Woher kommt der Name „Brodowsky“?

Da dieser Blog nicht anonym ist, kann man meinen Nachnamen lesen und vielleicht die Frage aufwerfen, woher er kommt.

Ich weiß die definitive Antwort nicht, aber es ist doch möglich, die verschiedenen Erklärungsmöglichkeiten, die ich gelesen habe, auf Plausibilität zu überprüfen.

Dass man sich in slawischen Sprachen umsehen muss, um eine Erklärung zu finden, ist klar. Der erste Teil könnte von „Brod“ für „Furt“ kommen, wie z.B. in Slavonski Brod:

Oder es kann für jemanden mit einem Bart stehen:

Oder hier sieht jemand das Wort „Brot“.

Aber es lohnt sich auch einmal nach dem zweiten Teil zu schauen: „owski“ oder mutiert zu „owsky“ steht für die Herkunft von einem Ort, wie etwa Nachnamen „Bremer“, „Berner“ o.ä. Und es gibt genau einen Ort Brody in der Ukraine. Da der Westen der Ukraine für lange Zeit zum Königreich Polen gehörte und sonst lange Zeit zumindest in dessen Nähe lag, ist es die plausibelste Erklärung, dass jemand aus Brody im damaligen Königreich Polen „Brodowski“ genannt wurde.

Und wie ist dieser ukrainische oder polnisch Vorfahre nach Deutschland gekommen? Es gab gegen Ende des Mittelalters und Anfang der Neuzeut den sogenannten Ordensstaat, der Zuwanderer unter anderem aus Deutschland, Polen und Litauen anzog.

Das ist eine mögliche Erklärung und die mir am plausibelsten erscheinende. Wahrscheinlich war einer meiner Vorfahren Ukrainer. Auch das weiß man nicht genau, weil die Grenzen in der Gegend nicht so scharf waren und z.B. auf beiden Seiten der heutigen ukrainisch-polnische Grenze noch heute Spuren von Ukrainern und Polen erkennbar sind und zum Teil sogar noch Ukrainer und Polen auf beiden Seiten der Grenze leben. Es gibt auch Vorfahren mit Namen, die deutsch und solche mit Namen, die baltisch klingen, wobei ich litauisch, lettisch und prußisch nicht unterscheiden kann.

Man findet nicht viel, wenn man nach dieser Frage mit Google sucht. Aber sicher könnte man mit entsprechend viel Zeitaufwand auch mehr herausfinden und zuverlässigere Informationen erhalten. Das habe ich in der nächsten Zeit nicht vor. Brody als Namensursprung bleibt die plausibelste Erklärung.

Share Button

Zahlwörter und Mathematik

Wir haben in unseren Sprachen die Möglichkeit, ganze Zahlen mit über 30 Stellen mit Zahlwörtern zu bezeichnen, z.B. auf Deutsch bis zu 64 bis 66 Stellen mit Dezilliarden oder auf Englisch mit bis zu 34 bis 36 Stellen mit „decillion“. Unsere Zahlen sind meist eine Aneinanderung von Wörtern und man weiß als Sprachkundiger, wo die Aneinanderreihung für Multiplikation oder Addition steht. Z.B. bedeutet

„Hunderttausend“ 100 \cdot 1000 = 100'000

und

„Hundertzehn“ 100 + 10 = 110.

Nehmen wir mal als Beispiel die Zahl

987’654’321

Auf Deutsch wäre das:

„Neunhundertsiebenundachtzig Millionen sechshundertvierundfünfzigtausenddreihunderteinundzwanzig“

oder

(9 \cdot 100 + (7 + 8 \cdot 10)) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + (4 + 5\cdot 10)) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + (1 + 20)

Auf Englisch:

„Nine hundred and eighty-seven million six hundred fifty-four thousand three hundred twenty-one“

(9 \cdot 100 + 8 \cdot 10 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 20 + 1

Bis auf die Anomalie, die Zehner nach den Einern zu bringen, fast gleich.

Oder auf Russisch

„Девятьсот восемьдесят семь миллионов шестьсот пятьдесят четыре тысячи триста двадцать один“

(9 \cdot 100 + 8 \cdot 10 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 2\cdot 10 + 1

Oder auf Esperanto:

„Naŭcent okdek sep milionoj sescent kvindek kvar mil tricent dudek unu“

(9 \cdot 100 + 8 \cdot 10 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 2\cdot 10 + 1

Schwedisch:

„Nio hundra åtta och sju miljoner sexhundra femtiofyra tusen tre hundra tjugoåtta“

(9 \cdot 100 + 8 \cdot 10 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 20 + 1

Spanisch:

„Novecientos ochenta y siete millones seiscientos cincuenta y cuatro mil trescientos veintiuno“

(9 \cdot 100 + 8 \cdot 10 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 20 + 1

Französisch:

„Neuf cent quatre vingt sept millions six cent cinquante-quatre mille trois cent vingt et un“

(9 \cdot 100 + 4 \cdot 40 +7) \cdot 1'000'000 + (6 \cdot 100 + 5\cdot 10 +4) \cdot 1'000 + 3 \cdot 100 + 20 + 1

Arabisch (wenn ich google translate glaube):

„تسع مئة وسبعة وثمانون مليون وستمائة وأربعة وخمسون ألف وثلاثمائة وواحد وعشرون“

5\cdot 10 + 1000 +3\cdot 100 +1 + 2\cdot 10 + (9 \cdot 100 + 7 + 8\cdot 10) \cdot 1'000'000 + (6\cdot 100 + 4) * 1'000)

Man sieht, es geht bei allen Sprachen ungefähr nach dem gleichen Muster. Esperanto ist am regelmäßigsten. Viele Sprachen haben für die Zahlen von 11 bis 20 oder einen Teil davon spezielle Zahlwörter, die Grenze verläuft z.B. bei Deutsch zwischen 12 und 13 oder bei Spanisch zwischen 15 und 16. Italienisch und Französich ähnlich, nur eventuell mit um 1 oder 2 gegenüber Spanisch verschobenen Grenzen. Schwedisch hat für 20 ein spezielles Wort, Russisch z.B. für 40 und 90. Französisch und einige andere Sprachen wechseln zwischen 60 und 100 in ein anderes System. Arabisch ist schon im Vergleich zu den hier aufgeführten Sprachen recht unregelmäßig oder regelmäßig mit einem größeren Satz von Regeln. Bei zweistelligen Zahlen haben die in die Zusammensetzung einfließenden Zahlwörter entgegengesetzte Genera, man hat also so etwas wie „Der Dreier und die Vierzigerin“ oder „Die Dreierin und der Vierziger“, je nach Genus des gezählten Wortes. Es geht noch schlimmer, Japanisch hat zumindest für die üblichen kleineren Zahlen gleich mehrere Sätze von Zahlwörtern, z.B. je nach dem ob das was man zählt lang und dünn oder rund ist.

Es lohnt sich aber, sich die Arithmetik in den Zahlwörtern bewusst anzuschauen. Russisch verhält sich erstaunlich regelmäßig, wenn man bewusst zwischen Multiplikation und Addition unterscheidet, z.B. wenn man aus Kardinalzahlen Ordinalzahlen bildet und beachten muss, welche der einfließenden Zahlwörter bzw. Zahlwortteile mutiert werden. Oder wenn man Zahlwörter einfach nur deklinieren will. Oder nur richtig schreiben will und wissen will, wo man überall das „weiche Zeichen“ („ь“) setzen muss und wo nicht.

Eine Merkwürdigkeit ist: Wir nennen unsere Ziffern „arabische Ziffern“, aber die arabischen Länder benutzen ganz andere Ziffern. Im Zuge der Globalisierung kommen von uns „arabische Ziffern“ genannte Ziffernzeichen dort auch vermehrt vor oder werden zumindest verstanden.

Links

Share Button

Datums- und Zeitformate

Das Thema mit den Datumsformaten ist natürlich vor allem in der Informatik wichtig, deshalb habe ich in meinem anderen Blog auch darüber geschrieben.

Aber es ist auch sonst sinnvoll, ein modernes Datums- und Zeitformat zu benutzten.

Bei Zeiten setzt sich langsam durch, dass man zumindest beim Schreiben das 24 Stunden-Format verwendet und den „:“ und nicht den „.“ als Trennungszeichen verwendet. 12-Stundenformat ist verwirrend, vor allem das amerikanische „a.m.“ und „p.m.“, wo man mit Merkwürdigkeiten zu kämpfen hat, die die Zeiten zwischen 0:00 und 1:00 und zwischen 12:00 und 13:00 betreffen, auf die ich hier nicht näher eingehen will, weil sie einfach absurd sind und Schwierigkeiten machen, zumindest für Ausländer, die Englisch lernen. Und der Doppelpunkt erlaubt es auf einen Blick zu erkennen, dass es eine Uhrzeit ist. Ich glaube, dass wir da auf einem guten Weg sind.

Für das Datum gibt es eine Vielzahl von Formaten. Ich habe nichts gegen die Formate mit ausgeschriebenem Monat, wenn es primär für Menschen lesbar sein soll und nicht von Programmen ausgewertet werden muss. Man sieht sofort, was gemeint ist, auch wenn man die Sprache nicht so gut kennt und nur gerade weiß, wie die Monate heißen. Bei Datumsangaben wie 2.4.1966 oder 2/4/1966 braucht man schon eine Menge Wissen, um sicher zu sein, ob es der 2. April oder der 4. Februar ist. Das muss man für jede Sprache und Region neu lernen und es wird auch mal verwechselt. Auch wenn alle Deutschen aus „2.4.1966“ den 2. April lesen und alle Amerikaner aus „2/4/1966“ den 4. Februar, ist es doch für Ausländer, die die Sprache nur rudimentär kennen, eine unnötige Hürde. Wir haben ein rein numerischen Datumsformat: 1966-04-02. Bei diesem ist klar, dass es der 2. April ist und zwar weltweit einheitlich in allen Sprachen. Außerdem entspricht es genau unserer Logik, wie wir die Ziffern von Zahlen anordnen. Die größeren Hunderter vor den Zehnern und die Zehner vor den Einern. Oder eben die Jahre vor den Monaten und die Monate vor den Tagen.

Dieses Datumsformat ist in dem ISO-Standard ISO 8601 definiert. Praktischerweise gibt es noch zwei Varianten: 1966-W13-6 für den Samstag in der 13. Kalenderwoche oder 1966-092 für den 92. Tag des Jahres, die man seltener verwendet und weniger kennt.

In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist das Datumsformat Jahr-Monat-Tag aus ISO 8601 das offizielle Datumsformat. Wir sollten es als zumindest in deutschsprachigen Texten bevorzugt statt 02.04.1966 oder 2.4.1966 verwenden, wenn wir nicht die Monate ausschreiben wollen. Und in englischsprachigen Texten, die normalerweise sehr häufig von Nicht-Muttersprachlern gelesen werden, sollten wir sowieso nur noch das ISO-Format verwenden.

Unsere Welt ist internationaler geworden und die Vorteile von kleinen Verbesserungen der Lesbarkeit sind deutlich größer als vor 50 Jahren. Und wir verlieren mit dem veralteten Datumsformat „2.4.1966“ wirklich keine deutsche oder schweizerische oder österreichische Kultur, zumal ja die ausgeschriebenen Monate weiterhin benutzt werden können. Ich hoffe, dass jeder den Monatsnamen „Jänner“ verstehen kann. So wie man auf dem Wochenmarkt noch heute zwei Pfund Äpfel kaufen kann, werden wir auch das veraltete Datumsformat noch lange sehen, aber das ist kein Grund, es selber zu verwenden. Ich verwende seit vielen Jahren bevorzugt das ISO-Format oder ausgeschriebene Monatsnamen für das Datum, auch z.B. in Briefen, E-Mails, Webseiten und Blog-Artikeln.

Vierstellige Jahreszahlen sind immer eine gute Idee, auch lange nach dem Jahr 2000 und lange vor dem Jahr 2100 und außerhalb der Informatik. Es kostet nichts und erleichtert uns das Datum als solches zu erkennen und hilft z.B. auch heute noch, die Geburtsjahre 1917 und 2017 zu unterscheiden.

Links

Share Button

Duolingo

Meine Art Duolingo zu benutzen, sieht jetzt so aus:

Ich habe dort maximal drei Sprachen aktiv, also in der Realität normalerweise genau drei. An Tagen mit normalen Zugfahrten setzen ich „time boxes„, also maximal 10 min plus die aktuelle Übung abschließen pro Sprache. Die wichtigste Sprache ist natürlich Russisch und das ist bei Duolingo deshalb immer aktiv, die anderen beiden wechseln immer mal wieder. Für Russisch tue ich noch einiges mit anderen Apps und auch außerhalb der Computer- und App-Welt.

Wenn eine Sprache, die ich schon einmal aktiv hatte, wieder aktiviert wird, fange ich in der Regel von vorne an, also ich mache von jedem Kreis mindestens eine Übung (zu je 10-20 Fragen, je nach Sprache/Übung) bis ich zu den Sachen komme, die ich noch nicht hatte oder bei denen das Crown-Level (CL) höher werden soll. Das heutige Duolingo funktioniert so, dass es ca. 50-150 Kreise (Skills) für die Sprache gibt. Jede Skill kann man auf 5 verschiedenen Crown-Levels erreichen. Pro Crown-Level gibt es 1 bis 30 Übungen, die jeweils wieder aus 10-20 Fragen bestehen. Der Schwierigkeitsgrad der Fragen und die Anzahl der Übungen steigen mit dem Crown-Level an. Um eine Sprache komplett mit Crown-Level 5 abzuschließen muss man also vielleicht 100’000 Fragen beantworten.

Meistens hat man die Sprache abgeschlossen, wenn man alles mindestens mit Crown-Level 1 geschafft hat. Das ist schon schwierig genug, aber man bekommt es irgendwann. Oft kommen später noch Skills oder Übungen zu den Skills dazu, so dass man es noch einmal angehen muss, um das Crown-Level 1 wieder komplett zu haben. Das ist bei Spanisch und Esperanto in sehr großem Umfang passiert und z.B. bei Niederländisch, Französisch und Norwegisch in kleinerem Stil. Ich habe jetzt die Bäume für Esperanto und Französch mit CL 1 abgeschlossen und beide Sprachen wieder an die Seite gelegt. Schwedisch und Spanisch habe ich sie mit CL 2 abgeschlossen, Russisch mit CL 3.

Es sieht jetzt so aus:

Russisch

Schwedisch

Spanisch

Französisch

Esperanto

Niederländisch

 

Share Button

Du oder Sie

Manche Sprachen haben zwei oder mehr Anredeformen. Am häufigsten habe ich angetroffen, dass man das „Du“ in die Pluralform bringt, um die „förmliche“ Anrede zu haben, z.B. auf Französisch oder Russisch oder früher mal in den skandinavischen Sprachen. Soweit ich weiß war es auch auf Englisch so und man hat nur am Ende das „you“, das eigentlich der Pluralform bzw. der förmlichen Anrede entspricht, als einzige Form in Gebrauch. Die „nicht-formalen“ Pronomina im Singularform gibt es auf Englisch auch noch, es sind „thee“, „thou“ bzw. „thy“ als Entsprechnung für „your“, aber sie werden nur im religiösen Kontext verwendet und klingen für uns besonders archaisch und besonders formal. Wir haben die Pluralform als formale Anrede auf Deutsch auch noch, das „Ihr“. Ich denke, jeder versteht es und es wird in vielen Dialekten auch benutzt. Das bekannte „Sie“ als Anrede genau wie das verschwundene „Er“ bzw. „Sie“ im Singular z.B. für Knechte und Mägde hat die grammatikalische Unschönheit, dass es mit der falschen „Person“ arbeitet, also „3. Person Plural“ bzw. „.. Singular“, was eine völlige Fehlkonstruktion ist. Aber man gewöhnt sich natürlich daran und verwendet es ganz normal…

Ich glaube aber, dass wir gerade den Prozess des Verschwindens des „Sie“ erleben, ich schätze, dass es in ca. 15 bis 20 Jahren verschwunden sein wird oder so wie das „Ihr“ noch verstanden wird, aber im Hochdeutschen kaum noch gebraucht wird. Vielleicht trägt die Tatsache, dass es grammatikalisch so quer in der Landschaft liegt dazu bei, aber das muss nicht so sein. Als reine Beobachtung würde ich sagen, dass das „Sie“ heute sehr viel seltener verwendet wird als das „Du“. Mit Freunden benutzt man heute fast immer „Du“ und früher waren es vielleicht genauso gute Freunde, aber man das „Du“ war nur für einen ganz kleinen Kreis der allerbesten Freunde… Bei der Arbeit benutzt man fast immer das „Du“, zumindest mit den Leuten, die man regelmäßig sieht. In vielen großen Firmen hat der Chef quasi den Standard gesetzt, dass er geduzt werden will und dann ist automatisch für alle anderen in der Firma untereinander auch das „Du“ gesetzt, mit ein paar Ausnahmen, die es hin und wieder geben mag und die man eben kennt und beachtet. Ich habe es in meinem gesamten Berufsleben so erlebt. Das „Du“ bleibt auch, wenn man nicht mehr in derselben Firma ist, fast immer. Wer heute 80 ist, erinnert sich vielleicht daran, sich bei der Arbeit auch nach Jahrzehnten noch mit „Sie“ angeredet zu haben. Beim Sport, im Verein, bei Treffen von Gruppen Gleichgesinnter auch ohne Verein, bei Angehörigen derselben Organisation, auf Festen, im Ausgang, unter Nachbarn die man etwas länger schon kennt u.s.w. ist heute meistens „Du“ üblich, spätestens wenn man sich mal mit Vorname vorgestellt hat. Wenn man Leuten begegnet, die man nicht kennt und die nicht im Rentenalter sind, kann man sich von ein paar Ausnahmen abgesehen aussuchen, ob man „Du“ oder „Sie“ verwendet und man erlebt es auch umgekehrt beides. Im Internet wird meistens „Du“ verwendet, insbesondere z.B. in Foren. Das war schon immer so, seid es das Internet gab. Viele Firmen, die Endkunden bedienen, reden diese in ihrer kollektiven Kommunkation (Werbung, EMails, maschinengenerierte Kommunikation) mit „Du“ an, natürlich weil es ihnen vorteilhaft scheint. Das „Sie“ hat noch seine Nische bei „Funktionsträgern“, also z.B. bei Zöllnern, Schaffnern im Zug, Lehrern der Kinder u.s.w.

Ein Trend vom „Sie“ weg ist definitiv da. Er kann sich auch mal umkehren und es gibt wahrscheinlich immer Bewegungen in beide Richtungen. Trotzdem glaube ich, dass das „Sie“ am verschwinden ist. Das zeigt das Beispiel anderer Länder, z.B. die skandinavischen Länder. Auch in Spanien habe ich es so wahrgenommen. Aber ich denke auch, dass es eine Rolle spielt, dass wir ein internationaleres Umfeld haben und mehrere Sprachen benutzen. Wenn wir nun mit einer Person Deutsch sprechen können, aber wegen einer weiteren Person, die das nicht kann, auf eine andere gemeinsame Sprache ausweichen müssen, z.B. Englisch oder Spanisch, dann bringt die Sprache mehr oder weniger mit sich, dass man keine „formelle“ Anrede verwendet und wahrscheinlich auch die Vornamen. Sich dann auf Deutsch plötzlich wieder zu „Siezen“ ist merkwürdig. Und irgendwann weiß man nicht mehr, mit wem man nun schon in welcher Sprache gesprochen hat…

Man sagt, dass man der Person mehr Respekt entgegenbringt, wenn man sie mit „Ihr“ oder mit „Sie“ anredet. Das glaube ich nicht. In einem Umfeld, wo alle das „Sie“ benutzen als einziger das „Du“ zu benutzen mag provokativ sein. Aber wenn es normal ist, dann ist es nicht unhöflich. Ob und wie sehr man eine Person respektiert oder nicht, ist mehr eine Frage der Gefühle und die drücken wir schon immer zu einem großen Teil non-verbal aus, zumindest wenn wir nicht schreiben, sondern miteinander sprechen. Die einen mehr, die anderen weniger und einige auch fast gar nicht… Am Ende ist es fast egal und in Skandinavien oder Spanien oder in englischsprachigen Ländern geht es den Leuten deshalb nicht schlechter. Für uns verschwindet zumindest eine Unschönheit der deutschen Grammatik, die wir wahrscheinlich nur noch zum Lesen von Literatur und vielleicht noch eine Weile für Gespräche mit einem schrumpfenden Kreis von „Funktionsträgern“ brauchen werden.

Interessant ist, wie es sich mit anderen Sprachen verhält, ob es dort auch mehrere Anredeformen gibt und ob sich deren Verwendung gerade relativ schnell ändert oder vor kurzem geändert hat.

Links

Share Button

Duolingo

Duolingo hat seit einiger Zeit die Funktionsweise etwas geändert. Neu kann man einen Kreis, den man einmal geschafft hat, nicht mehr verlieren. Aber jeden Kreis kann man nacheinander auf verschiedenen Leveln abschließen. Nun hat man also die Wahl, den Baum einer Sprache erstmal mit Level 1 („blau“) komplett abzuschließen und dann alles bis zu einem höheren Level zu machen. Oder man kann einen Teil erstmal bis Level 5 machen und geht erst dann weiter nach unten. Wem das unverständlich ist, es ist einfacher das auszuprobieren als es hier zu erklären: Duolingo

Bei Level 5 hat man es komplett geschafft. Die Farben: 0=“grau“ oder „violett“, 1=“blau“, 2=“grün“, 3=“rot“, 4=“rot-orange“, 5=“orange“.

Neuerdings kommen in manchen Sprachen mal Kreise dazu. Bei Spanisch waren es fast 60 und so hatte ich eine Weile, um den ganzen Spanisch-Baum wieder zumindest auf Level 1 geschafft zu haben. Dasselbe ist in Esperanto passiert, wo ich den Baum mal geschafft hatte und jetzt wieder ganz viel violett und sogar grau ist. In geringerem Umfang gab es das auch bei einigen anderen Sprachen, aber nicht bei Russisch und Schwedisch. Also ich habe jetzt den Spanisch-Baum mit Level 1 und den Russisch-Baum mit Level 3 komplett geschafft. Schwedisch habe ich Level 2 schon länger, aber ich arbeite an Level 3. Das kann aber noch eine Weile dauern. Wahrscheinlich werde ich das Set von Sprachen auch mal wieder ändern.

Zur Unterhaltung hier meine Bäume, vom heutigen Stand:

Swedish / Schwedisch 2018-09-16

Schwedisch 2018-09-16

Share Button

Sprachen lernen mit Apps

Es gibt inzwischen eine Fülle von Software und Webseiten, um Sprachen zu lernen.
Ich verwende zur Zeit die drei Android-Apps

Es gibt noch sehr viel mehr davon, die ich aber nicht kenne.

Diese funktionieren alle als Apps auf meinem Android-Telefon und auf meinem Android-Tablet und ich benutze sie in der Form, weil ich hauptsächlich unterwegs damit lerne.

Grundsätzlich sollte man immer daran denken, dass es schwierig ist, alleine mit so einer App eine Sprache zu lernen, einfach weil das einseitig ist und letztlich das Lesen, Schreiben, Verstehen, aber nicht das Sprechen geübt werden kann. Sprechübungen könnten einige der Apps auch, aber das macht man im Zug unterwegs nicht und es soll auch nicht sehr gut funktionieren. Auch Grammatik lernt man bestenfalls anhand vieler Beispiele, wie es wohl ungefähr gehen könnte, aber die Systematik fehlt. Ob man die überhaupt braucht, um die Sprache zu lernen, sei dahingestellt, aber es ist doch interessant und manchmal hilfreich.

Deshalb ist es sinnvoll, gelegentlich Sprachunterricht dazu zu nehmen. Für mich hat sich bewährt, etwa einmal im Monat Einzelunterricht zu nehmen. Mal öfter, mal seltener, mal einen ganzen Tag oder mal nur eine Stunde. So kann man vermeiden, in die Sackgasse zu lernen, weil man immer mit einem qualifizierten Menschen überprüfen und korrigieren kann, um keine Fehler einzuschleifen und um die Lücken, die die App lässt zu schließen.

Was natürlich auch hilft, ist zu lesen. Das ist aber erst ab einem gewissen Level sinnvoll möglich, weil die meisten Sprachen Unregelmäßigkeiten in der Rechtschreibung haben, die es erschweren, unbekannte Wörter richtig vorzulesen. Mit der Zeit bekommt man ein Gefühl, der Anteil der unbekannten Wörter wird kleiner und man kann sogar die Aussprache von unbekannten Wörtern oft richtig raten. Bei Chinesisch ist das schwierig, bei Arabisch auch noch recht anspruchsvoll und auch Englisch ist sehr sehr unregelmäßig. Aber auch bei halbwegs regelmäßigen Sprachen gibt es Ausnahmen und einzelne Aspekte der Aussprache, die vom Wort oder sogar von der Wortform abhängen und sich nicht aus dem geschriebenen Wort erschließen.

Hören kann man leicht üben, es gibt in Youtube und anderen Video-Seiten beliebig viel Material, aber auch das ist schon für den Anfang noch etwas schwierig. Und ja, man kann auch Bücher über Grammatik lesen. Ich habe mal damit angefangen und einige gekauft. Und ein paar Seiten gelesen.

Letztlich ist das, was man meistens zu wenig macht, Vokabeln lernen. Vielleicht gibt es mal eine Phase mit hoher Motivation, aber so auf längere Sicht bleiben die Vokabeln auf der Strecke oder kommen langsam mit der Zeit, wenn man mal so weit ist, die Sprache real zu verwenden. Aber um Vokabeln und deren Rechtschreibung zu lernen sind die Apps gut. Vielleicht ist das sogar das einzige, was sie wirklich können. Das liegt daran, dass es in gewisser Weise gamifiziert wird.

Nun zu den Apps, die oben erwähnt wurden. Duolingo benutze ich schon am längsten, aber es hat vor ein paar Wochen ein Update gegeben und seither funktioniert es anders als früher. Bei aller Skepsis kann man diese Änderung als Verbesserung begreifen. Duolingo hat verschiedene Arten von Übungen, man muss etwas hören und schreiben, etwas übersetzen oder Wörter zuordnen. Es kommen viele Sätze und nicht nur Wörter dran, wodurch man Formen und Grammatik implizit etwas mitbekommt. Die meisten Sprachen kann man nur von Englisch als Basissprache lernen, aber gelegentlich kann es mal interessant sein, so etwas wie Spanisch für Russischsprachige zu machen. Generell ist das Umschalten der Basissprache etwas aufwändiger und man will das nicht andauernd machen. Das heutige Duolingo kann einen recht lange beschäftigen. Jede Sprache hat einen „Baum“ mit 50 bis 100 Kreisen. Jeder Kreis hat 1 bis 20 Lektionen, die jeweils etwas 20 Übungen enthalten. Übungen, bei denen man Fehler macht, werden einfach so lange immer wieder vorgesetzt, bis man sie einmal richtig hatte. Die Kreise stehen in Reihen mit je ein bis drei Kreisen und man kommt an die tieferen Reihen nur, wenn man die vorige Reihe gemacht hat. Hat man alle Lektionen eines Kreises gemacht, steigt dieser auf das nächsthöhere Level auf. Es gibt davon insgesamt fünf und sie werden immer schwieriger und umfangreicher. Man kann also mit Level eins einen Baum abschließen, aber man kann auch auf höhere Level gehen und sich so mit einer Sprache sehr lange beschäftigen. Es gibt noch „Clubs“, die man zu jeder Sprache gründen kann oder zu denen man beitreten kann. Man kann den High-Score im Club haben u.s.w. Die bezahlte Version von Duolingo hat den Vorteil, dass man auch offline etwas machen kann, aber in der Praxis bringt das relativ wenig, weil zumindest die höheren Level nur online funktionieren.

Memrise hat den Gamification-Aspekt noch mehr integriert und die Übungen sind noch prägnanter und machen vielleicht noch mehr Spaß. Es gibt nur Vokabeln und kurze Phrasen und Sätze, die man wort- bzw. buchstabengenau kennen muss, bis sie als gelernt gelten. Es wird sehr viel wiederholt. Man lernt als eine kleine Menge von hoffentlich wichtigen Vokabeln sehr gut. Wenn man eine Sprache sucht und bei Duolingo nicht findet, kann es sein, dass man bei Memrise etwas findet. Umgekehrt mag es auch vorkommen, aber das habe ich noch nicht gesucht. Interessant ist z.B., dass Duolingo „Norwegisch“ anbietet, aber dabei auf Bokmål setzt, während man bei Memrise auch Nynorsk findet. Das finde ich für nützlicher, weil näher an der gesprochenen Sprache liegt, vor allem in Westnorwegen.

„Russian Fun Easy Learn“ bietet 6000 Wörter, die nach Themenbereichen gegliedert sind. Während also Duolingo und erst recht Memrise sozusagen einen „Grundwortschatz“ bedienen, ist hier eher ein „Aufbauwortschatz“ das Thema. Man hat Bereiche von 20 bis 120 Wörtern zu einem Thema und verschiedene Durchläufe, um mit Multiple-Choice o.ä. die gehörten oder gelesenen Wörter in der anderen Sprache zu finden. Es hilft vor allem für den passiven Wortschatz. Es gibt dasselbe auch für Sätze und auch für andere Sprachen. Ich finde es nützlich, aber es gefällt mir etwas weniger als Memrise und Duolingo.

Insgesamt möchte ich sagen, dass das, was diese Apps versprechen, übertrieben ist. Man kann nicht einfach x mal so schnell lernen wie in einem Kurs, aber die Vokabeln lernt man so viel besser und dass es nicht genau diejenigen sind, die im Kurs drankamen, ist nicht so schlimm. Wenn man einen regulären Kurs macht, muss man natürlich die dortigen Vokabeln auf klassische Weise anschauen, um die wichtigsten Wörter, die nicht in der App dabei sind, auch im Griff zu haben. Aber etwas Mut zur Lücke darf man immer haben, denn man wird ja in jeder Sprache damit umgehen müssen, gelegentlich ein Wort nicht zu kennen oder es durch mehrfaches Hören aus dem Kontext kennenzulernen. Die klassischen Vokabelhefte, in denen man sich die Wörter aufschreibt und dann lernt, benutze ich seit langem nicht mehr.

Was hat es gebracht? Ich spreche jetzt Russisch etwa so gut, wie jemand, der Abitur oder Matura gemacht hat und nicht speziell sich in dieser Richtung vertieft hat, Englisch kann. Spanisch und Schwedisch kann ich im Prinzip auch fast so gut, aber ich brauche etwas Zeit in dem Land oder mit Muttersprachlern, um das wieder präsent zu bekommen, weil ich diese Sprachen zur Zeit sehr selten verwende. Ich denke, dass sich die Kombination aus diesen Apps mit Sprachpraxis und Unterricht grundsätzlich bewährt hat.

Links

Hier sind noch meine Duolingo-Stände. Vielleicht dienen sie der Unterhaltung:

Duolingo Esperanto 2018-05-29

Duolingo Esperanto 2018-05-29

Duolingo Schwedisch 2018-05-29

Duolingo Schwedisch 2018-05-29

Duolingo Russisch 2018-05-29

Duolingo Russisch 2018-05-29

Duolingo Spanisch für Russischsprachige 2018-05-29

Duolingo Spanisch für Russischsprachige 2018-05-29

Share Button

е und ё

Russisch wird mit der kyrillischen Schrift geschrieben. Es gibt dort zwei Buchstaben, „е“ und „ё“, die sehr ähnlich aussehen, etwa wie „a“ und „ä“ sich ähneln, aber die recht verschieden gesprochen werden. „е“ ist je nach Kontext ein „e“, das den vorherigen Konsonanten so verändert, dass er gesprochen wird, als käme danach ein „i“, aber in Wirklichkeit kommt ein „e“. Manchmal wird es auch wie „je“ gesprochen. Das klingt merkwürdig, kommt aber in leicht abgewandelter Form in sehr vielen Sprachen vor. Das „ё“ verhält sich ähnlich, wird aber selbst wie ein „o“ oder wie „jo“ gesprochen. Sinnvollerweise erlaubt die Schriftsprache es, zwischen diesen beiden Buchstaben zu unterscheiden. Man darf aber auch „е“ statt „ё“ schreiben und das wird sehr häufig getan.

Russischsprachige Leser sind es gewohnt, so etwas zu lesen und die Schwierigkeit ist inexistent und es wird nicht einmal wahrgenommen. Aber für weniger geübte Leser ist das eine erhebliche Schwierigkeit, die eigentlich unnötig ist. Da Russisch nicht nur die Muttersprache vieler Menschen ist, sondern in wesentlich geringerem Maße als Englisch auch eine Rolle als Kommunikationssprache für Menschen spielt, die nicht dieselbe Muttersprache haben, wäre es eigentlich gut, wenn man in Büchern, Zeitungen und allen gedruckten Texten das „ё“ benutzen würde.

Man kann es auch so sehen: Ein Text wird in der Regel einmal geschrieben und dann sehr oft gelesen. Das Lesen passiert viel häufiger und es ist sinnvoller, das Lesen effizient zu machen als das Schreiben. In diesem Fall hat man auch versucht, mit Computerprogrammen die Buchstaben nachträglich zu korrigieren. Das funktioniert einigermaßen gut, aber nicht zu 100%. Geübte und muttersprachliche menschliche Leser können es zu 100% und das noch ganz schnell und ohne überhaupt etwas davon wahrzunehmen.

Man findet Beispiele wie dieses in viele Sprachen. Oft kann man Texte nur korrekt vorlesen, wenn man die Wörter kennt. Sprachen wie Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch haben einigermaßen handhabbare Regeln, wie man Wörter ausspricht und die auch bei unbekannten Wörtern meistens einigermaßen gut funktionieren. Finnisch oder Esperanto sind in dieser Hinsicht (fast) perfekt. Russisch fehlt die Information, welcher Vokal betont werden soll. Tückerweise wechselt das noch bei verschiedenen Deklinations- und Konjugationsformen. Und ein unbetontes „о“ wird normalerweise (ähnlich) wie „a“ gesprochen, ein betontes (ähnlich) wie „o“. Englisch ist noch etwas schlimmer, weil dort dieselben geschriebenen Vokale abhängig vom Wort sehr verschieden ausgesprochen werden können. Man kann sagen, dass es keine einfach lernbaren Regeln gibt, aber man lernt die Wörter mit der Zeit und bekommt irgendwann auch ein Sprachgefühl, das für unbekannte Wörter richtig liegen kann. Oder auch nicht. Bei Namen kann das oft schief gehen. Man denke nur an „Edingburgh“, das ähnlich wie „Ednborro“ gesprochen wird, oder an Jira, das wie „Dschira“ aber bitte nicht wie „Dschaira“ gesprochen wird.

Arabisch und interessanterweise alle Sprachen, die die arabische Schrift verwenden, ist noch eine Steigerung, weil man die Vokale üblicherweise beim Schreiben ganz weglässt, obwohl es Zeichen dafür gibt. Das macht das Lesen noch schwieriger, wiederum natürlich nicht für den geübten Muttersprachler. Bei anderen Sprachen wie Chinesisch kann man den Zeichen gar nicht ansehen, wie das Wort gesprochen wird, wenn man sie nicht kennt. Diese Schrift ist so schwierig, dass es sogar für Muttersprachler lange dauert, sie gut genug lernen.

Zweckmäßig wäre eine Buchstabenschrift, die zumindest beim Lesen mit einem überschaubaren Satz von Regeln für die Aussprache auskommt und bei der das auch für Wörter, die man nicht kennt, zuverlässig funktioniert. Es kann durchaus noch mehrere Schreibweisen geben, die gleich ausgesprochen werden. Damit kann man beim Lesen Homonyme, also bedeutungsmäßig verschiedene Wörter, die gleich gesprochen werden, unterscheidbar machen. Das soll vor dem ersten Weltkrieg bei Russisch der Fall gewesen sein, wo man das Wort „мир“, das „Welt“ und „Frieden“ bedeuten kann, zwar gleich gesprochen, aber auf zwei verschiedene Arten geschrieben hat. Im Deutschen kennen wir z.B. „wider“ und „wieder“ oder „dass“ und „das“, die gleich gesprochen, aber je nach Bedeutung verschieden geschrieben werden.

Übrigens könnte man eine große Menge von Sprache, auch z.B. Deutsch, Englisch oder Spanisch, mit der kyrillischen Schrift schreiben. Weil die kyrillische Schrift für eine Vielzahl von Sprachen eingesetzt wird, gibt es ähnlich den Umlauten als Ergänzung für Deutsch zum lateinischen Alphabet eine große Menge an zusätzlichen Zeichen zum „Standardalphabet“, die dabei helfen könnten. Weil man sich bei der Gelegenheit teils gezwungenermaßen, teils weil es sich anbietet und zweckmäßig ist, auf eine viel phonetischere Schreibweise wechseln würde, wäre diese z.B. für Deutsch sogar nach einer Eingewöhnungszeit einfacher zu lesen und zu lernen als unsere heutige Rechtschreibung. Dabei könnte man das natürlich genausogut mit einer sehr radikalen Rechtschreibreform mit dem lateinischen Alphabet hinbekommen, wenn man dafür entsprechende Erweiterungen aus verschiedenen Sprachen zusätzlich zu „ä“, „ö“, „ü“ und „ß“ nutzen würde, nur wäre so eine Rechtschreibung zu komisch, als dass man sie in einer Reform akzeptieren würde.

Aber Sprachen sind nicht nur Zweckmäßigkeit, sondern sie sind ein Stück Kultur. So werden wir weiterhin gelegentlich beim Lernen von Sprachen fluchen, weil die eine oder andere unnötige Hürde beim Schreiben und vor allem beim Lesen auftritt. Und Ausländer, die Deutsch lernen und auch Schüler in den unteren Klassen werden auch in Zukunft damit ihre kleinen Schwierigkeiten haben. In Vergleich zu einigen asiatischen Sprachen ist es immer noch einfach, das Lesen und das Schreiben zu lernen.

Share Button

Was haben die Ukraine, Norwegen und Irland gemeinsam?

Eigentlich ist die Frage schnell beantwortet. Alle drei Länder wurden im Laufe der letzten tausend Jahre für viele Jahrhunderte von einem benachbarten „Bruderland“ regiert. Dänemark und später Schweden in Norwegen, Großbritannien oder England in Irland und Russland als Zarenreich oder später als Teil der Sowjetunion in der Ukraine, wobei dort noch andere Nachbarländer in verschiedenen längeren Zeiträumen aufzuzählen wären, wenn man wirklich die letzten tausend Jahre anschaut.

In allen Fällen glauben viele aus der Ferne, dass die beiden jeweiligen Bruderländer sehr ähnlich seien. Man nimmt wahr, dass die Sprache (fast) gleich ist, die Leute (fast) gleich aussehen und dass es auch sonst noch einige Ähnlichkeiten gibt, die noch etwas über das hinausgehen, was in ganz Europa ähnlich ist. Darüber zu schreiben bringt nichts, man kann es selbst erleben, wenn man mit offenen Augen reist oder Leute aus diesen Ländern trifft. Fragt man die Leute in den betreffenden Ländern, wird man feststellen, dass sie sich als Iren, Ukrainer und Norweger fühlen und natürlich nicht als Briten, Russen und Dänen oder Schweden. Es sei denn man hat zufällig einen Briten, Russen, Dänen oder Schweden erwischt, der in dem jeweiligen Land lebt (vielleicht sogar eingebürgert) und sich aber weiterhin als Brite, Russe, Däne oder Schwede fühlt.

Nun kommt die Frage der Sprache auf. In allen drei Fällen hat die Zeit in dem gemeinsamen Staat mit dem „großen Bruder“ ihre Spuren in der Sprache hinterlassen.

In Irland wurde die irische Sprache fast vollständig von der englischen Sprache verdrängt. Nur noch eine Minderheit spricht Irisch als Muttersprache, aber alle lernen es in der Schule und es ist offizielle Landessprache. Immerhin soll heute knapp die Hälfte der Iren die „eigene“ Sprache beherrschen, auch wenn Englisch die Muttersprache war und im Alltag dominiert. Man hat aber viel getan, um die Irische Sprache wiederzubeleben. Das ist eine keltische Sprache. Die Kelten haben einmal weite Teile von Europa besiedelt, nicht nur Frankreich, Irland und England. Man denke nur an die Galater auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In England ist die keltische Sprache verschwunden und durch das Englische verdrängt worden, in Schottland und Wales gibt es aber noch ein paar Sprecher. Irisch ist eine indogermanische Sprache und man erkennt vielleicht eine entfernte Ähnlichkeit zu anderen indogermanischen Sprachen, aber die Ähnlichkeit zwischen Irisch und Deutsch oder Englisch ist gefühlt auf den ersten Eindruck etwa so groß wie die Ähnlichkeit zwischen Deutsch und Russisch.

In der Ukraine hat sich in verschiedenen Gebieten die russische Sprache auch unter Ukrainern verbreitet. Im Westen wird überwiegend Ukrainisch gesprochen. Aber in Kiew hört man mehr Russisch als Ukrainisch, wohlgemerkt von Ukrainern und nicht nur von der großen Russischen Bevölkerungsgruppe, die in dem Land lebt. Nun ist Ukrainisch die einzige offizielle Landessprache. Beschriftungen, Wegweiser, Beschreibungen in Museen sind nur auf Ukrainisch oder wenn eine zweite Sprache dazu genommen wird, auch auf Englisch. Es wird als wichtig empfunden, die ukrainische Sprache zu können, auch für diejenigen, die mehr Russisch sprechen.

In Norwegen spricht man natürlich Norwegisch. Das ist aber eine kompliziertere Sache als man denkt, weil die gesprochene Sprache, zumindest das „richtige“ gesprochene Norwegisch Dialekte sind. Diese sind verschieden und man kann lernen, ein großes Spektrum an Dialekten zu verstehen. Geschrieben wurde auf Dänisch. Das war die Schriftsprache in diesem dänisch-norwegischen Staat mit Kopenhagen als Hauptstadt. Es war ähnlich genug, um es leicht zu lernen, aber wie bei Deutsch oder Italienisch natürlich nicht identisch mit den jeweiligen Dialekten. Heute kann man Norwegisch als „Bokmål“ schreiben, das sich 200 Jahre von Dänisch getrennt entwickelt hat und leichte Unterschiede aufweist. Oder als Nynorsk, das man aus den Dialekten konstruiert hat. Es gibt beide Sprachen als Wikipedia. Beides sind Landessprachen. Und man lernt beides in der Schule. Nynorsk wäre einfacher, weil es näher an der gesprochenen Sprache ist. Aber Bokmål hat so einen großen Vorsprung, weil Bücher und Zeitungen überwiegend in Bokmål erscheinen. Vielleicht gerade weil das Verhältnis mit den Nachbarländern entspannt ist und Norwegen ein gut funktionierendes Land ist, dessen Bewohnern es gut geht, wird die Wichtigkeit der Nynorsk-Sprache für die Identität nicht überall als so wichtig empfunden.

Grundsätzlich kann man aber in allen drei Ländern Menschen finden, die die eigene Sprache als wertvoll und wichtig für die Identität empfinden. Hier zeigt sich auch ein bedeutender Unterschied. Ich habe viele Iren getroffen, die die Irische Sprache als Ballast empfunden haben. Und Norweger, die sich so ähnlich über Nynorsk geäußert haben. Aber alle Ukrainer, die ich getroffen habe, hatten eine postive Meinung über die ukrainische Sprache.

Was man bei den drei Ländern sehen kann: Norwegen hat heute ein gutes Verhältnis zu Dänemark und Schweden. Es mag Witze über das jeweils andere Land geben. Und wegen irgendwelcher konkreter Themen auch mal Verstimmung. Aber ich glaube nicht, dass sich Dänen oder Schweden gegenüber Norwegen als „großer Bruder“ aufführen wollen, sondern dass sich die drei Länder eher als gleichberechtigt untereinander verstehen. Das ist vorbildlich.

Share Button

Norwegisch lernen

Norwegisch ist nah mit Schwedisch und etwas entfernter mit Deutsch und auch mit Englisch verwandt. Die Grammatik ist nicht so schwierig, zumindest am Anfang nicht… Eigentlich sollte es eine Sprache sein, die einfach zu lernen ist, vor allem, wenn man Schwedisch schon kann und vielleicht noch mehrere deutsche Dialekte versteht. Ja, das hilft, denn es gibt immer wieder Wörter, die in dem einen Dialekt vorkommen und die im Hochdeutschen verschwunden sind.

Das ist wirklich so, ich kann Norwegisch recht gut lesen, mit etwas Konzentration ganz gut verstehen, jedenfalls wenn die Leute einigermaßen deutlich sprechen. Schreiben kann ich auch etwas und sprechen klappt auch, wobei als Rückfallebene immer die Möglichkeit besteht, Lücken mit Schwedisch zu füllen, das hinreichend ähnlich ist und sowieso von allen Norwegern verstanden wird. Schweden, die nach Norwegen ziehen, sprechen teilweise ihr Leben lang Schwedisch und verstehen die Antworten, die ihnen auf Norwegisch gegeben werden, so wie es die meisten Deutschen in der Schweiz tun, wobei Schweizerdeutsch ein deutscher Dialekt ist und die (eine von vier) offizielle und geschriebene Sprache Deutsch, womit Hochdeutsch gemeint ist, das sich nur um einige minimale Helvetismen vom Hochdeutschen aus Österreich oder Deutschland unterscheidet.

Nun gibt es beim Norwegischen doch eine Herausforderung. Ich sage mal, die Sprache ist nicht sehr homogen. Es werden normalerweise Dialekte gesprochen, das heißt, dass die Norweger immer ihren Dialekt sprechen. Die Dialekte sind so ähnlich, dass man sie gegenseitig versteht, wenn man sich konzentriert und nicht exzessiv schnell und undeutlich spricht. Einige Dialekte in der Nähe der Grenze sind sehr ähnlich wie Schwedisch. Aber da die Dialekte gegenseitig verständlich genug sind, besteht keine Notwendigkeit, auf eine „Hochsprache“ zurückzufallen, um miteinander zu sprechen. Die Dialekte zu verstehen, ist also erforderlich, wenn man Norwegisch lernen will, denn so wird nun einmal gesprochen. Das geht auch einigermaßen, mal besser, mal schlechter.

Witzig ist, dass das Wort für „ich“ mindestens 12 Varianten hat, je nach Dialekt. Wenn man bedenkt, dass es in den meisten Indogermanischen Sprachen im Grunde genommen fast dasselbe Wort ist, was man erst sieht, wenn man es in vielen Sprachen gleichzeitig anschaut, nicht nur in zweien, dann ist das schon witzig, dass es innerhalb von Norwegisch fast die Variationsbreite wie zwischen Spanisch, Deutsch und Russisch gibt, für dieses eine Wort. Man hat mir gesagt, dass es so etwas wie „e“, „äi“, „eg“, „je“, „jäi“, „jeg“, „a“, „ai“, „ag“, „ja“, „jai“ und „jag“ gebe und bei nahe beieinander liegenden Dialekten habe ich schon „a“ und „eg“ im selben Gespräch von verschiedenen Leuten gehört. Wie gesagt, man gewöhnt sich daran, das zu verstehen, vielleicht wie man sich an Synonyme oder Kurzformen von Wörtern gewöhnt. Aber das Sprechen Lernen basiert ja darauf, andere Sprecher zu imitieren. Das ist der Teil, der etwas schwierig wird, weil der nächste Sprecher wieder einen anderen Dialekt spricht.

Wie ist es nun mit dem Schreiben? Historisch gesehen war Norwegen jahrhundertelang dänisch regiert. Da wurde die dänische Schriftsprache als Standard etabliert. Sie war deutlich verschieden vom gesprochenen Norwegisch, aber doch nahe genug, um es relativ leicht zu lernen. Aber im Prinzip musste man zum Schreiben und Lesen eine Fremdsprache lernen. Vor etwa 200 Jahren wurde Norwegen nach den napoleonischen Kriegen von Dänemark unabhängig, aber gehörte stattdessen zu Schweden. Es war wohl in dieser Zeit schon relativ unabhängig, aber die volle Unabhängigkeit kam erst vor etwa 100 Jahren. Die dänische Schriftsprache blieb erhalten und es gibt heute Unterschiede, weil sie sich etwa 200 Jahre auseinander entwickelt haben. So ist in Norwegen Bokmål entstanden. Wer Bokmål lesen kann, kann auch Dänisch lesen und umgekehrt, die Unterschiede sind noch nicht so groß. Nur die Aussprache ist sehr verschieden.

Nun hat man erkannt, dass Bokmål zu weit entfernt von der gesprochenen Sprache ist und auch keine eigentlich eigene norwegische Sprache… So wurde, ähnlich wie in einigen anderen Sprachen, aus den vorhandenen Dialekten eine Schriftsprache konstruiert, das Nynorsk. Eigentlich wäre es logisch, das zu benutzen, weil es sich wie eine Hochsprache in die Dialektlandschaft einfügt und nicht oder weniger wie eine (sehr nahe) Fremdsprache gelernt werden muss. Aber fast alle Bücher sind in Bokmål geschrieben. Ich versuche in Norwegen immer wieder, auch nur ein einziges halbwegs interessantes Buch in Nynorsk zu kaufen, aber bis jetzt habe ich das noch nicht geschafft. Man muss also in Norwegen Bokmål wegen der Bücher unbedingt gut können. Und so ist es heute üblich, dass etwa 20% der Norweger zum Schreiben Nynorsk bevorzugen und 80% Bokmål. In der Schule lernt man beides und alle können die jeweils andere Schriftsprache lesen und natürlich auch schreiben. Ich kann nur Bokmål schreiben. Ich würde lieber Nynorsk verwenden, weil für mich die gesprochene Sprache viel wichtiger ist, aber die Gelegenheit, das zu lernen, ist nicht so üppig vorhanden. So kann ich nur etwas Bokmål schreiben, aber natürlich beides lesen.

Ich höre immer wieder davon, dass es auch in Schweden eine reichhaltige Vielfalt an Dialekten geben soll. Aber ich erlebe das Schwedische als ausgesprochen homogen. In Schonen und überhaupt im Süden ist die Aussprache leicht verändert, aber das ist kein wirklich großer Unterschied. Man denke an Bayern, Norddeutsche oder Schweizer, die Hochdeutsch sprechen. Man hört den Unterschied zwar, aber versteht es gut gegenseitig, wenn man nur will. Es gibt in Schweden einige lokale Dialekte, insbesondere auf Gotland, aber auch z.B. in Dalarna, die so verschieden vom Hochschwedischen sind, dass sie kaum ein Schwede versteht und die deshalb nur von Einheimischen untereinander gebraucht werden. Das Problem schwer verständlicher Dialekte existiert in Schweden nicht wirklich. Ich war zu oft in dem Land und habe praktisch nur Schwedisch gesprochen, seit ich die Sprache einigermaßen kann. Gefühlt ist Schwedisch also sehr homogen, Norwegisch dagegen nicht. Das macht es ein bisschen schwieriger, die Sprache zu lernen.

Share Button