Plastik in den Ozeanen

Man hört immer wieder davon, dass es ein Problem mit Plastik in den Ozeanen gibt, das sich dort anhäuft. Abgesehen davon, dass es nicht sehr schön ist, stellt sich die Frage, was es schadet. Wenn es nicht biologisch abgebaut wird, ist es dann nicht ähnlich wie Steine und anderes in der Natur vorkommendes neutrales Material? Das stimmt so nicht ganz. Da Plastik weich ist, wird es von Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt und gefressen und kann zu Schädigungen führen, einfach weil es nicht wie normales Futter verdaut werden kann. Je nach Plastiksorte ist es auch fein verteilt mehr oder weniger toxisch. Durch Wellen wird der Plastikmüll zerrieben und dann wandern die kleinen Teile in die Nahrungskette. Andererseits werden auch Kunststoffe sehr wohl von Bakterien abgebaut, aber der Prozess dauert sehr lange. Der Nachschub kommt viel schneller als das Material abgebaut wird.

Nun liest man hauptsächlich zwei sich widersprechende Angaben über die Herkunft.

Aussage 1 ist, dass 90%, manchmal 95%, 98% oder 99% aus zehn Flüssen stammen: Indus, Gelber Fluss (Huang He), Weißer Fluss (Hai He), Ganges, Perlfluss, Amur, Mekong, Jangtse, Nil und Niger.

Quellen dazu:

Man sollte genauer hinschauen. Von dem Plastik, das aus Flüssen in die Meere kommt, machen diese zehn Flüsse den größten Beitrag aus.

Aussage 2 ist, dass es aus allen möglichen Quellen stammt. Häufig wird die Schifffahrt als ein großer Verschmutzer erwähnt.

Quellen:

Es erstaunt ein wenig, dass dieser Plastikmüll, der immerhin ein wertvoller Energieträger oder gar Rohstoff sein könnte, einfach so weggeworfen wird. In Gebieten mit hoher Dichte an Plastikmüll könnte man ihn wahrscheinlich ökonomisch gewinnbringend einsammeln und nutzen. Einmal über den ganzen Ozean verteilt ist das wohl nicht mehr realistisch. Der naheliegendste Weg ist ein direktes Recycling, was mit sauberem sortenreinem Plastikmüll möglich ist. Das ist bei eingesammeltem Müll kaum noch der Fall. Die Frage ist, ob man gemischten Plastikmüll nicht wie Erdöl als Rohstoff nehmen kann, der durch aufwändige Prozesse geschleust wird und aus dem schließlich beliebige Kunststoffe hergestellt werden können. Solange sowohl Erdöl als auch die Entsorgung in der Natur so billig sind, lohnt sich das vielleicht noch nicht.

Europa hat sicher andere Umweltprobleme, die global und lokal stärker ins Gewicht fallen als Plastikmüll, insbesondere der Straßenverkehr, Luftverkehr und die Kohlekraftwerke. Dort sollte man durchaus die Priorität setzen und Aktionismus beim Plastikmüll birgt die Gefahr, dass man von den größeren Problemen ablenkt. Aber um glaubwürdig zu sein, ist es sicher gut, auch in diesem Bereich noch besser zu werden und natürlich Einfluss auf die Länder zu nehmen, die besonders viel Müll ins Meer bringen.

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