Strategien zum Umgang mit Covid-19

Nun, nach gut einem Jahr, kann man sehen, welche Wege verschiedene Länder gegangen sind.

Ich denke, man kann sehen, dass es in machen Ländern Strategien gab, und in anderen Ländern in Panik reagiert wurde, meist mit suboptimalen Entscheidungen.

Natürlich gibt es Abstufungen.

Beispiele für Länder mit Strategien sind Schweden, das Vereinigte Königreich und Neuseeland.

Neuseeland hat zu einem frühen Zeitpunkt reagiert und durch Einschränkungen der Kontakte und der Einreise erreicht, dass die Krankheit mehrmals für längere Zeit fast verschwunden war. Eine kleine Zahl von Fällen lässt sich verfolgen. Bei Einreise gibt es eine Quarantäne und Tests. Auf diesem Weg haben sie wenige Fälle, wenige Todesfälle und ein einigermaßen normales Leben. China hat diesen Weg auch verfolgt und einige andere Länder. Und es gibt eine treue Schar von Fans dieser Strategie, die das für die einzig richtige Lösung halten und unbedingt diesen Weg gehen wollen, auch in Zeiten, in denen schon Impfstoffe existieren. Für europäische Länder ist das ganze schwieriger zu erreichen, weil die Länder viele einigermaßen offene Grenzen haben, die zum Teil täglich, z.B. auf dem Arbeitsweg, überquert werden. Aber man könnte es ja auf EU-Ebene umsetzen und Norwegen, die Schweiz und die kleineren Länder zwingen, mitzumachen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Preis dafür aber enorm hoch, weil so viele Leute die Krankheit haben und man sehr viel Zeit bräuchte, um es auf diesem Weg auf einen Stand nahe null zu bringen.

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Nordirland) hat 2020 eher chaotisch agiert, wie viele andere Länder auch, und viele Fälle und durch die Maßnahmen auch gleichzeitig eine starke Schädigung der Wirtschaft erreicht. Aber bei dem allerwichtigsten Punkt, der Impfstoffbeschaffung, haben sie strategisch gut gehandelt und sich um frühe Belieferung mit Impfstoffen bemüht und dafür auch entsprechend mehr Geld auf den Tisch gelegt. Da der volkswirtschaftliche Effekt einer Impfung etwa 50 Mal so groß ist wie ihre Kosten, und das frühere Impfen auch entsprechend wichtig ist, war dieser Weg absolut richtig. Die Vereinigten Staaten, einige Golfstaaten, Chile, Serbien und vor allem Israel haben auch Impfstoffe so gut beschafft, dass sie schnell alle Impfwilligen damit versorgen können. Wenn man die Sache in zwei Jahren anschauen wird, wird sich herausstellen, dass auch diese Länder es insgesamt gut gemacht haben, trotz aller Fehler im Jahr 2020.

Schweden hat ebenfalls eine kluge Strategie gewählt. Man hat sich darauf eingestellt, dass man die Krankheit lange Zeit nicht loswerden wird und Maßnahmen erlassen, die ein halbwegs normales Leben ermöglichen. Die Ermüdung aufgrund der Maßnahmen, die in anderen Ländern eintritt, konnte man so vermeiden, die Menschen sind glücklicher als in den meisten Covid-19-betroffenen Ländern und es bestehen noch Reserven bezüglich der Toleranz, um temporär härtere Einschränkungen zu tolerieren und mitzutragen. Mein Eindruck in Schweden war, dass die meisten Menschen mit der Strategie zufrieden waren. Für demokratisch denkende Menschen ist das ein wichtiges Kriterium. Wie sich gezeigt hat, ist die Krankheit auch in Schweden nicht „explodiert“, sondern hat sich auch über ein ganzes Jahr gerechnet nur langsam, wenn auch etwas schneller als in vielen anderen Ländern, ausgebreitet. In der Rangfolge der am schlimmsten betroffenen Länder Europas war Schweden nicht automatisch mit Weißrussland zusammen auf dem ersten Platz, sondern das hat immer wieder gewechselt und auch Länder mit härteren Maßnahmen waren zeitweise sehr viel schlimmer betroffen. Zählt man Todesfälle pro Million Einwohner, kommt Schweden auf Platz 29 (Stand 2021-04-23) und liegt damit in Europa im Mittelfeld. Also, auf Eigenverantwortung und auf die Maßnahmen, die man auch für viele Jahre ohne allzu große Einschränkungen im Leben ertragen kann, zu setzen, hat sich bisher als legitime Strategie herausgestellt. Zum Argument der geringeren Besiedlungsdichte: Der Zahlenwert ist beindruckend tief. Aber der allergrößte Teil der Bevölkerung wohnt in mittleren und größeren Städten und dicht besiedelten Gebieten unter Verhältnissen, die sehr ähnlich wie in Deutschland oder der Schweiz sind. Dass es noch zusätzlich zu dem kleinen dicht besiedelten Teil des Landes eine große, sehr dünn besiedelte Fläche gibt, spielt hier keine große Rolle, weil diese Fläche aufgrund der geringen Einwohnerzahl nicht ins Gewicht fällt. So paradox es klingt, man kann für die Zwecke der Covid-19-Strategien davon ausgehen, dass Schweden und Deutschland und die Schweiz ähnlich dicht besiedelt wären. Gerne kann man mit wirklich fundierten Analysen der Daten und der Lebensverhältnisse die gefühlte, erlebte und epidemiologische Bevölkerungsdichte ermitteln… Als Schwedenurlauber sehen wir natürlich überwiegend den dünn besiedelten Teil des Landes und bekommen eventuell ein falsches Bild.

Viele andere Länder haben mehr oder weniger keine echte Strategie entwickelt, sondern sich von Angst und einem sehr eingeschränkten und verzerrten Blickwinkel leiten lassen und es sind mehr oder weniger chaotische Vorgehensweisen herausgekommen, die viel Schaden bei den Menschen und der Wirtschaft angerichtet haben, aber die Krankheit auch nicht viel besser eingedämmt haben, als z.B. Schweden. Dazu kam, dass man in der EU die ehemals dümmste Ministerin aus Deutschland zur EU-Kommissionspräsidentin gemacht hat und ihr mehr oder weniger die Strategie zur Impfstoffbeschaffung überlassen hat. So ist trotz enormer finanzieller Mittel herausgekommen, dass es erst bis zum Herbst 2020 oder noch viel später überhaupt genug Impfstoff geben wird, um alle Impfwilligen zu impfen. Dann hat man noch bei der Priorisierung der Impfungen darauf gesetzt, zuerst Senioren zu impfen, was für die angestrebte Herdenimmunität einen sehr geringen Beitrag leistet. Bis auch Berufe wie z.B. Verkäufer geimpft werden, was wirklich massiv zur Herdenimmunität beitragen würde, wird noch viel Zeit vergehen. Noch schlimmer ist, dass diese Impfpriorität quasi religiösen Charakter bekommen hat, im Sinne von Religionsfanatismus ala Taliban und man womöglich lieber Impfstoff wegwirft als jemanden aus tiefer priorisierten Gruppen zu impfen. Man versteckt sich hinter einer inkompetenten Ethikkomission, weil an Angst hat, für eine Entscheidung die Verantwortung zu tragen, die immer Kollateralschäden haben wird, egal wie man sich entscheidet. Und nun setzt man die Impfung mit AstraZeneca aus, weil man ein paar Fälle sieht, die dadurch krank geworden sein könnten und sogar gestorben sind, nicht aber die Todesfälle, die man durch etwas zugigeres Impfen vermeiden könnte. Und wo man es nicht geschafft hat, bei den bevorzugten Lieferanten genug und früh genug Impfstoffe zu beschaffen, wird auch verschlafen, für alternative Lieferanten aus China, Russland und Indien das Zulassungsverfahren zügig und unbeeinflusst von politischen Präferenzen und Vorurteilen seriös durchzuziehen und dort zusätzlich einzukaufen. Diese Lieferanten könnten immerhin etwas liefern, zusätzlich zu dem bereits eintreffenden Impfstoff der bisherigen Lieferanten. So könnte man das Impfen beschleunigen und das (sehr geringe) Risiko bezüglich Impfstoffen noch mehr diversifizieren. Wenn man schneller impft, ist auch die Reihenfolge nicht mehr so wichtig. Was auch versäumt wird: Wenn diejenigen, die einen Impftermin haben, nicht auftauchen, sollte man eine Warteliste führen, die für alle Personen über 18 Jahre offen ist, die sich an dem Tag kurzfristig Zeit nehmen können, und diese Personen mit der übrig gebliebenen Impfstoffmenge des Tages impfen, soweit sie eben reicht. Gerade bei Senioren gibt es sehr viele mögliche Gründe, nicht zum Impftermin aufzutauchen, mit oder ohne Abmeldung. Je mehr und je früher Lehrer, Verkäufer, Bahnschaffner, Busfahrer, Apotheker, Ärzte, Krankenpfleger, Flugbegleiter, Polizisten, Kellner u.s.w. geimpft werden, desto besser.

Wenn man die ganze Sache in ein paar Jahren einmal anschauen wird, wird man sehen, dass die Länder mit einer Strategie mit dem Blick aufs große Ganze besser gefahren sind als diejenigen, die sich von kurzfristigen Ängsten und dem Blick auf das, was sie zufällig gerade sahen, haben steuern lassen.

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