DVDs kopieren, Schwarzfahren, Schwarzparken

Wer Filme von DVDs oder anderen elektronischen Medien anschaut, wird diesen Vorspann kennen, der von jemandem handelt, der für das Kopieren von DVDs eine mehrjährige Gefängnisstrafe bekommen hat.

Natürlich gibt es Regeln, die bei vielen Medien das Kopieren oder das Weitergeben der Kopien einschränken. Ob das grundsätzlich sinnvoll und nötig ist, um Filmstudios die Möglichkeit zu geben, Filme zu produzieren und zu verkaufen, sei dahingestellt. Ich habe mich grundsätzlich daran gehalten, dass ich meine Filme gekauft habe, soweit sie nicht „frei verfügbar“ waren wie z.B. Filme in youtube. Dasselbe gilt natürlich für andere elektronisch verfügbare Werke wie z.B. Bücher oder Musik. Ich verwende der Einfachheit die Filme als Beispiel.

Abgesehen davon, dass das nicht wirklich glaubwürdig wirkt, ist die Frage zu stellen, ob mehrjährige Gefängnisaufenthalte und ein Herumschnüffeln des Staats in der Privatsphäre zum Entdecken von solchen Kopien verhältnismäßig sind. Wie immer in diesen Fällen muss man annehmen, dass die Wahrheit zwischen den beiden Extrempositionen liegt. Die Filmindustrie behauptet, dass derjenige, der sich einen Film von jemandem kopiert hat, diesen in jedem Fall zum vollen Kaufpreis erworben hätte, wenn er ihn nicht gratis bekommen hätte, und errechnet (schätzt) daraus entgangene Einnahmen. Diejenigen, die viel kopieren, sagen, dass sie eher auf die Filme verzichten würden, wenn sie dafür bezahlen müssten… Wahrscheinlich würden sie in Wirklichkeit einige Filme kaufen, aber nicht so viele, wie sie jetzt kopieren. Das Kopieren kann zu einem Hobby wie Briefmarkensammeln werden….

Ich denke, dass die „Delikthöhe“ in etwa mit Schwarzfahren im öffentlichen Personennahverkehr oder mit Schwarzparken, also nicht Bezahlen der Parkgebühren auf einem gebührenpflichten Parkplatz vergleichbar ist. Die Summe, die man nicht bezahlt hat, liegt in etwa in der Größenordnung des heutigen Preises einer DVD, vielleicht geringfügig darunter. Im Unterschied zu dem Film sind Parkplätze und Plätze im ÖPNV zur Hauptverkehrszeit knapp, während man von einem Film beliebig viele Kopien anfertigen kann, ohne dass das Original dadurch Schaden nimmt. Ich denke, dass für Schwarzfahren und Schwarzparken Bußen im oberen zweistelligen Bereich angemessen und akzeptiert sind. Das ist eine ganze Menge, aber wenn man es als eine Art Obergrenze ansieht, vielleicht akzeptabel. Wenn die Bußen für „Schwarzparken“ irgendwo niedriger als das sind, könnten sie ruhig erhöht werden. Ich rede ausdrücklich nur vom „gratis Parken“, wo es eigentlich etwas kosten würde, nicht vom Falschparken mit Gefährdung oder Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer, etwa wenn Eltern mit Kinderwagen auf die Fahrbahn ausweichen müssen, um am geparkten Auto vorbeizukommen.

Ein Eingriff in die Privatsphäre, wie das Ausschnüffeln von persönlichen Daten, ist für derartige „Delikte“ kaum zu rechtfertigen. Ich denke, dass man andere Mechanismen finden sollte, um Menschen zum Bezahlen für die Filme zu ermutigen. Auf der einen Ebene haben wir in verschiedenen Ländern jeweils Gewohnheiten etabliert, wie z.B. Trinkgelder gezahlt werden sollen und fast jeder hält sich daran, trotz Egoismus. Grundsätzlich scheint so etwas möglich zu sein, wobei hier natürlich eine Rolle spielt, dass das Geld, das man zusätzlich zahlt, einer Person zugute kommt, mit der man persönlich interagiert hat und nicht einem Konzern mit Millionen- oder gar Milliardengewinnen. Vielleicht ist das aber genau der Schlüssel, wie das einmal zukünftig gelöst werden könnte. Noch vor wenigen Jahren brauchte man Großkonzerne, um überhaupt die Infrastruktur wirtschaftlich betreiben zu können, die man braucht, um Filme, Schallplatten, CDs, Bücher u.s.w. zu produzieren. Heute kann der Autor eines Werkes dieses auf seiner Homepage zum Download anbieten und rein technisch sind die Medienkonzerne dafür nicht mehr nötig. Das ist ein großes Rationalisierungspotential, da zumindest bei kleinen Auflagen die Autoren des Werkes nur ein paar Prozent vom Umsatz erhalten. Der größte Teil des bezahlten Preises fließt an die Medienkonzerne und den Vertriebsweg. Mit dem System haben wir jahrhundertelang gut gelebt, die Preise von Büchern und später anderen Medien waren erschwinglich genug und das Angebot groß.

Wenn man aber heute Werke so einfach selbst verbreiten kann, stellt sich die Frage, ob unsere Bezahlmechanismen effizient genug sind? Es gibt Ansätze, um Kleinbeträge zu bezahlen, aber die sind im Verhältnis zum Geldbetrag zu umständlich, zu risikoreich oder mit zu hohen Transaktionskosten verbunden. Ich habe es selbst einmal erlebt, als ich Musikstücke heruntergeladen habe, die frei waren. Als ich diese oft gehört hatte, wollte ich dafür etwas bezahlen. Die freiwillige Bezahlfunktion existierte auf der Seite, wo ich es heruntergeladen hatte. Aber sie funktionierte nicht, zumindest wüsste ich nicht, woher sie das Geld genommen hat, das dort eingezahlt wurde, jedenfalls nicht von mir. Wenn man nun 1-2 Stunden Aufwand treiben muss, um 1-10 EUR tatsächlich einzuzahlen, wird es absurd. Das muss einfach und sicher und ohne große Gebühren funktionieren. Wir wollen vielleicht dem Musiker 10 EUR geben aber nicht 4 EUR der Bank (oder dem Payment-Solution-Provider) und 6 EUR dem Musiker. 9.80 EUR für den Musiker und 0.20 EUR für die Bank wären sicher akzeptabel, aber nicht wenn man dafür 15 min im E-Banking aktiv sein muss.

Interessant ist auch die Frage, was auch wissenschaftlichen Zeitschriften werden soll. Die funktionierten in der Vergangenheit so, dass Wissenschaftler Artikel für sie geschrieben haben, natürlich gratis bzw. während ihrer von der Uni oder dem Forschungsinstitut bezahlten Arbeitszeit. Das ist selbstverständlich, weil Karriere und Prestige sehr stark von diesen Veröffentlichungen abhängen. Der Verlag muss die nun bewerten, hat aber nicht das Spezialwissen für eine tiefgehende Bewertung. Dann werden die Artikel an Wissenschaftler aus demselben Spezialgebiet geschickt, die wiederum gratis für den Verlag diese beurteilen. Diese profitieren nun vom Wissensvorsprung. Der Verlag druckt das dann und die Zeitschrift wird abonniert von Uni- und Institutsbibliotheken. Für Privatpersonen ist das normalerweise unerschwinglich. Wenn man nun damit arbeiten will, geht man in die Bibliothek und sucht den Artikel. Es gab früher gedruckte Indizes, die einigermaßen gut funktionierten. Aber es war schon ein Zeitaufwand. Dann hat man sich die Artikel kopiert und mitgenommen, die Zeitschrift hat nie die Bibliothek verlassen, denn der nächste wollte sie auch nutzen können. Oder man hat sie kurz mitgenommen zu dem Kopierer, wo man gratis kopieren durfte, und sofort zurückgebracht.

Das schreit nach einer Internetlösung und meines Wissens sind die Zeitschriften und vor allem die Suchindizes heute auch alle im Internet verfügbar, aber soweit ich weiß, nur für zahlende Abonnenten. Ob es die gedruckten Zeitschriften noch gibt und ob es sie noch geben muss, ist eine weitergehende Frage. Aber zumindest das Handling ist einfacher geworden oder wird es in den nächsten Jahren werden, soweit es neuere Jahrgänge betrifft. Und irgendwann wird man auch die alten Jahrgänge digitalisieren, soweit das noch nicht geschehen ist.

Nun könnte eigentlich jeder Wissenschaftler seine Publikationen ins Internet stellen, aber die Zeitschriften erfüllen doch eine Funktion, auch wenn sie diese überwiegend delegieren und dafür nichts bezahlen. Sie selektieren ernsthafte, interessante, qualitativ hochwertige Publikationen. Je renommierter die Zeitschrift ist, desto höher ist die Hürde, wobei hier sicher wie überall in der Welt auch gute Beziehungen ein bisschen helfen können. Wie gesagt, es hängt sehr viel davon ab, für einen jungen Wissenschaftler, der sich für eine Karriere in Forschung und Wissenschaft entschieden hat, sogar sehr viel, denn die Stellen, die einigermaßen eine langfristige Perspektive bieten sind meistens seltener als die Leute, die daran Interesse haben.

Ich denke aber, dass hier langfristig Lösungen gefunden werden könnten, die auch ohne die Verlage auskommen bzw. die den Verlagen eine viel kleinere Rolle zuweisen, wenn es ein Portal ähnlich wie Wikipedia gäbe, wo man Artikel veröffentlichen kann. Es kann aus verschiedenen Gründen nicht Wikipedia selbst sein, weil im Gegensatz zu Wikipedia die Eintrittshürde höhere wäre, die Bindung der Artikel an Autoren stärker und vor allem Artikel zur Wahrheitsfindung erlaubt und erwünscht wären, während Wikipedia nur Dinge wiedergibt, die man aus primären Quellen zusammensuchen kann, sozusagen vorhandenes Wissen aggregiert. Eigentlich ist Wikipedia fast das Gegenteil einer wissenschaftlichen Zeitschrift.

Ökonomisch ist es immer eine Herausforderung mit einem schrumpfen von Umsätzen umzugehen. Nach einer großen Veränderung könnte man als kleinere Firma aktiv sein, aber oft schaffen das große Firmen nicht. Man sieht es z.B. an Kodak, einer Firma mit sehr interessantem Knowhow und viel Technologiewissen, die es nicht geschafft hat, zusammen mit schrumpfenden Märkten im Kerngeschäft mitzuschrumpfen oder sich andere Geschäftsfelder zu öffnen. Das werden wir noch oft sehen und die Wirtschaftsgeschichte ist voll von solchen Fällen. Viele heute bedeutende Firmen werden in ein paar Jahrzehnten entweder verschwunden sein, geschrumpft sein oder etwas ganz anderes machen.

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Kommentare

Da in letzter Zeit eine Flut von Spam-Kommentaren eintrifft, werde ich Kommentare, die keinen Text enthalten, der Bezug auf den Artikel nimmt, sondern nur Links, löschen. Den Link werde ich nicht prüfen. Außerdem werde ich Kommentare in der Regel nur in derselben Sprache wie der Originalartikel akzeptieren- Ausnahmen mache ich, wenn der Inhalt offensichtlich sehr interessant ist. Grundsätzlich mag ich gerne Sprachen und ich spreche Deutsch, Englisch, Schwedisch, Norwegisch, Spanisch, Russisch und Französisch und lese diese Sprachen auch gerne, aber nicht wenn es z.B. um Pharmaprodukte, billige Kredite oder sonstige typische Spam-Themen geht. Das ist hier auch off-topic, egal in welcher Sprache.

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U-Bahn oder Metro

Oft erleben wir, dass dieselbe Sache in verschiedenen Ländern oder sogar verschiedenen Orten verschieden genannt wird. Man könnte z.B. von der „Münchener U-Bahn“ und der „Pariser Metro“ sprechen, wohlgemerkt in derselben Sprache.

Das mag als Eigenname noch gehen, aber ich finde es absurd, wenn man dieselbe Sache abgeleitet aus dem Eigennamen wirklich verschieden bezeichnet, also z.B.: „In Paris gibt es eine Metro“ und „München hat eine U-Bahn“ o.ä. Sehr vehement bestehen viele Zeitgenossen darauf, dass man Nationalstraßen landesspezifisch bezeichnet, also z.B. „Bundesstraße“ (DE), „Riksväg“ (SE), „Hauptstrasse mit Nummer“ (CH) u.s.w.

Ich finde es gut, wenn man Begriffe in der eigenen Sprache findet und diese auch verwendet. Aber in diesem Fall ist das Wort „U-Bahn“ schon rein sprachlich ein ziemlich komisches Wort. Damit kann man leben, zumal es die schöne Abkürzung „U“ mit sich bringt, um Linien zu bezeichnen. Aber das „U“ stiftet nur Verwirrung. Wir assoziieren es mit „Untergrundbahn“, aber eine Metro oder U-Bahn kann über längere Strecken an der Oberfläche, im Graben, auf Dämmen oder häufig aufgeständert fahren. Nur sehr wenige System sind komplett unterirdisch. Wenn das „u“ für „unabhängig“ steht, ist es korrekt, aber daran denkt niemand. Das englische „Subway“, „Underground“, „Overground“ und das schwedische „T-Bana“ bzw. das norwegische „T-bane“ für „tunnelbana“ sind genauso falsch oder irreführend. „Metro“ ist ein neutrales Wort, das in sehr vielen Sprachen etabliert ist und in fast allen Sprachen verstanden wird. In Russland (kyrillisch „Метро“), Spanien, der Ukraine, Frankreich, Dänemark, Brasilien, Griechenland, Bulgarien und vielen anderen Ländern wird genau dieses Wort verwendet.

Das Wort „Metro“ ist schön kurz, einfach zu schreiben, einfach auszusprechen und im Gegensatz zu den meisten frisch übernommenen Fremdwörtern kompatibel mit der deutschen Sprache. Der Vorteil eines internationalen Worts liegt bei einem Transportsystem auf der Hand. Touristen kommen für kurze Zeit in Städte, oft mit wenigen Sprachkenntnissen. Es ist immer eine Herausforderung, sich zu orientieren. Und gerade öffentliche Verkehrsmittel sind da oft wichtig, noch wichtiger als bei Einheimischen, sei es, weil man kein Fahrrad und kein Auto dabei hat, sei es, weil man sich nicht gleich traut, im unbekannten Straßenverkehr zu fahren.

Metro kann man gut mit einem „M“ abkürzen. Berlin wird sich also umstellen müssen, weil dort einige Bus- und Tramlinien Bezeichnungen wie „M3“ haben, meines Wissens für schnellere Linien mit weniger Halten. Umstellungen sind immer unangenehm und man sollte sie vermeiden. In diesem Fall ist es nicht so schlimm, weil man ja die Nummern nach dem Buchstaben behalten kann. In dem Fall ist eine Umstellung in zwei Schritten sinnvoll.

Wir sollten also unsere U-Bahnen „Metro“ nennen. Das gleiche gilt für Straßenbahnen, wo erfreulicherweise das internationalere und kürzere Wort „Tram“ inzwischen auf Aushängen und Hinweisschildern häufiger verwendet wird. Ich werde in Zukunft in diesem Blog das Wort „Metro“ vor „U-Bahn“ bevorzugen.

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