Rastatt (wieder offen)

Die Bahnstrecke bei Rastatt ist wieder offen.

Interessant sind nun die folgenden Fragen:

  • Wie wird die Strecke weitergebaut?
  • Wie verhält es sich in Zukunft mit Umleitungsstrecken für diese wichtige Nord-Süd-Verbindung?

An der Weströhre, die von dem Vorfall nicht betroffen war, wird schon seit längerem wieder gearbeitet. Man sollte davon ausgehen, dass zumindest diese Röhre gemäß Zeitplan fertiggestellt werden kann. Auch wenn der Tunnel unter Rastatt im ersten Jahr nur eingleisig befahren werden könnte, wäre es schon ein Gewinn gegenüber dem heutigen Zustand.

Von der havarierten Oströhre fehlt eigentlich nur noch ein sehr kurzes Stück. Dieses ist nun überwiegend mit Beton und mit einer bei der Aktion zerstörten Tunnelbohrmaschine gefüllt. Das kann man sicher ausbrechen, so wie man ja auch Tunnel in Granit bauen kann. Oder man verlegt den Tunnel um ein paar Meter nach unten oder zur Seite und baut neben diesem Betonklotz. Das halte ich aber für unwahrscheinlich. Eine Verschiebung ist wegen der hohen Kurvenradien und der geringen Steigungen auf Bahnstrecken, die sowohl von Güterzügen als auch von Hochgeschwindigkeitszügen befahren werden sollen, schwierig. Vielleicht kann man eine Art offene Bauweise anwenden. Wir werden es sehen.

Die Frage der Umleitungsstrecken ist schon lange vor dem Einsturz bei Rastatt angesprochen worden, auch in diesem Blog. Was nun noch klarer geworden ist: Die reinen Gleiskapazitäten können nicht ausgenutzt werden, weil ein paar Hürden dem entgegenstehen. Die bei weitem naheliegendste Umleitungsstrecke verläuft auf der anderen Rheinseite durch Frankreich von Basel über Straßburg und Lauterburg nach Wörth (gegenüber von Karlsruhe). Sie ist weitgehend zweigleisig und war „früher“ sogar einmal durchgängig zweigleisig. Die Zweigleisigkeit auf dem kurzen Abschnitt zwischen Lauterburg und Wörth könnte und sollte man sicher wiederherstellen. Problematisch ist aber auch:

  • Frankreich hat ein anderes Stromsystem
  • Der nördliche Teil von Straßburg nach Wörth ist nicht elektrifiziert
  • Frankreich hat ein anderes Signalsystem
  • Lokführer müssen für das Land, in dem sie fahren, ausgebildet sein und die Strecken kennen.

Das sind alles lösbare Probleme. Man kann die linksrheinische Strecke durchgängig elektrifizieren. Man kann mehr Zweisystemloks beschaffen, die sich innerhalb des jeweiligen Landes einsetzen lassen. Man kann und muss Loks anpassen, dass sie mit einem weiteren Signalsystem fahren können. Der richtige Weg ist hier, das sogenannte ETCS einzuführen, ein europaweit einheitliches Signalsystem. Dieses ist inzwischen ausgereift und setzt sich nach und nach auf neuen Strecken durch. Und ja, einige Lokführer kann man entsprechend schulen, dass sie in zwei Ländern fahren können.

Die Frage ist, wer das bezahlen soll. Aus französischer Sicht hat die Nord-Süd-Strecke im Rheintal nur südlich von Straßburg eine große Bedeutung. Der nördliche Abschnitt ist quasi eine Stichstrecke in einem relativ dünn besiedelten Gebiet mit einer großen Überkapazität. Wahrscheinlich müssten sich Deutschland, die Schweiz, die EU oder eine Kombination daraus an den Kosten beteiligen.

Die andere plausible Umleitungsstrecke verläuft über Stuttgart. Die Bahnstrecke Zürich – Stuttgart ist immer noch auf einigen Abschnitten eingleisig, z.B. auch in der Schweiz. Da sie eine eigenständige Bedeutung als internationale Fernverbindung hat, wäre ein durchgängiger zweigleisiger Ausbau hier sicher langfristig sinnvoll.

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Fahrkarten kaufen – mal wieder

„Früher“ ging man zum Bahnhof, kaufte eine Fahrkarte zu einem beliebigen Ziel in Europa und fuhr damit. Jeder Staat hatte seine Bahn, aber alle Bahnen waren Teil eines europaweiten Systems und arbeiteten zusammen, zumindest bei so essentiellen Dingen.
Später redete man mehr von „Europa“. Man bekam z.T. sogar eine Fahrkarte aus dem Computer, konnte Reservierungen auch europaweit mache, was „früher“ immer zwei Besuche beim Bahnhof erforderte. Aber man sah auch, dass bei den „Streckenstilllegungen“ sehr oft ein Muster vorkam, dass die Strecken bis kurz vor der Grenze weiterhin betrieben wurden, von beiden Seiten, aber der eigentliche grenzüberschreitende Abschnitt fehlte. Zum Teil wurden diese Strecken inzwischen auch wieder eröffnet, z.B. GronauEnschede oder NiebüllTondern.

Aber wenn man heute Fahrkarten für eine internationale Verbindung kauft, bekommt man oft einen ganzen Stapel Fahrkarten in die Hand gedrückt und es ist für den Verkäufer am Schalter (und erst recht für den Kunden, der es selber im Internet kauft) oft schwierig, die überhaupt hinzubekommen.

Eine weitere Neuerung scheint zu sein, dass man für viele wichtige Verbindungen die Fahrkarten gar nicht mehr am Schalter bekommt. Z.B. fahren Thalys-Züge von Köln nach Brüssel, aber die Fahrkarten dafür verkauft die DB nicht am Schalter. Jetzt muss man sich für eine Bahnfahrt mühsam die Fahrkarten von verschiedenen Webseiten zusammenkaufen.

Es wird Zeit, dass die Bahnen wieder für die Fahrgäste und nicht für die Börse optimiert werden. Und dass man ein System hat, das sich aus verschiedenen Bahngesellschaften zusammensetzt. Die Komplexität dieses Systems sollten die Bahngesellschaften abfangen und es sollte nicht auf den Fahrgast abgewälzt werden. Die Schweiz ist hier vorbildlich. Mit sehr vielen inländischen Verkehrsbetrieben und Bahngesellschaften neben der SBB findet man doch in der Regel an jedem Fahrkartenschalter bzw. am Automat der Bahn das ganze inländische Angebot, zumindest für den Bahnverkehr.

Es wäre schön, wenn wir in Deutschland eine Regierung hätten, die darauf setzt, dass es einen guten und fahrgastfreundlichen Bahnverkehr gibt, nicht nur für Pendler, sondern auch für Gelegenheitsreisende auf internationalen Verbindungen. Aber die „Trinkgelder“, die von Auto- und Ölindustrie gezahlt werden, sind wahrscheinlich für die meisten deutschen Politiker interessanter.

Der Markt kann viele Dinge richten. Bahnverkehr lebt aber von großen Volumina, die typischerweise nur einmal vorhanden sind, und von einer Infrastruktur, die man nur einmal aufbauen kann. Und von möglichst dichten Taktfolgen, die man mit derselben Fahrkarte nutzen kann. Schnell werden Züge, wenn sie viele Halte auslassen, ohne dass deren Bedienung leidet, weil es genug Züge gibt, um sowohl oft genug zu halten als auch vorbeizufahren. Wir brauchen ein gutes Bahnsystem. Ob das intern über mehrere Bahngesellschaften organisiert ist, wie in der Schweiz, oder ob es wirklich eine große Bahn ist, ist ein Implementierungsdetail. Europaweit ist es sowieso aus vielen Gesellschaften zusammengesetzt, denn kaum ein Mensch wünscht sich eine einzige europaweite Bahngesellschaft, in der alle nationalen Bahngesellschaften fusioniert sind. Ich will nur als Fahrgast nicht viel davon merken.

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Rastatt: Streckenöffnung schon am 2. Oktober

Die beiden Betonplatten an der (momentan nicht) vorhandenen Strecke von Rastatt nach Offenburg werden anscheinend schon gegossen und müssen dann aushärten, während schon damit begonnen wurde, darauf die unterste Schotterschicht zu verteilen. Man ist gut vorangekommen und kann nun schon damit rechnen, am 2. Oktober die Strecke wieder zu öffnen.

Interessant ist, dass es erstmal eine 120 m lange Platte werden sollte. Dann eine 100 m lange Platte. Dann zwei Platten. Und jetzt zwei direkt aneinander anstoßende Platten mit insgesamt 275 m Länge und 11 m Breite. Immer war es 1 m dick. Beton muss aushärten. Nach 28 Tagen erreicht er seine Nennfestigkeit. Man kann die Platte etwas überdimenisionieren. Außerdem ist im Moment gar kein Hohlraum darunter, weil ja die bereits gebohrte Oströhre verfüllt worden ist und die Weströhre noch nicht bis zu dem Punkt vorgedrungen ist. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass die Bauingenieure ihr Handwerk verstehen. Die ursprüngliche Baumethode war problematischer, weil sie nicht bei fast jeder Baustelle, sondern nur sehr selten angewendet worden ist. Man war sich dessen bewusst und hatte Sensoren installiert, die auch das Problem erkannt haben, bevor es zu einem Unglück kam.

Es bleibt die Kritik, dass man zu wenig in potentielle Umleitungsstrecken investiert hat. Die Alternativen über Stuttgart sind z.T. eingleisig und die Alternative über Frankreich ist nördlich von Straßburg nicht elektrifiziert und ebenfalls teilweise eingleisig. Hier sollte man einen Weg suchen, um die beiden Strecken zweigleisig und durchgängig elektrifiziert auszubauen, genügend Zweisystemloks vorhalten und genügend viele Lokführer ausbilden, um die Strecken fahren zu können.

(teilweise neue) Links:

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Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Österreich

Die Bahnverbindungen von Deutschland in die Schweiz sind bekanntlich sehr gut. Das gilt vor allem auf der Rheinstrecke nach Basel, wenn sie wenigstens wenigstens wieder offen ist. Dort baut eine für 200-250 km/h ausgebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke. Außerdem wird der längste durchgängig mit vier mehr oder weniger nahe beieinander liegenden Gleisen versehene Streckenabschnitt dann von Minden in Nordrhein-Westfalen nach Basel führen. Auch im Regionalverkehr sieht es gut aus, meist wird dort oft grenzüberschreitend gefahren, auch in Koblenz/Waldshut, Schaffhausen/Singen, Schaffhausen/Erzingen und Konstanz/Kreuzlingen. Die Fernverbindungen von der Schweiz nach München und Stuttgart sind im Moment nicht so gut, sogar schlechter, als sie einmal waren, aber man vertröstet auf die Zeit nach dem großen Ausbau dieser Strecken, wenn alles besser werden soll. Diese relative gute Zusammenarbeit lässt sich vielleicht mit der gemeinsamen Sprache erklären, die einerseits zu mehr grenzüberschreitenden Verkehrsbedürfnissen führt, andererseits aber auch die Zusammenarbeit erleichtert.

Wie sieht es nun also mit Österreich aus, wo man die gleichen Vorteile auch hätte?

Es gibt einige Grenzübergänge für die Bahn nach Österreich. Von Ost nach West sind dies:

  • (Nürnberg -) Passau – Linz (- Wien) mit ICEs alle zwei Stunden und stündlichem Regionalexpress
  • Mühldorf – Braunau mit Umsteigeverbindungen mit Regionalbahnen etwa alle 1-2 Stunden
  • (München/Landshut -) Mühldorf – Freilassing – Salzburg (- Wien): zur Zeit alle zwei Stunden ein Regionalexpress
  • (München/Innsbruck – ) Rosenheim – Salzburg (- Wien): stündliche ICs/Railjets von Innsbruck nach Salzburg ohne Halt in Deutschland, alle zwei Stunden EC/Railjet von München nach Salzburg, stündliche Regionalbahn von München nach Salzburg, 5-6 mal pro Stunde Regionalverkehr von Salzburg nach Freilassing
  • (München/Salzburg -) Rosenheim – Kufstein – Innsbruck (- Brenner): stündliche ICs/Railjets von Innsbruck nach Salzburg ohne Halt in Deutschland, alle zwei Stunden ECs über den Brenner nach Verona, stündliche Regionalbahn mit Umsteigen in Kufstein
  • (München -) Mittenwald – Innsbruck: alle zwei Stunden ein Regionalexpress, einzelne Regionalbahnen dazwischen
  • (München -) Garmisch-Partenkirchen – Ehrwald – Reutte: stündliche Regionalbahn
  • Reutte – Pfronten – Kempten: Regionalbahn alle zwei Stunden
  • Lindau – Bregenz (- Schweiz/Feldkirch): Regionalverkehr alle 30 min, einzelne EC nach Zürich

Man sieht also, dass die Fernverbindungen Frankfurt – Wien, München – Wien und München – Verona alle zwei Stunden gefahren werden. Das ist nicht schlecht, aber man könnte sich natürlich auch einen stündlichen Verkehr auf diesen Verbindungen vorstellen. Der Regionalverkehr über die Grenze ist nicht schlecht, vor allem, wo es auf beiden Seiten nahe der Grenze größere Orte gibt, wie Lindau/Bregenz oder Salzburg/Freilassing.

Eine Merkwürdigkeit ist die Strecke von Garmisch-Partenkirchen via Reutte nach Kempten. Sie durchfährt Österreich, es gibt von Reutte aber keine Verbindungen mit dem Rest von Östereich, ohne durch Deutschland zu fahren. Sie ist von München bis Reutte elektrifiziert und ab dort nicht. Deshalb muss man in Reutte immer umsteigen.

Die Fernverbindung von Bregenz nach München ist trotz der kurzen Fahrt durch Österreich eigentlich eine schweizerisch-deutsche Verbindung und sie wird demnächst elektrifiziert und etwas beschleunigt werden, insbesondere, wenn es gelingt, in Lindau eine zeitsparendere Lösung für den Halt als den heutigen Hauptbahnhof auf der Insel zu finden.

Das Dreieck München – Innsbruck – Salzburg ist in allen drei Richtungen wichtig.

Von Salzburg nach Innsbruck möchte die Österreichische Bahn schneller fahren, nachdem man von Wien bis Salzburg und von Innsbruck bis Kufstein dabei ist, die Strecke auszubauen oder durch eine parallele Neubaustrecke zu ergänzen. Einzig eine Verindungskurve, die das Wenden im Bahnhof von Rosenheim vermeidet, hat man gebaut.

Von München nach Innsbruck ist die Fahrt über Rosenheim ein großer Umweg und im Verhältnis zu der Investition für den Brenner-Basistunnel könnte man eine Direktverbidung von München nach Süden mit einem langen Tunnel durchaus in Betracht ziehen. Das wird aber wohl von der deutschen Seite abgelehnt und so wird der Umweg ausgebaut. In der Nähe von München hat man die S-Bahnen über lange Strecken auf eigene Gleise gelegt und damit zumindest Kapazität geschaffen.

Interessanterweise verfolgt man für die dritte Verbindung von München nach Salzburg, die heute auch über Rosenheim verläuft, eine nördlichere Route über Mühldorf. Diese ist etwa genauso lang. Sie soll für 160 km/h ausgebaut werden, dazu zweigleisig und natürlich elektrifiziert werden. So möchte man die andere Strecke entlasten, die ja mit den anderen beiden Dreiecksverbindungen genug Verkehr hat. Es ist immer gut, wenn man parallele Strecken als Ausweichverbindungen hat und diese Verbindung über Mühldorf zu elektrifizieren und moderat auf 160 km/h auszubauen ist sicher kein Fehler, auch im Hinblick auf den schnelleren Regionalverkehr.

Aber so ein Ausbau für 160 km/h ist sicher nicht die ideale Konstellation für die angestrebte Schnellverbindung von Paris nach Budapest und Wien über München. Diese Strecke ist so lang, dass ohnehin Nachtzüge die richtige Lösung sind. Heute dauert es etwa 13-14 Stunden, 10-11 Stunden wären mit besseren Anschlüssen und den in Bau befindlichen Beschleunigungen wohl machbar. Und mit noch konsequenterem Ausbau, auch zwischen München und Salzburg, könnte man vielleicht auf 8-9 Stunden kommen. Nachtzüge sind also auf jeden Fall richtig, aber ein Teil der Fahrten wird auch tagsüber stattfinden und nur einen Teil der Strecke befahren. Warum baut man also nicht die Strecken von Rosenheim nach München, Innsbruck und Salzburg entsprechend 3-4-gleisig und für 200-250 aus? Sie werden jeweils von zwei der drei Dreickecksverbindungen genutzt. Eine andere interessante Möglichkeit wäre es, die direkte Strecke von Mühldorf über Braunau nach Linz auszubauen und auf dem Weg von Mänchen nach Wien an Salzburg vorbeizufahren. Das würde die Strecke und auch die Fahrzeit verkürzen. Die Linie von Innsbruck nach Wien würde weiterhin stündlich über Salzburg verkehren und von München nach Salzburg könnte man „Supereilzüge“, also schnelle, selten haltende Regionalexpress-Züge stündlich einsetzen.

Über die Strecke Nürnberg – Regensburg – Passau – Linz (- Wien) hört man wenig, aber es gibt ein entsprechende Ausbauprojekte auf beiden Seiten der Grenze im BVP.

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Rastatt: Aktueller Stand über Streckenunterbrechung

Die Unterbrechung der Strecke Mannheim–Basel im Süden von Rastatt südlich von Karlsruhe soll jetzt bis zum 7. Oktober 2017 dauern. Der Tunnel sollte die vorhandene Bahnstrecke in zwei Röhren in einem sehr spitzen Winkel unterqueren. Die Röhren sind beide fast fertig, es fehlten nur noch etwa 100–200 Meter. Zum Tunnelbau hat man den Boden künstlich vereist und dann mit Tunnelbohrmaschinen gearbeitet. Diese sind etwa 90 Meter lang. Der ausgebrochene Hohlraum wurde mit Betonteilen (Tübbingen) ausgekleidet, die sich zu einer Röhre zusammensetzen lassen. Der Tunnel verläuft nur etwa 5 Meter unter der Erdoberfläche. Nun hat sich ausgerechnet an der Stelle, wo die Gleise oberhalb des neuen Tunnels verlaufen, bei einer Röhre der Boden leicht gesenkt, trotz Tübbingen und Vereisung, weshalb eine Sperrung erforderlich wurde. Anscheinend ist ein einzelnes Segment der Tunnelauskleidung verrutscht. Dies befand sich im Bereich der Tunnelbohrmaschine, die insgesamt etwa 90 Meter lang ist.

Nun hat man den Hohlraum der betroffenen Röhre unter der Strecke mit einem Betonkegel gegen den Rest des Tunnels abgetrennt und dann auf etwa 150 Metern Länge mit Leichtbeton gefüllt. Es wurde damit begonnen, im betroffenen Abschnitt unterhalb der Gleise eine 150 m lange und 1 m dicke Platte aus Stahlbeton zu bauen, oberhalb derer die Gleise dann wieder aufgebaut werden sollen. Die Erstellung der Betonplatte dauert etwa drei Wochen. Mit dem Weiterbau der Röhre, die nicht von dem Unglück betroffen war, soll demnächst fortgefahren werden. Man liest, dass die von dem Unglück betroffenen Röhre auch am selben Ort weitergebaut werden soll. Es wird also wohl der Beton und die einbetonierte Tunnelbohrmaschine abgetragen werden.

Anscheinend wurden alle ICE-Garnituren, die sich südlich der Störungsstelle in Südbaden oder in der Schweiz befanden, auf Umwegen nach Norden gebracht. Zwischen Basel und Baden-Baden verkehren jetzt normale IC-Züge mit Loks, die etwas langsamer sind, weil sie auf den beiden für 250 km/h ausgebauten Abschnitten nur 200 km/h fahren können. Außerdem gibt es dort kein Internet für die Fahrgästet, das hat zur Zeit nur der ICE.

Was die Umleitungen betrifft, ist für den Reiseverkehr in der Regel das kleinste Übel, die Stunde Zeitverlust durch zweimaliges Umsteigen und Busverkehr als Schienenersatz zwischen Baden-Baden und Rastatt in Kauf zu nehmen. Für Nachtfahrten nach Hamburg und Berlin ist im Moment der Umweg über Augsburg die Alternative, wenn man dort noch Plätze finden sollte. Die Nachtzüge von Zürich nach Hamburg fallen leider aus. Ob mit der Wiederinbetriebnahme der Strecke von Horb nach Stuttgart auf diesem Weg gefahren werden wird, wird sich noch zeigen.

Schwierig wird es vor allem für die Güterzüge. Es werden Umleitungsstrecken über Tübingen und Lauterburg genutzt, die aber alle nicht ohne weiteres die ausreichende Kapazität für 100-200 Güterzüge pro Tag bringen. Die Baustelle auf der Bahnstrecke von Horb nach Stuttgart wird beschleunigt, um die Strecke früher wieder in Betrieb nehmen zu können. Baustellen zwischen Basel und Schaffhausen werden aufgeschoben. Einige Regionalzüge auf Umleitungsstrecken fallen aus und werden durch Busse ersetzt, um Kapazitäten für den Güterverkehr zu schaffen.

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Rastatt

Wer nicht gerade in der Nähe von Karlsruhe wohnt, sich besonders für Geografie interessiert oder zufällig von dem Ort gehört hat, wird den Namen kaum kennen. Rastatt ist eine Stadt mit etwa 50’000 Einwohnern 25 Kilometer südlich von Karlsruhe.

Dort verläuft eine der wichtigsten Bahnstrecken in Deutschland, die die Schweiz und Italien und Südbaden mit Karlsruhe, Frankfurt, Mannheim, Köln, dem Ruhrgebiet, den Nordseehäfen und überhaupt mit Nord-, West- und Mitteldeutschland verbindet. Von Köln bis Rastatt gibt es immer mindestens zwei parallele zweigleisige elektrifizierte Strecken. Ab Rastatt ist für ein kurzes Stück nur eine zweigleisige Strecke vorhanden, bis es dann durch Bündelung mit dem schon fertiggestellten Abschnitt Neubaustrecke Karlsruhe – Basel wieder bis Offenburg viergleisig weitergeht. Südlich von Offenburg bis Basel hätte der viergleisige Ausbau zeitgleich mit dem Gotthard-Basistunnel fertigwerden sollen, aber es gibt Verzögerungen. Was es schon gibt ist ein 20 km langer Neubauabschnitt nördlich von Basel mit dem Katzenbergtunnel. Südlich von Offenburg gibt es aber mit den Routen über Straßburg und über die Schwarzwaldbahn Ausweichrouten, wenn auch die Schwarzwaldbahn wegen der Berge und der engen Kurven nur begrenzt geeignet ist und die Route über Frankreich mit einem anderen Stromsystem elektrifiziert ist. Außerdem klappt die Zusammenarbeit der Bahnen über Sprachgrenzen hinweg trotz EU in der Regel nicht gleich gut wie mit der Schweiz und mit Österreich. Man sollte nicht vergessen, dass die dicht besiedelte Gegend vom Ruhrgebiet über Köln, Frankfurt und Mannheim sich bis Karlsuhe und die südlichen Vororte und mit etwas geringerer Besiedlungsdichte bis Offenburg fortsetzt. Von daher ist im Raum Rastatt noch sehr viel mehr regionaler Verkehr unterwegs als weiter südlich, auch wenn Basel und Freiburg wiederum recht aktive S-Bahn-Systeme in die nähere Umgebung haben.

Nun will man genau diesen Engpass beheben und es wird ein zweiröhriger Tunnel von gut vier Kilometer Länge unter Rastatt gebaut, um durchgängig bis Offenburg mindestens vier Gleise zu haben und Geschwindigkeiten von 200-250 km/h zu ermöglichen. Hier die Seite der Bahn zum Projekt. Genau dieser Tunnel ist nun schon sehr weit fortgeschritten und man hat zur Unterquerung der beiden bestehenden Gleise den Boden vereist. Nun hat der Untergrund wegen einer der beiden Röhren trotzdem nachgegeben und damit ist die Strecke ausgerechnet an ihrem größten Engpass unterbrochen.

Für den Reisezugverkehr fahren die Züge bis Rastatt und Baden-Baden, dazwischen fahren alle 6 min Busse als Schienenersatzverkehr. Man verliert dadurch etwa eine Stunde gegenüber dem Normalzustand hat Komforteinbußen durch das Umsteigen mit Treppen, Stehplätze im Bus u.s.w. Aber ansonsten kommt man ans Ziel. Die naheliegenden Umleitungen funktionieren nicht, weil zwischen Zürich und Stuttgart sowie zwischen Zürich und München ebenfalls jeweils ein kurzes Teilstück gesperrt ist und Schienenersatzverkehr angeboten wird, in diesem Fall geplant, um die Baukosten zu senken. So stehen nur Umleitungen über Nebenstrecken oder über Frankreich zur Verfügung, die die Reisezeit um mehrere Stunden verlängern, so dass die Stunde auf der „direkten“ Strecke das kleinere Übel ist.

Problematisch ist es für den Güterverkehr. Die Schweiz ist jetzt weitgehend von Güterverkehr abgehängt. Es fahren auf dieser Rheintalbahn jeden Tag sehr viele Güterzüge. Umleitungen über die noch offenen Strecken werden verfolgt, aber die Kapazität reicht nicht aus für alle Züge und es muss zum Teil noch Lokwechsel vorgenommen werden oder die Züge müssen verkürzt werden. Problematisch ist noch, dass einige Ladungen, insbesondere große Container, nicht auf allen Strecken zugelassen sind, weil die Tunnelquerschnitte oder die Brücken nicht ausreichen.

Die Strecke, die sich wirklich anbieten würde, wäre durch Frankreich auf der Westseite des Rheines zu fahren. Die Strecke ist weitgehend zweigleisig und hat wenig Verkehr, also viel freie Kapazitäten. Sie ist nicht besonders gut ausgebaut, nicht elektrifizert und man liest, dass in Frankreich Personal in den Ferien sei.

Eine Lehre die man aus diesem Vorfall ziehen sollte: Man sollte die Zusammenarbeit zwischen den Bahnen noch erheblich verbessern und die linksrheinische Strecke von Straßburg nach Ludwigshafen durchgängig elektrifizieren, um eine Ausweichstrecke für diese wichtige Rheinstrecke zur Verfügung zu haben. Und man sollte genug Zweisystem-Elektroloks beschaffen, um dort fahren zu können. Umgekehrt kann Frankreich die Umleitung über Deutschland auch gebrauchen, aber man macht eher mal Schienenersatzverkehr und lässt die Züge ausfallen, wie ich kürzlich gesehen habe.

Da man jetzt plant, das Loch mit Beton zu füllen und damit die Tunnelbohrmaschine einzugraben, wird sich die Fertigstellung des Tunnels wohl um mindestens ein Jahr verzögern. Vielleicht lässt sich in „offener Bauweise“ die Querung der vorhandenen Strecke bauen. Wahrscheinlich muss man die eine Röhre um ein paar Meter verschieben und auch den schon gebohrten Teil teilweise noch einmal graben oder bohren, um die verfüllte Stelle seitlich oder unterhalb zu queren. Das wird teuer und zumindest die Fertigstellung dieser Röhre verzögern. Wenn es gelingt sollte, schon eine Röhre im Zeitplan fertigzustellen, wäre das auf jeden Fall gut.

Für den Moment empfehle ich Reisenden: Wenn Alternativstrecken zeitlich mit max 1-2 Stunden mehr Reisezeit machbar sind, würde ich die nehmen. Ansonsten auf die Schienenersatzverkehrlösung zugreifen. Man bekommt dann für die Verspätung eventuell etwas Geld zurück, wenn man das Fahrgastrechtformular ausfüllt.

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Bahnanbindung Wiesbaden

Wiesbaden ist eine Großstadt mit knapp 300’000 Einwohnern in einem dicht besiedelten Gebiet. Vor vielen Jahren fuhren mal regelmäßig IC-Züge dort vorbei, die von Frankfurt nach Köln unterwegs waren und bis kurz vor Koblenz „rechtsrheinisch“ fuhren. So hatte Wiesbaden einen IC jede Stunde. Der andere IC fuhr von Mannheim an linksrheinisch über Mainz nach Köln.

Das hat sich geändert. Die ICs von Frankfurt nach Köln wurden über den Frankfurter Flughafen und Mainz geführt. Später fuhren dann auch die ICs und ICEs von Mannheim nach Köln über den Frankfurter Flughafen und erst ab da linksrheinisch. Oder dann über die Neubaustrecke.

Um für Wiesbaden weiterhin die Anbindung ans IC-Netz zu gewährleisten, wurde eine Kuriosität eingeführt. Ein Nahverkehrszug erhielt IC-Anstrich und -Bestuhlung. Er wurde Wiesbaden-City genannt und verkehrte auf dem kurzen Laufweg von Wiesbaden nach Mainz als zuschlagpflichtiger IC-Zug. Das war rein vom Laufweg eine sublokale S-Bahn. Man konnte die knapp 10 Minuten Fahrzeit mit IC-Komfort genießen. Zeitweise fuhr er außerdem auch nach Frankfurt. Betrieblich war es eine fragwürdige Idee, in einem dicht befahrenen Teil des Streckennetzes die knappen Fahrplantrassen für so einen Zug zu verwenden, den nur ein kleiner Teil der Fahrgäste benutzen durfte, ohne einen unverhältnismäßig hohen Aufpreis zu zahlen. Außerdem war es vom Unterhalt unpraktisch, so einen Spezialzug zu haben, von dem es nur zwei Exemplare gab. Aber das Prestige für Wiesbaden, einen echten IC-Anschluss zu haben, war enorm. Irgendwann wurde dieses Experiment sang- und klanglos aufgegeben und man muss sich einfach vorstellen, dass in der Zwillingsstadt Mainz/Wiesbaden der Hauptbahnhof im Mainzer Teil der Doppelstadt liegt. Man kann die öffentlichen Verkehrsmittel darauf ausrichten.

Nun kam aber die ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln. Da bot sich eine neue Chance, für Wiesbaden einen echten ICE-Anschluss zu bekommen. Man baute nördlich von Wiesbaden und Frankfurt eine Abzweigung und eine Verbindungsstrecke nach Wiesbaden. Von der konnte auch Mainz profitieren. Anfangs gab es etliche ICEs von Wiesbaden nach Köln. Eigentlich sollte genug Potential da sein, Mainz und Wiesbaden zusammen mit den unmittelbaren Nachbarorten haben sicher mehr als eine halbe Million Einwohner und in einer Stunde nach Köln zu fahren ist wirklich super.

Eine Herausforderung ist es, dass diese Strecke für 300 km/h ausgebaut ist, was nur die ICE3-Züge fahren können. Und sie ist recht dicht befahren, das heißt, dass man bestrebt ist, alle Züge etwa gleich schnell fahren zu lassen. 300 km/h auf einer gut ausgelasteten Strecke zu fahren ist aber nur mit einem relativ langen Zug sinnvoll. Das heißt, dass man zumindest einen ICE3 auslasten sollte. Man könnte in Limburg den Zug teilen oder vereinigen mit einem anderen Zug, der z.B. von Karlsruhe über Heidelberg, Darmstadt und Frankfurt-Flughafen nach Köln fährt. Und man könnte auch den Zug von Wiesbaden nach Köln etwas weiter südlich beginnen lassen, z.B. linksrheinisch von Karlsruhe über Speyer, Worms, Mainz und Wiesbaden nach Köln fahren. Aber zumindest das Angebot, das die deutsche Bahn aufgestellt hat, kam nicht gut an und so wurden immer weniger Züge pro Tag über diese Strecke geführt. Heute fahren an Werktagen zwei Zugpaare und die sind noch unterdurchschnittlich ausgelastet. So hat man hier eine teure Neubaustrecke, die stillegungsgefährdet ist, wenn sich nicht ein sinnvolles Betriebskonzept finden lässt, das sie etwas besser auslastet. Da die Strecke genau nach Osten führt, ist auch eine Anbindung an die Neubaustrecke in Richtung Frankfurt und Mannheim möglich. Das scheint noch eine vielversprechende Nutzung zu sein, weil damit schnellere Züge innerhalb der Region zum Frankfurter Flughafen, nach Frankfurt Hbf, nach Darmstadt und nach Mannheim angeboten werden könnten.

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Flughafenbahnhöfe

Viele Flughäfen haben Bahnhöfe und es ist ganz interessant, diese Anbindung einmal anzuschauen.

Um es vorweg zu sagen, die Flughafenbahnhöfe machen das Fliegen einfacher, schneller und konkurrenzfähiger und führen zu mehr Flugverkehr und vielleicht auch zum Verlust von Bahnreisenden, wenn durch eine gute Flughafenanbindung eine Flugroute gerade konkurrenzfähig mit der entsprechenden Bahnverbindung gemacht wird. Ob das wünschenswert ist oder nicht, ist eine legitime Fragestellung. Aber ich denke, dass der Verzicht auf Flughafenbahnhöfe der falsche Mechanismus ist, um den Flugverkehr einzudämmen oder zu reduzieren. Direktere Mechanismen sind sinnvoller, also z.B. eine Besteuerung und eine CO_2-Abgabe für Flugzeugtreibstoffe.

Flughäfen können natürlich ganz klein sein, es gibt in abgelegenen kleinen Orten zum Teil Flughäfen, wo einige Male am Tag ein Flugzeug landet und startet, dass etwa so viele Fluggäste wie in Bus aufnimmt. Aber die internationalen Flughäfen für Millionenstädte oder für ein ganzes Land generieren in der Regel viel Verkehr, für Reisende selbst, für die Angestellten des Flughafens und der Fluggesellschaften und der vielen Betriebe und für Leute, die Reisende zum Flughafen begleiten oder dort abholen.

Die übliche Anbindung ist eine S-Bahn-Strecke oder Regionalverkehr, was der Tatsache gerecht wird, dass oft ein großer Teil der Reisenden aus der Region kommt. Im Flughafen sollte man 1-3 Stunden vor Abflug eintreffen. ca. 30 min vor Abflug soll man beim Gate sein und 15-30 min für Security, Passkontrolle und die erheblichen Wege innerhalb des Flughafens sind schon fast optimistisch. Mit Gepäck und Checkin im Flughafen braucht man mehr Zeit und wenn man „schwieriges“ Gepäck dabei hat, z.B. ein Fahrrad, oder wenn es eine interkontinentale Reise ist, 3 Stunden. Die Minute mehr oder weniger für den Weg zum Flughafen fällt also nicht so auf. Als Regel kann man wohl etwa eine Stunde für den Weg zum Flughafen rechnen. Alles was kürzer ist, ist „super“, alles was länger ist, fällt dann schon negativ auf. Aber schauen wir ein paar Zeiten an, jeweils vom Hauptbahnhof zum Flughafen:

Stadt/FlughafenReisezeit (ca.) in minZüge pro Stunde (ca.)
Oslo23 3
Stockholm206
Kopenhagen10-146
Helsinki266
Amsterdam14-179
Paris CDG33-388
Brüssel21-236
Madrid27-28 (S-Bahn)4 (S-Bahn)
5-10 (Metro)
Moskau SVOca. 353
Moskau DMEca. 45k.A.
Mailand562
London Paddington - Heathrow154
London Cityca. 60 >5
Frankfurt / Main10-129
München40-436
Hamburg316
Berlin Schönefeld49-5713
Düsseldorf11-126
Zürich9-13 (Zug)
48 (Tram)
13 (Zug)
7 (Tram)
Genf75

Es gibt aber auch viele wichtige Städte, die gar keinen Bahnanschluss, weder Metro noch Zug, zum Flughafen haben, z.B. Kiew, Belgrad oder St. Petersburg. Und der Bahnanschluss in Helsinki ist auch erst etwa seit 2016 verfügbar. In Berlin existiert der Bahnanschluss schon, aber der „richtige“ Flughafen ist erst in Bau.

Dass die Reisezeiten so verschieden lang sind, liegt einerseits an der unterschiedlichen Entfernung. Neuere Flughäfen werden grundsätzlich ziemlich weit entfernt von der Stadt gebaut, weil der Fluglärm im dicht besiedelten Gebiet für einen vorhandenen Flughafen wohl mehr oder weniger ertragen wird, aber für einen Neubau nicht akzeptiert wird. Außerdem braucht man viel Platz und der ist auch in der Nähe großer Städte immer knapp. Für London hat man in Betracht gezogen, eine künstliche Insel ala Dubai oder Hongkong zu bauen, die groß genug für einen Flughafen ist, der die fünf heutigen Flughäfen ersetzen könnte, der Engpass war aber wohl das Geld…

Außerdem spielt es eine Rolle, wie schnell die Züge sind. So gibt es eigentlich drei Arten von Bahnanbindungen. Regionalzüge oder S-Bahnen werden bis zum Flughafen verlängert und halten unterwegs oft. Das haben z.B. München, Zürich, Berlin, Hamburg und Frankfurt, wobei es in Frankfurt und Zürich nicht auffällt, weil die Entfernung relativ kurz ist. In einigen Fällen halten auch Fernzüge dort, meist zusätzlich zum Regionalverkehr. Das ist in Zürich und Frankfurt und Genf der Fall. In Genf enden sie beim Flughafen und dienen auch der regionalen Verbindung zwischen Stadt und Flughafen. In Frankfurt und Zürich hat der Flughafen überregionale Bedeutung und die Fernzüge dienen so als Zubringer von weiter entfernten Orten, z.B. Köln Hbf – Frankfurt-Flughafen oder Karlsruhe Hbf – Frankfurt-Flughafen in jeweils ca. einer Stunde. Für München redet man von so etwas und es sollen Züge von dort in Richtung Regenburg und Rosenheim fahren können. Nürnberg oder Augsburg könnten auch in etwa einer Stunde an den Münchener Flughafen angebunden werden, wenn entsprechende Strecken gebaut würden. Nürnberg hat zwar einen eigenen Flughafen, aber München hat einfach viel mehr Direktverbindungen. Kiel hat an den Hamburger Flughafen nur eine Bahnanbindung über Hamburg Hbf, die etwa 2 Stunden dauert, bei unter 100 km Luftlinienentfernung. Allerdings gibt es eine Buslinie, die davon profitiert, dass der Flughafen auf der „richtigen“ Seite der Stadt liegt. Auch von Lübeck dauert es 1:20, bei ca. 50 km Luftlinienentfernung.

Es stellt sich auch die Frage, ob bei entsprechend guter Bahnanbindung eines großen Flughafens kleine Regionalflughäfen noch eine Existenzberechtigung haben. Die Flughäfen in Kiel und Lübeck sind sogar ohne so eine Anbindung geschlossen worden. Zum Teil suchen sie sich dann Nischen wie „Billigairlines“, die bestimmte „Punkt-zu-Punkt“-Verbindungen von einem abgelegenen Regionalflughafen anbieten, aber es wird sich zeigen, ob das Modell eine langfristige Perspektive hat. Öffentliche Gelder investiert man besser in eine Anbindung des größeren Flughafens mit vielen interessanten Verbindungen als in den prestigeträchtigen eigenen Flughafen mit viel kleinerem Verkehrsnutzen.

Ein Modell für die Anbindung, das in einigen Städten praktiziert wird, sollte noch erwähnt werden. In Stockholm und Oslo hat man z.B. eine relativ schnelle (200 km/h) Bahnstrecke zum Flughafen gebaut. Züge fahren mehrmals pro Stunde vom Hauptbahnhof mit wenigen Halten zum Flughafen und enden dort oder fahren noch ein kurzes Stück weiter. So kann auch ein entfernter Standort wie in München zeitlich nah an die Stadt rücken. Allerdings sind in Oslo und Stockholm die Strecken dieser Flughafen-Express-Züge zu >90% auch für Fernzüge in Richtung Norden nutzbar. London-Heathrow hat auch so einen dezidierten Flughafenzug, der eine sehr schnelle Anbindung bietet. Allerdings kostet dies ein Vielfaches der Alternative, in ca. 45 min mit der Metro dorthin zu fahren.

Ein Problem stellt sich dem Reisenden in der Praxis häufig: Man möchte z.B. von Basel nach St. Petersburg reisen. Die Seiten der Bahn bieten die Bahnreise für die ganze Strecke an, das sollen sie auch tun. Die Seiten der Fluggesellschaften bieten die Flugreise an. Also z.B. von Basel nach Frankfurt und dann mit ein paar Stunden Aufenthalt weiter nach St. Petersburg. Das sollen sie auch so tun, denn das ist ihr Universum. Aber man könnte doch z.B. ein „Set“ von Flughäfen angeben. In London ist es oft egal, welchen der fünf Flughäfen man nimmt. Und in der Schweiz kann man auch Basel durch Zürich und vielleicht sogar durch Frankfurt substituieren und statt einer langen Wartezeit diesen Weg mit dem Zug fahren.

Abgesehen davon, dass es mühsam ist, die Reise so zu bekommen, wie man sie möchte, hat man noch zwei weitere Probleme. Flugpreise sind hochgradig intransparent. Der Flug von Frankfurt nach St. Petersburg alleine kann sehr viel teurer sein als der entsprechende Flug als Teil einer Umsteigeverbindung mit langen Wartezeiten in Frankfurt. Auf der Rückreise nur mit Handgepäck kann man einfach den letzten Teil verfallen lassen. Auf der Hinreise ist das explizit ausgeschlossen, sobald man beim Zubringerflug nicht auftaucht, wird die ganze Reisekette storniert, normalerweise ohne dass es Geld zurückgibt. Wäre es sinnvoll, bei den Preismodellen so zu regulieren, dass sie „monoton“ sein müssen, dass also Preis(„Flug X + Flug Y“) >= Preis(„Flug X“) gelten muss? Mir sind unnötige Regulierungen sehr unsympathisch, aber hier wäre es vielleicht hilfreich. Auch eine Flugreise, deren Hinweg Basel – St. Petersburg ist und deren Rückweg St. Petersburg – Zürich ist, wäre zwar kundenfreundlich, aber sie ist im System für Online-Buchung nur sehr mühsam zu finden und man bezahlt sehr viel mehr als wenn es auf beiden Wegen derselbe Ort ist. Ich vermute, dass dahinter Unfähigkeit steckt, komplexere Lösungen auf Business-Seite und auf Informatik-Seite kundenfreundlich umzusetzen. Es könnte sich für Fluggesellschaften lohnen, das zu „lernen“, denn sie könnten z.B. dem Kunden, der von Basel nach St. Petersburg und zurück reisen will, auf dem Rückweg die Reise nach Zürich anbieten, um damit ihre Flugzeuge gleichmäßiger auszulasten oder eben lange Wartezeiten zu ersparen, die sich negativ auf das Erlebnis mit dieser einen Fluggesellschaft auswirken. Ob so ein „Set“ implizit definiert ist, weil man weiß, wo es gute Bahn-/ÖV-Verbindungen gibt, oder ob der Kunde sein Set selber definieren soll, will ich hier offen lassen.

Das andere Problem ist, dass einem geholfen wird, wenn man Anschlüsse innerhalb des einen Systems verpasst. Beim Wechsel von Bahn zu Flug oder umgekehrt hat man Pech gehabt. Mindestens empfiehlt es sich, den teureren umbuchbaren Tarif zu verwenden, wenn man den Flug wegen Zugverspätung oder den Zug wegen Flugverspätung verpassen könnte.

Ich wünsche mir, dass möglichst viele Reisende, die von Basel nach St. Petersburg reisen wollen, den Zug nehmen. Ich wünsche mir, dass die Strecken und der Nachtzugverkehr entsprechend ausgebaut werden, dass das für viele Reisende eine realistische Alternative ist. Aber es wäre schon ein Gewinn, wenn der Weg zum Flughafen mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigt wird und wenn auch noch der Kurzstrecken-Zubringerflug durch eine Bahnfahrt ersetzt würde.

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Geschwindigkeit von Zügen

Mit Geschwindigkeiten von Zügen assoziiert man die Höchstgeschwindigkeit des Triebzugs oder der Lok. Bei lokbespannten Zügen wird die Höchstgeschwindigkeit aber noch zusätzlich durch die Wagen limitiert. Und bei allen Zügen gibt es eine Höchstgeschwindigkeit des Streckenabschnitts. Nun ist es a schwierigsten, den Streckenabschnitt für eine höhere Geschwindigkeit zu ertüchtigen und für den entsprechenden Ausbau muss viel Geld ausgegeben werden. Auch wenn es leicht überschätzt wird, kann man doch mit Neigetechnik und einem etwas kostengünstigeren Streckenausbau eine höhere Geschwindigkeit erzielen als mit konventionellem Rollmaterial.

Uns interessiert aber eigentlich die Geschwindigkeit, mit der der Reisende an sein Ziel kommt. Hier spielen noch ein paar weitere Faktoren eine Rolle. Wichtig ist zum Beispiel, wie schnell der Zug beschleunigen kann und wie effektiv und schnell Fahrgastwechsel und danach die Abfahrt erfolgen. Für die Durchschnittsgeschwindigkeit wirken sich langsame Abschnitte und Halte übermäßig stark aus, deshalb ist es nützlich, wenn man mit einem Teil der Züge einige Halte auslassen kann. Es kann aber auch relevant sein, was für Umwege man fahren muss, sei es, weil die Bahnstrecke schon immer einen beträchtlichen Umweg gemacht hat, sei es, weil man durch einen Umweg eine gute Umsteigeverbindung mit ziemlich schnellen Zügen hinbekommt.

Die Frage ist aber auch, ob die Fahrgäste sich gut auf einen bestimmten Zug einstellen können oder ob sie mehr oder weniger zu einem zufälligen Zeitpunkt reisefertig sind und dann mehr oder weniger auf den nächsten Zug warten müssen. Das muss nicht auf dem Bahnsteig sein, sondern kann in einem Café oder an dem Ort, den man bei der Reise verlässt sein. Trotzdem zählt für den Reisenden in diesem Fall die Zeit ab dem Moment, zu dem man reisefertig wäre bis zur Ankunft am Ziel. Hier wird die Verbindung „schneller“, wenn es einfach eine dichtere Taktfolge gibt. Erfahrungsgemäß kommen beiden Fälle vor.

Bei Umsteigeverbindungen ist natürlich auch wichtig, wie viel Zeit man beim Umsteigen braucht. Im Gegensatz zu Flughäfen geht das Umsteigen von einem Zug auf den anderen bei fast allen Bahnhöfen innerhalb von 5-10 Minuten, wenn der entsprechende Anschluss gut ist. Dies kann sich aber im Endergebnis verschlechtern, wenn der Anschluss durch Verspätungen oft verpasst wird, abgesehen von dem momentanen Ärger über die Verspätung.

Wie schnell die Reise ist, hängt also von sehr vielen Faktoren ab. Trotzdem sollte man bei der Rollmaterialbeschaffung versuchen, die Streckenhöchstgeschwindigkeit auszuschöpfen. Das wird in der Schweiz so praktiziert. Obwohl das Streckennetz überwiegend für Geschwindigkeiten von 120-140 km/h ausgebaut ist, oft sogar weniger, sind doch die IC-Züge fast vollständig für 200 km/h ausgelegt. Das kann man zwischen Olten und Bern fahren und auf den beiden neuen alpenquerenden Tunnelstrecken, also auf einem noch recht kleinen Teil des Netzes. Auch in Deutschland wurde das so praktiziert. IC- und IR-Garnituren waren praktisch immer für 200 km/h zugelassen und als die InterRegios eingeführt wurden, hat man D-Zug-Wagen umgebaut und bei der Gelegenheit nicht nur das Interieur geändert, sondern auch lauf- und bremstechnisch die Wagen für 200 km/h ertüchtigt. Interessant ist hier allerdings noch die Druckfestigkeit, um Begegnungen bei hoher Geschwindigkeit in langen Tunneln zu ermöglichen, was nicht alle Wagen hatten. Auch die ICEs wurden passend zu den jeweils schnellsten Strecken beschafft und sie können 280 km/h oder sogar 300 km/h fahren. Ob sinnvolle Geschwindigkeiten für Hochgeschwindigkeitszüge bei 300 km/h oder etwas höher oder etwas tiefer liegen, ist eine eigene Diskussion. Hier spielt aber auch eine Rolle, ob man dadurch eine gute Fahrzeit im Hinblick auf die Anschlüsse an beiden Enden erzielen kann.

Interessanterweise hat man bei der DBAG jetzt Doppelstock-ICs beschafft, die nur 160 km/h fahren können. Man versucht das durch gutes Beschleunigen und durch das Auslassen von einigen Halten auszugleichen. Auch die nächsten ICEs werden wohl nur 250 km/h fahren können. Dass man sehr ähnliche Doppelstock-IC-Triebzüge auch für 200 km/h bekommen kann, sieht man in der Schweiz, wo das so verlangt und bestellt wurde, obwohl es in Deutschland sehr viel mehr Strecken gäbe, wo man diese Geschwindigkeit fahren könnte. Ich denke, dass hier am falschen Ende gespart wurde. Letztlich sollte man die Züge so kaufen, dass man die teuer ausgebauten schnellen Strecken auch ausnutzen kann.

Man sieht ähnliches aber auch in anderen Ländern. Am krassesten ist es in den Niederlanden, wo eine für 300 km/h ausgebaute Hochgeschwindigkeitsstrecke überwiegend mit einem „Superzug“ befahren wird, der nur 160 km/h schafft, weil es dieses Land nicht schafft, schnellere Züge zu beschaffen. Auch die Neubaustrecke von Lelystad nach Zwolle ist rein gleistechnisch für 200 km/h ausgebaut, kann aber wegen Signalsystem und Rollmaterial nur mit maximal 160 km/h oder gar nur mit 140 km/h befahren werden. Um eine gute Bahn zu machen, muss man das ganze System gut machen und nicht überall schwache Kettenglieder einbauen, die das ausbremsen, was man in Teilbereichen durch hohe Investitionen eigentlich schon gut gemacht hat.

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Versuch für metergenaues Halten bei SBB

Quelle: 20min.

Die Idee ist gut und in Japan funktioniert sie auch schon seit vielen Jahrzehnten. Vielleicht kann man elektronische Hilfsmittel verwenden, die den optimalen Halt erleichtern? Oder man kann sich einmal in Japan anschauen, wie die das gelöst haben. Das sollte man auf jeden Fall machen.

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