Bahnstreiks in Frankreich

In Frankreich noch mehr als in Deutschland erlebt man immer wieder mal Bahnstreiks.

So sehr oft dieselben Leute sich für Umweltschutz einsetzen und für die Rechte von Arbeitnehmern, sollte man sich doch bewusst werden, dass Bahnstreiks ein großes Hindernis für eine Verkehrswende sind.

In Frankreich geht es bei den Streiks im Dezember 2019 primär um die Frage der Ruhestandsregelung. Bedienstete von Bahn und Metro haben zum Teil Anstellungsbedingungen, die es zulassen mit Anfang 50 in den Ruhestand zu gehen und dann eine Pension zu beziehen, die durch die vorher geleisteten Beiträge nicht gerechtfertigt ist, sondern teilweise von der Allgemeinheit getragen werden muss. In Zeiten, in denen Menschen älter werden und länger gesund bleiben, sollte man ernsthaft über höhere Ruhestandsalter nachdenken und anstreben, dass Menschen, die ihren Beruf noch bis zu diesem Alter ausüben können, etwa bis 70 arbeiten. Wo gesundheitliche Gründe oder Schwierigkeiten, mit 65 noch eine neue Arbeit zu finden, entgegenstehen, sollte man dies natürlich berücksichtigen. Aber ein pauschales Ruhestandsalter von 55 oder jünger für bestimmte Berufsgruppen, die nicht durch körperlich besonders anstrengende oder gesundheitsschädliche Arbeit auffallen, halte ich für unvernünftig. Natürlich ist das schön, so etwas zu bekommen, deshalb kämpfen die Betroffenen dafür, dass es so bleibt. Es ist auch schön, als Pilot noch mehr zu verdienen, deshalb streiken Piloten auch gelegentlich, obwohl das Einkommen schon überdurchschnittlich hoch ist.

In der Schweiz hat man es geschafft, dass Eisenbahner nicht streiken. Der Bahnverkehr und der ÖPNV gehören zur Grundversorgung der Bevölkerung und sollten immer funktionieren. Deshalb sollten andere Länder darauf hinarbeiten, ein ähnliches Modell wie die Schweiz zu finden, das Streiks von Eisenbahnern und ÖPNV-Bediensteten zuverlässig verhindert.

Für die Verkehrswende ist es wichtig, dass man sich auf die öffentlichen Verkehrsmittel verlassen kann. Dass man nicht Alternativen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln schaffen muss, um die Streikenden unter Druck zu setzen. Dass man nicht ein Auto haben muss, um während der Streiktage eine Alternative zu haben. Dass man Flugverbindungen auf Strecken abschaffen kann, die die Bahn in hinreichend kurzer Zeit schaffen kann.

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Weihnachten 2019

Buon Natale! — God Jul! — ميلاد مجيد — Crăciun fericit! — Срећан Божић! — Frohe Weihnachten! — ¡Feliz Navidad! — Hyvää Joulua! — καλά Χριστούγεννα! — З Рiздвом Христовим! — Merry Christmas! — С Рождеством! — God Jul! — Natale hilare! — クリスマスおめでとう ; メリークリスマス — Feliĉan Kristnaskon! — Joyeux Noël! — Prettige Kerstdagen!

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Stuttgart 21: Ergänzungsbahnhof

Nun gibt es gemäß diesem Video über die Gäubahn (am Ende) einen Vorschlag des Landesverkehrsministeriums, eine Ergänzungsstation zum Tiefbahnhof Stuttgart 21 zu bauen.

Dabei würden in der Lage des Kopfbahnhofs sechs unterirdische Gleise entstehen, die kurz vor dem neuen Durchgangsbahnhof enden. Damit hätte der Bahnhof insgesamt 14 statt der angedachten 8 Gleise und damit wohl genug Kapazität. Außerdem könnten Fahrzeiten geringfügig verkürzt, weil für einige Verbindungen die Einfahrt von Norden zeitlich günstiger ist als von Osten oder Westen in den Durchgangsbahnhof. Wie beim ursprünglichen S21-Konzept könnten die Flächen für die Stadtentwicklung weiterhin freiwerden und genutzt oder bebaut werden, weil diese Ergänzungsgleise weitgehend unterirdisch zu liegen kämen.

Dadurch würde es natürlich auch noch teurer, aber es sollte Priorität haben, genügend leistungsfähige Bahnanlagen für eine echte Verkehrswende zu schaffen.

Es ist erfreulich, dass solche Überlegungen inzwischen auch bei dem zuständigen Ministerium existieren und gerade im Hinblick auf die Verkehrswende zumindest längerfristig verfolgt werden.

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Welche Topologie hat das Universum?

Lokal, also in einer Umgebung von uns, die so groß ist, dass sie schon unser konkretes Vorstellungsvermögen sprengt, ist das Universum ungefähr so beschaffen wie ein Stück von einem unendlichen euklidischen Raum. Das stimmt nicht ganz, denn schwere Objekte „verformen“ den Raum und schwarze Löcher haben diesen Effekt sogar in so starkem Maße, dass man es nicht ignorieren kann. Aber das kann man noch als „Schäden“ im System abtun, die sich ab einer gewissen Entfernung nur noch vernachlässigbar auswirken.

Das ganze Universum zu „sehen“ ist schwierig. Wir haben die Lichtgeschwindigkeit als begrenzenden Faktor. Man nimmt nun ein gewisses Alter des Universums an und kann nur Dinge sehen, von denen das Licht in dieser Zeit überhaupt bis zu uns kommen konnte. Was das genau bedeutet, ist schwierig zu verstehen, weil man davon ausgeht, dass sich das Universum seit dem Urknall von beliebig kleinem Raum auf seine heutige Größe ausgedehnt hat. Elektromagnetische Wellen, die aus der Frühzeit des Universums stammen, können also auf jeden Fall zu uns gelangen, wenn sie nur bei der Ausdehnung nicht ins Abseits geraten sind. Wenn nun also die Expansion Überlichtgeschwindigkeit erreicht, kann es passieren, dass Bereiche des Universums für immer aus dem Sichtbereich verschwinden.

Aber nimmt man einmal an, man könnte das ganze Universum gleichzeitig sehen. Welche Topologie hat es? Umgangssprachlich: welche Form?

Die beiden naheliegendsten Formen sind eine große Kugel oder ein unendlicher (fast) euklidischer Raum (mit den Störungen durch alle schweren Objekten). Das erste lehnt man in der Regel ab, weil man sich nicht so recht vorstellen kann, was der Rand des Universums bedeuten soll. Das zweite lehnt man auch ab, weil es der Idee widerspricht, dass das Universum einmal ganz klein war und sich seit dem Urknall ausgedehnt hat. In diesem zweiten Fall hätte es schon immer unendlich groß sein müssen, was man heute nicht glaubt.

Was bleibt dann an Möglichkeiten? Ohne „Rand“ und doch nicht mit unendlich großem Volumen?

Es hilft, wenn man sich anschaut, was zweidimensional möglich ist. Wir können uns z.B. die Oberfläche einer Kugel vorstellen. Wenn die groß genug ist, fühlt sie sich wie eine unendliche Ebene an. Das kennen wir ja aus unserem täglichen Leben von der Erde. Eine andere Möglichkeit ist ein Torus, also die Oberfläche von dem, was man umgangssprachlich „Ring“ nennt. In beiden Fällen kommt man an denselben Ort zurück, wenn man lange genug geradeaus in eine bestimmte Richtung geht. Es gibt aus zweidimensionaler Perspektive keinen Rand. Tatsächlich sind noch weitere Formen möglich, z.B. die „Kleinsche Flasche“. Oder Figuren mit mehreren „Löchern“, die wie zwei zusammengeschweißte Ringe aussehen.

Das, was wir im zweidimensionalen noch hinbekommen, weil es sich im dreidimensionalen Raum zumindest ansatzweise einbetten lässt, funktioniert auch für dreidimensionale Objekte. Unser Universum könnte also z.B. die Form des dreidimensionalen „Obervolumens“ einer vierdimensionalen (Hyper-)Kugel haben. Oder die Form des dreidimensionalen Obervolumens eines vierdimensionalen (Hyper-)Torus.

Was man versucht, ist die Abweichung von der euklidischen Geometrie zu messen. Mit dem können wir auch erkennen, dass wir auf einer Erdkugel sind, ohne die Oberfläche zu verlassen, weil dort spärische Geometrie gilt, die für größere Objekte signifikant von der euklidischen Geometrie abweicht.

Wir wissen aber nicht, was die Topologie des Universums ist. Möglicherweise ist es auch unmöglich, das herauszufinden, weil die Information, an die wir herankommen, dafür prinzipiell nicht ausreicht. Aber es gibt zumindest mögliche Antworten, die funktionieren und damit stimmen könnten.

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