Covid-19: Ein paar Gedanken zur Ausbreitung

Im März hat man mit Modellen gerechnet, die von einer etwa gleichmäßig verteilten Anfälligkeit ausgehen und einer gewissen Ansteckungswahrscheinlichkeit. Und einer gewissen Gefährlichkeit der Krankheit. Das waren Schätzwerte aufgrund der damaligen Datenlage.

Nun kam es in einigen Hotspots (China, Iran, Norditalien, New York, Spanien, Elsass) zu vielen Krankheitsfällen und auch Todesfällen. Zum Teil waren die Krankenhäuser überfordert und konnten Patienten nicht mehr adäquat helfen.

Länder haben sehr verschiedene Strategien verfolgt, z.B. Weißrussland hat kaum Restriktionen verhängt, Schweden relativ wenige. Aber es wurde grenzüberschreitendes Reisen extrem erschwert und teilweise unterbunden. Eine etwas absurde Einschränkung zu einem Zeitpunkt, zu dem das Virus in fast allen Ländern angekommen war. Verständlich ist es nur in Ländern, die „clean“ oder fast „clean“ sind, wie z.B. Færøer oder Neuseeland oder anscheinend heute auch China. Einige Länder haben sehr drastische Einschränkungen vorgenommen und die Züge, Metros und andere öffentliche Verkehrsmittel fuhren nicht und die Leute mussten zwangsweise zuhause bleiben. Irgendwann musste man das aufheben.

Nun gehen die Zahlen in vielen Ländern zurück, auch in Schweden und Weißrussland.

Natürlich ist man vorsichtiger, hält Abstand, wäscht und desinfiziert sich oft die Hände, trägt vielleicht Masken und vermeidet Menschenansammlungen u.s.w.

„Nichts“ zu tun wäre sicher kein guter Weg gewesen, und Weißrussland hat sicher weniger intensive Kontakte mit anderen Ländern und auch dadurch eine langsameren Verlauf bekommen als es die Schweiz oder Deutschland mit derselben Strategie gehabt hätten. In der Schweiz hätte eine Woche früher oder später gemäß NZZ durchaus einen großen Unterschied gemacht.

Aber kann das ursprüngliche Modell erklären, was wir heute beobachten? Es hatte erst etwa ein Prozent der Menschen die Krankheit und heute hat unter ein Prozent den Virus aktuell in sich. Eine Verlangsamung wegen Immunisierung kann also nicht als Erklärung dienen, im Gegenteil, die Ausbreitung müsste sich beschleunigen, wenn nicht die heutigen relativ geringen Maßnahmen gut ausreichen würden.

Die Beobachtung legt die Frage nahe, ob es individuelle und regionale Faktoren gibt, die dazu führen, dass Menschen empfindlicher oder unempfindlicher für die Krankheit sind. Das heißt, ein Teil der Menschen kann sich relativ leicht anstecken, der Rest ist weniger gefährdet, angesteckt zu werden. Ein Teil der Menschen ist gefährdet, einen schlimmen Verlauf zu erleben oder sogar nicht zu überleben, ein Teil kann die Krankheit gut überstehen. Wenn nun dieses gefährdete Prozent die Krankheit hatte, könnte man damit erklären, dass es sich auch mit wenigen Restriktionen nicht mit einem fast exponentiellen Verlauf ausbreitet.

Waren Hotspots Orte, wo neben der hohen Bevölkerungs- und Kontaktdichte auch noch andere Faktoren sich negativ auswirkten? Genetische Faktoren, Umweltverschmutzung, Besonderheiten in der medizinischen Behandlung, vorherige harmlose Erkrankungen oder was auch immer?

Ich weiß keine Antworten.

Aber ich bin etwas erstaunt, wie wenig man erfährt, bzw. wie wenig die ursprünglichen Modelle hinterfragt oder auf eine neue Grundlage gestellt werden.

Ich denke aber, dass sich für diese Krankheit so etwas wie das „schwedische Modell“ insgesamt als ein sinnvoller Weg erwiesen hat und übertriebene Lockdowns unverhältnismäßig waren. Wenn man versteht, woher die Hotspots kamen und für die Hotspots stärkere Maßnahmen einsetzt, wäre auch das sinnvoll. Und man kann noch mehr tun als die Schweden, ohne dass es weh tut. Masken beim Einkaufen und im ÖV zu tragen kostet nicht sehr viel, nervt nur moderat und ist vielleicht nützlich. Grenzschließungen sind dagegen wenn überhaupt nur sinnvoll zwischen Ländern, bei denen es ein großes Gefälle bei den Fallzahlen gibt, aber als generelle Maßnahme aber völlig unsinnig. Es wird Zeit, die Grenzen in Europa wieder zu öffnen und visumfreies Reisen zwischen allen europäischen Ländern (nicht nur EU, Schweiz, Norwegen) zu ermöglichen, wo es vorher möglich war, insbesondere z.B. für Ukraine, Serbien, Moldawien, Mazedonien,…

Es scheint gut auszusehen bezüglich Impfstoffen. In Russland soll angeblich ab Mitte August ein Impfstoff zugelassen werden und zunächst für medizinisches Personal angewendet werden. Es gibt weit über hundert Projekte, von denen etliche in der „Phase 3“ sind oder diese in den nächsten Tagen und Wochen starten. So könnte es noch 2020 erste zugelassene Impfstoffe auch in anderen Ländern als Russland geben. Möglicherweise muss aber die Impfung regelmäßig wiederholt werden, damit sie wirkungsvoll ist. Und möglicherweise schließt sie eine Ansteckung nicht ganz aus, aber bringt die Krankheit auf ein harmloseres Gefährlichkeitsniveau oder es gelingt sogar, sie ganz aus der Welt zu schaffen.

Sehr ärgerlich ist, dass immer noch viele sonst seriöse Quellen absurderweise primär die absoluten Zahlen in einem Staat darstellen statt die Zahlen pro 100’000 Einwohner. Damit kann man schön zeigen, wie schlecht es Trump macht. Er macht es auch schlecht, aber um das zu zeigen, muss man schon sinnvolle Zahlen (pro 100’000 Einwohner) heranziehen und weitere Nebenbedingungen. Und vielleicht auch überlegen, welche Zusatzfaktoren eine Rolle spielen, womit wir beim Ausgangspunkt diese Artikels wären.

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Analogfotografie

Eigentlich war ich bis vor einigen Woche der Meinung, dass die Zeit der Analogfotografie vorbei ist.

Es gibt sehr gute digitale Kameras und die Auflösung ist inzwischen auch bei 25 Megapixel und mehr angelangt. Und 25 Megapixel schreibt man im Idealfall dem Analogfilm als Auflösung zu. Ich habe es nicht überprüft. Auf jeden Fall ist die Auflösung ausreichend. Und mit dem Schönheitsfehler der quadratischen/rechteckigen Pixel statt zufällig angeordneter Kristalle kann ich leben.

Es gibt Vollformatkameras. Und als Bonus hat man noch die Möglichkeit, mit Empfindlichkeiten zu arbeiten, die für Analogfilme unvorstellbar waren.

Analog kann man mit 24 DIN/200 ISO als Farbnegativfilm noch ganz gut fotografieren. 27 DIN/400 ISO bedingt eine leichte Qualitätseinbuße und höhere Empfindlichkeiten noch mehr. Mehr als ca. 31..33 DIN/1000..1600 ISO ist eigentlich nie Mainstream geworden. Bei Dias und Schwarz-Weiß mag es etwas anders aussehen, aber die habe ich in den letzten Jahren selten verwendet. Digital hat man phantastische Filmenpfindlichkeiten zur Verfügung, wobei auch dort die Qualtität im oberen Bereich leidet. Aber es gibt einen großen Bereich oberhalb von 24 DIN/200 ISO, wo man noch gut arbeiten kann. Das ist extrem wertvoll, erlaubt es doch, mit langen Brennweiten zu fotografieren oder bei wenig Licht ohne Blitz. Und man kann die Filmempfindlichkeit pro Bild wechseln und muss nicht mit mehreren Kameras herumlaufen oder alle 36 Fotos überlegen, welchen Film man nehmen will.

Der Kauf einer digitalen Vollformat-Spiegelreflex-Kamera, zu der meine Objektive passen, steht noch an. Ich fotografiere also im Moment digital nur mit einer Kompaktkamera und dem Telefon. Beides sind recht gute Optionen und da ich gerne mit dem Fahrrad reise und das Gepäck begrenzt ist, werde ich wohl auch damit oft unterwegs sein, auch wenn es eine tolle digitale SLR geben wird.

Nun kommen aber zwei Nachteile gegenüber den entsprechenden analogen Kameras zum Vorschein. Um 1980 war es eine große Errungenschaft, dass Pentax-SLR-Kammeras mit Objektiv und Tasche um die 500 Gramm wogen und relativ klein waren. Außerdem funktionierten sie auch noch ohne Batterie, wenn man nur die Belichtung schätzen konnte. Das habe ich aber in den 40 Jahren nicht wirklich genutzt, denn etwa um 1995-2000 herum kam eine Autofokus-Kamera, die ohne Batterie nicht mehr funktionierte und in den 15 Jahren davor habe ich nie oder fast nie mit leerer Batterie fotografiert. Aber die Batterie kauft man an einer Tankstelle oder in einem kleinen Laden. Die sind seit vielen Jahrzehnten genormt und nicht geändert worden.

Dagegen wiegt die entsprechende Digitalkamera mehr als das doppelte, obwohl sie viel weniger Mechanik hat.

Der Vergleich ist insofern nicht ganz fair:
Früher hat ein mäßig ambitionierter Hobby-Fotograf eine gute, preisgünstige Spiegelreflexkamera gekauft. Sucherkameras waren entweder vom Opa oder die ganz billige Lösung oder auch möglicherweise sehr teure Exoten.

Heute ist das Mobiltelefon und die Kompaktkamera für diesen Zweck schon ziemlich gut. Die Spiegelreflexkamera beginnt also im semiprofessionellen Bereich oder für die ambitionierteren Hobbyfotografen überhaupt erst relevant zu werden. Man kauft also eine Ausstattung, die in Richtung Profi geht, viel kostet und auch wiegt. Ein guter Kompromiss kann aber eine digitale Spiegelreflexkamera mit APSC-Sensor oder eine spiegellose Kamera sein, die im Sucher ein Display hat statt einer optischen Lösung.

Aber alle digitale Fotografie bedeutet, dass man fast täglich die Akkus laden muss. Für das Telefon reicht ein Solarladegerät, aber für die Kameras schon eher nicht mehr. Wenn man nun eine Reise macht, bei der man gar nicht auf Zeltplätze oder in Hotels geht, sondern z.B. im Wald oder in der Natur zeltet, dann kann man das vergessen.

Ich mache nun gerne Fahrradtouren und ich zelte auch gerne mal im Wald, so gut die Hälfte der Nächte. Das lässt sich noch bewerkstelligen. Aber nun sind während der Corona-Krise plötzlich viele Gelegenheiten zum Aufladen weggefallen oder schwieriger geworden. Im Restaurant konnte man aufladen. Heute sitzt man selbst bei Regen lieber draußen und die Steckdosen sind drinnen.

Auf dem Zeltplatz konnte man im Aufenthaltsraum essen und laden. Nun ist der geschlossen oder der ganze Zeltplatz. Oder man will ihn meiden. Gelegentlich kann man auf Zeltplätzen Strom bekommen. Oft muss man einen Adapter von Drehstromsteckdosen auf normal und ein Verlängerungskabel selber bringen, was mit Fahrradgepäck nicht sinnvoll machbar ist, aber man kann manchmal auch bei der Rezeption so etwas ausleihen. Aber das setzt voraus, dass man ankommt, wenn die Rezeption noch offen ist, was gerade bei der Corona-Krise sehr selten der Fall war. Die Öffnungszeiten sind reduziert und man bezahlt morgens bei der Abreise. Dann muss es Stromplätze geben. Wenn es sie gibt, gibt es in Coronazeiten auch freie Plätze. Und der Zeltplatz muss einem ein Kabel leihen können und wollen. Das ist also nur selten eine Lösung. Was man aber tun kann, wenn die Akkus leicht auswechselbar sind, ist einfach mehrere Akkus mitnehmen.

Analogfotografie hat also noch eine gewisse Nische. Realistisch betrifft das nur einen kleinen Personenkreis.

Es war die ganzen letzten Jahr absehbar, dass das Entwickeln und Abziehen von analogen Fotos teurer wird. Und die Preise waren immer noch günstig. Nun hat sich das seit etwa 3 Jahren geändert und es ist teuer geworden. Wirklich massiv teurer. Der sinnvollste Prozess ist neu so, dass man den Film nur entwickeln lässt und dann zum Scannen schickt. Und dann bestellt man die Abzüge von den Scans. Also nur noch halb-analog.

Kurz gesagt: Analogfotografie ist noch nicht tot. Das kann sich in den nächsten Jahren noch ändern. Es gibt eine sehr sehr kleine Fangemeinde zu der ich mich nicht mehr rechne und es gibt Nischenanwendungen. Vielleicht noch lange, vielleicht nur noch ein paar Jahre. Analogkameras auf ebay und ricardo sind heute meistens sehr billig.

Ich werde meine Analogkameras wohl als „Museumsstücke“ behalten und vielleicht einmal im Jahr einen Film fotografieren oder vielleicht auch nicht. Oder sie nutzen, wenn es mal sinnvoll ist. Aber wahrscheinlich werde ich mir im Laufe der Zeit eine Vollformat- und eine günstige, leichtere APSC-SLR kaufen, zu der meine Objektive passen. Und wenn einige Objektive die Auflösung des Sensors nicht schaffen, ist das für den Moment nicht so tragisch, weil ich die Auflösung bei der Bildbearbeitung runterskalieren kann auf etwas, was gut funktioniert.

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Waldstraßenbahn in Kiew

Nachdem Terje vor kurzem etwas über die Kirnitschbahn geschrieben hat, wird hier eine Waldstraßenbahn zum Thema.

Kiew hat ein ganz normales Tramnetz, genaugenommen sogar zwei, weil der Dnjepr durch die Stadt fließt und die Tramnetze auf beiden Ufern nicht miteinander verbunden sind.

Es gibt einzelne Linien, die modernisiert sind und stadtbahnähnlich ausgebaut sind, aber bei großen Teilen des Netzes hat man das Gefühl, dass die Renaissance der Straßenbahnen dort noch nicht angekommen ist.

Im Norden der Stadt gibt es ein großes Waldgebiet. Die Straßenbahn unterquert die nördliche Umgehungsstraße und führt dann durch den Wald. Es gibt Haltestellen mitten im Wald ohne erkennbare Häuser und Straßen in der Nähe und dann am Ende der Linie wieder einen Ortsteil mit Häusern.

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