie“ im Singular z.B. für Knechte und Mägde hat die grammatikalische Unschönheit, dass es mit der falschen „Person“ arbeitet, also „3. Person Plural“ bzw. „.. Singular“, was eine völlige Fehlkonstruktion ist. Aber man gewöhnt sich natürlich daran und verwendet es ganz normal…

Ich glaube aber, dass wir gerade den Prozess des Verschwindens des „Sie“ erleben, ich schätze, dass es in ca. 15 bis 20 Jahren verschwunden sein wird oder so wie das „Ihr“ noch verstanden wird, aber im Hochdeutschen kaum noch gebraucht wird. Vielleicht trägt die Tatsache, dass es grammatikalisch so quer in der Landschaft liegt dazu bei, aber das muss nicht so sein. Als reine Beobachtung würde ich sagen, dass das „Sie“ heute sehr viel seltener verwendet wird als das „Du“. Mit Freunden benutzt man heute fast immer „Du“ und früher waren es vielleicht genauso gute Freunde, aber man das „Du“ war nur für einen ganz kleinen Kreis der allerbesten Freunde… Bei der Arbeit benutzt man fast immer das „Du“, zumindest mit den Leuten, die man regelmäßig sieht. In vielen großen Firmen hat der Chef quasi den Standard gesetzt, dass er geduzt werden will und dann ist automatisch für alle anderen in der Firma untereinander auch das „Du“ gesetzt, mit ein paar Ausnahmen, die es hin und wieder geben mag und die man eben kennt und beachtet. Ich habe es in meinem gesamten Berufsleben so erlebt. Das „Du“ bleibt auch, wenn man nicht mehr in derselben Firma ist, fast immer. Wer heute 80 ist, erinnert sich vielleicht daran, sich bei der Arbeit auch nach Jahrzehnten noch mit „Sie“ angeredet zu haben. Beim Sport, im Verein, bei Treffen von Gruppen Gleichgesinnter auch ohne Verein, bei Angehörigen derselben Organisation, auf Festen, im Ausgang, unter Nachbarn die man etwas länger schon kennt u.s.w. ist heute meistens „Du“ üblich, spätestens wenn man sich mal mit Vorname vorgestellt hat. Wenn man Leuten begegnet, die man nicht kennt und die nicht im Rentenalter sind, kann man sich von ein paar Ausnahmen abgesehen aussuchen, ob man „Du“ oder „Sie“ verwendet und man erlebt es auch umgekehrt beides. Im Internet wird meistens „Du“ verwendet, insbesondere z.B. in Foren. Das war schon immer so, seid es das Internet gab. Viele Firmen, die Endkunden bedienen, reden diese in ihrer kollektiven Kommunkation (Werbung, EMails, maschinengenerierte Kommunikation) mit „Du“ an, natürlich weil es ihnen vorteilhaft scheint. Das „Sie“ hat noch seine Nische bei „Funktionsträgern“, also z.B. bei Zöllnern, Schaffnern im Zug, Lehrern der Kinder u.s.w.

Ein Trend vom „Sie“ weg ist definitiv da. Er kann sich auch mal umkehren und es gibt wahrscheinlich immer Bewegungen in beide Richtungen. Trotzdem glaube ich, dass das „Sie“ am verschwinden ist. Das zeigt das Beispiel anderer Länder, z.B. die skandinavischen Länder. Auch in Spanien habe ich es so wahrgenommen. Aber ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, dass wir ein internationaleres Umfeld haben und mehrere Sprachen benutzen. Wenn wir nun mit einer Person Deutsch sprechen können, aber wegen einer weiteren Person, die das nicht kann, auf eine andere gemeinsame Sprache ausweichen müssen, z.B. Englisch oder Spanisch, dann bringt die Sprache mehr oder weniger mit sich, dass man keine „formelle“ Anrede verwendet und wahrscheinlich auch die Vornamen. Sich dann auf Deutsch plötzlich wieder zu „Siezen“ ist merkwürdig. Und irgendwann weiß man nicht mehr, mit wem man nun schon in welcher Sprache gesprochen hat…

Man sagt, dass man der Person mehr Respekt entgegenbringt, wenn man sie mit „Ihr“ oder mit „Sie“ anredet. Das glaube ich nicht. In einem Umfeld, wo alle das „Sie“ benutzen als einziger das „Du“ zu benutzen mag provokativ sein. Aber wenn es normal ist, dann ist es nicht unhöflich. Ob und wie sehr man eine Person respektiert oder nicht, ist mehr eine Frage der Gefühle und die drücken wir schon immer zu einem großen Teil non-verbal aus, zumindest wenn wir nicht schreiben, sondern miteinander sprechen. Die einen mehr, die anderen weniger und einige auch fast gar nicht… Am Ende ist es fast egal und in Skandinavien oder Spanien oder in englischsprachigen Ländern geht es den Leuten deshalb nicht schlechter. Für uns verschwindet zumindest eine Unschönheit der deutschen Grammatik, die wir wahrscheinlich nur noch zum Lesen von Literatur und vielleicht noch eine Weile für Gespräche mit einem schrumpfenden Kreis von „Funktionsträgern“ brauchen werden.

Interessant ist, wie es sich mit anderen Sprachen verhält, ob es dort auch mehrere Anredeformen gibt und ob sich deren Verwendung gerade relativ schnell ändert oder vor kurzem geändert hat.

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Duolingo

Duolingo hat seit einiger Zeit die Funktionsweise etwas geändert. Neu kann man einen Kreis, den man einmal geschafft hat, nicht mehr verlieren. Aber jeden Kreis kann man nacheinander auf verschiedenen Leveln abschließen. Nun hat man also die Wahl, den Baum einer Sprache erstmal mit Level 1 („blau“) komplett abzuschließen und dann alles bis zu einem höheren Level zu machen. Oder man kann einen Teil erstmal bis Level 5 machen und geht erst dann weiter nach unten. Wem das unverständlich ist, es ist einfacher das auszuprobieren als es hier zu erklären: Duolingo

Bei Level 5 hat man es komplett geschafft. Die Farben: 0=“grau“ oder „violett“, 1=“blau“, 2=“grün“, 3=“rot“, 4=“rot-orange“, 5=“orange“.

Neuerdings kommen in manchen Sprachen mal Kreise dazu. Bei Spanisch waren es fast 60 und so hatte ich eine Weile, um den ganzen Spanisch-Baum wieder zumindest auf Level 1 geschafft zu haben. Dasselbe ist in Esperanto passiert, wo ich den Baum mal geschafft hatte und jetzt wieder ganz viel violett und sogar grau ist. In geringerem Umfang gab es das auch bei einigen anderen Sprachen, aber nicht bei Russisch und Schwedisch. Also ich habe jetzt den Spanisch-Baum mit Level 1 und den Russisch-Baum mit Level 3 komplett geschafft. Schwedisch habe ich Level 2 schon länger, aber ich arbeite an Level 3. Das kann aber noch eine Weile dauern. Wahrscheinlich werde ich das Set von Sprachen auch mal wieder ändern.

Zur Unterhaltung hier meine Bäume, vom heutigen Stand:

Swedish / Schwedisch 2018-09-16

Schwedisch 2018-09-16

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Sprachen lernen mit Apps

Es gibt inzwischen eine Fülle von Software und Webseiten, um Sprachen zu lernen.
Ich verwende zur Zeit die drei Android-Apps

Es gibt noch sehr viel mehr davon, die ich aber nicht kenne.

Diese funktionieren alle als Apps auf meinem Android-Telefon und auf meinem Android-Tablet und ich benutze sie in der Form, weil ich hauptsächlich unterwegs damit lerne.

Grundsätzlich sollte man immer daran denken, dass es schwierig ist, alleine mit so einer App eine Sprache zu lernen, einfach weil das einseitig ist und letztlich das Lesen, Schreiben, Verstehen, aber nicht das Sprechen geübt werden kann. Sprechübungen könnten einige der Apps auch, aber das macht man im Zug unterwegs nicht und es soll auch nicht sehr gut funktionieren. Auch Grammatik lernt man bestenfalls anhand vieler Beispiele, wie es wohl ungefähr gehen könnte, aber die Systematik fehlt. Ob man die überhaupt braucht, um die Sprache zu lernen, sei dahingestellt, aber es ist doch interessant und manchmal hilfreich.

Deshalb ist es sinnvoll, gelegentlich Sprachunterricht dazu zu nehmen. Für mich hat sich bewährt, etwa einmal im Monat Einzelunterricht zu nehmen. Mal öfter, mal seltener, mal einen ganzen Tag oder mal nur eine Stunde. So kann man vermeiden, in die Sackgasse zu lernen, weil man immer mit einem qualifizierten Menschen überprüfen und korrigieren kann, um keine Fehler einzuschleifen und um die Lücken, die die App lässt zu schließen.

Was natürlich auch hilft, ist zu lesen. Das ist aber erst ab einem gewissen Level sinnvoll möglich, weil die meisten Sprachen Unregelmäßigkeiten in der Rechtschreibung haben, die es erschweren, unbekannte Wörter richtig vorzulesen. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, der Anteil der unbekannten Wörter wird kleiner und man kann sogar die Aussprache von unbekannten Wörtern oft richtig raten. Bei Chinesisch ist das schwierig, bei Arabisch auch noch recht anspruchsvoll und auch Englisch ist sehr sehr unregelmäßig. Aber auch bei halbwegs regelmäßigen Sprachen gibt es Ausnahmen und einzelne Aspekte der Aussprache, die vom Wort oder sogar von der Wortform abhängen und sich nicht aus dem geschriebenen Wort erschließen.

Hören kann man leicht üben, es gibt in Youtube und anderen Video-Seiten beliebig viel Material, aber auch das ist schon für den Anfang noch etwas schwierig. Und ja, man kann auch Bücher über Grammatik lesen. Ich habe mal damit angefangen und einige gekauft. Und ein paar Seiten gelesen.

Letztlich ist das, was man meistens zu wenig macht, Vokabeln lernen. Vielleicht gibt es mal eine Phase mit hoher Motivation, aber so auf längere Sicht bleiben die Vokabeln auf der Strecke oder kommen langsam mit der Zeit, wenn man mal so weit ist, die Sprache real zu verwenden. Aber um Vokabeln und deren Rechtschreibung zu lernen sind die Apps gut. Vielleicht ist das sogar das einzige, was sie wirklich können. Das liegt daran, dass es in gewisser Weise gamifiziert wird.

Nun zu den Apps, die oben erwähnt wurden. Duolingo benutze ich schon am längsten, aber es hat vor ein paar Wochen ein Update gegeben und seither funktioniert es anders als früher. Bei aller Skepsis kann man diese Änderung als Verbesserung begreifen. Duolingo hat verschiedene Arten von Übungen, man muss etwas hören und schreiben, etwas übersetzen oder Wörter zuordnen. Es kommen viele Sätze und nicht nur Wörter dran, wodurch man Formen und Grammatik implizit etwas mitbekommt. Die meisten Sprachen kann man nur von Englisch als Basissprache lernen, aber gelegentlich kann es mal interessant sein, so etwas wie Spanisch für Russischsprachige zu machen. Generell ist das Umschalten der Basissprache etwas aufwändiger und man will das nicht andauernd machen. Das heutige Duolingo kann einen recht lange beschäftigen. Jede Sprache hat einen „Baum“ mit 50 bis 100 Kreisen. Jeder Kreis hat 1 bis 20 Lektionen, die jeweils etwas 20 Übungen enthalten. Übungen, bei denen man Fehler macht, werden einfach so lange immer wieder vorgesetzt, bis man sie einmal richtig hatte. Die Kreise stehen in Reihen mit je ein bis drei Kreisen und man kommt an die tieferen Reihen nur, wenn man die vorige Reihe gemacht hat. Hat man alle Lektionen eines Kreises gemacht, steigt dieser auf das nächsthöhere Level auf. Es gibt davon insgesamt fünf und sie werden immer schwieriger und umfangreicher. Man kann also mit Level eins einen Baum abschließen, aber man kann auch auf höhere Level gehen und sich so mit einer Sprache sehr lange beschäftigen. Es gibt noch „Clubs“, die man zu jeder Sprache gründen kann oder zu denen man beitreten kann. Man kann den High-Score im Club haben u.s.w. Die bezahlte Version von Duolingo hat den Vorteil, dass man auch offline etwas machen kann, aber in der Praxis bringt das relativ wenig, weil zumindest die höheren Level nur online funktionieren.

Memrise hat den Gamification-Aspekt noch mehr integriert und die Übungen sind noch prägnanter und machen vielleicht noch mehr Spaß. Es gibt nur Vokabeln und kurze Phrasen und Sätze, die man wort- bzw. buchstabengenau kennen muss, bis sie als gelernt gelten. Es wird sehr viel wiederholt. Man lernt als eine kleine Menge von hoffentlich wichtigen Vokabeln sehr gut. Wenn man eine Sprache sucht und bei Duolingo nicht findet, kann es sein, dass man bei Memrise etwas findet. Umgekehrt mag es auch vorkommen, aber das habe ich noch nicht gesucht. Interessant ist z.B., dass Duolingo „Norwegisch“ anbietet, aber dabei auf Bokmål setzt, während man bei Memrise auch Nynorsk findet. Das finde ich für nützlicher, weil näher an der gesprochenen Sprache liegt, vor allem in Westnorwegen.

„Russian Fun Easy Learn“ bietet 6000 Wörter, die nach Themenbereichen gegliedert sind. Während also Duolingo und erst recht Memrise sozusagen einen „Grundwortschatz“ bedienen, ist hier eher ein „Aufbauwortschatz“ das Thema. Man hat Bereiche von 20 bis 120 Wörtern zu einem Thema und verschiedene Durchläufe, um mit Multiple-Choice o.ä. die gehörten oder gelesenen Wörter in der anderen Sprache zu finden. Es hilft vor allem für den passiven Wortschatz. Es gibt dasselbe auch für Sätze und auch für andere Sprachen. Ich finde es nützlich, aber es gefällt mir etwas weniger als Memrise und Duolingo.

Insgesamt möchte ich sagen, dass das, was diese Apps versprechen, übertrieben ist. Man kann nicht einfach x mal so schnell lernen wie in einem Kurs, aber die Vokabeln lernt man so viel besser und dass es nicht genau diejenigen sind, die im Kurs drankamen, ist nicht so schlimm. Wenn man einen regulären Kurs macht, muss man natürlich die dortigen Vokabeln auf klassische Weise anschauen, um die wichtigsten Wörter, die nicht in der App dabei sind, auch im Griff zu haben. Aber etwas Mut zur Lücke darf man immer haben, denn man wird ja in jeder Sprache damit umgehen müssen, gelegentlich ein Wort nicht zu kennen oder es durch mehrfaches Hören aus dem Kontext kennenzulernen. Die klassischen Vokabelhefte, in denen man sich die Wörter aufschreibt und dann lernt, benutze ich seit langem nicht mehr.

Was hat es gebracht? Ich spreche jetzt Russisch etwa so gut, wie jemand, der Abitur oder Matura gemacht hat und nicht speziell sich in dieser Richtung vertieft hat, Englisch kann. Spanisch und Schwedisch kann ich im Prinzip auch fast so gut, aber ich brauche etwas Zeit in dem Land oder mit Muttersprachlern, um das wieder präsent zu bekommen, weil ich diese Sprachen zur Zeit sehr selten verwende. Ich denke, dass sich die Kombination aus diesen Apps mit Sprachpraxis und Unterricht grundsätzlich bewährt hat.

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Hier sind noch meine Duolingo-Stände. Vielleicht dienen sie der Unterhaltung:

Duolingo Esperanto 2018-05-29

Duolingo Esperanto 2018-05-29

Duolingo Schwedisch 2018-05-29

Duolingo Schwedisch 2018-05-29

Duolingo Russisch 2018-05-29

Duolingo Russisch 2018-05-29

Duolingo Spanisch für Russischsprachige 2018-05-29

Duolingo Spanisch für Russischsprachige 2018-05-29

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е und ё

Russisch wird mit der kyrillischen Schrift geschrieben. Es gibt dort zwei Buchstaben, „е“ und „ё“, die sehr ähnlich aussehen, etwa wie „a“ und „ä“ sich ähneln, aber die recht verschieden gesprochen werden. „е“ ist je nach Kontext ein „e“, das den vorherigen Konsonanten so verändert, dass er gesprochen wird, als käme danach ein „i“, aber in Wirklichkeit kommt ein „e“. Manchmal wird es auch wie „je“ gesprochen. Das klingt merkwürdig, kommt aber in leicht abgewandelter Form in sehr vielen Sprachen vor. Das „ё“ verhält sich ähnlich, wird aber selbst wie ein „o“ oder wie „jo“ gesprochen. Sinnvollerweise erlaubt die Schriftsprache es, zwischen diesen beiden Buchstaben zu unterscheiden. Man darf aber auch „е“ statt „ё“ schreiben und das wird sehr häufig getan.

Russischsprachige Leser sind es gewohnt, so etwas zu lesen und die Schwierigkeit ist inexistent und es wird nicht einmal wahrgenommen. Aber für weniger geübte Leser ist das eine erhebliche Schwierigkeit, die eigentlich unnötig ist. Da Russisch nicht nur die Muttersprache vieler Menschen ist, sondern in wesentlich geringerem Maße als Englisch auch eine Rolle als Kommunikationssprache für Menschen spielt, die nicht dieselbe Muttersprache haben, wäre es eigentlich gut, wenn man in Büchern, Zeitungen und allen gedruckten Texten das „ё“ benutzen würde.

Man kann es auch so sehen: Ein Text wird in der Regel einmal geschrieben und dann sehr oft gelesen. Das Lesen passiert viel häufiger und es ist sinnvoller, das Lesen effizient zu machen als das Schreiben. In diesem Fall hat man auch versucht, mit Computerprogrammen die Buchstaben nachträglich zu korrigieren. Das funktioniert einigermaßen gut, aber nicht zu 100%. Geübte und muttersprachliche menschliche Leser können es zu 100% und das noch ganz schnell und ohne überhaupt etwas davon wahrzunehmen.

Man findet Beispiele wie dieses in viele Sprachen. Oft kann man Texte nur korrekt vorlesen, wenn man die Wörter kennt. Sprachen wie Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch haben einigermaßen handhabbare Regeln, wie man Wörter ausspricht und die auch bei unbekannten Wörtern meistens einigermaßen gut funktionieren. Finnisch oder Esperanto sind in dieser Hinsicht (fast) perfekt. Russisch fehlt die Information, welcher Vokal betont werden soll. Tückerweise wechselt das noch bei verschiedenen Deklinations- und Konjugationsformen. Und ein unbetontes „о“ wird normalerweise (ähnlich) wie „a“ gesprochen, ein betontes (ähnlich) wie „o“. Englisch ist noch etwas schlimmer, weil dort dieselben geschriebenen Vokale abhängig vom Wort sehr verschieden ausgesprochen werden können. Man kann sagen, dass es keine einfach lernbaren Regeln gibt, aber man lernt die Wörter mit der Zeit und bekommt irgendwann auch ein Sprachgefühl, das für unbekannte Wörter richtig liegen kann. Oder auch nicht. Bei Namen kann das oft schief gehen. Man denke nur an „Edingburgh“, das ähnlich wie „Ednborro“ gesprochen wird, oder an Jira, das wie „Dschira“ aber bitte nicht wie „Dschaira“ gesprochen wird.

Arabisch und interessanterweise alle Sprachen, die die arabische Schrift verwenden, ist noch eine Steigerung, weil man die Vokale üblicherweise beim Schreiben ganz weglässt, obwohl es Zeichen dafür gibt. Das macht das Lesen noch schwieriger, wiederum natürlich nicht für den geübten Muttersprachler. Bei anderen Sprachen wie Chinesisch kann man den Zeichen gar nicht ansehen, wie das Wort gesprochen wird, wenn man sie nicht kennt. Diese Schrift ist so schwierig, dass es sogar für Muttersprachler lange dauert, sie gut genug lernen.

Zweckmäßig wäre eine Buchstabenschrift, die zumindest beim Lesen mit einem überschaubaren Satz von Regeln für die Aussprache auskommt und bei der das auch für Wörter, die man nicht kennt, zuverlässig funktioniert. Es kann durchaus noch mehrere Schreibweisen geben, die gleich ausgesprochen werden. Damit kann man beim Lesen Homonyme, also bedeutungsmäßig verschiedene Wörter, die gleich gesprochen werden, unterscheidbar machen. Das soll vor dem ersten Weltkrieg bei Russisch der Fall gewesen sein, wo man das Wort „мир“, das „Welt“ und „Frieden“ bedeuten kann, zwar gleich gesprochen, aber auf zwei verschiedene Arten geschrieben hat. Im Deutschen kennen wir z.B. „wider“ und „wieder“ oder „dass“ und „das“, die gleich gesprochen, aber je nach Bedeutung verschieden geschrieben werden.

Übrigens könnte man eine große Menge von Sprache, auch z.B. Deutsch, Englisch oder Spanisch, mit der kyrillischen Schrift schreiben. Weil die kyrillische Schrift für eine Vielzahl von Sprachen eingesetzt wird, gibt es ähnlich den Umlauten als Ergänzung für Deutsch zum lateinischen Alphabet eine große Menge an zusätzlichen Zeichen zum „Standardalphabet“, die dabei helfen könnten. Weil man sich bei der Gelegenheit teils gezwungenermaßen, teils weil es sich anbietet und zweckmäßig ist, auf eine viel phonetischere Schreibweise wechseln würde, wäre diese z.B. für Deutsch sogar nach einer Eingewöhnungszeit einfacher zu lesen und zu lernen als unsere heutige Rechtschreibung. Dabei könnte man das natürlich genausogut mit einer sehr radikalen Rechtschreibreform mit dem lateinischen Alphabet hinbekommen, wenn man dafür entsprechende Erweiterungen aus verschiedenen Sprachen zusätzlich zu „ä“, „ö“, „ü“ und „ß“ nutzen würde, nur wäre so eine Rechtschreibung zu komisch, als dass man sie in einer Reform akzeptieren würde.

Aber Sprachen sind nicht nur Zweckmäßigkeit, sondern sie sind ein Stück Kultur. So werden wir weiterhin gelegentlich beim Lernen von Sprachen fluchen, weil die eine oder andere unnötige Hürde beim Schreiben und vor allem beim Lesen auftritt. Und Ausländer, die Deutsch lernen und auch Schüler in den unteren Klassen werden auch in Zukunft damit ihre kleinen Schwierigkeiten haben. In Vergleich zu einigen asiatischen Sprachen ist es immer noch einfach, das Lesen und das Schreiben zu lernen.

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Was haben die Ukraine, Norwegen und Irland gemeinsam?

Eigentlich ist die Frage schnell beantwortet. Alle drei Länder wurden im Laufe der letzten tausend Jahre für viele Jahrhunderte von einem benachbarten „Bruderland“ regiert. Dänemark und später Schweden in Norwegen, Großbritannien oder England in Irland und Russland als Zarenreich oder später als Teil der Sowjetunion in der Ukraine, wobei dort noch andere Nachbarländer in verschiedenen längeren Zeiträumen aufzuzählen wären, wenn man wirklich die letzten tausend Jahre anschaut.

In allen Fällen glauben viele aus der Ferne, dass die beiden jeweiligen Bruderländer sehr ähnlich seien. Man nimmt wahr, dass die Sprache (fast) gleich ist, die Leute (fast) gleich aussehen und dass es auch sonst noch einige Ähnlichkeiten gibt, die noch etwas über das hinausgehen, was in ganz Europa ähnlich ist. Darüber zu schreiben bringt nichts, man kann es selbst erleben, wenn man mit offenen Augen reist oder Leute aus diesen Ländern trifft. Fragt man die Leute in den betreffenden Ländern, wird man feststellen, dass sie sich als Iren, Ukrainer und Norweger fühlen und natürlich nicht als Briten, Russen und Dänen oder Schweden. Es sei denn man hat zufällig einen Briten, Russen, Dänen oder Schweden erwischt, der in dem jeweiligen Land lebt (vielleicht sogar eingebürgert) und sich aber weiterhin als Brite, Russe, Däne oder Schwede fühlt.

Nun kommt die Frage der Sprache auf. In allen drei Fällen hat die Zeit in dem gemeinsamen Staat mit dem „großen Bruder“ ihre Spuren in der Sprache hinterlassen.

In Irland wurde die irische Sprache fast vollständig von der englischen Sprache verdrängt. Nur noch eine Minderheit spricht Irisch als Muttersprache, aber alle lernen es in der Schule und es ist offizielle Landessprache. Immerhin soll heute knapp die Hälfte der Iren die „eigene“ Sprache beherrschen, auch wenn Englisch die Muttersprache war und im Alltag dominiert. Man hat aber viel getan, um die Irische Sprache wiederzubeleben. Das ist eine keltische Sprache. Die Kelten haben einmal weite Teile von Europa besiedelt, nicht nur Frankreich, Irland und England. Man denke nur an die Galater auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In England ist die keltische Sprache verschwunden und durch das Englische verdrängt worden, in Schottland und Wales gibt es aber noch ein paar Sprecher. Irisch ist eine indogermanische Sprache und man erkennt vielleicht eine entfernte Ähnlichkeit zu anderen indogermanischen Sprachen, aber die Ähnlichkeit zwischen Irisch und Deutsch oder Englisch ist gefühlt auf den ersten Eindruck etwa so groß wie die Ähnlichkeit zwischen Deutsch und Russisch.

In der Ukraine hat sich in verschiedenen Gebieten die russische Sprache auch unter Ukrainern verbreitet. Im Westen wird überwiegend Ukrainisch gesprochen. Aber in Kiew hört man mehr Russisch als Ukrainisch, wohlgemerkt von Ukrainern und nicht nur von der großen Russischen Bevölkerungsgruppe, die in dem Land lebt. Nun ist Ukrainisch die einzige offizielle Landessprache. Beschriftungen, Wegweiser, Beschreibungen in Museen sind nur auf Ukrainisch oder wenn eine zweite Sprache dazu genommen wird, auch auf Englisch. Es wird als wichtig empfunden, die ukrainische Sprache zu können, auch für diejenigen, die mehr Russisch sprechen.

In Norwegen spricht man natürlich Norwegisch. Das ist aber eine kompliziertere Sache als man denkt, weil die gesprochene Sprache, zumindest das „richtige“ gesprochene Norwegisch Dialekte sind. Diese sind verschieden und man kann lernen, ein großes Spektrum an Dialekten zu verstehen. Geschrieben wurde auf Dänisch. Das war die Schriftsprache in diesem dänisch-norwegischen Staat mit Kopenhagen als Hauptstadt. Es war ähnlich genug, um es leicht zu lernen, aber wie bei Deutsch oder Italienisch natürlich nicht identisch mit den jeweiligen Dialekten. Heute kann man Norwegisch als „Bokmål“ schreiben, das sich 200 Jahre von Dänisch getrennt entwickelt hat und leichte Unterschiede aufweist. Oder als Nynorsk, das man aus den Dialekten konstruiert hat. Es gibt beide Sprachen als Wikipedia. Beides sind Landessprachen. Und man lernt beides in der Schule. Nynorsk wäre einfacher, weil es näher an der gesprochenen Sprache ist. Aber Bokmål hat so einen großen Vorsprung, weil Bücher und Zeitungen überwiegend in Bokmål erscheinen. Vielleicht gerade weil das Verhältnis mit den Nachbarländern entspannt ist und Norwegen ein gut funktionierendes Land ist, dessen Bewohnern es gut geht, wird die Wichtigkeit der Nynorsk-Sprache für die Identität nicht überall als so wichtig empfunden.

Grundsätzlich kann man aber in allen drei Ländern Menschen finden, die die eigene Sprache als wertvoll und wichtig für die Identität empfinden. Hier zeigt sich auch ein bedeutender Unterschied. Ich habe viele Iren getroffen, die die Irische Sprache als Ballast empfunden haben. Und Norweger, die sich so ähnlich über Nynorsk geäußert haben. Aber alle Ukrainer, die ich getroffen habe, hatten eine postive Meinung über die ukrainische Sprache.

Was man bei den drei Ländern sehen kann: Norwegen hat heute ein gutes Verhältnis zu Dänemark und Schweden. Es mag Witze über das jeweils andere Land geben. Und wegen irgendwelcher konkreter Themen auch mal Verstimmung. Aber ich glaube nicht, dass sich Dänen oder Schweden gegenüber Norwegen als „großer Bruder“ aufführen wollen, sondern dass sich die drei Länder eher als gleichberechtigt untereinander verstehen. Das ist vorbildlich.

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Norwegisch lernen

Norwegisch ist nah mit Schwedisch und etwas entfernter mit Deutsch und auch mit Englisch verwandt. Die Grammatik ist nicht so schwierig, zumindest am Anfang nicht… Eigentlich sollte es eine Sprache sein, die einfach zu lernen ist, vor allem, wenn man Schwedisch schon kann und vielleicht noch mehrere deutsche Dialekte versteht. Ja, das hilft, denn es gibt immer wieder Wörter, die in dem einen Dialekt vorkommen und die im Hochdeutschen verschwunden sind.

Das ist wirklich so, ich kann Norwegisch recht gut lesen, mit etwas Konzentration ganz gut verstehen, jedenfalls wenn die Leute einigermaßen deutlich sprechen. Schreiben kann ich auch etwas und sprechen klappt auch, wobei als Rückfallebene immer die Möglichkeit besteht, Lücken mit Schwedisch zu füllen, das hinreichend ähnlich ist und sowieso von allen Norwegern verstanden wird. Schweden, die nach Norwegen ziehen, sprechen teilweise ihr Leben lang Schwedisch und verstehen die Antworten, die ihnen auf Norwegisch gegeben werden, so wie es die meisten Deutschen in der Schweiz tun, wobei Schweizerdeutsch ein deutscher Dialekt ist und die (eine von vier) offizielle und geschriebene Sprache Deutsch, womit Hochdeutsch gemeint ist, das sich nur um einige minimale Helvetismen vom Hochdeutschen aus Österreich oder Deutschland unterscheidet.

Nun gibt es beim Norwegischen doch eine Herausforderung. Ich sage mal, die Sprache ist nicht sehr homogen. Es werden normalerweise Dialekte gesprochen, das heißt, dass die Norweger immer ihren Dialekt sprechen. Die Dialekte sind so ähnlich, dass man sie gegenseitig versteht, wenn man sich konzentriert und nicht exzessiv schnell und undeutlich spricht. Einige Dialekte in der Nähe der Grenze sind sehr ähnlich wie Schwedisch. Aber da die Dialekte gegenseitig verständlich genug sind, besteht keine Notwendigkeit, auf eine „Hochsprache“ zurückzufallen, um miteinander zu sprechen. Die Dialekte zu verstehen, ist also erforderlich, wenn man Norwegisch lernen will, denn so wird nun einmal gesprochen. Das geht auch einigermaßen, mal besser, mal schlechter.

Witzig ist, dass das Wort für „ich“ mindestens 12 Varianten hat, je nach Dialekt. Wenn man bedenkt, dass es in den meisten Indogermanischen Sprachen im Grunde genommen fast dasselbe Wort ist, was man erst sieht, wenn man es in vielen Sprachen gleichzeitig anschaut, nicht nur in zweien, dann ist das schon witzig, dass es innerhalb von Norwegisch fast die Variationsbreite wie zwischen Spanisch, Deutsch und Russisch gibt, für dieses eine Wort. Man hat mir gesagt, dass es so etwas wie „e“, „äi“, „eg“, „je“, „jäi“, „jeg“, „a“, „ai“, „ag“, „ja“, „jai“ und „jag“ gebe und bei nahe beieinander liegenden Dialekten habe ich schon „a“ und „eg“ im selben Gespräch von verschiedenen Leuten gehört. Wie gesagt, man gewöhnt sich daran, das zu verstehen, vielleicht wie man sich an Synonyme oder Kurzformen von Wörtern gewöhnt. Aber das Sprechen Lernen basiert ja darauf, andere Sprecher zu imitieren. Das ist der Teil, der etwas schwierig wird, weil der nächste Sprecher wieder einen anderen Dialekt spricht.

Wie ist es nun mit dem Schreiben? Historisch gesehen war Norwegen jahrhundertelang dänisch regiert. Da wurde die dänische Schriftsprache als Standard etabliert. Sie war deutlich verschieden vom gesprochenen Norwegisch, aber doch nahe genug, um es relativ leicht zu lernen. Aber im Prinzip musste man zum Schreiben und Lesen eine Fremdsprache lernen. Vor etwa 200 Jahren wurde Norwegen nach den napoleonischen Kriegen von Dänemark unabhängig, aber gehörte stattdessen zu Schweden. Es war wohl in dieser Zeit schon relativ unabhängig, aber die volle Unabhängigkeit kam erst vor etwa 100 Jahren. Die dänische Schriftsprache blieb erhalten und es gibt heute Unterschiede, weil sie sich etwa 200 Jahre auseinander entwickelt haben. So ist in Norwegen Bokmål entstanden. Wer Bokmål lesen kann, kann auch Dänisch lesen und umgekehrt, die Unterschiede sind noch nicht so groß. Nur die Aussprache ist sehr verschieden.

Nun hat man erkannt, dass Bokmål zu weit entfernt von der gesprochenen Sprache ist und auch keine eigentlich eigene norwegische Sprache… So wurde, ähnlich wie in einigen anderen Sprachen, aus den vorhandenen Dialekten eine Schriftsprache konstruiert, das Nynorsk. Eigentlich wäre es logisch, das zu benutzen, weil es sich wie eine Hochsprache in die Dialektlandschaft einfügt und nicht oder weniger wie eine (sehr nahe) Fremdsprache gelernt werden muss. Aber fast alle Bücher sind in Bokmål geschrieben. Ich versuche in Norwegen immer wieder, auch nur ein einziges halbwegs interessantes Buch in Nynorsk zu kaufen, aber bis jetzt habe ich das noch nicht geschafft. Man muss also in Norwegen Bokmål wegen der Bücher unbedingt gut können. Und so ist es heute üblich, dass etwa 20% der Norweger zum Schreiben Nynorsk bevorzugen und 80% Bokmål. In der Schule lernt man beides und alle können die jeweils andere Schriftsprache lesen und natürlich auch schreiben. Ich kann nur Bokmål schreiben. Ich würde lieber Nynorsk verwenden, weil für mich die gesprochene Sprache viel wichtiger ist, aber die Gelegenheit, das zu lernen, ist nicht so üppig vorhanden. So kann ich nur etwas Bokmål schreiben, aber natürlich beides lesen.

Ich höre immer wieder davon, dass es auch in Schweden eine reichhaltige Vielfalt an Dialekten geben soll. Aber ich erlebe das Schwedische als ausgesprochen homogen. In Schonen und überhaupt im Süden ist die Aussprache leicht verändert, aber das ist kein wirklich großer Unterschied. Man denke an Bayern, Norddeutsche oder Schweizer, die Hochdeutsch sprechen. Man hört den Unterschied zwar, aber versteht es gut gegenseitig, wenn man nur will. Es gibt in Schweden einige lokale Dialekte, insbesondere auf Gotland, aber auch z.B. in Dalarna, die so verschieden vom Hochschwedischen sind, dass sie kaum ein Schwede versteht und die deshalb nur von Einheimischen untereinander gebraucht werden. Das Problem schwer verständlicher Dialekte existiert in Schweden nicht wirklich. Ich war zu oft in dem Land und habe praktisch nur Schwedisch gesprochen, seit ich die Sprache einigermaßen kann. Gefühlt ist Schwedisch also sehr homogen, Norwegisch dagegen nicht. Das macht es ein bisschen schwieriger, die Sprache zu lernen.

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Sprachen lernen mit Duolingo

Es gibt heute eine Menge Web-Seiten und Apps für Mobiltelefone, mit denen man Sprachen lernen kann. Sie werden dafür gerühmt, dass man dafür mit der Hälfte des Zeitaufwands wie in einem Kurs eine Sprache zu einem bestimmten Niveau lernen kann. Hinzu kommen jede Menge Möglichkeiten, Texte in einer beliebigen Sprache zu finden, z.B. in Wikipedia. Und man kann youtube-Filme finden, die Beispiele für gesprochene Sprachen enthalten, z.B. Reden von Putin auf Russisch. Es gibt aber auch youtube-Filme mit „Sprachunterricht“ auf verschiedenstem Niveau, mindestens für die häufigeren Sprachen.

Ich denke, dass Youtube und Wikipedia gut sind, damit man sich stärker bewusst wird, eine reale Sprache zu lernen und nicht irgendwas, was man halt so lernen muss. Es motiviert halt, wenn man einzelne Wörter oder sogar Sätze versteht. Duolingo, stellvertretend für einen ganzen Zoo von Apps und Webseiten hilft dabei, Vokabeln, Phrasen und Rechtschreibung zu lernen. Das sind Dinge, die man bei üblichen Kursen als Hausaufgaben bekommt und es gibt immer wieder man Phasen mit hoher Motivation, in denen man tatsächlich die Wörter lernt, wie man sie spricht, schreibt und übersetzt. Oft dauern diese Phasen nicht so lange an wie der Sprachkurs und man schleppt sich irgendwie durch. So kann man es schaffen, sehr lange eine Sprache in Kursen oder in der Schule zu lernen, ohne dass man in der Lage ist, mit Muttersprachlern mehr als 3-4 Worte auszutauschen, wenn man sich überhaupt traut. Die Wörter fallen einem einfach nicht ein. Nun hat Duolingo ein paar Vorteile. Es motiviert, weil man das Lernen in kleinen Portionen praktizieren kann und weil es zu einer Art Spiel gemacht wird. Man hat so einen „Baum“ von Kreisen. Die sind erst grau, wenn man dort noch nicht war. Dann werden sie bunt, sobald man die vorigen Übungen gemacht hat und dort etwas tun könnte. Jeder Kreis enthält einen Satz Übungen zu einem Thema, so etwa 1-12. Und jede Übung besteht aus ca. 20 Fragen und man bekommt die Fragen immer wieder vorgesetzt, bis man sie alle korrekt beantwortet hat. Oft sind es nicht einzelne Wörter, sondern recht lange Sätze, die man in die zu lernende Sprache übersetzen und richtig schreiben muss. Wenn man einen Satz Übungen geschafft, wird der Kreis orange. Und mit der Zeit veralten die Übungen, je nachdem, wie gut man damit war schneller oder langsamer. Der Veraltungsalogrithmus ist mir nicht ganz genau bekannt, aber jedenfalls werden Kreise wieder bunt. Wenn man eine Sprache lange nicht geübt hat, wird alles wieder bunt und es dauert lange, bis man das wieder orange hat. Man kann einzelne Übungen anwählen oder „Wiederholen“, womit Duolingo einem einen oder zwei der bunten Kreise auswählt und in eine Übung kombiniert, mit der man beide oder einen Kreis orange bekommen kann. Manchmal muss man viele Übungen mit demselben Kreis machen, um ihn oft genug wiederholt zu haben, dass er orange wird.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man Duolingo immer dabei hat und Zeiten im Zug, beim Schlange stehen oder sonst irgendwo beim Warten nutzen kann, um die Sprachen zu üben. Das geht mit Papier für die üblichen Hausaufgaben nur im Zug und die Zeit zum Auspacken und Einpacken ist etwas länger. Außerdem ist der Mechanismus recht effizient, aber darüber kann man natürlich genauere Untersuchungen anstellen, was wirklich effizient ist.

Andererseits lernt man mit so einer App etwas einseitig. Das Sprechen lernt man gar nicht, obwohl es wohl eine Funktionalität gibt, mit der man auch Sprechen kann, aber sie scheint noch nicht zu funktionieren und ich glaube auch nicht, dass das wirklich sinnvoll ist, weil man eben diese Sprechübungen viel schlechter unterwegs machen kann, ohne dass es andere stört. Ok, telefonieren darf man auch überall über beliebige Themen und mit beliebiger Lautstärke, aber das Telefonieren ist so ein Privileg, das sich nicht auf andere laute Tätigkeiten übertragen lässt.

Außerdem wird in Duolingo Grammatik nicht erklärt. Man übt einfach und weiß so ungefähr, wie man es richtig macht, aber die Systematik muss man sich woanders holen. Da kann ein Buch über Grammatik natürlich helfen, wo man ab und zu mal rein schaut. Oder Webseiten darüber. Ich glaube aber, dass man auch Unterricht nehmen sollte. Vielleicht braucht man das nicht jede Woche, alle zwei Wochen oder so wäre sicher gut, damit man einmal Fragen stellen kann, Grammatik erklärt bekommt und auch richtig sprechen lernt.

Sobald man ein gewisses Niveau erreicht hat, lohnt es sich natürlich, in ein Land zu reisen, wo die Sprache gesprochen wird. Es ist besser, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, weil man da viel mehr Leute trifft, außer man reist in der Schweiz, wo die Leute, mit denen man in für längere Gespräche in Kontakt kommt, überwiegend Ausländer sind. Aber um Deutsch zu lernen ist Deutschland auch viel besser geeignet als die Schweiz, weil es für Sprachanfänger einfach nur verwirrend ist, sich mit Dialekten herumzuschlagen und viele Schweizer sich mit Hochdeutsch nicht so wohl fühlen, auch wenn es eine der vier Amtssprachen ist. Überall ist es nicht mehr ganz so einfach wie noch vor wenigen Jahren, im Zug ins Gespräch zu kommen, weil die Leute alle mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt sind. Ich habe ja weiter oben selbst ein Beispiel dafür gegeben.

Bei mir ist im Moment das Thema Russisch zu lernen am wichtigsten, aber ich habe mich zeitweise auch mit anderen Sprachen beschäftigt. Niederländisch, Italienisch und Norwegisch habe ich nur vom Zuhören und sicher inspiriert durch die Ähnlichkeit mit Deutsch, Spanisch und Schwedisch gelernt und ich grabe die immer wieder eine Weile vor einer Reise in die entsprechenden Sprachgebiete aus. Französisch und Spanisch hatte ich in einigen Kursen als Schüler oder Student gelernt und grabe die auch immer mal wieder aus. Schwedisch kann ich recht gut, aber es hat doch geholfen, den Baum orange zu lernen, um etwas zu wiederholen oder Dinge, die ich vorher nicht benutzt habe, dazu zu lernen. Esperanto habe ich vor etwa einem Jahr angefangen zu lernen und es jetzt wieder etwas zurückgestellt, weil andere Sprachen mir im Moment wichtiger sind. Esperanto, Niederländisch und Italienisch kann ich jeweils auf einem Niveau weit unterhalb von A2, vielleicht etwa A1 oder weniger, deshalb würde ich im Moment noch nicht sagen, das ich diese Sprachen kann.

Zum Spaß füge ich hier mal meine heutigen Screenshots für diese Sprachen ein.

Es täuscht etwas, wie Duolingo das Niveau der Sprachkenntnisse bewertet. Norwegisch und Spanisch kann ich besser als Russisch, aber die beiden Sprachen habe ich weniger als Russisch in Duolingo geübt. Mir fällt es etwas schwerer, Russisch zu lernen als Norwegisch oder Spanisch, deshalb brauche ich mehr Übungen, mehr Zeit und bekomme bei Duolingo auch mehr „Punkte“ für mein Russisch. 🙂

Duolingo Schwedisch 2016-06-04

Duolingo Schwedisch 2016-06-04

Duolingo Russisch 2016-06-04

Duolingo Russisch 2016-06-04

Duolingo Spanisch 2016-06-04

Duolingo Spanisch 2016-06-04

Duolingo Esperanto 2016-06-04

Duolingo Esperanto 2016-06-04

Duolingo Norwegisch 2016-06-04

Duolingo Norwegisch 2016-06-04

Duolingo Französisch 2016-06-04

Duolingo Französisch 2016-06-04

Duolingo Italienisch 2016-06-04

Duolingo Italienisch 2016-06-04

Duolingo Niederländisch 2016-06-04

Duolingo Niederländisch 2016-06-04



 

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Russisch lernen

Da ich es liebe, mit Menschen in den Ländern, die ich bereise in deren Sprache zu sprechen, habe ich einige Sprachen gelernt oder zumindest damit begonnen. Oft genug hat man ja auch Gelegenheit, z.B. in der Schweiz Leute aus anderen Ländern zu treffen und mit ihnen ihn ihrer Sprache zu sprechen, was aber schwieriger ist, da die Umgebung nicht umgestellt ist und man erstmal „umschalten“ muss.

Nun habe ich jeweils etwa zwei Jahre Spanisch und zwei Jahre Russisch gelernt. Bei beiden Sprachen ist es hilfreich, dass sie ein ähnliches Alphabet verwenden wie wir im Deutschen. Spanisch hat ein paar zusätzliche Zeichen im lateinischen Alphabet, die auch noch logisch leicht nachvollziehbar sind. Russisch verwendet das kyrillische Alphabet, das grundsätzlich auch buchstabenorientiert ist wie das lateinische und dessen Zeichen sich leichter erschließen, wenn man sich am griechischen Alphabet orientiert, das wir ja zumindest teilweise aus der Mathematik kennen. Aber auch wenn die meisten Zeichen sich damit schnell erschließen und die übrigen auch schnell zu lernen sind, dauert es doch eine Weile, die Routine zu entwickeln, um das (fast) so flüssig wie lateinische Schrift lesen zu können. Bevor Wörterbücher über das Internet überall verfügbar waren, z.B. LEO, war es auch eine Herausforderung, das Alphabet mit seiner Reihenfolge so gut zu kennen, dass man im Wörterbuch schnell etwas findet. Diese Fertigkeit lernt man heute weniger und braucht sie auch weniger. Wie beim Deutschen ist es noch einmal eine Herausforderung, die Schreibschrift zu lernen, was wiederum an Bedeutung verliert, weil wir heute handschriftlich nur noch für uns selber etwas aufzeichnen und alles, was andere lesen sollen, mit dem Computer geschrieben wird. Wie bei uns ist aber die Kursivschrift ein halber Schritt in Richtung der Schreibschrift, weil Buchstaben zum Teil deutlich verändert sind und das in eine ähnliche Richtung.

Wenn man Deutsch, Englisch und Latein gelernt hat, profitiert man beim Spanisch davon, dass die Wörter oft Wörtern aus diesen drei Sprachen (mit aufsteigender Häufigkeit) ähneln und dass die Konjugation eine entfernte Ähnlichkeit zum Deutschen und eine große Ähnlichkeit zum Lateinischen hat. Auf jeden Fall konnte ich Spanisch in zwei Jahren auf ein brauchbares Niveau bringen und kann mich in dieser Sprache mit vielen Fehlern und suboptimaler Aussprache recht gut über viele Themen unterhalten. Andere romanische Sprachen würden auch helfen, aber mein Französisch ist nicht so gut und ich habe es auch erst nach dem Spanisch angefangen.

Beim Russischen ist es eigentlich ähnlich. Die Wörter haben auch Ähnlichkeit mit Wörtern vom Deutschen, Lateinischen, Spanischen, Schwedischen. Die Ähnlichkeit ist oft nicht ganz so nah und es kommen viele Wörter vor, bei denen sie für mich nicht gut genug erkennbar ist, um sie nutzen zu können. Aber bei jeder Sprache muss man Vokabeln lernen und es gibt auch beim Schwedisch, das ja sehr nah mit dem Deutschen verwandt ist, viele Wörter, die spezifisch für Schwedisch oder zumindest für die nordischen Sprachen sind und die man einfach lernen muss. Es ist nur eine Fleißarbeit und leider ist hier anders als in der Informatik Faulheit keine Tugend.

Die Konjugation ist extrem ähnlich mit der vom Lateinischen, Spanischen und Deutschen. Man findet sogar die Besonderheit wieder, dass die Endung für die erste Person Singular im Lateinischen normalerweise ein „o“ ist, aber in manchen Fällen auch ein „m“, z.B. bei „sum“ für „ich bin“, im Deutschen übrigens bei genau diesem Wort auch, nur dass es ein „n“ statt einem „m“ ist. Wenn man großzügig über den Wechsel zu ähnlichen Konsonanten und Vokalen hinwegsieht ist die Konjugation aber sehr ähnlich. Ein Linguist hat mir bestätigt, dass dies auf den gemeinsamen Ursprung der Sprachen zurückzuführen ist.

Wie sieht es bei der Deklination aus? Russisch hat 6 Fälle, wobei wie im Latein ganz selten noch ein Lokativ als 7. Fall vorkommt. Man hat aber fast immer Formen, die zusammenfallen, also jeweils für Singular und Plural nur etwa 5 verschiedene Endungen. Auch hier findet sich Ähnlichkeit mit Deutsch und Lateinisch. Englisch und Spanisch haben die Deklination sehr reduziert und die Kasusendungen aufgegeben, dienen also für diesen Vergleich nicht wirklich. Was aber Spanisch auch hat, ist das „a“ als typische Femininum-Endung. Das hat Russisch auch.

Nun haben wir schon auf Deutsch und auch auf Lateinisch ein Muster, das sich häufig findet. Der Genitiv Singular hat oft Ähnlichkeit mit dem Nominativ Plural. Und der Nominativ Plural vom Neutrum und Maskulinum hat oft Ähnlichkeit mit dem Nominativ Singular vom Femininum. Oder der Genitiv Singular vom Neutrum und Maskulinum hat Ähnlichkeit mit dem Nominativ Singular vom Femininum. Diese Muster finden sich in allen drei Sprachen in unterschiedlichen Kombinationen wieder und helfen dabei, die betreffenden Endungen „ungefähr“ zu lernen. Es muss aber Routine werden und vom Sprachgefühl ohne Überlegung kommen, sonst kann man keine Unterhaltung führen. Ob dieses Muster von der gemeinsamen Herkunft stammt oder sich zufällig ergeben hat, weiß ich nicht, es hilft aber ein bisschen beim Lernen.

Diese Kasusendungen von Substantiven und Adjektiven und die Konjugationsendungen von Verben fühlen sich wie eine Schikane an, weil man unheimlich viel lernen muss, um sie zu können. Offensichtlich funktionieren ja z.B. Schwedisch und Englisch mit sehr viel weniger Formen als z.B. Lateinisch und Russisch auch. Finnisch, Estnisch und Ungarisch haben sogar noch mehr unterschiedliche Kasusendungen für die jeweils selben Substantive. Um eine Sprache zu verstehen, müssen wir aber die Sammlung von Wörtern irgendwie einordnen und kombinieren. Sie spielen verschiedene Rollen im Satz. Welche Rolle ein Wort spielt, kann durch die Endung ausgedrückt werden. Oder durch die Position im Satz. Oder durch Wörter in der unmittelbaren Umgebung, meistens Präpositionen. Präpositionen sind ein unheimlich interessantes und mächtiges Mittel von Sprachen und sie bilden mit dem nachfolgenden Substantiv und eventuell weiteren Wörtern zusammen einen Satzteil, den man auch relativ unabhängig von der Position richtig einordnen kann, solange die Anordnung der Wörter und eventuell die Kasusendung innerhalb dieses Satzteils stimmen. Und Präpositionen sind auch etwas, was mir bei Sprachen, die ich schon gut kann, immer noch Schwierigkeiten bereitet, weil sie ja nicht 1:1 übersetzt werden können, sondern je nach Anwendungsfall in der jeweiligen Sprache die richtige Präposition verwendet werden sollte.

Auf jeden Fall sind Sprachen mit einigermaßen eindeutiger Kasuskennzeichnung wie Latein und Russisch und sogar Deutsch in der Lage, mit der Anordnung von Satzteilen flexibler umzugehen, während die Reihenfolge in Sprachen wie Schwedisch oder Englisch stärker dem Standardmuster folgen muss, um eine schnelle und zuverlässige Einordnung zu erlauben. Anscheinend funktioniert beides gut genug für den praktischen Gebrauch. Die Abstützung mit Endungen scheint mir robuster zu sein und ich denke, dass es auch einfacher ist, damit eine Sprache gut zu lernen. Der Einstieg ist natürlich viel leichter, wenn die Sprache über die Position im Satz arbeitet.

Was macht es nun aus, dass Russisch mir schwerer fällt als Spanisch? Ich glaube nicht, dass es sich an einem Punkt festhalten lässt. Es ist eine Kombination von vielen Punkten, die für sich genommen relativ wenig ausmachen.

  • Spanisch ist näher an Latein als Russisch. Und Latein habe ich nun einmal recht gut gelernt.
  • Die kyrillische Schrift ist zwar relativ einfach, aber doch eine zusätzliche Hürde. Schwierig wäre die arabische Schrift ohne Vokalisierung oder gar einige ostasiatische Schriften.
  • Die Wörter haben viel Ähnlichkeit mit denen aus anderen Sprachen, die ich kenne, aber doch weniger als z.B. bei Spanisch oder Schwedisch
  • Die Sonderfälle bei der Konjugation und Deklination sind etwas schwieriger zu greifen als bei anderen Sprachen, die ich kenne. Es gibt sie überall, außer bei Esperanto.
  • Ja, die Deklination muss man lernen und sie muss zur Routine werden. Das hilft später, aber am Anfang nicht. Und ich bin am Anfang….
  • Es gibt oft recht lange Wörter, was den Lernaufwand für die Vokabeln vergrößert.
  • Bei Verben gibt es meistens zwei und manchmal mehr verschiedene Verben, die jeweils eine Gruppe bilden, (fast) dasselbe bedeuten, aber sich im „Aspekt“ unterscheiden. Das Konzept ist man in der durchgängigen expliziten Form nicht gewohnt, wenn es auch in anderen Sprachen bei Bedarf irgendwie ausgedrückt wird.
  • Ich war insgesamt fünf Mal in Spanien und insgesamt vielleicht 9 Wochen. In Russland nur etwas weniger als eine Woche.
  • In Russland war ich überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs, in Spanien überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da trifft man mehr Leute und redet mehr.

Auf jeden Fall ist es eine Bereicherung, eine Sprache mehr zu lernen. Es ist interessant, wie die Sprache funktioniert, aber es ist auch interessant, mit Menschen in ihrer Sprache reden zu können und deren Kultur besser zu verstehen. Und Russisch erschließt die Kommunikation mit vielen (älteren) Menschen aus dem ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion, hilft aber auch dabei, irgendwann eine andere slawische Sprache zu lernen. Aber nun werde ich Russisch weiterhin lernen, bis ich dort mit etwas mehr Aufwand als bei Schwedisch oder Spanisch auch in der Lage bin, mich über interessante Themen zu unterhalten.

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