Rastatt

Wer nicht gerade in der Nähe von Karlsruhe wohnt, sich besonders für Geografie interessiert oder zufällig von dem Ort gehört hat, wird den Namen kaum kennen. Rastatt ist eine Stadt mit etwa 50’000 Einwohnern 25 Kilometer südlich von Karlsruhe.

Dort verläuft eine der wichtigsten Bahnstrecken in Deutschland, die die Schweiz und Italien und Südbaden mit Karlsruhe, Frankfurt, Mannheim, Köln, dem Ruhrgebiet, den Nordseehäfen und überhaupt mit Nord-, West- und Mitteldeutschland verbindet. Von Köln bis Rastatt gibt es immer mindestens zwei parallele zweigleisige elektrifizierte Strecken. Ab Rastatt ist für ein kurzes Stück nur eine zweigleisige Strecke vorhanden, bis es dann durch Bündelung mit dem schon fertiggestellten Abschnitt Neubaustrecke Karlsruhe – Basel wieder bis Offenburg viergleisig weitergeht. Südlich von Offenburg bis Basel hätte der viergleisige Ausbau zeitgleich mit dem Gotthard-Basistunnel fertigwerden sollen, aber es gibt Verzögerungen. Was es schon gibt ist ein 20 km langer Neubauabschnitt nördlich von Basel mit dem Katzenbergtunnel. Südlich von Offenburg gibt es aber mit den Routen über Straßburg und über die Schwarzwaldbahn Ausweichrouten, wenn auch die Schwarzwaldbahn wegen der Berge und der engen Kurven nur begrenzt geeignet ist und die Route über Frankreich mit einem anderen Stromsystem elektrifiziert ist. Außerdem klappt die Zusammenarbeit der Bahnen über Sprachgrenzen hinweg trotz EU in der Regel nicht gleich gut wie mit der Schweiz und mit Österreich. Man sollte nicht vergessen, dass die dicht besiedelte Gegend vom Ruhrgebiet über Köln, Frankfurt und Mannheim sich bis Karlsuhe und die südlichen Vororte und mit etwas geringerer Besiedlungsdichte bis Offenburg fortsetzt. Von daher ist im Raum Rastatt noch sehr viel mehr regionaler Verkehr unterwegs als weiter südlich, auch wenn Basel und Freiburg wiederum recht aktive S-Bahn-Systeme in die nähere Umgebung haben.

Nun will man genau diesen Engpass beheben und es wird ein zweiröhriger Tunnel von gut vier Kilometer Länge unter Rastatt gebaut, um durchgängig bis Offenburg mindestens vier Gleise zu haben und Geschwindigkeiten von 200-250 km/h zu ermöglichen. Hier die Seite der Bahn zum Projekt. Genau dieser Tunnel ist nun schon sehr weit fortgeschritten und man hat zur Unterquerung der beiden bestehenden Gleise den Boden vereist. Nun hat der Untergrund wegen einer der beiden Röhren trotzdem nachgegeben und damit ist die Strecke ausgerechnet an ihrem größten Engpass unterbrochen.

Für den Reisezugverkehr fahren die Züge bis Rastatt und Baden-Baden, dazwischen fahren alle 6 min Busse als Schienenersatzverkehr. Man verliert dadurch etwa eine Stunde gegenüber dem Normalzustand hat Komforteinbußen durch das Umsteigen mit Treppen, Stehplätze im Bus u.s.w. Aber ansonsten kommt man ans Ziel. Die naheliegenden Umleitungen funktionieren nicht, weil zwischen Zürich und Stuttgart sowie zwischen Zürich und München ebenfalls jeweils ein kurzes Teilstück gesperrt ist und Schienenersatzverkehr angeboten wird, in diesem Fall geplant, um die Baukosten zu senken. So stehen nur Umleitungen über Nebenstrecken oder über Frankreich zur Verfügung, die die Reisezeit um mehrere Stunden verlängern, so dass die Stunde auf der „direkten“ Strecke das kleinere Übel ist.

Problematisch ist es für den Güterverkehr. Die Schweiz ist jetzt weitgehend von Güterverkehr abgehängt. Es fahren auf dieser Rheintalbahn jeden Tag sehr viele Güterzüge. Umleitungen über die noch offenen Strecken werden verfolgt, aber die Kapazität reicht nicht aus für alle Züge und es muss zum Teil noch Lokwechsel vorgenommen werden oder die Züge müssen verkürzt werden. Problematisch ist noch, dass einige Ladungen, insbesondere große Container, nicht auf allen Strecken zugelassen sind, weil die Tunnelquerschnitte oder die Brücken nicht ausreichen.

Die Strecke, die sich wirklich anbieten würde, wäre durch Frankreich auf der Westseite des Rheines zu fahren. Die Strecke ist weitgehend zweigleisig und hat wenig Verkehr, also viel freie Kapazitäten. Sie ist nicht besonders gut ausgebaut, nicht elektrifizert und man liest, dass in Frankreich Personal in den Ferien sei.

Eine Lehre die man aus diesem Vorfall ziehen sollte: Man sollte die Zusammenarbeit zwischen den Bahnen noch erheblich verbessern und die linksrheinische Strecke von Straßburg nach Ludwigshafen durchgängig elektrifizieren, um eine Ausweichstrecke für diese wichtige Rheinstrecke zur Verfügung zu haben. Und man sollte genug Zweisystem-Elektroloks beschaffen, um dort fahren zu können. Umgekehrt kann Frankreich die Umleitung über Deutschland auch gebrauchen, aber man macht eher mal Schienenersatzverkehr und lässt die Züge ausfallen, wie ich kürzlich gesehen habe.

Da man jetzt plant, das Loch mit Beton zu füllen und damit die Tunnelbohrmaschine einzugraben, wird sich die Fertigstellung des Tunnels wohl um mindestens ein Jahr verzögern. Vielleicht lässt sich in „offener Bauweise“ die Querung der vorhandenen Strecke bauen. Wahrscheinlich muss man die eine Röhre um ein paar Meter verschieben und auch den schon gebohrten Teil teilweise noch einmal graben oder bohren, um die verfüllte Stelle seitlich oder unterhalb zu queren. Das wird teuer und zumindest die Fertigstellung dieser Röhre verzögern. Wenn es gelingt sollte, schon eine Röhre im Zeitplan fertigzustellen, wäre das auf jeden Fall gut.

Für den Moment empfehle ich Reisenden: Wenn Alternativstrecken zeitlich mit max 1-2 Stunden mehr Reisezeit machbar sind, würde ich die nehmen. Ansonsten auf die Schienenersatzverkehrlösung zugreifen. Man bekommt dann für die Verspätung eventuell etwas Geld zurück, wenn man das Fahrgastrechtformular ausfüllt.

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Bahnanbindung Wiesbaden

Wiesbaden ist eine Großstadt mit knapp 300’000 Einwohnern in einem dicht besiedelten Gebiet. Vor vielen Jahren fuhren mal regelmäßig IC-Züge dort vorbei, die von Frankfurt nach Köln unterwegs waren und bis kurz vor Koblenz „rechtsrheinisch“ fuhren. So hatte Wiesbaden einen IC jede Stunde. Der andere IC fuhr von Mannheim an linksrheinisch über Mainz nach Köln.

Das hat sich geändert. Die ICs von Frankfurt nach Köln wurden über den Frankfurter Flughafen und Mainz geführt. Später fuhren dann auch die ICs und ICEs von Mannheim nach Köln über den Frankfurter Flughafen und erst ab da linksrheinisch. Oder dann über die Neubaustrecke.

Um für Wiesbaden weiterhin die Anbindung ans IC-Netz zu gewährleisten, wurde eine Kuriosität eingeführt. Ein Nahverkehrszug erhielt IC-Anstrich und -Bestuhlung. Er wurde Wiesbaden-City genannt und verkehrte auf dem kurzen Laufweg von Wiesbaden nach Mainz als zuschlagpflichtiger IC-Zug. Das war rein vom Laufweg eine sublokale S-Bahn. Man konnte die knapp 10 Minuten Fahrzeit mit IC-Komfort genießen. Zeitweise fuhr er außerdem auch nach Frankfurt. Betrieblich war es eine fragwürdige Idee, in einem dicht befahrenen Teil des Streckennetzes die knappen Fahrplantrassen für so einen Zug zu verwenden, den nur ein kleiner Teil der Fahrgäste benutzen durfte, ohne einen unverhältnismäßig hohen Aufpreis zu zahlen. Außerdem war es vom Unterhalt unpraktisch, so einen Spezialzug zu haben, von dem es nur zwei Exemplare gab. Aber das Prestige für Wiesbaden, einen echten IC-Anschluss zu haben, war enorm. Irgendwann wurde dieses Experiment sang- und klanglos aufgegeben und man muss sich einfach vorstellen, dass in der Zwillingsstadt Mainz/Wiesbaden der Hauptbahnhof im Mainzer Teil der Doppelstadt liegt. Man kann die öffentlichen Verkehrsmittel darauf ausrichten.

Nun kam aber die ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln. Da bot sich eine neue Chance, für Wiesbaden einen echten ICE-Anschluss zu bekommen. Man baute nördlich von Wiesbaden und Frankfurt eine Abzweigung und eine Verbindungsstrecke nach Wiesbaden. Von der konnte auch Mainz profitieren. Anfangs gab es etliche ICEs von Wiesbaden nach Köln. Eigentlich sollte genug Potential da sein, Mainz und Wiesbaden zusammen mit den unmittelbaren Nachbarorten haben sicher mehr als eine halbe Million Einwohner und in einer Stunde nach Köln zu fahren ist wirklich super.

Eine Herausforderung ist es, dass diese Strecke für 300 km/h ausgebaut ist, was nur die ICE3-Züge fahren können. Und sie ist recht dicht befahren, das heißt, dass man bestrebt ist, alle Züge etwa gleich schnell fahren zu lassen. 300 km/h auf einer gut ausgelasteten Strecke zu fahren ist aber nur mit einem relativ langen Zug sinnvoll. Das heißt, dass man zumindest einen ICE3 auslasten sollte. Man könnte in Limburg den Zug teilen oder vereinigen mit einem anderen Zug, der z.B. von Karlsruhe über Heidelberg, Darmstadt und Frankfurt-Flughafen nach Köln fährt. Und man könnte auch den Zug von Wiesbaden nach Köln etwas weiter südlich beginnen lassen, z.B. linksrheinisch von Karlsruhe über Speyer, Worms, Mainz und Wiesbaden nach Köln fahren. Aber zumindest das Angebot, das die deutsche Bahn aufgestellt hat, kam nicht gut an und so wurden immer weniger Züge pro Tag über diese Strecke geführt. Heute fahren an Werktagen zwei Zugpaare und die sind noch unterdurchschnittlich ausgelastet. So hat man hier eine teure Neubaustrecke, die stillegungsgefährdet ist, wenn sich nicht ein sinnvolles Betriebskonzept finden lässt, das sie etwas besser auslastet. Da die Strecke genau nach Osten führt, ist auch eine Anbindung an die Neubaustrecke in Richtung Frankfurt und Mannheim möglich. Das scheint noch eine vielversprechende Nutzung zu sein, weil damit schnellere Züge innerhalb der Region zum Frankfurter Flughafen, nach Frankfurt Hbf, nach Darmstadt und nach Mannheim angeboten werden könnten.

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Flughafenbahnhöfe

Viele Flughäfen haben Bahnhöfe und es ist ganz interessant, diese Anbindung einmal anzuschauen.

Um es vorweg zu sagen, die Flughafenbahnhöfe machen das Fliegen einfacher, schneller und konkurrenzfähiger und führen zu mehr Flugverkehr und vielleicht auch zum Verlust von Bahnreisenden, wenn durch eine gute Flughafenanbindung eine Flugroute gerade konkurrenzfähig mit der entsprechenden Bahnverbindung gemacht wird. Ob das wünschenswert ist oder nicht, ist eine legitime Fragestellung. Aber ich denke, dass der Verzicht auf Flughafenbahnhöfe der falsche Mechanismus ist, um den Flugverkehr einzudämmen oder zu reduzieren. Direktere Mechanismen sind sinnvoller, also z.B. eine Besteuerung und eine CO_2-Abgabe für Flugzeugtreibstoffe.

Flughäfen können natürlich ganz klein sein, es gibt in abgelegenen kleinen Orten zum Teil Flughäfen, wo einige Male am Tag ein Flugzeug landet und startet, dass etwa so viele Fluggäste wie in Bus aufnimmt. Aber die internationalen Flughäfen für Millionenstädte oder für ein ganzes Land generieren in der Regel viel Verkehr, für Reisende selbst, für die Angestellten des Flughafens und der Fluggesellschaften und der vielen Betriebe und für Leute, die Reisende zum Flughafen begleiten oder dort abholen.

Die übliche Anbindung ist eine S-Bahn-Strecke oder Regionalverkehr, was der Tatsache gerecht wird, dass oft ein großer Teil der Reisenden aus der Region kommt. Im Flughafen sollte man 1-3 Stunden vor Abflug eintreffen. ca. 30 min vor Abflug soll man beim Gate sein und 15-30 min für Security, Passkontrolle und die erheblichen Wege innerhalb des Flughafens sind schon fast optimistisch. Mit Gepäck und Checkin im Flughafen braucht man mehr Zeit und wenn man „schwieriges“ Gepäck dabei hat, z.B. ein Fahrrad, oder wenn es eine interkontinentale Reise ist, 3 Stunden. Die Minute mehr oder weniger für den Weg zum Flughafen fällt also nicht so auf. Als Regel kann man wohl etwa eine Stunde für den Weg zum Flughafen rechnen. Alles was kürzer ist, ist „super“, alles was länger ist, fällt dann schon negativ auf. Aber schauen wir ein paar Zeiten an, jeweils vom Hauptbahnhof zum Flughafen:

Stadt/FlughafenReisezeit (ca.) in minZüge pro Stunde (ca.)
Oslo23 3
Stockholm206
Kopenhagen10-146
Helsinki266
Amsterdam14-179
Paris CDG33-388
Brüssel21-236
Madrid27-28 (S-Bahn)4 (S-Bahn)
5-10 (Metro)
Moskau SVOca. 353
Moskau DMEca. 45k.A.
Mailand562
London Paddington - Heathrow154
London Cityca. 60 >5
Frankfurt / Main10-129
München40-436
Hamburg316
Berlin Schönefeld49-5713
Düsseldorf11-126
Zürich9-13 (Zug)
48 (Tram)
13 (Zug)
7 (Tram)
Genf75

Es gibt aber auch viele wichtige Städte, die gar keinen Bahnanschluss, weder Metro noch Zug, zum Flughafen haben, z.B. Kiew, Belgrad oder St. Petersburg. Und der Bahnanschluss in Helsinki ist auch erst etwa seit 2016 verfügbar. In Berlin existiert der Bahnanschluss schon, aber der „richtige“ Flughafen ist erst in Bau.

Dass die Reisezeiten so verschieden lang sind, liegt einerseits an der unterschiedlichen Entfernung. Neuere Flughäfen werden grundsätzlich ziemlich weit entfernt von der Stadt gebaut, weil der Fluglärm im dicht besiedelten Gebiet für einen vorhandenen Flughafen wohl mehr oder weniger ertragen wird, aber für einen Neubau nicht akzeptiert wird. Außerdem braucht man viel Platz und der ist auch in der Nähe großer Städte immer knapp. Für London hat man in Betracht gezogen, eine künstliche Insel ala Dubai oder Hongkong zu bauen, die groß genug für einen Flughafen ist, der die fünf heutigen Flughäfen ersetzen könnte, der Engpass war aber wohl das Geld…

Außerdem spielt es eine Rolle, wie schnell die Züge sind. So gibt es eigentlich drei Arten von Bahnanbindungen. Regionalzüge oder S-Bahnen werden bis zum Flughafen verlängert und halten unterwegs oft. Das haben z.B. München, Zürich, Berlin, Hamburg und Frankfurt, wobei es in Frankfurt und Zürich nicht auffällt, weil die Entfernung relativ kurz ist. In einigen Fällen halten auch Fernzüge dort, meist zusätzlich zum Regionalverkehr. Das ist in Zürich und Frankfurt und Genf der Fall. In Genf enden sie beim Flughafen und dienen auch der regionalen Verbindung zwischen Stadt und Flughafen. In Frankfurt und Zürich hat der Flughafen überregionale Bedeutung und die Fernzüge dienen so als Zubringer von weiter entfernten Orten, z.B. Köln Hbf – Frankfurt-Flughafen oder Karlsruhe Hbf – Frankfurt-Flughafen in jeweils ca. einer Stunde. Für München redet man von so etwas und es sollen Züge von dort in Richtung Regenburg und Rosenheim fahren können. Nürnberg oder Augsburg könnten auch in etwa einer Stunde an den Münchener Flughafen angebunden werden, wenn entsprechende Strecken gebaut würden. Nürnberg hat zwar einen eigenen Flughafen, aber München hat einfach viel mehr Direktverbindungen. Kiel hat an den Hamburger Flughafen nur eine Bahnanbindung über Hamburg Hbf, die etwa 2 Stunden dauert, bei unter 100 km Luftlinienentfernung. Allerdings gibt es eine Buslinie, die davon profitiert, dass der Flughafen auf der „richtigen“ Seite der Stadt liegt. Auch von Lübeck dauert es 1:20, bei ca. 50 km Luftlinienentfernung.

Es stellt sich auch die Frage, ob bei entsprechend guter Bahnanbindung eines großen Flughafens kleine Regionalflughäfen noch eine Existenzberechtigung haben. Die Flughäfen in Kiel und Lübeck sind sogar ohne so eine Anbindung geschlossen worden. Zum Teil suchen sie sich dann Nischen wie „Billigairlines“, die bestimmte „Punkt-zu-Punkt“-Verbindungen von einem abgelegenen Regionalflughafen anbieten, aber es wird sich zeigen, ob das Modell eine langfristige Perspektive hat. Öffentliche Gelder investiert man besser in eine Anbindung des größeren Flughafens mit vielen interessanten Verbindungen als in den prestigeträchtigen eigenen Flughafen mit viel kleinerem Verkehrsnutzen.

Ein Modell für die Anbindung, das in einigen Städten praktiziert wird, sollte noch erwähnt werden. In Stockholm und Oslo hat man z.B. eine relativ schnelle (200 km/h) Bahnstrecke zum Flughafen gebaut. Züge fahren mehrmals pro Stunde vom Hauptbahnhof mit wenigen Halten zum Flughafen und enden dort oder fahren noch ein kurzes Stück weiter. So kann auch ein entfernter Standort wie in München zeitlich nah an die Stadt rücken. Allerdings sind in Oslo und Stockholm die Strecken dieser Flughafen-Express-Züge zu >90% auch für Fernzüge in Richtung Norden nutzbar. London-Heathrow hat auch so einen dezidierten Flughafenzug, der eine sehr schnelle Anbindung bietet. Allerdings kostet dies ein Vielfaches der Alternative, in ca. 45 min mit der Metro dorthin zu fahren.

Ein Problem stellt sich dem Reisenden in der Praxis häufig: Man möchte z.B. von Basel nach St. Petersburg reisen. Die Seiten der Bahn bieten die Bahnreise für die ganze Strecke an, das sollen sie auch tun. Die Seiten der Fluggesellschaften bieten die Flugreise an. Also z.B. von Basel nach Frankfurt und dann mit ein paar Stunden Aufenthalt weiter nach St. Petersburg. Das sollen sie auch so tun, denn das ist ihr Universum. Aber man könnte doch z.B. ein „Set“ von Flughäfen angeben. In London ist es oft egal, welchen der fünf Flughäfen man nimmt. Und in der Schweiz kann man auch Basel durch Zürich und vielleicht sogar durch Frankfurt substituieren und statt einer langen Wartezeit diesen Weg mit dem Zug fahren.

Abgesehen davon, dass es mühsam ist, die Reise so zu bekommen, wie man sie möchte, hat man noch zwei weitere Probleme. Flugpreise sind hochgradig intransparent. Der Flug von Frankfurt nach St. Petersburg alleine kann sehr viel teurer sein als der entsprechende Flug als Teil einer Umsteigeverbindung mit langen Wartezeiten in Frankfurt. Auf der Rückreise nur mit Handgepäck kann man einfach den letzten Teil verfallen lassen. Auf der Hinreise ist das explizit ausgeschlossen, sobald man beim Zubringerflug nicht auftaucht, wird die ganze Reisekette storniert, normalerweise ohne dass es Geld zurückgibt. Wäre es sinnvoll, bei den Preismodellen so zu regulieren, dass sie „monoton“ sein müssen, dass also Preis(„Flug X + Flug Y“) >= Preis(„Flug X“) gelten muss? Mir sind unnötige Regulierungen sehr unsympathisch, aber hier wäre es vielleicht hilfreich. Auch eine Flugreise, deren Hinweg Basel – St. Petersburg ist und deren Rückweg St. Petersburg – Zürich ist, wäre zwar kundenfreundlich, aber sie ist im System für Online-Buchung nur sehr mühsam zu finden und man bezahlt sehr viel mehr als wenn es auf beiden Wegen derselbe Ort ist. Ich vermute, dass dahinter Unfähigkeit steckt, komplexere Lösungen auf Business-Seite und auf Informatik-Seite kundenfreundlich umzusetzen. Es könnte sich für Fluggesellschaften lohnen, das zu „lernen“, denn sie könnten z.B. dem Kunden, der von Basel nach St. Petersburg und zurück reisen will, auf dem Rückweg die Reise nach Zürich anbieten, um damit ihre Flugzeuge gleichmäßiger auszulasten oder eben lange Wartezeiten zu ersparen, die sich negativ auf das Erlebnis mit dieser einen Fluggesellschaft auswirken. Ob so ein „Set“ implizit definiert ist, weil man weiß, wo es gute Bahn-/ÖV-Verbindungen gibt, oder ob der Kunde sein Set selber definieren soll, will ich hier offen lassen.

Das andere Problem ist, dass einem geholfen wird, wenn man Anschlüsse innerhalb des einen Systems verpasst. Beim Wechsel von Bahn zu Flug oder umgekehrt hat man Pech gehabt. Mindestens empfiehlt es sich, den teureren umbuchbaren Tarif zu verwenden, wenn man den Flug wegen Zugverspätung oder den Zug wegen Flugverspätung verpassen könnte.

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Reisende, die von Basel nach St. Petersburg reisen wollen, den Zug nehmen. Ich wünsche mir, dass die Strecken und der Nachtzugverkehr entsprechend ausgebaut werden, dass das für viele Reisende eine realistische Alternative ist. Aber es wäre schon ein Gewinn, wenn der Weg zum Flughafen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt wird und wenn auch noch der Kurzstrecken-Zubringerflug durch eine Bahnfahrt ersetzt würde.

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Geschwindigkeit von Zügen

Mit Geschwindigkeiten von Zügen assoziiert man die Höchstgeschwindigkeit des Triebzugs oder der Lok. Bei lokbespannten Zügen wird die Höchstgeschwindigkeit aber noch zusätzlich durch die Wagen limitiert. Und bei allen Zügen gibt es eine Höchstgeschwindigkeit des Streckenabschnitts. Nun ist es a schwierigsten, den Streckenabschnitt für eine höhere Geschwindigkeit zu ertüchtigen und für den entsprechenden Ausbau muss viel Geld ausgegeben werden. Auch wenn es leicht überschätzt wird, kann man doch mit Neigetechnik und einem etwas kostengünstigeren Streckenausbau eine höhere Geschwindigkeit erzielen als mit konventionellem Rollmaterial.

Uns interessiert aber eigentlich die Geschwindigkeit, mit der der Reisende an sein Ziel kommt. Hier spielen noch ein paar weitere Faktoren eine Rolle. Wichtig ist zum Beispiel, wie schnell der Zug beschleunigen kann und wie effektiv und schnell Fahrgastwechsel und danach die Abfahrt erfolgen. Für die Durchschnittsgeschwindigkeit wirken sich langsame Abschnitte und Halte übermäßig stark aus, deshalb ist es nützlich, wenn man mit einem Teil der Züge einige Halte auslassen kann. Es kann aber auch relevant sein, was für Umwege man fahren muss, sei es, weil die Bahnstrecke schon immer einen beträchtlichen Umweg gemacht hat, sei es, weil man durch einen Umweg eine gute Umsteigeverbindung mit ziemlich schnellen Zügen hinbekommt.

Die Frage ist aber auch, ob die Fahrgäste sich gut auf einen bestimmten Zug einstellen können oder ob sie mehr oder weniger zu einem zufälligen Zeitpunkt reisefertig sind und dann mehr oder weniger auf den nächsten Zug warten müssen. Das muss nicht auf dem Bahnsteig sein, sondern kann in einem Café oder an dem Ort, den man bei der Reise verlässt sein. Trotzdem zählt für den Reisenden in diesem Fall die Zeit ab dem Moment, zu dem man reisefertig wäre bis zur Ankunft am Ziel. Hier wird die Verbindung „schneller“, wenn es einfach eine dichtere Taktfolge gibt. Erfahrungsgemäß kommen beiden Fälle vor.

Bei Umsteigeverbindungen ist natürlich auch wichtig, wie viel Zeit man beim Umsteigen braucht. Im Gegensatz zu Flughäfen geht das Umsteigen von einem Zug auf den anderen bei fast allen Bahnhöfen innerhalb von 5-10 Minuten, wenn der entsprechende Anschluss gut ist. Dies kann sich aber im Endergebnis verschlechtern, wenn der Anschluss durch Verspätungen oft verpasst wird, abgesehen von dem momentanen Ärger über die Verspätung.

Wie schnell die Reise ist, hängt also von sehr vielen Faktoren ab. Trotzdem sollte man bei der Rollmaterialbeschaffung versuchen, die Streckenhöchstgeschwindigkeit auszuschöpfen. Das wird in der Schweiz so praktiziert. Obwohl das Streckennetz überwiegend für Geschwindigkeiten von 120-140 km/h ausgebaut ist, oft sogar weniger, sind doch die IC-Züge fast vollständig für 200 km/h ausgelegt. Das kann man zwischen Olten und Bern fahren und auf den beiden neuen alpenquerenden Tunnelstrecken, also auf einem noch recht kleinen Teil des Netzes. Auch in Deutschland wurde das so praktiziert. IC- und IR-Garnituren waren praktisch immer für 200 km/h zugelassen und als die InterRegios eingeführt wurden, hat man D-Zug-Wagen umgebaut und bei der Gelegenheit nicht nur das Interieur geändert, sondern auch lauf- und bremstechnisch die Wagen für 200 km/h ertüchtigt. Interessant ist hier allerdings noch die Druckfestigkeit, um Begegnungen bei hoher Geschwindigkeit in langen Tunneln zu ermöglichen, was nicht alle Wagen hatten. Auch die ICEs wurden passend zu den jeweils schnellsten Strecken beschafft und sie können 280 km/h oder sogar 300 km/h fahren. Ob sinnvolle Geschwindigkeiten für Hochgeschwindigkeitszüge bei 300 km/h oder etwas höher oder etwas tiefer liegen, ist eine eigene Diskussion. Hier spielt aber auch eine Rolle, ob man dadurch eine gute Fahrzeit im Hinblick auf die Anschlüsse an beiden Enden erzielen kann.

Interessanterweise hat man bei der DBAG jetzt Doppelstock-ICs beschafft, die nur 160 km/h fahren können. Man versucht das durch gutes Beschleunigen und durch das Auslassen von einigen Halten auszugleichen. Auch die nächsten ICEs werden wohl nur 250 km/h fahren können. Dass man sehr ähnliche Doppelstock-IC-Triebzüge auch für 200 km/h bekommen kann, sieht man in der Schweiz, wo das so verlangt und bestellt wurde, obwohl es in Deutschland sehr viel mehr Strecken gäbe, wo man diese Geschwindigkeit fahren könnte. Ich denke, dass hier am falschen Ende gespart wurde. Letztlich sollte man die Züge so kaufen, dass man die teuer ausgebauten schnellen Strecken auch ausnutzen kann.

Man sieht ähnliches aber auch in anderen Ländern. Am krassesten ist es in den Niederlanden, wo eine für 300 km/h ausgebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke überwiegend mit einem „Superzug“ befahren wird, der nur 160 km/h schafft, weil es dieses Land nicht schafft, schnellere Züge zu beschaffen. Auch die Neubaustrecke von Lelystad nach Zwolle ist rein gleistechnisch für 200 km/h ausgebaut, kann aber wegen Signalsystem und Rollmaterial nur mit maximal 160 km/h oder gar nur mit 140 km/h befahren werden. Um eine gute Bahn zu machen, muss man das ganze System gut machen und nicht überall schwache Kettenglieder einbauen, die das ausbremsen, was man in Teilbereichen durch hohe Investitionen eigentlich schon gut gemacht hat.

Links:

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Versuch für metergenaues Halten bei SBB

Quelle: 20min.

Die Idee ist gut und in Japan funktioniert sie auch schon seit vielen Jahrzehnten. Vielleicht kann man elektronische Hilfsmittel verwenden, die den optimalen Halt erleichtern? Oder man kann sich einmal in Japan anschauen, wie die das gelöst haben. Das sollte man auf jeden Fall machen.

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Elektrifizierungsprojekte in Deutschland

Es gibt immer wieder Vergleiche des Anteils der elektrifizierten Strecken am Gesamtstreckennetz. Es ist eindrucksvoll, dass in der Schweiz praktisch alle Strecken mit regelmäßigem Reiseverkehr elektrifiziert sind. Das hat man schon immer gesagt und es stimmte schon lange so ungefähr. Aber in den letzten paar Jahren hat es noch ein paar Elektrifizierungen gegeben. Diese betrafen grenzüberschreitende Strecken anderer Bahnen. Heute wird ohne Strom nur noch auf einigen reinen Güterzugstrecken und auf Museumsbahnen gefahren. Trotzdem ist dieser Anteil der elektrifizierten Strecken eine fragwürdige Metrik, denn ein guter Wert ließe sich einfach durch Stilllegung aller nicht-elektrifizierten Strecken erreichen. Der Schweiz muss man fairerweise zugestehen, dass sie ein relativ dichtes Streckennetz hat, das auch in den dünner besiedelten Berggebieten noch präsent ist.

In Deutschland sind natürlich die wichtigsten Fernverkehrsstrecken und die wichtigsten Strecken in Ballungsräumen schon seit den 60er und 70er Jahren elektrifiziert, soweit sie innerhalb der damaligen Teilstaaten eine genügend große Bedeutung hatten. Heute gilt das natürlich auch für das Gesamtnetz.

Es gibt aber doch noch einige längere und wichtige Strecken, die noch mit Diesel betrieben werden. Ein paar Beispiele, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Kiel – Lübeck: 80 km lange Verbindung zwischen zwei Städten mit mehr als 200’000 Einwohnern. Keine Pläne bekannt.
  • Chemnitz – Leipzig: noch kürzer, noch größere Städte
  • Ost-West-Verbindung von Chemnitz/Zwickau nach Weimar/Erfurt
  • Nordostbayern nördlich der Linie Würzburg – Nürnberg – Regensburg – Passau und östlich der Linie Jena – Nürnberg ist ein riesiges Gebiet mit vielen (potentiellen) wichtigen Fernverbindungen fast komplett mit Dieselbetrieb. Langfristig geplant: Regensburg – Hof, Nürnberg – Hof, Nünberg – CZ
  • Südliches Baden-Württemberg: Die Strecken Basel – Friedrichshafen – Lindau nördlich von Rhein und Bodensee und Ulm – Friedrichshafen und einige andere Strecken in deren Umfeld bilden ein großes „Dieselnetz“. Geplant Ulm – Friedrichshafen – Lindau. Eventuell Basel – Erzingen (-Schaffhausen)
  • Südwestliches Bayern: Zwischen München und Lindau gibt es zwei Alternativstrecken und ein gewisses Streckenetz aus Stichstrecken und Verbindungsstrecken nach Norden und Süden. Diese sind nicht elektrifizert. Geplant: München – Lindau (-Zürich)
  • Lübeck – Bad Kleinen: Diese Strecke war als „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ einmal als wichtig eingestuft. Heute ist sie aber fast völlig in den Schatten der südlicheren Alternativverbindung von Hamburg über Büchen und Schwerin gedrängt worden. Langfristig immer noch geplant.
  • Lübeck – Puttgarden: Soll wohl für den Fehmarnbelttunnel zweigleisig und elektrifziert werden, wobei man heute einen teilweisen Neubau favorisiert.
  • Lübeck – Lüneburg: diese Strecke hat ein großes Potenzial zur Umfahrung von Hamburg, für Reisende und Güterverkehr.
  • Hamburg – Westerland: Dies ist eine lange Fernverkehrsstrecke, die nur auf den ersten 60 km elektrifiziert ist. Nicht geplant.
  • Nordniedersachsen: Strecken von Hamburg und Bremerhaven nach Cuxhaven sind nicht elektrifiziert. Ebenso die für Güterverkehr wichtige Strecke Oldenburg – Wilhelmshaven. Deren Elektrifizierung ist wegen der zunehmenden Bedeutung des Hafens von Wilhelmshaven aber beschlossen.
  • Bremen – Uelzen: Diese direkte Verbindung von Bremen und Berlin ist auf diesem Abschnitt noch nicht elektrifiziert.

Für einige dieser Strecken sind die Elektrifizierungen versprochen oder bereits in Bau. In einigen Fällen gilt es als schwierig und teuer und obwohl gewünscht und geplant wird es wohl noch eine Weile dauern, bis da etwas passiert. War schon die Elektrifizierung von Strecken zur Anbindung von Großstädten ab 1991 wichtig geworden, um ICE-Verbindungen überhaupt zu ermöglichen, werden in absehbarer Zeit auch die lokbespannten IC-Züge durch Elektrotriebwagen ersetzt, so dass ICs auf reinen Dieselstrecken nur noch selten angeboten werden dürften. Vielleicht wird man für den internationalen Verkehr noch länger lokbespannte Züge einsetzen, aber das ist keineswegs zwingend. Früher oder später wird man wie beim TGV und beim ICE die neuen Elektrotriebwagen in mehreren Ländern zulassen und damit dann auch EC-Züge betreiben. Strecken, die nicht elektrifiziert sind, werden also ihren Fernverkehr in den nächsten 10-15 Jahren verlieren. Bedenkt man, wie lange es dauert, so ein Elektrifizierungsprojekt zu finanzieren, planen und umzusetzen, sollte man sich wohl langsam Gedanken darüber machen, wo weitere Elektrifizierungen sinnvoll sind oder ob es sich lohnt, auch für gut ausgebaute Dieselstrecken geeignetes Rollmaterial im Bestand zu halten.

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Schulreisen

Auf Schweizer Bahnhöfen bekommt man es gelegentlich mit, dass für Schulklassen in bestimmten Wagen Plätze reserviert sind. Reseriverungen werden sonst in der Schweiz selten praktiziert, aber in diesem Fall schon. Das wird im Bahnhof so angesagt und es scheint auch gängige Praxis zu sein, die Klassenfahrten oder Schulreisen mit der Bahn zu machen. Ganz toll sind natürlich Klassenfahrten mit Fahrrädern, auch das sieht man gelegentlich.

In Deutschland wurden vor einigen Jahren für Klassenfahrten meistens Busse gemietet. Dass man mit dem Zug gereist ist, kam auch vor, aber viel seltener. Eine banale, aber nicht zu unterschätzende Hürde war dabei, dass diese Klassenfahrten für die Lehrer Teil ihrer Berufsausübung und nicht Freizeitreisen waren. Nun muss man für alle Schüler und auch die Lehrer oder andere Begleitpersonen Fahrkarten kaufen. Die meisten Arbeitnehmer bekommen die Fahrkarte für solche berufsbedingten Reisen von ihrem Arbeitgeber bezahlt. Nun haben Schulen ein Budget für so etwas, aber anscheinend reicht das zumindest in dem einen oder anderen deutschen Bundesland nicht sehr weit, so dass man dort gar nicht erst anfangen kann, die Fahrkarten oder einen Teil davon zu finanzieren. Nun kann man einfach von den Schülern etwas mehr Geld einsammeln, aber das gibt komplizierte Diskussionen, wenn die Fahrkarte eigentlich 12.20 kostet, aber man nun 13.40 bezahlen soll. Das Problem wurde mit einem Bus aus der Welt geschafft, dessen Kosten nur auf die Schüler umgelegt wurden.

Ich denke, dass es wichtig ist, dass die Schüler die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel kennenlernen und auch positiv kennenlernen. Diese kleine Aufmerksamkeit, dass die Reservierungen der Klasse im Bahnhöf angekündigt werden, dass man sich von der Bahn ernstgenommen fühlt, ist da hilfreich, auch wenn es rational gesehen vielleicht keinen großen Unterschied macht. In den Unterlagen des Lehrers wird wahrscheinlich stehen, wo die Plätze reserviert sind. Im Bus sollte man während der ganzen Fahrt auf seinem Platz bleiben oder nur so kurz wie möglich aufstehen. Und alle sitzen in Fahrtrichtung. Das kann ein Vorteil der Bahn für die Kommunikation innerhalb der Gruppe sein, weil man dort eigentlich jederzeit aufstehen kann und weil dort je nach Bahn auch Sitzanordnungen vorkommen, wo man sich gegenüber sitzt. Das Problem der Fahrkarten für die Lehrer lässt sich recht einfach lösen, indem die Bahn bei Klassenfahrten die Fahrkarten für 2-3 Lehrer gratis dazugibt. Klassenfahrten lassen sich gut unterscheiden von anderen Gruppenreisen, so dass ein Missbrauch dieser Gratisfahrten nicht zu befürchten ist. Und für die Bahn ist das eine gute Investition in ihre zukünftigen Kunden.

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Marschrutka

Marschrutka (Маршрутка) bezeichnet einen kleinen Linienbus in Russland oder in der Ukraine. Man kann sie wie Linienbusse benutzen, Betreiber sind aber oft privat und nicht die Verkehrsbetriebe. Der Fahrpreis ist ähnlich wie beim städtischen Linienbus und typischerweise bezahlt man, indem man einen Geldschein nach vorne durchreicht und dazu sagt, wohin man will. Die Information und der Geldschein wandern durch viele Hände nach vorne zum Fahrer und das Wechselgeld kommt zurück. Die Leute sind normalerweise ehrlich. Und die Fahrpreise sind sogar gemessen am Durschnittseinkommen relativ niedrig.

In einem gut entwickelten ÖPNV-System könnten solche Kleinbusse eine Funktion zur Anbindung entlegener Ortsteile haben. Diese haben zu wenige Einwohnern für eine Linie mit normalen Bussen oder gar Trams.

Was aber eine Fehlentwicklung ist, ist wenn diese Marschrutki über eine längere Strecke die normalen städtischen Trolleybuslinien konkurrenzieren. Für Linien mit vielen Fahrgästen sind diese umweltfreundlicher und effizienter in der Nutzung des Straßenraums und des Personals, wenn sie einigermaßen ausgelastet sind auch auch von einer Person bedient werden. Als Fahrgast will man eine kurze Strecke fahren und nimmt das Verkehrsmittel, das als erstes kommt. So fährt die Trolleybuslinie mit geringer Auslastung und damit mit schlechter Kostendeckung. Über längere Strecken bieten natürlich die städtischen Busse mehr Komfort, weil man dort leichter Sitzplätze findet und in den Marschrutki nur sehr beengte Stehplätze.

Ich denke, dass eine Regelung, die den Marschrutki verbietet, über längere Strecken parallel zu bestehenden Bus-, Trolleybus oder Tramlinien zu verkehren, empfehlenswert wäre.

Zu Zeiten, in denen die städtischen Linienbusse gar nicht oder sehr selten fahren, könnte man die Marschrutki zulassen. Allerdings ist zu beobachten, dass in vielen Orten die städtischen Verkehrsbetriebe sich viel zu wenig am nächtlichen Verkehr beteiligen, der z.B. in den Nächten vor einem freien Tag ganz beträchtlich sein kann. In einigen Städten, z.B. in Zürich, gibt es in solchen Nächten ein reduziertes Liniennetz. Es wird verstärkt auf gute Anschlüsse geachtet und die Fahrgäste müssen einen Aufpreis zahlen. Damit können diese Verkehre in Zürich sogar kostendeckend angeboten werden. In Städten mit sehr aktivem „Nachtleben“ wie Madrid oder St. Petersburg fahren an solchen Tagen die Metros nur bis etwa 1:00 nachts und verschenken ein großes Fahrgastpotential. Es gibt aber auch Metro-Systeme, die 24-Stundenbetrieb an allen Tagen und sogar an allen Stationen praktizieren, z.B. New York.

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Sind Fahrkarten veraltet?

Früher hat man für Bahnfahrten Fahrkarten gekauft. Kleine Pappkärtchen, später größere Papierkarten. Auch für alle möglichen Zwecke gab es Fahrkarten, Flugkarten, Eintrittskarten, die man quasi physisch erworben hat.

Je nach Preis der Karte besteht ein Risiko, dass die Karten gefälscht werden. Es sollte also sowohl beim Papier als auch beim Druckbild auf ein gewisses Maß an Fälschungssicherheit geachtet werden. Das ist möglich, wenn man die Fahrkarten am Schalter oder am Automaten kauft oder wenn sie per Post kommen.

Der Vorteil ist, dass man eine völlig anonyme Fahrkarte machen kann.

Der Trend geht aber davon weg. Flugkarten sind schon lange verschwunden oder nur noch in Ausnahmefällen anzutreffen. Beim Fliegen verzichtet man allerdings sowieso praktisch auf jeglichen Datenschutz und anonyme Flugkarten gibt es nicht. Wenn man Bahnfahrkarten online erstellt, sind sie auch an eine Person gebunden. In Wirklichkeit liegen die Bahnkarten und Flugkarten in elektronischer Form auf dem Server und das Online-Ticket ist nur eine Darstellung. Wenn man es verloren hat, druckt man es einfach noch einmal. Die Kontrolle über meinen Drucker und meinen Rechner will ich auch gerne selbst behalten. Interessant ist, dass man als Kunde das Geld bezahlt und der Verkäufer, also die Bahn- oder Fluggesellschaft die Information über das Ticket selber speichert. Wir vertrauen darauf und das können wir auch.

Aber man kann das Ticket kopieren oder mehrfach ausdrucken und damit mehrmals reisen oder es an Freunde weitergeben, die dieselbe Reise machen. Die Personenbindung verhindert, dass mehrere Leute dasselbe Ticket benutzen, auch wenn die Fahrkartenkontrolle in einem Moment stattfindet, an dem keine Netzverbindung existiert. Wenn verwendete oder auch stornierte Fahrkarten an den Server gemeldet werden, wird auch verhindert, dass jemand mit einem Ticket, das zwei Tage gültig ist, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils mit einer frischen Kopie reist. Dafür reicht eine Internetverbindung des Fahrkartenkontrolleurs, die nur alle paar Stunden funktioniert aus, wenn die Geräte entsprechend programmiert sind.

Ob man die Fahrkarte auf Papier oder auf dem Mobiltelefon hat, wird auch zweitrangig. Ärgerlich ist nur die Situation, wo die Batterie leer wird oder das Gerät herunterfällt und nicht mehr funktioniert.

Es vereinfacht sich einiges, wenn man keine echten Fahrkarten mehr hat. Aber mit vertretbarem Aufwand sind anonyme Fahrkarten nicht mehr möglich. Vielleicht wäre es wirklich an der Zeit, ein „Reisegeheimnis“ analog zum „Briefgeheimnis“, „Telefongeheimnis“ und „Bankgeheimnis“ zu definieren, das Verkehrsunternehmen speziell bezüglich der Reisedaten verpflichtet, mit diesen sorgfältig umzugehen. Das könnte diese Thematik besser erfassen als allgemeiner „Datenschutz“.

Eine solche Umstellung hat es bei der SBB gegeben. Das Generealabonnement, eine Art Jahreskarte, liegt jetzt nur noch auf dem SBB-Server vor. Die Fahrgäste haben ein rote Karte, SwissPass genannt, die eine Identität belegt, aber nicht was für Dauerkarten man tatsächlich gerade hat. Bei der Fahrkartenkontrolle muss diese Karte also jedes Mal vom Mobiltelefon des Kondukteurs gelesen werden, um das zu verifizieren. Es gibt momentan noch gewisse Situationen, in denen das etwas kompliziert zu handhaben ist. Das Schweizer Generalabonnement berechtigt z.B. auf gewissen Zügen zu Ermäßigungen bei der deutschen oder österreichischen Bahn. Nur können die dortigen Eisenbahner das Ticket nicht lesen, dafür müssten sie den SwissPass lesen und Daten vom SBB-Server beziehen. So muss man für Auslandsreisen sich am Schalter einen Beleg drucken lassen, dass man ein GA hat.

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Bahnhofswechsel in Basel

In Paris, Moskau, St. Petersburg und London ist man es gewohnt, dass man zum Umsteigen den Bahnhof wechseln muss. In den deutschsprachigen Ländern ist das eher die Ausnahme, aber es gibt auch einige Orte, wo das erforderlich ist.

Ein Beispiel ist Basel. Dort treffen drei Länder, Deutschland, Frankreich und die Schweiz zusammen. So gibt es auf Schweizer Gebiet in der Stadt auch drei Bahnhöfe, Basel SBB, Basel SNCF und Basel Badischer Bahnhof. Der SNCF-Bahnhof und der SBB-Bahnhof liegen aber direkt nebeneinander und bilden quasi einen einzigen großen Bahnhof mit 21 Gleisen, den man als den Hauptbahnhof von Basel ansehen könnte. Der Badische Bahnhof ist einige Kilometer davon entfernt. Fernzüge aus Deutschland halten im Badischen Bahnhof und fahren dann mindestens bis Basel SBB. Deshalb ist das Umsteigen einfach möglich. Ein Teil der Regionalzüge aus Deutschland, insbesondere der IRE, der stündlich auf dem Nordufer des Rheines von Singen und Schaffhausen und manchmal auch von Ulm und Friedrichshafen kommt, endet z.B. in Basel Badischer Bahnhof.

Die Strecke zwischen den Bahnhöfen ist inzwischen viergleisig ausgebaut und stellt im Gegensatz zu früheren Jahren deshalb keinen so großen Engpass mehr dar. Es gibt am Wochenende einmal pro Stunde und Werktags zweimal pro Stunden eine S-Bahn, die S 6, die zwischen den Bahnhöfen verkehrt. Man kann auch die ICEs nehmen, die etwa zweimal pro Stunde fahren. Weil für diesen Abschnitt Schweizer Tarife gelten, muss man keinen Zuschlag für den ICE bezahlen, solange man eine CH-Fahrkarte ab Badischer Bahnhof hat. Problematisch ist nur, dass die ICEs einen langen Laufweg hinter sich haben und eventuell eine Verspätung haben, was bei knappen Anschlüssen ein Nachteil sein kann.

Tram

Mit der Straßenbahn (Tram) kann man auch fahren. Am besten ist die Linie 2. Diese fährt werktags häufiger als alle 10 Minuten und benötigt etwa 20 Minuten für die Strecke. Diese Tramlinie fährt in etwa so wie die kürzeste Verbindung zu Fuß oder mit dem Fahrrad wäre.

Zu Fuß

Mit genügend Zeit kann man die Strecke auch zu Fuß zurücklegen, aber es sind etwa drei Kilometer, wenn man über die Wettsteinbrücke geht.

Fahrrad

Wenn man ein Fahrrad dabei hat, ist das nicht sehr weit. Nur sollte man nicht den Bahngleisen folgen, sondern eben über diese Wettsteinbrücke (1) fahren. Es gibt fünf Straßenbrücken in Basel, die man alle als Radfahrer gut benutzen kann (und darf). Die östlichste ist nahe den Bahngleisen und macht wie die Bahngleise einen gewissen Umweg. Besser ist es vom Bahnhof und den Bahngleisen wegzufahren und eben über die zweite Brücke von Osten, die Wettsteinbrücke, zu fahren. Die Johanniterbrücke (2) weiter im Nordwesten ist die zweitbeste Möglichkeit und die Schwarzwaldbrücke (3) neben den Bahngleisen die drittbeste. Die mittlere Brücke ist schwieriger zu verwenden, weil man dabei leicht in Fußgängerzonen gerät und mehr Zeit verlieren kann, als für das Erreichen des Anschlusses im anderen Bahnhof gut ist. Das sieht man auf der folgenden Karte:

Bahnhofswechsel in Basel

Bahnhofswechsel in Basel

Zukunftsperspektiven

Es ist übrigens geplant, eine weitere S-Bahn-Verbindung zwischen den beiden Bahnhöfen zu bauen, die noch mehr Stationen im Stadtgebiet erschließen soll. Da eine Menge Bahnprojekte in der Schweiz geplant sind und um das bereits dafür vorgesehene Gesamtbudget konkurrieren, ist noch nicht klar, ob dieses Projekt in den nächsten Jahrzehnten in Angriff genommen wird oder für längere Zeit einen „längerfristige Planung“ bleiben wird.

Gerade mit einer Elektrifizierung der Hochrheinbahn in Richtung Schaffhausen auf dem noch fehlenden Abschnitt zwischen Basel und Erzingen könnte es interessant sein, halbstündlich von Basel nach Schaffhausen zu fahren und diese Züge dann auch bis Basel SBB weiterfahren zu lassen. Insbesondere wäre es interessant, wenn die beteiligten Bahnen sich einigen könnte, dass Schweizer Generalabonnement und Halbtax-Abo (entspricht etwa BahnCard 100 und BahnCard 50 bei der DB) auf dieser Strecke anerkannt würden. Das würde die Verbindung zwischen Basel und der Nordostschweiz sehr verbessern und einen kleinen Teil des Verkehrs am Nadelöhr Zürich vorbeiführen.

Eine positive Besonderheit der größeren Schweizer Bahnhöfe ist, dass sie meistens Rampen zu den Bahnsteigen habe, so dass man z.B. mit Kinderwagen oder Fahrrädern oder einfach nur Rollkoffern leichter die Bahnsteige wechseln kann. Das war auch in Basel so, aber vor einigen Jahren ist der Bahnhof umgebaut worden und nun gibt es nur noch Treppen, Rolltreppen und Lifte. Umterführungen mit Rampen existieren weiterhin, jedoch ist deren Benutzung für Reisende verboten.

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