Rastatt

Wer nicht gerade in der Nähe von Karlsruhe wohnt, sich besonders für Geografie interessiert oder zufällig von dem Ort gehört hat, wird den Namen kaum kennen. Rastatt ist eine Stadt mit etwa 50’000 Einwohnern 25 Kilometer südlich von Karlsruhe.

Dort verläuft eine der wichtigsten Bahnstrecken in Deutschland, die die Schweiz und Italien und Südbaden mit Karlsruhe, Frankfurt, Mannheim, Köln, dem Ruhrgebiet, den Nordseehäfen und überhaupt mit Nord-, West- und Mitteldeutschland verbindet. Von Köln bis Rastatt gibt es immer mindestens zwei parallele zweigleisige elektrifizierte Strecken. Ab Rastatt ist für ein kurzes Stück nur eine zweigleisige Strecke vorhanden, bis es dann durch Bündelung mit dem schon fertiggestellten Abschnitt Neubaustrecke Karlsruhe – Basel wieder bis Offenburg viergleisig weitergeht. Südlich von Offenburg bis Basel hätte der viergleisige Ausbau zeitgleich mit dem Gotthard-Basistunnel fertigwerden sollen, aber es gibt Verzögerungen. Was es schon gibt ist ein 20 km langer Neubauabschnitt nördlich von Basel mit dem Katzenbergtunnel. Südlich von Offenburg gibt es aber mit den Routen über Straßburg und über die Schwarzwaldbahn Ausweichrouten, wenn auch die Schwarzwaldbahn wegen der Berge und der engen Kurven nur begrenzt geeignet ist und die Route über Frankreich mit einem anderen Stromsystem elektrifiziert ist. Außerdem klappt die Zusammenarbeit der Bahnen über Sprachgrenzen hinweg trotz EU in der Regel nicht gleich gut wie mit der Schweiz und mit Österreich. Man sollte nicht vergessen, dass die dicht besiedelte Gegend vom Ruhrgebiet über Köln, Frankfurt und Mannheim sich bis Karlsuhe und die südlichen Vororte und mit etwas geringerer Besiedlungsdichte bis Offenburg fortsetzt. Von daher ist im Raum Rastatt noch sehr viel mehr regionaler Verkehr unterwegs als weiter südlich, auch wenn Basel und Freiburg wiederum recht aktive S-Bahn-Systeme in die nähere Umgebung haben.

Nun will man genau diesen Engpass beheben und es wird ein zweiröhriger Tunnel von gut vier Kilometer Länge unter Rastatt gebaut, um durchgängig bis Offenburg mindestens vier Gleise zu haben und Geschwindigkeiten von 200-250 km/h zu ermöglichen. Hier die Seite der Bahn zum Projekt. Genau dieser Tunnel ist nun schon sehr weit fortgeschritten und man hat zur Unterquerung der beiden bestehenden Gleise den Boden vereist. Nun hat der Untergrund wegen einer der beiden Röhren trotzdem nachgegeben und damit ist die Strecke ausgerechnet an ihrem größten Engpass unterbrochen.

Für den Reisezugverkehr fahren die Züge bis Rastatt und Baden-Baden, dazwischen fahren alle 6 min Busse als Schienenersatzverkehr. Man verliert dadurch etwa eine Stunde gegenüber dem Normalzustand hat Komforteinbußen durch das Umsteigen mit Treppen, Stehplätze im Bus u.s.w. Aber ansonsten kommt man ans Ziel. Die naheliegenden Umleitungen funktionieren nicht, weil zwischen Zürich und Stuttgart sowie zwischen Zürich und München ebenfalls jeweils ein kurzes Teilstück gesperrt ist und Schienenersatzverkehr angeboten wird, in diesem Fall geplant, um die Baukosten zu senken. So stehen nur Umleitungen über Nebenstrecken oder über Frankreich zur Verfügung, die die Reisezeit um mehrere Stunden verlängern, so dass die Stunde auf der „direkten“ Strecke das kleinere Übel ist.

Problematisch ist es für den Güterverkehr. Die Schweiz ist jetzt weitgehend von Güterverkehr abgehängt. Es fahren auf dieser Rheintalbahn jeden Tag sehr viele Güterzüge. Umleitungen über die noch offenen Strecken werden verfolgt, aber die Kapazität reicht nicht aus für alle Züge und es muss zum Teil noch Lokwechsel vorgenommen werden oder die Züge müssen verkürzt werden. Problematisch ist noch, dass einige Ladungen, insbesondere große Container, nicht auf allen Strecken zugelassen sind, weil die Tunnelquerschnitte oder die Brücken nicht ausreichen.

Die Strecke, die sich wirklich anbieten würde, wäre durch Frankreich auf der Westseite des Rheines zu fahren. Die Strecke ist weitgehend zweigleisig und hat wenig Verkehr, also viel freie Kapazitäten. Sie ist nicht besonders gut ausgebaut, nicht elektrifizert und man liest, dass in Frankreich Personal in den Ferien sei.

Eine Lehre die man aus diesem Vorfall ziehen sollte: Man sollte die Zusammenarbeit zwischen den Bahnen noch erheblich verbessern und die linksrheinische Strecke von Straßburg nach Ludwigshafen durchgängig elektrifizieren, um eine Ausweichstrecke für diese wichtige Rheinstrecke zur Verfügung zu haben. Und man sollte genug Zweisystem-Elektroloks beschaffen, um dort fahren zu können. Umgekehrt kann Frankreich die Umleitung über Deutschland auch gebrauchen, aber man macht eher mal Schienenersatzverkehr und lässt die Züge ausfallen, wie ich kürzlich gesehen habe.

Da man jetzt plant, das Loch mit Beton zu füllen und damit die Tunnelbohrmaschine einzugraben, wird sich die Fertigstellung des Tunnels wohl um mindestens ein Jahr verzögern. Vielleicht lässt sich in „offener Bauweise“ die Querung der vorhandenen Strecke bauen. Wahrscheinlich muss man die eine Röhre um ein paar Meter verschieben und auch den schon gebohrten Teil teilweise noch einmal graben oder bohren, um die verfüllte Stelle seitlich oder unterhalb zu queren. Das wird teuer und zumindest die Fertigstellung dieser Röhre verzögern. Wenn es gelingt sollte, schon eine Röhre im Zeitplan fertigzustellen, wäre das auf jeden Fall gut.

Für den Moment empfehle ich Reisenden: Wenn Alternativstrecken zeitlich mit max 1-2 Stunden mehr Reisezeit machbar sind, würde ich die nehmen. Ansonsten auf die Schienenersatzverkehrlösung zugreifen. Man bekommt dann für die Verspätung eventuell etwas Geld zurück, wenn man das Fahrgastrechtformular ausfüllt.

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Dieselskandal

Heute gibt es mal zwei Beiträge an einem Tag…

Ein paar Fragen zum Dieselskandal..

  • Warum werden die Fahrzeuge, die die gültigen Vorschriften für Neufahrzeuge verletzt haben, nicht stillgelegt?
  • Könnte man durch eine Geschwindigkeitsbeschränkung für die betreffenden Fahrzeuge den Effekt ausgleichen? Wenn ja, könnte man die betreffenden Fahrzeuge mit einem Aufkleber „100“, „90“, „80“, „70“ oder „60“ fahren lassen und die Einhaltung auch überwachen? Polizeikameras könnte die betreffenden Fahrzeugtypen oder Nummernschilder erkennen.
  • Wäre es nicht die Gelegenheit, jetzt Tempo 100 als maximale Obergrenze für die Geschwindigkeit auf allen Straßen in Deutschland einzuführen?
  • Wir hören, dass die Autofirmen sich untereinander abgesprochen haben, außer BMW, die den anderen vorwerfen, das gemeinsame Geheimnis auszuplaudern. Wie sehr steckten die Politiker schon vorher da mit drin?
  • Wurde mindestens nachdem es herausgekommen ist gemauschelt von Seiten der Politik?
  • Wie korrupt sind die deutschen Politiker? Sind dort größere Geldbeträge in die privaten Kassen dieser Politiker gezahlt worden?
  • Ist die Korruption in Deutschland ähnlich wie in Ländern, die dafür bekannt sind, nur eben stärker auf die „oberen Ebenen“ konzentriert?

Ich überlasse es dem Leser, sich eigene Gedanken dazu zu machen.

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Bahnanbindung Wiesbaden

Wiesbaden ist eine Großstadt mit knapp 300’000 Einwohnern in einem dicht besiedelten Gebiet. Vor vielen Jahren fuhren mal regelmäßig IC-Züge dort vorbei, die von Frankfurt nach Köln unterwegs waren und bis kurz vor Koblenz „rechtsrheinisch“ fuhren. So hatte Wiesbaden einen IC jede Stunde. Der andere IC fuhr von Mannheim an linksrheinisch über Mainz nach Köln.

Das hat sich geändert. Die ICs von Frankfurt nach Köln wurden über den Frankfurter Flughafen und Mainz geführt. Später fuhren dann auch die ICs und ICEs von Mannheim nach Köln über den Frankfurter Flughafen und erst ab da linksrheinisch. Oder dann über die Neubaustrecke.

Um für Wiesbaden weiterhin die Anbindung ans IC-Netz zu gewährleisten, wurde eine Kuriosität eingeführt. Ein Nahverkehrszug erhielt IC-Anstrich und -Bestuhlung. Er wurde Wiesbaden-City genannt und verkehrte auf dem kurzen Laufweg von Wiesbaden nach Mainz als zuschlagpflichtiger IC-Zug. Das war rein vom Laufweg eine sublokale S-Bahn. Man konnte die knapp 10 Minuten Fahrzeit mit IC-Komfort genießen. Zeitweise fuhr er außerdem auch nach Frankfurt. Betrieblich war es eine fragwürdige Idee, in einem dicht befahrenen Teil des Streckennetzes die knappen Fahrplantrassen für so einen Zug zu verwenden, den nur ein kleiner Teil der Fahrgäste benutzen durfte, ohne einen unverhältnismäßig hohen Aufpreis zu zahlen. Außerdem war es vom Unterhalt unpraktisch, so einen Spezialzug zu haben, von dem es nur zwei Exemplare gab. Aber das Prestige für Wiesbaden, einen echten IC-Anschluss zu haben, war enorm. Irgendwann wurde dieses Experiment sang- und klanglos aufgegeben und man muss sich einfach vorstellen, dass in der Zwillingsstadt Mainz/Wiesbaden der Hauptbahnhof im Mainzer Teil der Doppelstadt liegt. Man kann die öffentlichen Verkehrsmittel darauf ausrichten.

Nun kam aber die ICE-Strecke von Frankfurt nach Köln. Da bot sich eine neue Chance, für Wiesbaden einen echten ICE-Anschluss zu bekommen. Man baute nördlich von Wiesbaden und Frankfurt eine Abzweigung und eine Verbindungsstrecke nach Wiesbaden. Von der konnte auch Mainz profitieren. Anfangs gab es etliche ICEs von Wiesbaden nach Köln. Eigentlich sollte genug Potential da sein, Mainz und Wiesbaden zusammen mit den unmittelbaren Nachbarorten haben sicher mehr als eine halbe Million Einwohner und in einer Stunde nach Köln zu fahren ist wirklich super.

Eine Herausforderung ist es, dass diese Strecke für 300 km/h ausgebaut ist, was nur die ICE3-Züge fahren können. Und sie ist recht dicht befahren, das heißt, dass man bestrebt ist, alle Züge etwa gleich schnell fahren zu lassen. 300 km/h auf einer gut ausgelasteten Strecke zu fahren ist aber nur mit einem relativ langen Zug sinnvoll. Das heißt, dass man zumindest einen ICE3 auslasten sollte. Man könnte in Limburg den Zug teilen oder vereinigen mit einem anderen Zug, der z.B. von Karlsruhe über Heidelberg, Darmstadt und Frankfurt-Flughafen nach Köln fährt. Und man könnte auch den Zug von Wiesbaden nach Köln etwas weiter südlich beginnen lassen, z.B. linksrheinisch von Karlsruhe über Speyer, Worms, Mainz und Wiesbaden nach Köln fahren. Aber zumindest das Angebot, das die deutsche Bahn aufgestellt hat, kam nicht gut an und so wurden immer weniger Züge pro Tag über diese Strecke geführt. Heute fahren an Werktagen zwei Zugpaare und die sind noch unterdurchschnittlich ausgelastet. So hat man hier eine teure Neubaustrecke, die stillegungsgefährdet ist, wenn sich nicht ein sinnvolles Betriebskonzept finden lässt, das sie etwas besser auslastet. Da die Strecke genau nach Osten führt, ist auch eine Anbindung an die Neubaustrecke in Richtung Frankfurt und Mannheim möglich. Das scheint noch eine vielversprechende Nutzung zu sein, weil damit schnellere Züge innerhalb der Region zum Frankfurter Flughafen, nach Frankfurt Hbf, nach Darmstadt und nach Mannheim angeboten werden könnten.

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