Lange Reiseketten und Fahrgastrechte

Wenn man eine normale Reise mit einem Verkehrsträger macht, gibt es aus Gewohnheit, aus spezifischen Regelungen des Verkehrsunternehmens oder auch durch gesetzliche Vorgaben gewisse „Fahrgastrechte“.

Das bedeutet, wenn dass man unter gewissen Umständen Geld zurück bekommt, wenn die Reise ausfällt oder sich erheblich verspätet und dass man alternative Beförderungen und bei Bedarf Übernachtungen angeboten bekommt, wenn ein Teil der Reise ausfällt oder nicht erreicht wird.

Das funktioniert z.B. wenn man auf einer Flugreise mit derselben Fluggesellschaft oder einer „Partner-Airline“ fliegt und eine Umsteigeverbindung hat.

Bei der Bahn funktioniert das gut, man bekommt bei Verspätung von 60 min oder mehr 1/4 des Fahrpreises zurück und bei 2 Stunden und mehr die Hälfte. Wenn man es nur früh genug einreicht, wird das Geld in der Regel überwiesen und nicht das Anliegen abgelehnt, wegen irgendwelcher Gründe.

Bei Fluggesellschaften gibt es erst bei sehr viel größeren Verspätungen Geld zurück und meistens wird das von der Fluggesellschaft verweigert, weil die Verspätung nicht von ihnen verschuldet war. Und man akzeptiert das, denn dafür lohnt sich kein großer Aufwand, um das Geld vielleicht doch noch zu bekommen. Wenn man über ein Portal gebucht hat, melden die sich proaktiv und bieten an zu helfen, das Geld einzufordern, für einen kleinen Anteil davon. Meist ist es aber besser, man fragt selbst, weil dann eher noch aus Kulanz etwas gezahlt wird, wenn man geschickt und nett genug fragt. Aber normalerweise hilft das auch nicht. Beim Fliegen kann es noch passieren, dass man beim falschen Flughafen abgesetzt wird oder dass man nicht mitgenommen wird, weil das Flugzeug überbucht ist. Das ist auch bei der Bahn möglich, wenn man nicht reserviert hat oder wenn der ursprünglich vorgesehene Zug durch einen kürzeren ersetzt wird, aber es kommt dort sehr viel seltener vor, es sei denn, der Zug fällt wirklich komplett aus. Beim Fliegen wird das von den Fluggesellschaften durch sogenannten „Überbuchen“ systematisch riskiert. Das Thema „Verspätungen und Ausfälle und Überbuchung“ ist sicher ein großer Pluspunkt der Bahn gegenüber dem Flugzeug, auch wenn ich bei der Bahn natürlich schon viele ärgerliche Ausfälle und Verspätungen erlebt habe.

Bei Schiffsreisen kann ich mich nicht erinnern, weil meine letzte krass verspätete Schiffsreise noch aus der Zeit stammt, als diese Teilrückzahlungen noch nicht üblich waren. Ich nehme an, dass es ähnlich wie beim Flugzeug bei sehr großen Verspätungen etwas zurück gibt.

Interessant wird es, wenn man eine lange Bahnreise macht, z.B. von Nordnorwegen nach Südspanien. Wenn alle Anschlüsse knapp sind, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man irgendeinen verpasst und dann hat man die Stunde Verspätung am Ziel mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit. Ich weiß nicht genau, wie das heute gehandhabt wird, aber ich habe den Eindruck, dass die Bahnen versuchen, ihre Verantwortung auf ihren Streckenteil zu begrenzen, vor allem, wenn man die Fahrkarten bei den jeweiligen Bahnen gekauft hat, wofür es oft gute Gründe gibt und was dank Internet heute auch zunehmend möglich wird. Noch nicht so gut, wie es sein sollte, da hat der Luftverkehr einen Pluspunkt, weil es Portale gibt, bei denen man sich einfach größere Flugreisen mit beliebigen Airlines in seiner Sprache oder in gutem Englisch zusammenklicken kann.

Nun möchte man aber gelegentlich lange Reisen machen. Also Bahnfahrten mit vielen Bahngesellschaften durch mehrere Länder oder Kombinationen aus Bahn und Flug oder aus Bahn und Schiff. Ob man nun bei Verspätung des Flugzeugs unbedingt 25% des Preises der Gesamtreise zurückbekommen muss, sei dahingestellt, denn das bezahlt man letztlich mit höheren Ticketpreisen. Aber man möchte vielleicht eine gewisse Sicherheit haben, dass man überhaupt ans Ziel kommt und dabei unterstützt wird, wenn es bei einem Verkehrsmittel eine Verspätung gab. Ich denke, die Leute, die sich einen Sport daraus machen, 40 min vor Abflug am Flughafen aufzukreuzen oder 30 min vor Ablegen des Schiffs am Hafen, sollten das auf eigenes Risiko tun, aber mit vernünftigen, nicht übertriebenen Reserven beim Wechsel des Verkehrsmittels würde man gerne die längere Reise planen.

Ein fairer Ansatz wäre, dass man z.B. die Tickets für Bahn, Schiff, Flugzeug etc. einzeln kauft, mit den empfohlenen Mindestzeiten für den Wechsel des Verkehrsträgers. Dann kann man für eine „Bündelung“ der Tickets kaufen, das heißt, dass man z.B. ohne nachmal zahlen zu müssen, einen anderen Flug und eventuell eine Übernachtung bekommt, wenn wegen Verspätung des Zuges man den Flug nicht erreichen konnte. Oder umgekehrt, wenn man wegen eines verspäteten Fluges den Zug verpasst, mit dem man eigentlich fahren wollte. Vielleicht den letzten Zug an dem Tag, sonst fährt man ja einfach eine Stunde später und es ist nicht der Rede wert. Diese Bündelung kann ein echter Mehrwert sein. Sagen wir, jemand möchte von Zürich nach Tokio reisen. Man kann einen Flug von Zürich via Frankfurt finden. Nun könnte man stattdessen mit dem Zug nach Frankfurt fahren und nur von Frankfurt nach Tokio fliegen. Oft ist das teurer als von Zürich via Frankfurt nach Tokio, aber das muss ja nicht so sein. Trotzdem wird man meist den Anschlussflug buchen, weil man dann innerhalb des Systems bleibt und wenn der erste Flug Verspätung hat, warten sie in Frankfurt auf die Umsteiger oder bringen die auf einem anderen Flug unter. Wenn man mit dem Zug verspätet ankommt, ist das Flugticket in der Regel einfach verfallen und man kann den ganzen Preis nochmal zahlen und sogar noch etwas mehr. Dadurch werden unnötigerweise Kurzstreckenfluge vor Bahnfahrten bevorzugt, auch wenn die Angst etwas irrational ist. Oder es werden Flugreisen nach Skandinavien bevorzugt, weil man der Reisekette aus Bahn und Schiff nicht traut. Das die Bündelung einen Aufpreis kostet, ist fair gegenüber den Leuten, die ein Ticket nur für eine kürzere Reise buchen und die nicht für den Spezialfall „Zug zum Schiff“ oder „Zug zum Flug“ teurere Tickets zahlen sollten. Die Bahn soll ja auch für diese normalen Fahrgäste preislich konkurrenzfähig bleiben. Was für Reiseketten noch ganz wichtig ist: Man sollte 24 Stunden Zeit haben, alle Bestandteile zu buchen und innerhalb von 24 Stunden nach dem Kauf alle Tickets ohne irgendwelche Gebühren stornieren können, vorausgesetzt man bucht mindestens ein paar Tage vorher. Das machen Fluggesellschaften z.B. heute in der Regel nicht, bei Schiff und Bahn gibt es das eher, aber auch nicht immer. Wenn man ein Ticket 24 Stunden nach der Buchung ohne Verlust stornieren kann, wird dadurch die Idee von billigen Supersparpreisen und Bindung an eine bestimmte Fahrt nicht unterlaufen, die Bindung beginnt nur, als wäre es zu heutigen Konditionen 24 Stunden später gebucht worden.

Nun will sich der durchschnittliche Reisende nicht damit herumschlagen, was für Tickets man da kaufen muss und auch noch eine Bündelung dazu. Aber das könnten schon heute Reisebüros leisten und wenn es sie denn gäbe auch entsprechende Portale, die mehrere Verkehrsmittel beinhalten. Da haben die Bahnen noch ein Stück zu tun, damit ihre Schnittstellen es solchen Portalen nicht zu schwer machen. So ein Portal könnte dann die gesamte Reisekette mit oder ohne Bündelung anbieten. Der Kunde ist König.

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