Gleichmäßigkeit ÖV-Takt

Wir haben oft im ÖPNV in Städten Bus- oder Tramlinien, die viele Male pro Stunde fahren, z.B. alle 10 Minuten oder sogar noch häufiger.

Verspätungen sind dann eigentlich keine große Sorge mehr, weil man häufig sowieso einfach zur Haltestelle geht und auf die nächste Fahrt wartet und nicht gezielt passend zum Fahrplan. Das kann anders sein, wenn man z.B. zum Bahnhof fährt und einen Zug erreichen will. Für eine einmalige Reise geht man auch gerne früh genug, aber für die tägliche Fahrt zur Arbeit optimiert man das und nimmt den Bus, mit dem man es noch gerade schafft und freut sich dann darüber, wenn das einigermaßen zuverlässig ist.

Aber es gibt einen merkwürdigen Effekt. Das System heilt sich nicht bei Verspätungen, sondern die verstärken sich. Nehmen wir an, die Leute gehen überwiegend zu zufälligen Zeiten zur Haltestelle. Nun kommt der etwas verspätete Bus. Es sind also schon etwas mehr Leute an der Haltestelle zu erwarten als normalerweise. Der Fall, dass die Haltestelle ausgelassen werden kann, kommt also seltener vor und das Ein- und Aussteigen dauert länger, weil mehr Leute da sind und weil der Bus dann auch voller ist. Der nachfolgende Bus kann nun wiederum schneller vorankommen, weil weniger Leute an der Haltestelle stehen und weil weniger im Bus sind. Beides hat auch zur Folge, dass man eher mal eine Haltestelle auslassen kann, weil niemand ein- oder aussteigen will. In Kiel habe ich vor vielen Jahren schon gesehen, dass zwei aufeinanderfolgende Busse derselben Linie, die eigentlich in zehn oder acht Minuten Abstand fahren sollten, gleichzeitig an derselben Haltestelle hielten. Der hintere könnte sogar vielleicht den vorderen überholen. Bei Trams geht das natürlich nicht so leicht…

Nun gibt es einen exakten Fahrplan für jeden Bus. Das war früher so ein Zettel, der irgendwo neben dem Lenkrad festgeklemmt wurde. Der Fahrer sollte da ab und zu einen Blick drauf werfen und ungefähr zu den Zeiten fahren. Dann hätte es auch mit den Zeiten übereingestimmt, die an den Haltestellen ausgehängt waren. Und man wusste es ja auch so ungefähr. Aber das vergaß man auch mal und es war auch cool, schneller zu sein, aus Freude an der Arbeit und noch mehr aus Freude an der um ein paar Minuten längeren Pause an der Endstation oder wenn es die letzte Fahrt an dem Tag war sogar aus Freude an ein paar Minuten früher Feierabend. Wenn auch aus Fahrgastsicht eine Verspätung von ein oder zwei Minuten selten wichtig ist, so ist doch eine zu frühe Abfahrt für die Leute, die sich an den Fahrplänen orientieren und z.B. einen Zug oder eine Anschlussverbindung erreichen wollen, nicht so toll.

Heute haben die meisten Fahrzeuge so einen Bordcomputer (IBIS). Ein speziell programmiertes Tablet oder Mobiltelefon, das man irgendwo befestigen könnte, würde auch für diesen Zweck funktionieren, aber man möchte gerne außerdem Peripherie ansteuern, insbesondere die Anzeigen und die Ansagen aber auch Sensoren für die Positionierung des Fahrzeugs. Türöffnung, Kilometerzählung, Funkbaken am Straßenrand und ähnliche Informationsquellen können reines GPS sehr gut ergänzen und die Präzision und Zuverlässigkeit der Ortsbestimnung und Fahrplanüberwachung erhöhen. So kann man den Fahrer besser dabei unterstützen, nicht aus Versehen zu früh zu fahren, sondern lieber an einer Haltestelle auf die richtige Abfahrtszeit zu warten. Und nebenbei ist diese Verlängerung der Pause an der Endstation auf Kosten der Fahrgäste ist auch nicht mehr unbemerkt möglich.

Nun ist es aber noch wichtig, etwas gegen Verspätungen zu tun, wenn man den Abstand zwischen den Fahrten einigermaßen gleichmäßig halten möchte. Letztlich hilft nur ein Mittel dagegen. Man muss Zeitreserven einbauen, um gewisse Verzögerungen durch Staus, Bahnübergänge, Ampeln, Fahrgastwechsel und ähnliches kompensieren zu können. Um nicht dauernd an den Haltestellen unnötig lange warten zu müssen, empfiehlt es sich, zu verschiedenen Tageszeiten verschiedene Richtwerte für die Fahr- und Haltezeiten anzusetzen. Vor allem ist es gut, wenn an den Endstationen etwas Reserve ist, aber das ist leider auch teuer, weil man Fahrzeug und Fahrer bezahlen muss, ohne dass sie viel tun. In Kiel, wo diese krasse Verspätung vorkam, standen an der Endstation früher oft zwei oder drei Busse und gingen nacheinander wieder auf die Reise. Jedenfalls an einer der beiden Endstationen. Das habe ich anderswo oder überhaupt in jüngerer Zeit seltener gesehen. So kann also auch einen Verspätung sich auf die nachfolgende Fahrt übertragen, wenn die Standzeit an der Endstation weniger ist als die Verspätung. Übertriebene Zeitreserven auf der Strecke will man auch nicht, weil sonst die Fahrt im Normalfall zu lange dauert und das Verkehrsmittel dadurch unattraktiver wird. Man muss das richtige Maß treffen. Bahnübergänge kann man soweit einplanen, wie man sich auf den Bahnfahrplan verlassen kann, aber das macht die Busfahrpläne bizarr. Die Beseitigung der Bahnübergänge ist wohl das einzige, was hier wirklich hilft.

Nun kann man mit der heutigen Technik auch mogeln. Nehmen wir an, wir haben so einen Tag, wo Busse trotz vernünftiger Zeitreserven zehn Minuten Verspätung haben. Als Fahrgast hat man dann sowieso das Pech, statt durchschnittlich fünf Minuten auch mal bis zu 19 Minuten warten zu müssen. Nun kann man z.B. einen verspäteten Bus umleiten, um Zeit zu sparen. Man sagt also den wegen der Verspätung ohnehin genervten Fahrgästen, dass sie bitte aussteigen und auf den nächste Bus warten sollen, der kurz danach kommt, wenn sie zu bestimmten Haltestellen wollen. Der verspätete Bus kann nun ein paar Haltestellen auslassen, eine Abkürzung fahren oder einfach nur wenden und wenigstens in der Gegenrichtung wieder seine geplanten Zeiten fahren. Insgesamt hat man dann den Schaden für die Fahrgäste minimiert, wenn man diese Möglichkeiten gut beherrscht und optimal einsetzt.

Eine weitere Möglichkeit wäre es, z.B. ein paar Fahrzeuge mit Fahrer an zentralen Orten in Reserve zu halten und dann zusätzlich in der Fahrzeit, zu der das verspätete Fahrzeug eigentlich fahren sollte, auf dessen Weg zu schicken. Da nun leider Verspätungen meistens zur Hauptverkehrszeit auftreten und zu dieser Zeit typischerweise alle Fahrer und alle Fahrzeuge schon für den regulären Fahrplan gebraucht werden, würde das bedingen, dass man zusätzliche Fahrzeuge kaufen müsste, die im regulären Betrieb nichts bringen. Trotzdem sollte man diese Idee zumindest bei großen Verkehrsbetrieben nicht voreilig verwerfen.

Eine andere Idee ist es in so einer Situation einen dynamischen Fahrplan für die beiden vorangehenden und die bilden nachfolgenden Fahrten zu generieren. Die Idee ist dabei, dass man primär einen 10-Minuten-Takt fahren will und die genauen Zeiten sekundär sind. Man kann also bei einer verspäteten Fahrt die vorangehenden und nachfolgenden Fahrten durch Warten an geeigneten Haltestellen oder langsameres Fahren gezielt auch verspäten und sicherstellen, dass zumindest der Abstand zwischen zwei Fahrten nur zwischen 8 und 12 Minuten schwankt und nicht zwischen 0 und 20. Auch das ist für die meisten Fahrgäste eine Verbesserung, insbesondere für die, die sich nicht an konkreten Zeiten orientieren, sondern zu zufälligen zur Haltestelle kommen und auf die nächste Fahrt warten. Außerdem wird das Gesamtsystem dadurch stabilisiert und die Verspätungen schaukeln sich nicht so extrem hoch wie es ohne technische Unterstützung gelegentlich passieren würde.

Diese Ideen sind alle natürlich umso nützlicher, je dichter die Taktfolgen sind. Und reale Systeme sind natürlich komplexer, weil es mehrere Linien gibt, die sich typischerweise auf gewissen Abschnitten zu einem dichteren Takt ergänzen. Umso mehr sind einfache Antworten schnell gegeben, aber wenn man ein wirklich gutes System anbieten will, lohnt es sich, etwas fundierter nachzudenken und die richtigen Kompromisse zu finden.

Dinge, die den ÖPNV schneller machen, z.B. Ampelvorrangschaltungen, Busspuren, eigene Gleiskörper, Beseitigung von Langsamfahrstellen, machen ihn nicht automatisch pünktlicher, weil man von diesen Beschleunigungen auch im Normalbetrieb profitieren möchte. Aber sie sind nützlich, weil die Beschleunigung den ÖV attraktiver macht und den Spielraum für solche Kompromisse für mehr Fahrplanstabilität erhöht.

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Man findet nicht so leicht Dinge im Web zu dem Thema. Vieles ist wohl nicht einfach so im Web, sondern gedruckt oder nur „intern“ sichtbar.

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Bahnprojekte Schweiz (Stand 2018-10-31)

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Zusammenfassung

Es ist noch nichts beschlossen, aber die Exekutive der Schweiz hat eine Empfehlung an das Parlament gegeben.

Enthalten darin ist insbesondere für den Großraum Zürich

Nicht enthalten sind:

Diese beiden ersten Projekte werden durchaus als sehr wichtig angesehen, aber sie seien noch nicht konkret genug formuliert, um sie zeitnah umzusetzen.

Beim Lötschberg-Tunnel hat man wohl als Ausweg aus einer Budget-Überschreitung einen merkwürdigen Weg gewählt. Der Tunnel wurde auf 7 km nur eingleisig ausgebrochen. Weitere 14 km wurden zweigleisig im Rohbau ausgebrochen, aber nur eine der beiden Röhren wurde mit Bahntechnik ausgestattet. Und weitere 14 km sind normal zwei Röhren mit Bahntechnik in beiden Röhren. Nun diese zweiten 14 km auszubauen ist logisch, weil es vergleichsweise wenig kostet. Aber man spricht doch von fast einer Milliarde, was nun doch wieder nicht so wenig ist. Total unlogisch ist der ursprüngliche und jetzige Ausbauzustand, der Milliarden für eine auf Jahrzehnte ungenutzte 14 km lange Röhre verbraucht hat.

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Plastik in den Ozeanen

Man hört immer wieder davon, dass es ein Problem mit Plastik in den Ozeanen gibt, das sich dort anhäuft. Abgesehen davon, dass es nicht sehr schön ist, stellt sich die Frage, was es schadet. Wenn es nicht biologisch abgebaut wird, ist es dann nicht ähnlich wie Steine und anderes in der Natur vorkommendes neutrales Material? Das stimmt so nicht ganz. Da Plastik weich ist, wird es von Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt und gefressen und kann zu Schädigungen führen, einfach weil es nicht wie normales Futter verdaut werden kann. Je nach Plastiksorte ist es auch fein verteilt mehr oder weniger toxisch. Durch Wellen wird der Plastikmüll zerrieben und dann wandern die kleinen Teile in die Nahrungskette. Andererseits werden auch Kunststoffe sehr wohl von Bakterien abgebaut, aber der Prozess dauert sehr lange. Der Nachschub kommt viel schneller als das Material abgebaut wird.

Nun liest man hauptsächlich zwei sich widersprechende Angaben über die Herkunft.

Aussage 1 ist, dass 90%, manchmal 95%, 98% oder 99% aus zehn Flüssen stammen: Indus, Gelber Fluss (Huang He), Weißer Fluss (Hai He), Ganges, Perlfluss, Amur, Mekong, Jangtse, Nil und Niger.

Quellen dazu:

Man sollte genauer hinschauen. Von dem Plastik, das aus Flüssen in die Meere kommt, machen diese zehn Flüsse den größten Beitrag aus.

Aussage 2 ist, dass es aus allen möglichen Quellen stammt. Häufig wird die Schifffahrt als ein großer Verschmutzer erwähnt.

Quellen:

Es erstaunt ein wenig, dass dieser Plastikmüll, der immerhin ein wertvoller Energieträger oder gar Rohstoff sein könnte, einfach so weggeworfen wird. In Gebieten mit hoher Dichte an Plastikmüll könnte man ihn wahrscheinlich ökonomisch gewinnbringend einsammeln und nutzen. Einmal über den ganzen Ozean verteilt ist das wohl nicht mehr realistisch. Der naheliegendste Weg ist ein direktes Recycling, was mit sauberem sortenreinem Plastikmüll möglich ist. Das ist bei eingesammeltem Müll kaum noch der Fall. Die Frage ist, ob man gemischten Plastikmüll nicht wie Erdöl als Rohstoff nehmen kann, der durch aufwändige Prozesse geschleust wird und aus dem schließlich beliebige Kunststoffe hergestellt werden können. Solange sowohl Erdöl als auch die Entsorgung in der Natur so billig sind, lohnt sich das vielleicht noch nicht.

Europa hat sicher andere Umweltprobleme, die global und lokal stärker ins Gewicht fallen als Plastikmüll, insbesondere der Straßenverkehr, Luftverkehr und die Kohlekraftwerke. Dort sollte man durchaus die Priorität setzen und Aktionismus beim Plastikmüll birgt die Gefahr, dass man von den größeren Problemen ablenkt. Aber um glaubwürdig zu sein, ist es sicher gut, auch in diesem Bereich noch besser zu werden und natürlich Einfluss auf die Länder zu nehmen, die besonders viel Müll ins Meer bringen.

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