е und ё

Russisch wird mit der kyrillischen Schrift geschrieben. Es gibt dort zwei Buchstaben, „е“ und „ё“, die sehr ähnlich aussehen, etwa wie „a“ und „ä“ sich ähneln, aber die recht verschieden gesprochen werden. „е“ ist je nach Kontext ein „e“, das den vorherigen Konsonanten so verändert, dass er gesprochen wird, als käme danach ein „i“, aber in Wirklichkeit kommt ein „e“. Manchmal wird es auch wie „je“ gesprochen. Das klingt merkwürdig, kommt aber in leicht abgewandelter Form in sehr vielen Sprachen vor. Das „ё“ verhält sich ähnlich, wird aber selbst wie ein „o“ oder wie „jo“ gesprochen. Sinnvollerweise erlaubt die Schriftsprache es, zwischen diesen beiden Buchstaben zu unterscheiden. Man darf aber auch „е“ statt „ё“ schreiben und das wird sehr häufig getan.

Russischsprachige Leser sind es gewohnt, so etwas zu lesen und die Schwierigkeit ist inexistent und es wird nicht einmal wahrgenommen. Aber für weniger geübte Leser ist das eine erhebliche Schwierigkeit, die eigentlich unnötig ist. Da Russisch nicht nur die Muttersprache vieler Menschen ist, sondern in wesentlich geringerem Maße als Englisch auch eine Rolle als Kommunikationssprache für Menschen spielt, die nicht dieselbe Muttersprache haben, wäre es eigentlich gut, wenn man in Büchern, Zeitungen und allen gedruckten Texten das „ё“ benutzen würde.

Man kann es auch so sehen: Ein Text wird in der Regel einmal geschrieben und dann sehr oft gelesen. Das Lesen passiert viel häufiger und es ist sinnvoller, das Lesen effizient zu machen als das Schreiben. In diesem Fall hat man auch versucht, mit Computerprogrammen die Buchstaben nachträglich zu korrigieren. Das funktioniert einigermaßen gut, aber nicht zu 100%. Geübte und muttersprachliche menschliche Leser können es zu 100% und das noch ganz schnell und ohne überhaupt etwas davon wahrzunehmen.

Man findet Beispiele wie dieses in viele Sprachen. Oft kann man Texte nur korrekt vorlesen, wenn man die Wörter kennt. Sprachen wie Deutsch, Französisch, Italienisch und Spanisch haben einigermaßen handhabbare Regeln, wie man Wörter ausspricht und die auch bei unbekannten Wörtern meistens einigermaßen gut funktionieren. Finnisch oder Esperanto sind in dieser Hinsicht (fast) perfekt. Russisch fehlt die Information, welcher Vokal betont werden soll. Tückerweise wechselt das noch bei verschiedenen Deklinations- und Konjugationsformen. Und ein unbetontes „о“ wird normalerweise (ähnlich) wie „a“ gesprochen, ein betontes (ähnlich) wie „o“. Englisch ist noch etwas schlimmer, weil dort dieselben geschriebenen Vokale abhängig vom Wort sehr verschieden ausgesprochen werden können. Man kann sagen, dass es keine einfach lernbaren Regeln gibt, aber man lernt die Wörter mit der Zeit und bekommt irgendwann auch ein Sprachgefühl, das für unbekannte Wörter richtig liegen kann. Oder auch nicht. Bei Namen kann das oft schief gehen. Man denke nur an „Edingburgh“, das ähnlich wie „Ednborro“ gesprochen wird, oder an Jira, das wie „Dschira“ aber bitte nicht wie „Dschaira“ gesprochen wird.

Arabisch und interessanterweise alle Sprachen, die die arabische Schrift verwenden, ist noch eine Steigerung, weil man die Vokale üblicherweise beim Schreiben ganz weglässt, obwohl es Zeichen dafür gibt. Das macht das Lesen noch schwieriger, wiederum natürlich nicht für den geübten Muttersprachler. Bei anderen Sprachen wie Chinesisch kann man den Zeichen gar nicht ansehen, wie das Wort gesprochen wird, wenn man sie nicht kennt. Diese Schrift ist so schwierig, dass es sogar für Muttersprachler lange dauert, sie gut genug lernen.

Zweckmäßig wäre eine Buchstabenschrift, die zumindest beim Lesen mit einem überschaubaren Satz von Regeln für die Aussprache auskommt und bei der das auch für Wörter, die man nicht kennt, zuverlässig funktioniert. Es kann durchaus noch mehrere Schreibweisen geben, die gleich ausgesprochen werden. Damit kann man beim Lesen Homonyme, also bedeutungsmäßig verschiedene Wörter, die gleich gesprochen werden, unterscheidbar machen. Das soll vor dem ersten Weltkrieg bei Russisch der Fall gewesen sein, wo man das Wort „мир“, das „Welt“ und „Frieden“ bedeuten kann, zwar gleich gesprochen, aber auf zwei verschiedene Arten geschrieben hat. Im Deutschen kennen wir z.B. „wider“ und „wieder“ oder „dass“ und „das“, die gleich gesprochen, aber je nach Bedeutung verschieden geschrieben werden.

Übrigens könnte man eine große Menge von Sprache, auch z.B. Deutsch, Englisch oder Spanisch, mit der kyrillischen Schrift schreiben. Weil die kyrillische Schrift für eine Vielzahl von Sprachen eingesetzt wird, gibt es ähnlich den Umlauten als Ergänzung für Deutsch zum lateinischen Alphabet eine große Menge an zusätzlichen Zeichen zum „Standardalphabet“, die dabei helfen könnten. Weil man sich bei der Gelegenheit teils gezwungenermaßen, teils weil es sich anbietet und zweckmäßig ist, auf eine viel phonetischere Schreibweise wechseln würde, wäre diese z.B. für Deutsch sogar nach einer Eingewöhnungszeit einfacher zu lesen und zu lernen als unsere heutige Rechtschreibung. Dabei könnte man das natürlich genausogut mit einer sehr radikalen Rechtschreibreform mit dem lateinischen Alphabet hinbekommen, wenn man dafür entsprechende Erweiterungen aus verschiedenen Sprachen zusätzlich zu „ä“, „ö“, „ü“ und „ß“ nutzen würde, nur wäre so eine Rechtschreibung zu komisch, als dass man sie in einer Reform akzeptieren würde.

Aber Sprachen sind nicht nur Zweckmäßigkeit, sondern sie sind ein Stück Kultur. So werden wir weiterhin gelegentlich beim Lernen von Sprachen fluchen, weil die eine oder andere unnötige Hürde beim Schreiben und vor allem beim Lesen auftritt. Und Ausländer, die Deutsch lernen und auch Schüler in den unteren Klassen werden auch in Zukunft damit ihre kleinen Schwierigkeiten haben. In Vergleich zu einigen asiatischen Sprachen ist es immer noch einfach, das Lesen und das Schreiben zu lernen.

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Was haben die Ukraine, Norwegen und Irland gemeinsam?

Eigentlich ist die Frage schnell beantwortet. Alle drei Länder wurden im Laufe der letzten tausend Jahre für viele Jahrhunderte von einem benachbarten „Bruderland“ regiert. Dänemark und später Schweden in Norwegen, Großbritannien oder England in Irland und Russland als Zarenreich oder später als Teil der Sowjetunion in der Ukraine, wobei dort noch andere Nachbarländer in verschiedenen längeren Zeiträumen aufzuzählen wären, wenn man wirklich die letzten tausend Jahre anschaut.

In allen Fällen glauben viele aus der Ferne, dass die beiden jeweiligen Bruderländer sehr ähnlich seien. Man nimmt wahr, dass die Sprache (fast) gleich ist, die Leute (fast) gleich aussehen und dass es auch sonst noch einige Ähnlichkeiten gibt, die noch etwas über das hinausgehen, was in ganz Europa ähnlich ist. Darüber zu schreiben bringt nichts, man kann es selbst erleben, wenn man mit offenen Augen reist oder Leute aus diesen Ländern trifft. Fragt man die Leute in den betreffenden Ländern, wird man feststellen, dass sie sich als Iren, Ukrainer und Norweger fühlen und natürlich nicht als Briten, Russen und Dänen oder Schweden. Es sei denn man hat zufällig einen Briten, Russen, Dänen oder Schweden erwischt, der in dem jeweiligen Land lebt (vielleicht sogar eingebürgert) und sich aber weiterhin als Brite, Russe, Däne oder Schwede fühlt.

Nun kommt die Frage der Sprache auf. In allen drei Fällen hat die Zeit in dem gemeinsamen Staat mit dem „großen Bruder“ ihre Spuren in der Sprache hinterlassen.

In Irland wurde die irische Sprache fast vollständig von der englischen Sprache verdrängt. Nur noch eine Minderheit spricht Irisch als Muttersprache, aber alle lernen es in der Schule und es ist offizielle Landessprache. Immerhin soll heute knapp die Hälfte der Iren die „eigene“ Sprache beherrschen, auch wenn Englisch die Muttersprache war und im Alltag dominiert. Man hat aber viel getan, um die Irische Sprache wiederzubeleben. Das ist eine keltische Sprache. Die Kelten haben einmal weite Teile von Europa besiedelt, nicht nur Frankreich, Irland und England. Man denke nur an die Galater auf dem Gebiet der heutigen Türkei. In England ist die keltische Sprache verschwunden und durch das Englische verdrängt worden, in Schottland und Wales gibt es aber noch ein paar Sprecher. Irisch ist eine indogermanische Sprache und man erkennt vielleicht eine entfernte Ähnlichkeit zu anderen indogermanischen Sprachen, aber die Ähnlichkeit zwischen Irisch und Deutsch oder Englisch ist gefühlt auf den ersten Eindruck etwa so groß wie die Ähnlichkeit zwischen Deutsch und Russisch.

In der Ukraine hat sich in verschiedenen Gebieten die russische Sprache auch unter Ukrainern verbreitet. Im Westen wird überwiegend Ukrainisch gesprochen. Aber in Kiew hört man mehr Russisch als Ukrainisch, wohlgemerkt von Ukrainern und nicht nur von der großen Russischen Bevölkerungsgruppe, die in dem Land lebt. Nun ist Ukrainisch die einzige offizielle Landessprache. Beschriftungen, Wegweiser, Beschreibungen in Museen sind nur auf Ukrainisch oder wenn eine zweite Sprache dazu genommen wird, auch auf Englisch. Es wird als wichtig empfunden, die ukrainische Sprache zu können, auch für diejenigen, die mehr Russisch sprechen.

In Norwegen spricht man natürlich Norwegisch. Das ist aber eine kompliziertere Sache als man denkt, weil die gesprochene Sprache, zumindest das „richtige“ gesprochene Norwegisch Dialekte sind. Diese sind verschieden und man kann lernen, ein großes Spektrum an Dialekten zu verstehen. Geschrieben wurde auf Dänisch. Das war die Schriftsprache in diesem dänisch-norwegischen Staat mit Kopenhagen als Hauptstadt. Es war ähnlich genug, um es leicht zu lernen, aber wie bei Deutsch oder Italienisch natürlich nicht identisch mit den jeweiligen Dialekten. Heute kann man Norwegisch als „Bokmål“ schreiben, das sich 200 Jahre von Dänisch getrennt entwickelt hat und leichte Unterschiede aufweist. Oder als Nynorsk, das man aus den Dialekten konstruiert hat. Es gibt beide Sprachen als Wikipedia. Beides sind Landessprachen. Und man lernt beides in der Schule. Nynorsk wäre einfacher, weil es näher an der gesprochenen Sprache ist. Aber Bokmål hat so einen großen Vorsprung, weil Bücher und Zeitungen überwiegend in Bokmål erscheinen. Vielleicht gerade weil das Verhältnis mit den Nachbarländern entspannt ist und Norwegen ein gut funktionierendes Land ist, dessen Bewohnern es gut geht, wird die Wichtigkeit der Nynorsk-Sprache für die Identität nicht überall als so wichtig empfunden.

Grundsätzlich kann man aber in allen drei Ländern Menschen finden, die die eigene Sprache als wertvoll und wichtig für die Identität empfinden. Hier zeigt sich auch ein bedeutender Unterschied. Ich habe viele Iren getroffen, die die Irische Sprache als Ballast empfunden haben. Und Norweger, die sich so ähnlich über Nynorsk geäußert haben. Aber alle Ukrainer, die ich getroffen habe, hatten eine postive Meinung über die ukrainische Sprache.

Was man bei den drei Ländern sehen kann: Norwegen hat heute ein gutes Verhältnis zu Dänemark und Schweden. Es mag Witze über das jeweils andere Land geben. Und wegen irgendwelcher konkreter Themen auch mal Verstimmung. Aber ich glaube nicht, dass sich Dänen oder Schweden gegenüber Norwegen als „großer Bruder“ aufführen wollen, sondern dass sich die drei Länder eher als gleichberechtigt untereinander verstehen. Das ist vorbildlich.

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Norwegisch lernen

Norwegisch ist nah mit Schwedisch und etwas entfernter mit Deutsch und auch mit Englisch verwandt. Die Grammatik ist nicht so schwierig, zumindest am Anfang nicht… Eigentlich sollte es eine Sprache sein, die einfach zu lernen ist, vor allem, wenn man Schwedisch schon kann und vielleicht noch mehrere deutsche Dialekte versteht. Ja, das hilft, denn es gibt immer wieder Wörter, die in dem einen Dialekt vorkommen und die im Hochdeutschen verschwunden sind.

Das ist wirklich so, ich kann Norwegisch recht gut lesen, mit etwas Konzentration ganz gut verstehen, jedenfalls wenn die Leute einigermaßen deutlich sprechen. Schreiben kann ich auch etwas und sprechen klappt auch, wobei als Rückfallebene immer die Möglichkeit besteht, Lücken mit Schwedisch zu füllen, das hinreichend ähnlich ist und sowieso von allen Norwegern verstanden wird. Schweden, die nach Norwegen ziehen, sprechen teilweise ihr Leben lang Schwedisch und verstehen die Antworten, die ihnen auf Norwegisch gegeben werden, so wie es die meisten Deutschen in der Schweiz tun, wobei Schweizerdeutsch ein deutscher Dialekt ist und die (eine von vier) offizielle und geschriebene Sprache Deutsch, womit Hochdeutsch gemeint ist, das sich nur um einige minimale Helvetismen vom Hochdeutschen aus Österreich oder Deutschland unterscheidet.

Nun gibt es beim Norwegischen doch eine Herausforderung. Ich sage mal, die Sprache ist nicht sehr homogen. Es werden normalerweise Dialekte gesprochen, das heißt, dass die Norweger immer ihren Dialekt sprechen. Die Dialekte sind so ähnlich, dass man sie gegenseitig versteht, wenn man sich konzentriert und nicht exzessiv schnell und undeutlich spricht. Einige Dialekte in der Nähe der Grenze sind sehr ähnlich wie Schwedisch. Aber da die Dialekte gegenseitig verständlich genug sind, besteht keine Notwendigkeit, auf eine „Hochsprache“ zurückzufallen, um miteinander zu sprechen. Die Dialekte zu verstehen, ist also erforderlich, wenn man Norwegisch lernen will, denn so wird nun einmal gesprochen. Das geht auch einigermaßen, mal besser, mal schlechter.

Witzig ist, dass das Wort für „ich“ mindestens 12 Varianten hat, je nach Dialekt. Wenn man bedenkt, dass es in den meisten Indogermanischen Sprachen im Grunde genommen fast dasselbe Wort ist, was man erst sieht, wenn man es in vielen Sprachen gleichzeitig anschaut, nicht nur in zweien, dann ist das schon witzig, dass es innerhalb von Norwegisch fast die Variationsbreite wie zwischen Spanisch, Deutsch und Russisch gibt, für dieses eine Wort. Man hat mir gesagt, dass es so etwas wie „e“, „äi“, „eg“, „je“, „jäi“, „jeg“, „a“, „ai“, „ag“, „ja“, „jai“ und „jag“ gebe und bei nahe beieinander liegenden Dialekten habe ich schon „a“ und „eg“ im selben Gespräch von verschiedenen Leuten gehört. Wie gesagt, man gewöhnt sich daran, das zu verstehen, vielleicht wie man sich an Synonyme oder Kurzformen von Wörtern gewöhnt. Aber das Sprechen Lernen basiert ja darauf, andere Sprecher zu imitieren. Das ist der Teil, der etwas schwierig wird, weil der nächste Sprecher wieder einen anderen Dialekt spricht.

Wie ist es nun mit dem Schreiben? Historisch gesehen war Norwegen jahrhundertelang dänisch regiert. Da wurde die dänische Schriftsprache als Standard etabliert. Sie war deutlich verschieden vom gesprochenen Norwegisch, aber doch nahe genug, um es relativ leicht zu lernen. Aber im Prinzip musste man zum Schreiben und Lesen eine Fremdsprache lernen. Vor etwa 200 Jahren wurde Norwegen nach den napoleonischen Kriegen von Dänemark unabhängig, aber gehörte stattdessen zu Schweden. Es war wohl in dieser Zeit schon relativ unabhängig, aber die volle Unabhängigkeit kam erst vor etwa 100 Jahren. Die dänische Schriftsprache blieb erhalten und es gibt heute Unterschiede, weil sie sich etwa 200 Jahre auseinander entwickelt haben. So ist in Norwegen Bokmål entstanden. Wer Bokmål lesen kann, kann auch Dänisch lesen und umgekehrt, die Unterschiede sind noch nicht so groß. Nur die Aussprache ist sehr verschieden.

Nun hat man erkannt, dass Bokmål zu weit entfernt von der gesprochenen Sprache ist und auch keine eigentlich eigene norwegische Sprache… So wurde, ähnlich wie in einigen anderen Sprachen, aus den vorhandenen Dialekten eine Schriftsprache konstruiert, das Nynorsk. Eigentlich wäre es logisch, das zu benutzen, weil es sich wie eine Hochsprache in die Dialektlandschaft einfügt und nicht oder weniger wie eine (sehr nahe) Fremdsprache gelernt werden muss. Aber fast alle Bücher sind in Bokmål geschrieben. Ich versuche in Norwegen immer wieder, auch nur ein einziges halbwegs interessantes Buch in Nynorsk zu kaufen, aber bis jetzt habe ich das noch nicht geschafft. Man muss also in Norwegen Bokmål wegen der Bücher unbedingt gut können. Und so ist es heute üblich, dass etwa 20% der Norweger zum Schreiben Nynorsk bevorzugen und 80% Bokmål. In der Schule lernt man beides und alle können die jeweils andere Schriftsprache lesen und natürlich auch schreiben. Ich kann nur Bokmål schreiben. Ich würde lieber Nynorsk verwenden, weil für mich die gesprochene Sprache viel wichtiger ist, aber die Gelegenheit, das zu lernen, ist nicht so üppig vorhanden. So kann ich nur etwas Bokmål schreiben, aber natürlich beides lesen.

Ich höre immer wieder davon, dass es auch in Schweden eine reichhaltige Vielfalt an Dialekten geben soll. Aber ich erlebe das Schwedische als ausgesprochen homogen. In Schonen und überhaupt im Süden ist die Aussprache leicht verändert, aber das ist kein wirklich großer Unterschied. Man denke an Bayern, Norddeutsche oder Schweizer, die Hochdeutsch sprechen. Man hört den Unterschied zwar, aber versteht es gut gegenseitig, wenn man nur will. Es gibt in Schweden einige lokale Dialekte, insbesondere auf Gotland, aber auch z.B. in Dalarna, die so verschieden vom Hochschwedischen sind, dass sie kaum ein Schwede versteht und die deshalb nur von Einheimischen untereinander gebraucht werden. Das Problem schwer verständlicher Dialekte existiert in Schweden nicht wirklich. Ich war zu oft in dem Land und habe praktisch nur Schwedisch gesprochen, seit ich die Sprache einigermaßen kann. Gefühlt ist Schwedisch also sehr homogen, Norwegisch dagegen nicht. Das macht es ein bisschen schwieriger, die Sprache zu lernen.

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Sprachen lernen mit Duolingo

Es gibt heute eine Menge Web-Seiten und Apps für Mobiltelefone, mit denen man Sprachen lernen kann. Sie werden dafür gerühmt, dass man dafür mit der Hälfte des Zeitaufwands wie in einem Kurs eine Sprache zu einem bestimmten Niveau lernen kann. Hinzu kommen jede Menge Möglichkeiten, Texte in einer beliebigen Sprache zu finden, z.B. in Wikipedia. Und man kann youtube-Filme finden, die Beispiele für gesprochene Sprachen enthalten, z.B. Reden von Putin auf Russisch. Es gibt aber auch youtube-Filme mit „Sprachunterricht“ auf verschiedenstem Niveau, mindestens für die häufigeren Sprachen.

Ich denke, dass Youtube und Wikipedia gut sind, damit man sich stärker bewusst wird, eine reale Sprache zu lernen und nicht irgendwas, was man halt so lernen muss. Es motiviert halt, wenn man einzelne Wörter oder sogar Sätze versteht. Duolingo, stellvertretend für einen ganzen Zoo von Apps und Webseiten hilft dabei, Vokabeln, Phrasen und Rechtschreibung zu lernen. Das sind Dinge, die man bei üblichen Kursen als Hausaufgaben bekommt und es gibt immer wieder man Phasen mit hoher Motivation, in denen man tatsächlich die Wörter lernt, wie man sie spricht, schreibt und übersetzt. Oft dauern diese Phasen nicht so lange an wie der Sprachkurs und man schleppt sich irgendwie durch. So kann man es schaffen, sehr lange eine Sprache in Kursen oder in der Schule zu lernen, ohne dass man in der Lage ist, mit Muttersprachlern mehr als 3-4 Worte auszutauschen, wenn man sich überhaupt traut. Die Wörter fallen einem einfach nicht ein. Nun hat Duolingo ein paar Vorteile. Es motiviert, weil man das Lernen in kleinen Portionen praktizieren kann und weil es zu einer Art Spiel gemacht wird. Man hat so einen „Baum“ von Kreisen. Die sind erst grau, wenn man dort noch nicht war. Dann werden sie bunt, sobald man die vorigen Übungen gemacht hat und dort etwas tun könnte. Jeder Kreis enthält einen Satz Übungen zu einem Thema, so etwa 1-12. Und jede Übung besteht aus ca. 20 Fragen und man bekommt die Fragen immer wieder vorgesetzt, bis man sie alle korrekt beantwortet hat. Oft sind es nicht einzelne Wörter, sondern recht lange Sätze, die man in die zu lernende Sprache übersetzen und richtig schreiben muss. Wenn man einen Satz Übungen geschafft, wird der Kreis orange. Und mit der Zeit veralten die Übungen, je nachdem, wie gut man damit war schneller oder langsamer. Der Veraltungsalogrithmus ist mir nicht ganz genau bekannt, aber jedenfalls werden Kreise wieder bunt. Wenn man eine Sprache lange nicht geübt hat, wird alles wieder bunt und es dauert lange, bis man das wieder orange hat. Man kann einzelne Übungen anwählen oder „Wiederholen“, womit Duolingo einem einen oder zwei der bunten Kreise auswählt und in eine Übung kombiniert, mit der man beide oder einen Kreis orange bekommen kann. Manchmal muss man viele Übungen mit demselben Kreis machen, um ihn oft genug wiederholt zu haben, dass er orange wird.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man Duolingo immer dabei hat und Zeiten im Zug, beim Schlange stehen oder sonst irgendwo beim Warten nutzen kann, um die Sprachen zu üben. Das geht mit Papier für die üblichen Hausaufgaben nur im Zug und die Zeit zum Auspacken und Einpacken ist etwas länger. Außerdem ist der Mechanismus recht effizient, aber darüber kann man natürlich genauere Untersuchungen anstellen, was wirklich effizient ist.

Andererseits lernt man mit so einer App etwas einseitig. Das Sprechen lernt man gar nicht, obwohl es wohl eine Funktionalität gibt, mit der man auch Sprechen kann, aber sie scheint noch nicht zu funktionieren und ich glaube auch nicht, dass das wirklich sinnvoll ist, weil man eben diese Sprechübungen viel schlechter unterwegs machen kann, ohne dass es andere stört. Ok, telefonieren darf man auch überall über beliebige Themen und mit beliebiger Lautstärke, aber das Telefonieren ist so ein Privileg, das sich nicht auf andere laute Tätigkeiten übertragen lässt.

Außerdem wird in Duolingo Grammatik nicht erklärt. Man übt einfach und weiß so ungefähr, wie man es richtig macht, aber die Systematik muss man sich woanders holen. Da kann ein Buch über Grammatik natürlich helfen, wo man ab und zu mal rein schaut. Oder Webseiten darüber. Ich glaube aber, dass man auch Unterricht nehmen sollte. Vielleicht braucht man das nicht jede Woche, alle zwei Wochen oder so wäre sicher gut, damit man einmal Fragen stellen kann, Grammatik erklärt bekommt und auch richtig sprechen lernt.

Sobald man ein gewisses Niveau erreicht hat, lohnt es sich natürlich, in ein Land zu reisen, wo die Sprache gesprochen wird. Es ist besser, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen, weil man da viel mehr Leute trifft, außer man reist in der Schweiz, wo die Leute, mit denen man in für längere Gespräche in Kontakt kommt, überwiegend Ausländer sind. Aber um Deutsch zu lernen ist Deutschland auch viel besser geeignet als die Schweiz, weil es für Sprachanfänger einfach nur verwirrend ist, sich mit Dialekten herumzuschlagen und viele Schweizer sich mit Hochdeutsch nicht so wohl fühlen, auch wenn es eine der vier Amtssprachen ist. Überall ist es nicht mehr ganz so einfach wie noch vor wenigen Jahren, im Zug ins Gespräch zu kommen, weil die Leute alle mit ihren Mobiltelefonen beschäftigt sind. Ich habe ja weiter oben selbst ein Beispiel dafür gegeben.

Bei mir ist im Moment das Thema Russisch zu lernen am wichtigsten, aber ich habe mich zeitweise auch mit anderen Sprachen beschäftigt. Niederländisch, Italienisch und Norwegisch habe ich nur vom Zuhören und sicher inspiriert durch die Ähnlichkeit mit Deutsch, Spanisch und Schwedisch gelernt und ich grabe die immer wieder eine Weile vor einer Reise in die entsprechenden Sprachgebiete aus. Französisch und Spanisch hatte ich in einigen Kursen als Schüler oder Student gelernt und grabe die auch immer mal wieder aus. Schwedisch kann ich recht gut, aber es hat doch geholfen, den Baum orange zu lernen, um etwas zu wiederholen oder Dinge, die ich vorher nicht benutzt habe, dazu zu lernen. Esperanto habe ich vor etwa einem Jahr angefangen zu lernen und es jetzt wieder etwas zurückgestellt, weil andere Sprachen mir im Moment wichtiger sind. Esperanto, Niederländisch und Italienisch kann ich jeweils auf einem Niveau weit unterhalb von A2, vielleicht etwa A1 oder weniger, deshalb würde ich im Moment noch nicht sagen, das ich diese Sprachen kann.

Zum Spaß füge ich hier mal meine heutigen Screenshots für diese Sprachen ein.

Es täuscht etwas, wie Duolingo das Niveau der Sprachkenntnisse bewertet. Norwegisch und Spanisch kann ich besser als Russisch, aber die beiden Sprachen habe ich weniger als Russisch in Duolingo geübt. Mir fällt es etwas schwerer, Russisch zu lernen als Norwegisch oder Spanisch, deshalb brauche ich mehr Übungen, mehr Zeit und bekomme bei Duolingo auch mehr „Punkte“ für mein Russisch. 🙂

Duolingo Schwedisch 2016-06-04

Duolingo Schwedisch 2016-06-04

Duolingo Russisch 2016-06-04

Duolingo Russisch 2016-06-04

Duolingo Spanisch 2016-06-04

Duolingo Spanisch 2016-06-04

Duolingo Esperanto 2016-06-04

Duolingo Esperanto 2016-06-04

Duolingo Norwegisch 2016-06-04

Duolingo Norwegisch 2016-06-04

Duolingo Französisch 2016-06-04

Duolingo Französisch 2016-06-04

Duolingo Italienisch 2016-06-04

Duolingo Italienisch 2016-06-04

Duolingo Niederländisch 2016-06-04

Duolingo Niederländisch 2016-06-04



 

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Russisch lernen

Da ich es liebe, mit Menschen in den Ländern, die ich bereise in deren Sprache zu sprechen, habe ich einige Sprachen gelernt oder zumindest damit begonnen. Oft genug hat man ja auch Gelegenheit, z.B. in der Schweiz Leute aus anderen Ländern zu treffen und mit ihnen ihn ihrer Sprache zu sprechen, was aber schwieriger ist, da die Umgebung nicht umgestellt ist und man erstmal „umschalten“ muss.

Nun habe ich jeweils etwa zwei Jahre Spanisch und zwei Jahre Russisch gelernt. Bei beiden Sprachen ist es hilfreich, dass sie ein ähnliches Alphabet verwenden wie wir im Deutschen. Spanisch hat ein paar zusätzliche Zeichen im lateinischen Alphabet, die auch noch logisch leicht nachvollziehbar sind. Russisch verwendet das kyrillische Alphabet, das grundsätzlich auch buchstabenorientiert ist wie das lateinische und dessen Zeichen sich leichter erschließen, wenn man sich am griechischen Alphabet orientiert, das wir ja zumindest teilweise aus der Mathematik kennen. Aber auch wenn die meisten Zeichen sich damit schnell erschließen und die übrigen auch schnell zu lernen sind, dauert es doch eine Weile, die Routine zu entwickeln, um das (fast) so flüssig wie lateinische Schrift lesen zu können. Bevor Wörterbücher über das Internet überall verfügbar waren, z.B. LEO, war es auch eine Herausforderung, das Alphabet mit seiner Reihenfolge so gut zu kennen, dass man im Wörterbuch schnell etwas findet. Diese Fertigkeit lernt man heute weniger und braucht sie auch weniger. Wie beim Deutschen ist es noch einmal eine Herausforderung, die Schreibschrift zu lernen, was wiederum an Bedeutung verliert, weil wir heute handschriftlich nur noch für uns selber etwas aufzeichnen und alles, was andere lesen sollen, mit dem Computer geschrieben wird. Wie bei uns ist aber die Kursivschrift ein halber Schritt in Richtung der Schreibschrift, weil Buchstaben zum Teil deutlich verändert sind und das in eine ähnliche Richtung.

Wenn man Deutsch, Englisch und Latein gelernt hat, profitiert man beim Spanisch davon, dass die Wörter oft Wörtern aus diesen drei Sprachen (mit aufsteigender Häufigkeit) ähneln und dass die Konjugation eine entfernte Ähnlichkeit zum Deutschen und eine große Ähnlichkeit zum Lateinischen hat. Auf jeden Fall konnte ich Spanisch in zwei Jahren auf ein brauchbares Niveau bringen und kann mich in dieser Sprache mit vielen Fehlern und suboptimaler Aussprache recht gut über viele Themen unterhalten. Andere romanische Sprachen würden auch helfen, aber mein Französisch ist nicht so gut und ich habe es auch erst nach dem Spanisch angefangen.

Beim Russischen ist es eigentlich ähnlich. Die Wörter haben auch Ähnlichkeit mit Wörtern vom Deutschen, Lateinischen, Spanischen, Schwedischen. Die Ähnlichkeit ist oft nicht ganz so nah und es kommen viele Wörter vor, bei denen sie für mich nicht gut genug erkennbar ist, um sie nutzen zu können. Aber bei jeder Sprache muss man Vokabeln lernen und es gibt auch beim Schwedisch, das ja sehr nah mit dem Deutschen verwandt ist, viele Wörter, die spezifisch für Schwedisch oder zumindest für die nordischen Sprachen sind und die man einfach lernen muss. Es ist nur eine Fleißarbeit und leider ist hier anders als in der Informatik Faulheit keine Tugend.

Die Konjugation ist extrem ähnlich mit der vom Lateinischen, Spanischen und Deutschen. Man findet sogar die Besonderheit wieder, dass die Endung für die erste Person Singular im Lateinischen normalerweise ein „o“ ist, aber in manchen Fällen auch ein „m“, z.B. bei „sum“ für „ich bin“, im Deutschen übrigens bei genau diesem Wort auch, nur dass es ein „n“ statt einem „m“ ist. Wenn man großzügig über den Wechsel zu ähnlichen Konsonanten und Vokalen hinwegsieht ist die Konjugation aber sehr ähnlich. Ein Linguist hat mir bestätigt, dass dies auf den gemeinsamen Ursprung der Sprachen zurückzuführen ist.

Wie sieht es bei der Deklination aus? Russisch hat 6 Fälle, wobei wie im Latein ganz selten noch ein Lokativ als 7. Fall vorkommt. Man hat aber fast immer Formen, die zusammenfallen, also jeweils für Singular und Plural nur etwa 5 verschiedene Endungen. Auch hier findet sich Ähnlichkeit mit Deutsch und Lateinisch. Englisch und Spanisch haben die Deklination sehr reduziert und die Kasusendungen aufgegeben, dienen also für diesen Vergleich nicht wirklich. Was aber Spanisch auch hat, ist das „a“ als typische Femininum-Endung. Das hat Russisch auch.

Nun haben wir schon auf Deutsch und auch auf Lateinisch ein Muster, das sich häufig findet. Der Genitiv Singular hat oft Ähnlichkeit mit dem Nominativ Plural. Und der Nominativ Plural vom Neutrum und Maskulinum hat oft Ähnlichkeit mit dem Nominativ Singular vom Femininum. Oder der Genitiv Singular vom Neutrum und Maskulinum hat Ähnlichkeit mit dem Nominativ Singular vom Femininum. Diese Muster finden sich in allen drei Sprachen in unterschiedlichen Kombinationen wieder und helfen dabei, die betreffenden Endungen „ungefähr“ zu lernen. Es muss aber Routine werden und vom Sprachgefühl ohne Überlegung kommen, sonst kann man keine Unterhaltung führen. Ob dieses Muster von der gemeinsamen Herkunft stammt oder sich zufällig ergeben hat, weiß ich nicht, es hilft aber ein bisschen beim Lernen.

Diese Kasusendungen von Substantiven und Adjektiven und die Konjugationsendungen von Verben fühlen sich wie eine Schikane an, weil man unheimlich viel lernen muss, um sie zu können. Offensichtlich funktionieren ja z.B. Schwedisch und Englisch mit sehr viel weniger Formen als z.B. Lateinisch und Russisch auch. Finnisch, Estnisch und Ungarisch haben sogar noch mehr unterschiedliche Kasusendungen für die jeweils selben Substantive. Um eine Sprache zu verstehen, müssen wir aber die Sammlung von Wörtern irgendwie einordnen und kombinieren. Sie spielen verschiedene Rollen im Satz. Welche Rolle ein Wort spielt, kann durch die Endung ausgedrückt werden. Oder durch die Position im Satz. Oder durch Wörter in der unmittelbaren Umgebung, meistens Präpositionen. Präpositionen sind ein unheimlich interessantes und mächtiges Mittel von Sprachen und sie bilden mit dem nachfolgenden Substantiv und eventuell weiteren Wörtern zusammen einen Satzteil, den man auch relativ unabhängig von der Position richtig einordnen kann, solange die Anordnung der Wörter und eventuell die Kasusendung innerhalb dieses Satzteils stimmen. Und Präpositionen sind auch etwas, was mir bei Sprachen, die ich schon gut kann, immer noch Schwierigkeiten bereitet, weil sie ja nicht 1:1 übersetzt werden können, sondern je nach Anwendungsfall in der jeweiligen Sprache die richtige Präposition verwendet werden sollte.

Auf jeden Fall sind Sprachen mit einigermaßen eindeutiger Kasuskennzeichnung wie Latein und Russisch und sogar Deutsch in der Lage, mit der Anordnung von Satzteilen flexibler umzugehen, während die Reihenfolge in Sprachen wie Schwedisch oder Englisch stärker dem Standardmuster folgen muss, um eine schnelle und zuverlässige Einordnung zu erlauben. Anscheinend funktioniert beides gut genug für den praktischen Gebrauch. Die Abstützung mit Endungen scheint mir robuster zu sein und ich denke, dass es auch einfacher ist, damit eine Sprache gut zu lernen. Der Einstieg ist natürlich viel leichter, wenn die Sprache über die Position im Satz arbeitet.

Was macht es nun aus, dass Russisch mir schwerer fällt als Spanisch? Ich glaube nicht, dass es sich an einem Punkt festhalten lässt. Es ist eine Kombination von vielen Punkten, die für sich genommen relativ wenig ausmachen.

  • Spanisch ist näher an Latein als Russisch. Und Latein habe ich nun einmal recht gut gelernt.
  • Die kyrillische Schrift ist zwar relativ einfach, aber doch eine zusätzliche Hürde. Schwierig wäre die arabische Schrift ohne Vokalisierung oder gar einige ostasiatische Schriften.
  • Die Wörter haben viel Ähnlichkeit mit denen aus anderen Sprachen, die ich kenne, aber doch weniger als z.B. bei Spanisch oder Schwedisch
  • Die Sonderfälle bei der Konjugation und Deklination sind etwas schwieriger zu greifen als bei anderen Sprachen, die ich kenne. Es gibt sie überall, außer bei Esperanto.
  • Ja, die Deklination muss man lernen und sie muss zur Routine werden. Das hilft später, aber am Anfang nicht. Und ich bin am Anfang….
  • Es gibt oft recht lange Wörter, was den Lernaufwand für die Vokabeln vergrößert.
  • Bei Verben gibt es meistens zwei und manchmal mehr verschiedene Verben, die jeweils eine Gruppe bilden, (fast) dasselbe bedeuten, aber sich im „Aspekt“ unterscheiden. Das Konzept ist man in der durchgängigen expliziten Form nicht gewohnt, wenn es auch in anderen Sprachen bei Bedarf irgendwie ausgedrückt wird.
  • Ich war insgesamt fünf Mal in Spanien und insgesamt vielleicht 9 Wochen. In Russland nur etwas weniger als eine Woche.
  • In Russland war ich überwiegend mit dem Fahrrad unterwegs, in Spanien überwiegend mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da trifft man mehr Leute und redet mehr.

Auf jeden Fall ist es eine Bereicherung, eine Sprache mehr zu lernen. Es ist interessant, wie die Sprache funktioniert, aber es ist auch interessant, mit Menschen in ihrer Sprache reden zu können und deren Kultur besser zu verstehen. Und Russisch erschließt die Kommunikation mit vielen (älteren) Menschen aus dem ehemaligen Einflussbereich der Sowjetunion, hilft aber auch dabei, irgendwann eine andere slawische Sprache zu lernen. Aber nun werde ich Russisch weiterhin lernen, bis ich dort mit etwas mehr Aufwand als bei Schwedisch oder Spanisch auch in der Lage bin, mich über interessante Themen zu unterhalten.

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Esperanto

Von Esperanto haben einige Leute nicht einmal gehört und die meisten, die davon gehört haben, sehen es als Misserfolg an.

Esperanto ist eine Sprache, die von etwa einer Million Menschen gesprochen wird. Diese Sprache ist nicht wie die meisten gesprochenen Sprachen einfach historisch entstanden, sondern sie ist gegen Ende des 19. Jahrhunderts quasi „erfunden“ worden. Das Ziel war, eine Sprache zu kreieren, die einfach zu lernen ist und als Kommunikationssprache für Menschen verwendet werden kann, die nicht dieselbe Muttersprache haben. Warum brauchen wir dieses Esperanto, wo wir doch Englisch haben, das de facto diese Rolle übernommen hat?

Es gibt eigentlich aus meiner Sicht zwei Gründe. Englisch können zwar recht viele Leute, aber es ist eine sehr schwierige Sprache. Ein bisschen sprechen lernt man schnell, weil man am Anfang auf keine großen grammatikalischen Hürden stößt. Die kommen erst später. Aber das Verstehen ist nicht so einfach und in Deutschland laufen englischsprachige Kinofilme immer noch in synchronisierter Fassung, weil trotz langjährigem Englischunterricht in den Schulen und dauernder Präsenz dieser Sprache in Medien, Bahnansagen, Internet, Büchern u.s.w. es zu schwierig ist, das gesprochene Englisch zu verstehen und den Film nur mit Untertiteln zu verfolgen vielen Zuschauern zu anstrengend ist. Man kann weder bei einem unbekannten gehörten Wort sagen, wie es geschrieben wird, noch bei einem unbekannten gelesenen Wort sagen, wie es gesprochen wird. Mit der Zeit hat man gewisse Erfahrungswerte und erzielt relativ hohe Trefferquoten, aber z.B. ein „o“ kann wie „a“, „o“, „u“ oder „i“ gesprochen werden. Und genau genommen sind die Vokale meist Diphthonge, deren Aussprache nicht einmal einfach ist. Den Akzent hört man noch lange, aber das macht ja auch nichts.

Lesen und Schreiben sind in den meisten Sprachen ein bisschen unregelmäßig. Auf Französisch gibt es für ein gesprochenes Wort, das man nicht kennt, jeweils eine Vielzahl von Schreibweisen. Wenn man nicht sehr genau hinhört, sogar noch mehr, weil man ähnliche Laute nicht unterscheiden kann. Für das Lesen eines unbekannten Wortes sind die Regeln aber einigermaßen eindeutig, mit wenigen Ausnahmen für häufige Wörter wie „plus“ und Fremdwörter. Das ist auch im Deutschen so ähnlich, wobei beim Lesen die Erkennungsmechanismen für lange und kurze Vokale nicht immer ganz zuverlässig sind und bei der Schweizer Unart, statt „ß“ immer „ss“ zu schreiben, völlig über den Haufen geworfen werden. Bei Russisch muss man für einige häufige Wörter und Buchstabenkombinationen Sonderregeln für Aussprache und umgekehrt auch für das Schreiben lernen und das geschriebenen „о“ wird manchmal wie „a“ und manchmal wie „o“ gesprochen. Schwedisch und Norwegisch haben witzigerweise mit dem „o“ auch so eine Hürde für den Leser, weil es mal eher wie „u“ und mal eher wie „o“ gesprochen wird. Japanisch hat in lateinisch geschriebener Form (und wohl auch in Hiragana und Katakana) für das geschriebene „u“ oder Kombinationen aus einem „u“ mit einem vorangestellten Konsonanten die Varianten, so einen hörbaren Vokal zu sprechen, der zwischen „u“ und „ü“ liegt oder diesen nur anzudeuten, so dass es für uns fast nicht wahrnehmbar ist und als stumm wahrgenommen wird. Das verträgt sich gut damit, dass Hiragana- und Katakana-Zeichen jeweils aus einem von einem Vokal gefolgten Konsonanten bestehen. Für die Vokale alleine, sozusagen mit dem leeren Konsonanten oder dem weggelassenen Konsonanten gibt es auch Zeichen. Wenn man arabisch lernt, lernt man, dass ein Wort nie mit einem Vokal anfängt, sondern immer mit einem Konsonanten, der implizit vor den Anfangsvokal gestellt und von uns nicht als solcher wahrgenommen wird. Diese Lesart würde die Hiraganaschrift ganz regelmäßig machen, aber es bleibt das Bedürfnis, so etwas wie „Group“ schreiben zu können und da schreibt man dann halt „gurūpu“ und weiß, dass einige der „u“s bei diesem Wort kaum gesprochen werden, sozusagen (fast) leere Vokale sind. Arabisch und Farsi sind noch unregelmäßiger, weil es schick ist, die Vokale, die wie diakritische Zeichen über den vorangehenden Konsonanten geschrieben werden könnten, wegzulassen. Bei einem unbekannten Wort kann so nach jedem Konsonanten ein „a“, ein „i“, ein „u“ oder ein „leerer Vokal“ folgen. Es gibt aber für die drei Vokale jeweils auch Konsonanten, die manchmal für die entsprechenden langen Vokale und manchmal für echte Konsonanten stehen. Wenn man genau hinhört, kann man also ein arabisches Wort schreiben, wobei viel Übung dazugehört, einige ähnliche Laute zu unterscheiden. Ein unbekanntes Wort, etwa einen Ortsnamen, vorlesen, schafft nicht einmal ein Muttersprachler zuverlässig. Für den Gebrauchswert der Sprache wäre also die Vokalisierung besser, aber man verwendet sie nur für Grundschüler und natürlich für den Koran, der als das absolut perfekte Schriftstück gesehen wird und keinerlei Raum für Ungenauigkeit beim Lesen lassen darf. Im Grunde genommen ist das Lesen von Englisch fast so schwierig wie das Lesen von Arabisch. Natürlich lässt sich das mit chinesischer Schrift oder der japanischen Kanji-Schrift noch steigern, wo man tausende von Schriftzeichen lernen kann, die keinerlei Bezug zu Phonetik haben. Umgekehrt gibt es auch Sprachen, die eine sehr regelmäßige Rechtschreibung haben, wo also geschriebene und gesprochene Sprache relativ gut übereinstimmen. Das scheint z.B. für Serbisch, Türkisch und Finnisch zuzutreffen. Natürlich wurde Esperanto so gemacht, dass es auch dort gilt.

Kurz gesagt, ist Englisch nicht wirklich so einfach. Auch Grammatik, unregelmäßige Verben und die Mehrfachbelegung von ähnlichen Bedeutungen mit sehr verschiedenen Wörtern romanischen und germanischen Ursprungs (z.B. „Schwein“: „pig“, „hog“, „pork“, „boar“. „swine“, „sow“) ist eine Hürde. Wir haben das im Deutschen auch, vielleicht seltener als im Englischen, z.B. „Pferd“, „Gaul“, „Ross“ oder „Fahrrad“ und „Velo“. Wir können Englisch also nur mit extrem großem Aufwand so gut lernen, dass wir uns darin flüssig bewegen können und in manchen Berufsgruppen und Tätigkeitsfeldern ist das förderlich oder sogar erforderlich. Meinen Informatikblog schreibe ich auch seit etwa einem Jahr überwiegend auf Englisch. Das schaffe ich, ich kann auch Vorträge auf Englisch halten und Filme ohne Untertitel schauen, aber der Aufwand war enorm.

Nun sagt man also, dass Esperanto wesentlich schneller erlernbar sei als Englisch. Ich glaube es gerne, aber man sollte natürlich entsprechende Belege erbringen.

Ein anderer wichtiger Aspekt ist, dass Esperanto eine „neutrale“ Sprache ist. Obwohl es einige tausend Muttersprachler gibt, ist es doch nirgendwo Landessprache und es erzielt kein Land einen Vorteil dadurch, dass seine Sprache „lingua franca“ ist. Das ist nicht vernachlässigbar, denn die augenblickliche Rolle des Englischen wirkt sich rein ökonomisch wie eine jährliche Milliardenüberweisung der größeren Länder dieser Erde an die englischsprachigen Länder aus und verschafft in gewissen Situationen englischsprachigen Muttersprachlern Vorteile z.B. bei Verhandlungen. Der Vorteil eine gemeinsame Sprache mit nicht-deutschsprachigen Gesprächspartnern zu haben, ist sicher diesen Preis wert, aber es wäre besser, langfristig billiger (für fast alle) und fairer, wenn Esperanto diese Rolle hätte. Das wird kurzfristig nicht passieren. Aber man kann doch sehen, dass sich auch diese gemeinsam genutzten Verkehrssprachen ändern, sonst würden wir heute alle Latein oder Griechisch verwenden, um miteinander zu sprechen, wenn wir nicht gegenseitig eine unserer Mutterprachen verstehen. Die EU hätte sicher auch Möglichkeiten und genug Einfluss, um Esperanto nachhaltig zu fördern.

Aber heute ist es eine Sprache, die von etwa einer Million Menschen gesprochen wird. Es ist eine gute Idee und ich habe auch angefangen, es zu lernen.

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Warum ist es so interessant, mehrere Sprachen zu lernen, man kann doch versuchen, überall mit Deutsch und Englisch durchzukommen oder sich Reiseziele aussuchen, wo das einigermaßen gut funktioniert.

In manchen Ländern funktioniert das tatsächlich einigermaßen gut, aber man schränkt sich die Wahl der Reiseziele doch auf die Dauer recht stark ein, weil die meisten Menschen immer noch ihren lokalen Dialekt und eine Art Hochsprache oder Landessprache sprechen. Man kommt irgendwie durch, Geld wird immer verstanden und Zahlen sehen auch meistens so ähnlich aus, außer in den Golfländern, wo man nicht die Ziffern benutzt, die bei uns „arabisch“ heißen, sondern andere, die angeblich aus Indien stammen. Aber Taschenrechner oder Mobiltelefone helfen bei der Preisverhandlung.

Man erlebt aber auch viel mehr von dem Land, wenn man die Sprache spricht, denn in der Fremdsprache bekommt man meistens nur eine Fassade. In den meisten Fällen wird es positiv aufgenommen, wenn man die Sprache lernt und man wird eher besser behandelt.

Sprachen zu lernen ist nicht so einfach und man kann es nicht für jedes Reiseland tun, aber wenn man irgendwo öfter hin fährt oder es eine Sprache mit vielen Sprechern ist, kann es schon interessant sein, die zu lernen.

Ein Mittel, das sich gut bewährt hat, ist in das Land zu Reisen und nach Möglichkeit alles in der Landessprache, die man gelernt hat, zu sagen. Aber man hat es dann natürlich unter Umständen schwer, die Antwort zu verstehen.

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