Reisegeheimnis

Brauchen wir so etwas wie ein „Reisegeheimnis“, analog zum „Bankgeheimnis“, „Arztgeheimnis“, „Telefongeheimnis“?

Ich denke, daß man das überlegen sollte. Vor 30 Jahren fanden die meisten Reisen anonym statt. Man kaufte sich Fahrkarten am Schalter, bezahlte sie mit Bargeld und fuhr damit. Straßenbenutzung war sowieso anonym, Maut wurde gegebenenfalls mit Bargeld bezahlt. Nur beim Flugzeug wurden wohl schon seit langem personifizierte Tickets ausgestellt und damit auch die Daten erfaßt.

Die Verhältnisse haben sich geändert. Allein durch die bargeldlose Zahlung lassen sich Fahrkartenkäufe einfacher als früher einer Person zuordnen. Fahrkarten auf dem Mobiltelefon oder aus dem Internet sind an eine bestimmte Person gebunden und die Daten zu der Fahrkarte müssen gespeichert werden, um zu verhindern, daß jemand die Fahrkarte zweimal ausdruckt und damit zweimal zum Preis von einer Fahrt gefahren wird. Mautsysteme funktionieren heute oft elektronisch mit einer Box, die die Fahrzeugidentität an der Mautstelle während der Fahrt übermittelt oder mit Nummernschilderkennung.

Die Frage ist, ob die Information, wer wann mit wem wohin reist, eigentlich schützenswert ist, vergleichbar mit dem Inhalt von Telefongesprächen oder dem Inhalt und der Existenz von Bankkonten. In allen Fällen kann man Dinge über Personen erfahren, die vielleicht als vertraulich angesehen werden. Ein Stück weit relativiert sich das natürlich: Man wird während der Reise gesehen und die Telefonate der Mitreisenden bekommt man auch zum Teil recht ausführlich mit, zumindest eine Hälfte davon. Dabei hat man aber stets nur einzelne Zeugen, die kein vollständiges Bild bekommen und die auch kaum ihre Informationen irgendwo zusammenlegen.

Vielleicht wäre also so ein Reisegeheimnis als besonders hervorgehobener Teil des Datenschutzes, analog dem Schweizer Bankgeheimnis, keine schlechte Idee.

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