Qattara-Senke

Man hört immer wieder von einem Projekt, die Quattara-Senke mit Mittelmeerwasser zu füllen. Das ist ein 18’000 km² großes Gebiet in Ägypten in der Nähe der Mittelmeerküste, das bis zu 180 Meter unter dem Meersspiegel liegt. Würde man nun einen Kanal zum Mittelmeer bauen, so könnte man einige interessante Dinge auf einmal erreichen, auf Kosten von nutzloser und weitgehend von Mensch, Tier und Pflanzen unbewohnter Wüste erreichen:

  • Es ließe sich mit dem Höhenunterschied viel Strom gewinnen. Dauerhaft, wegen der Verdunstung, bei vielleicht 50-100 Meter Höhendifferenz
  • Eine Gegend um diesen künstlichen See würde vielleicht mehr Niederschläge bekommen und man könnte dort Wald oder Landwirtschaft haben
  • Wasservolumen aus den Weltmeeren würde abgezogen und man könnte den Druck durch steigende Meeresspiegel verringern

Man sollte aber immer genauer hinschauen.

Eine naïve Umsetzung würde nur kurzzeitig funktionieren. Das Wasser würde verdunsten und das Salz zurückbleiben. Nachdem etwa 25-30 Seefüllungen verdunstet sind, wäre nur noch massives Salz übrig und man müsste das Projekt stoppen oder den Wasserspiegel nochmal massiv erhöhen, bis auch das vorbei ist. Für eine nachhaltige Lösung müsste man salzhaltiges Wasser aus dem See abpumpen und ins Mittelmeer zurückführen, um den Salzgehalt nach oben zu begrenzen. Energie würde man trotzdem gewinnen, weil wegen der Verdunstung viel mehr Wasser hereinlaufen könnte als abgepumpt werden müsste. Es müsste also nur ein kleiner Teil der gewonnen Energie dafür aufgewendet werden. Man könnte das ganze System aber als ein riesiges Pumpspeicherkraftwerk ansehen und in Zeiten von Energieüberschuss Wasser abpumpen. Im Gegensatz zu anderen Pumpspeicherkraftwerken würde man aber in diesem Fall wegen der Verdunstung mehr Energie gewinnen als man beim Abpumpen hineinsteckt. Es müsste wohl im Mittelmehr die Entnahme und die Rückführung räumlich getrennt werden, aber das ließe sich mit einem Tal und zwei darin verlaufenden Kanälen und einem kurzen parallel zur Küste verlaufenden Kanal für das zurück geführte Wasser lösen, was den entscheidenden Vorteil hätte, dass man nur einen Einschnitt (oder Tunnel) bauen müsste. Da in der Sahara viel Sonnenenergie vorhanden ist, könnte man z.B. das ganze mit großen Solarkraftwerken kombinieren und nachts Wasser aus dem Mittelmeer in die Senke leiten und tagsüber Solarstrom nutzen, um einen Teil des wegen der Verdunstung stark salzhaltigen Wassers aus der Senke ins Mittelmeer zu pumpen.

Theoretisch ließe sich das Rückführen sogar ohne äußeren Energieeinsatz erreichen, wenn das Konzentrationsgefälle hoch genug ist, allein durch Osmose, also durch die Energie, die beim Vermischen verschiedener Salzkonzentrationen frei wird. Dumm ist, dass es hier verkehrt herum ist, also auf dem höheren Niveau das niedriger konzentrierte Salzwasser, aber mit entsprechend komplexen Konstruktionen ließe sich auch das bewältigen. Aber ob das Projekt mit zwei Wasserläufen, einer solchen Pump- oder Osmosestation dann noch finanzierbar wäre, ist eine ganz andere Frage, als das ursprüngliche Projekt, das einfach nur einen Wasserlauf braucht und auch schon gemessen an der Energieausbeute immerhin so teuer ist, dass man es noch nicht einfach mal gebaut hat. So bizarre Vorschläge, wie den Kanal durch die Küstengebirge mittels Atombomben zu sprengen, um Kosten zu sparen, werden zum Glück nicht mehr ernst genommen.

Ein paar andere Fragen treten auch auf. Die Senke ist nun einmal Wüste mit wenig Leben, aber es ist doch ein Stück einmaliger Natur, die da verschwinden würde.

Außerdem wäre die Frage, ob Grundwasserbestände durch so ein Projekt versalzt würden.

Man sollte also mit solchen Projekten immer vorsichtig sein und in diesem Fall ist man es wohl auch, wenn auch hauptsächlich wegen der hohen Kosten.

Aber es ist auch wichtig, sich Gedanken zu machen, was für nachhaltige Alternativen zur Energiegewinnung es langfristig gibt. Die Möglichkeiten mit Wasserkraft, Wind und Solarenergie sind weltweit gesehen so groß, dass man sich von Verbrennungskraftwerken komplett verabschieden kann, wenn man es nur schafft, mit den Ländern mit großem Energiepotential zuverlässig zusammenzuarbeiten und gute Wege findet, solche Energiequellen zu nutzen.

Übrigens gehören Braunkohletagebaue in NRW zu den tiefsten Senken überhaupt auf der Erde. Sie sind von der Fläche klein. Aber man könnte natürlich auch hier während der Füllung mit Wasser Strom gewinnen, wenn sie hoffentlich noch 2019 stillgelegt werden. Oder man könnte auch dort Pumpspeicherkraftwerke bauen.

Letztlich liegt diese Senke komplett in Ägypten und es muss dort entschieden werden, ob man sich für so ein Projekt ernsthaft interessieren will.

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Wahlen im Kanton Zürich

Nein, ich will mich nicht detailliert darüber auslassen. Aber es gibt doch eine Besonderheit. In der Schweiz gibt es zwei größere Parteien, die das Adjektiv „grün“ im Namen führen, die Grüne Partei der Schweiz, die sich eher „links“ positioniert und die Grünliberale Partei, die mehr wirtschaftsliberal orientiert ist. Im Gegensatz zu den deutschen Grünen, die Umweltschutz im Wesentlichen auf Gegnerschaft gegen Kernenergie reduziert haben und damit indirekt auch zum deutschen Kohleboom beigetragen haben, und bei denen der Verkehrsbereich weitgehend ausgeklammert wird, ist bei diesen beiden Schweizer Gruppierungen das Umweltthema noch mehr präsent. Nun haben beide anscheinend jeweils über 10% der Stimmen erhalten. Das kann eine kurzfristige Schwankung sein, aber man kann auch ablesen, dass Umweltthemen zumindest in der Schweiz ein höheres Gewicht erhalten sollen, speziell aktuell wohl wegen der Klimaerwärmungsthematik.

Die Zeit ist gekommen, um auch in Deutschland umweltbewusstere Politik zu machen. Wichtig ist vor allem ein beschleunigter Ausstieg aus der Kohleenergie, vor allem aus der Braunkohle. Und eine umweltfreundlichere Gestaltung des Verkehrssektors, insbesondere Geschwindigkeitsbeschränkungen für den MIV von 120/80/50 oder 100/80/50 und mehr Investitionen in den Bahnverkehr und in echte kreuzungsfreie Radschnellwege.

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Braunkohleausstieg: Ersatz für Braunkohleverstromung

Hier wurde oft über oder auch gegen Braunkohle geschrieben.

Steinkohle ist schon ein sehr fragwürdiger Energieträger, aber Braunkohle ist noch schlimmer, weil die Verbrennung so einen schlechten Wirkungsgrad hat und weil für die Braunkohlegewinnung riesige Flächen verwüstet werden.

Gemäß Wikipedia ist Deutschland (Stand 2016) mit ca. 17% Anteil an der weltweiten Förderung an der Spitze. Aber andere Länder zusammen schaffen auch nochmal die anderen 83%. Und mit den CO_2-Emissionen belegt Deutschland mit großem Abstand den ersten Platz in der EU und den sechsten Platz weltweit. Pro Kopf liegen allerdings z.B. die Niederlande und Luxemburg noch etwas höher, aber die Schweiz hat nur halb so hohe pro-Kopf-Emissionen.

Die Braunkohle wird überwiegend gleich in der Nähe der Grube verfeuert.

Nun stellt sich die Frage, woher soll die Energie kommen, wenn man relativ kurzfristig aus diesem Energieträger aussteigt? Und mittelfristig vielleicht auch aus der Kohleverstromung überhaupt?

Zunächst einmal sind alle anderen gängige Verbrennungskraftwerke auf Basis von importierter Steinkohle, Erdöl oder Erdgas umwelttechnisch der Braunkohle überlegen. Andererseits ist es absurd, den Ausstieg aus einer relativ umweltfreundlichen Technologie, der Kernenergie, so zu forcieren, während die Dreckschleudern mit Steinkohle und sogar mit Braunkohle weiterarbeiten und mehr genutzt werden.

Ich befürworte also folgende Maßnahmen, um Braunkohle zu ersetzen:

  • Verzögerung des Atomausstiegs zugunsten des Braunkohleausstiegs. Idealerweise Ausstieg aus dem Ausstieg
  • Ersatz von Braunkohle durch Gaskraftwerke. Notfalls wären sogar Kraftwerke mit importierter Steinkohle besser, aber Gas ist sicher die bessere Lösung
  • Import von Strom aus Wasserkraft, anderen regenerativen Energiequellen, Kernenergie und relativ umweltfreundlichen Verbrennungskraftwerken
  • Langfristig weiterer Ausbau von Wind- und Solarenergie, auch auf den ehemaligen Braunkohlegruben
  • Nutzung von Braunkohlelöchern für riesige Pumpspeicherkraftwerke
  • Langfristig Import von Solarstrom aus der Sahara
  • Langfristig Reduktion des Elektrizitätsverbrauchs, auch wenn das den Traum des Elektro-Autos als 1:1-Ersatz der heutigen PS-Giganten in Frage stellt

Beim Ersatz von Energieträgern darf man nicht einfach die erzeugte Energiemenge pro Jahr rechnen, sondern muss auch spezifische Eigenschaften der Energieträger berücksichtigen. So sind Solar- und Windenergie unzuverlässig, man muss also für wolkige, windstille Tage Lösungen haben. Kernkraftwerke haben eine lange Anlaufzeit und können nicht mal kurz herunter- und hochgefahren werden und eignen sich für Grundlast am besten. Wenn man in einem durch Tagebau verwüsteten Gebiet Wasserkraftwerke, Windkraftwerke und Solarkraftwerke baut, muss man wissen, dass diese nicht dieselbe Energiemenge liefern können wie die Verbrennung der Kohle, wobei ein Pumpspeicherwerk einen sehr großen Nutzen entfalten könnte.

Man sollte schädliche Energieträger ersetzen. Und zwar die schädlichsten zuerst. Das ist jetzt Braunkohle. Dann Steinkohle. Und Kernenergie erst viel später, wenn man mit alternativen regenerativen Energieträgern den größten Teil des Energiebedarfs decken kann. Wenn man eine fanatisch gegen Kernenergie eingestellte Bundesregierung hat, ist es immer noch besser, Atomstrom zu importieren als Kohlestrom selber zu machen.

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Braunkohlelöcher als Pumpspeicherkraftwerke nutzen

Es wird Zeit, mit dem Braunkohletagebau aufzuhören. Die Verwüstung von Kulturland und Natur muss endlich aufhören und Braunkohlkraftwerke sind die größten Dreckschleudern unter den Kraftwerken und sie haben pro Kilowattstunde die meisten CO_2-Emissionen.

Man sollte also die Stilllegung der Braunkohletagebaue nicht für 2040 planen, sondern für 2019 oder 2020.

Nun stellt sich die Frage, was man mit den Löchern macht. Riesige Mengen Material sind einfach verbrannt worden und nicht mehr da, um die Löcher komplett zu füllen. So kma die Idee auf, einen Teil davon in sehr tiefe Seen umzuwandeln. Zum Teil ist das bei stillgelegten Tagebauen auch schon geschehen.

Hier ist eine neue Idee untersucht worden: Man kann die verschiedenen Braunkohlelöchern mit Tunneln verbinden und höher und tiefer gelegene Becken so als Pumpspeicherwerk kombinieren.

Dazu gibt es hier ein Paper: Pumpspeicherkraftwerke in stillgelegten Tagebauen am Beispiel Hambach-Garzweiler-Inden [Johannes Thema und Martin Thema 2019]

Was in dem Zusammenhang noch eine Herausforderung wäre, ist die großen Wassermengen innerhalb nützlicher Zeit und nicht erst über eine Zeitraum von 50 Jahren heranzuschaffen. Vielleicht sind die angedachten Wasserpipelines vom Rhein nicht genug und man bräuchte einen Kanal, um Maas- oder Rheinwasser dorthin zu bringen. Auch dort lässt sich ein kombiniertes Kraft- und Pumpwerk bauen, das die Energie von zufließendem Flusswasser in der Aufffüllphase nutzt und das später einmal Wasser aus dem System in den Kanal und in die Flusssysteme abführt, um die Höhendifferenz des Pumpspeicherkraftwerks aufrechtzuerhalten. Grundsätzlich könnte man zwischen den Becken einen Kanal bauen, dann müsste man auf der einen Seite Wasser hochpumpen und könnte auf der anderen Seite Energie gewinnen, je nach Höhendifferenz und Wirkungsgrad würde es auch so als Pumpspeicherwerk funktionieren, aber die naheliegendere Lösung ist ein Tunnel mit hinreichend großem Querschnitt ungefähr auf dem tiefsten möglichen Niveau des Gesamtsystems. Umgekehrt könnte man einen Tunnel zu Maas oder Rhein bauen, aber für diese Verbindung wäre ein oberflächennaher Wasserspiegel sinnvoll und ein Tunnel würde sich wohl nicht anbieten oder nur dort, wo dicht besiedelte Gebiete oder Verkehrswege gequert werden müssen. Ob dieses Projekt sinnvoll und realistisch umsetzbar ist, muss man natürlich genauer untersuchen, aber es ist mindestens eine Idee, die es wert ist, genauer angeschaut zu werden. Beachten sollte man, dass die Braunkohletagebaulöcher die Umgebung in einem weiten Umkreis beeinträchtigen, weil sie große Mengen von Grundwasser abpumpen und den Grundwasserspiegel in einem großen Umfeld absenken. Das Problem würde mit einer kompletten Umwandlung in einen See besser gelöst als mit einem für den optimalen Betrieb durchschnittlich ich nur etwa halb vollen Pumpspeichersystem.

Es war ein riesiger Fehler, mit diesen Tagebauen überhaupt anzufangen und es ist ein Fehler sie weiterhin zu betreiben. Der lässt sich nicht durch solche Projekte rechtfertigen oder beschönigen. Aber es wird Zeit sich Gedanken zu machen, wie man mit diesen Restlöchern am sinnvollsten umgehen kann. Je schneller der Ausstieg, desto besser. Und desto schneller braucht man solche Antworten.

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Braunkohleausstieg bis 2038

Gemäß NZZ wird der Ausstieg Deutschlands aus der Kohleenergie bis 2038 abgeschlossen sein. Man will natürlich auch den Braunkohletagebau beenden.

Diese Dreckschleudern noch 20 Jahre weiter zu betreiben und fast 20 Jahre Landschaften, Städte, Dörder, Verkehrswege und vor allem wertvolle Natur einfach für den Tagebau zu vernichten ist absurd. Es wäre sinnvoll, den Kohleausstieg gegenüber dem Atomausstieg zu priorisieren und die Braunkohletagebaue innerhalb von 1-3 Jahren zu schließen. Wenn allein Kraftwerke mit importierter Steinkohle statt mit einheimischer Braunkohle betrieben würde, wäre das schon ein großer Gewinn. Aber Kohlekraftwerke sind eine veraltete Technologie, von der wir uns schneller als erst in 20 Jahren verabschieden sollten.

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Chemie in Garten und Landwirtschaft

Vielen von uns ist es unsympathisch, Chemikalien im Garten oder in der Landwirtschaft einzusetzen und es ist auch gut, dies zu hinterfragen.

Nun ist aber die Frage, was „natürlich“ und was „chemisch“ ist. Alle Chemikalien sind grob gesagt durch Stofftrennung, chemische Reaktionen und vielleicht Mischung aus natürlich vorkommenden Rohstoffen hergestellt worden. Andere als natürlich vorkommende Rohstoffe haben wir gar nicht zur Verfügung. Umgekehrt besteht ein „Bio-Ei“ auch genau wie jede Chemikalie aus Atomen und Molekülen und wenn man es kocht, finden chemische Reaktionen statt. Wird es dadurch zum Chemie-Ei?

Eier, Fleisch, Gemüse, Obst und vieles andere kann die Industrie nicht herstellen. Man kann sagen, dass sie es heute nicht kann oder dass sie es nie wirklich können wird, aber es wird meines Wissens z.B. daran gearbeitet, z.B. synthetisches und vielleicht damit sogar vegetarisches Fleisch herzustellen…

Aber Pflanzen brauchen gewisse Mineralien. Die sind im Boden vorhanden und werden von Pflanzen, die vorher dort wuchsen, freigegebenen, wenn man sie kompostiert, am Ort belässt, unterpflügt oder verbrennt und die Asche am Ort belässt. Das reicht aber von der Menge nicht für die heutige Weltbevölkerung aus, man muss also zusätzlich düngen. Nun kann man sich für den eigenen Garten Guano leisten. Das kostet zwar viel Geld, aber die Mengen, die man braucht, sind nicht so endlos groß und es macht vielen Leuten Spaß, ihren eigenen Garten so zu pflegen. Die Inhaltsstoffe davon, die von den Pflanzen benötigt werden, kann die Industrie aber sehr wohl in Form von Kunstdünger herstellen. Egal ob Kunstdünger, Guano oder das, was man so aus der Tierhaltung auf das Feld bringt, ist es wichtig, die Dosierung nicht zu hoch zu wählen und den Dünger zu einer Zeit auszubringen, in der die Pflanzen ihn tatsächlich aufnehmen. Sonst landet er im Grundwasser und Gewässern und führt zu ernsthafter Verschmutzung, weil zu große Mengen Dünger Trinkwasser ungenießbar machen und das natürliche Gleichgewicht in Gewässern massiv stören, im Extremfall verwandeln sich Gewässer durch Eutrophierung in stinkende Kloaken, weil das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen beschleunigt wird, aber die Prozesse zum aeroben Abbau dieser Biomasse nicht genug Sauerstoff im Wasser finden. Zwar haben die Pflanzen ja Sauerstoff produziert, als sie gewachsen sind, aber dieser ist in dieser Menge nicht im Wasser lösbar.

Ist es nun umweltfreundlicher, wenn man „natürlichen“ Dünger, von dem es ohnehin nur begrenzt viel gibt, um die halbe Erde transportiert oder wenn man diesen aus Mineralien, Erdgas und Luft gewinnt, was auch mit Transporten verbunden ist? Das ist nicht einfach zu beantworten, ohne genauere Analysen. Solange es einen kleinen Teil der Hobbygärtner betrifft, die dadurch mehr Spaß an ihrem eigenen Gemüse haben, fällt das ohnehin nicht ins Gewicht. Und die Masse der Landwirtschaft ist auf Kunstdünger angewiesen, um die heutigen Mengen liefern zu können.

Kritischer sind Gifte. Man kann sie gegen allerlei Schädlinge, aber auch gegen Unkraut einsetzen. Im Extremfall züchtet man Pflanzen, die speziell immun gegen ein starkes Gift sind und spritzt genau dieses Gift auf den Acker. Diese Gifte sind in vielen Fällen auch für uns gefährlich. Solange man besonders gefährliche Gifte meidet, sie zum richtigen Zeitpunkt anwendet und in der richtigen Dosierung, ist das wohl nicht so kritisch. Die meisten von uns essen ihr Leben lang auf diese Art angebaute Produkte und die Lebenserwartung ist heute trotz dieser Gifte nicht so schlecht. Vielleicht könnte es noch besser sein. Aber das ist nicht alles. Wir schädigen durch die Gifte möglicherweise die Natur und die Böden langfristig. Man hört vom Bienensterben, das wohl hauptsächlich durch die Varromilbe verursacht wird, aber gelegentlich werden Pestizide auch als ein weiterer Faktor vermutet. Diese Thematik sollte man also im Auge behalten und den Gifteinsatz so gering wie möglich halten und gegebenenfalls besonders gefährliche Substanzen ersetzen, wo das möglich ist.

Interessant ist, dass man anscheinend das Pflügen teilweise durch den Einsatz von Chemikalien einsparen kann. Das Pflügen ist ein sehr energieintensiver Vorgang. Außerdem fördert es wohl die Erosion des Ackerbodens, was ein Faktor zu sein scheint, den man nicht vernachlässigen sollte. Deshalb sollte man auch hier statt des Reflexes, dass Chemie böse ist, abwägen, was weniger schädlich ist.

Ich weiß die Antworten auf viele dieser Fragen nicht, aber man sollte sie wissenschaftlich fundiert beantworten.

Wir haben sicher in einem Teil der Landwirtschaft biologische Landwirtschaft, die für sich diese Fragen auf etwas andere Weise beantwortet als der Rest der Landwirtschaft. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, dass hier mit verschiedenen Methoden und Philosophien experimentiert wird und es ist zu hoffen, dass gute Ideen aus der „biologischen Landwirtschaft“ auch bei den restlichen Bauern Einzug halten.

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Plastik in den Ozeanen

Man hört immer wieder davon, dass es ein Problem mit Plastik in den Ozeanen gibt, das sich dort anhäuft. Abgesehen davon, dass es nicht sehr schön ist, stellt sich die Frage, was es schadet. Wenn es nicht biologisch abgebaut wird, ist es dann nicht ähnlich wie Steine und anderes in der Natur vorkommendes neutrales Material? Das stimmt so nicht ganz. Da Plastik weich ist, wird es von Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt und gefressen und kann zu Schädigungen führen, einfach weil es nicht wie normales Futter verdaut werden kann. Je nach Plastiksorte ist es auch fein verteilt mehr oder weniger toxisch. Durch Wellen wird der Plastikmüll zerrieben und dann wandern die kleinen Teile in die Nahrungskette. Andererseits werden auch Kunststoffe sehr wohl von Bakterien abgebaut, aber der Prozess dauert sehr lange. Der Nachschub kommt viel schneller als das Material abgebaut wird.

Nun liest man hauptsächlich zwei sich widersprechende Angaben über die Herkunft.

Aussage 1 ist, dass 90%, manchmal 95%, 98% oder 99% aus zehn Flüssen stammen: Indus, Gelber Fluss (Huang He), Weißer Fluss (Hai He), Ganges, Perlfluss, Amur, Mekong, Jangtse, Nil und Niger.

Quellen dazu:

Man sollte genauer hinschauen. Von dem Plastik, das aus Flüssen in die Meere kommt, machen diese zehn Flüsse den größten Beitrag aus.

Aussage 2 ist, dass es aus allen möglichen Quellen stammt. Häufig wird die Schifffahrt als ein großer Verschmutzer erwähnt.

Quellen:

Es erstaunt ein wenig, dass dieser Plastikmüll, der immerhin ein wertvoller Energieträger oder gar Rohstoff sein könnte, einfach so weggeworfen wird. In Gebieten mit hoher Dichte an Plastikmüll könnte man ihn wahrscheinlich ökonomisch gewinnbringend einsammeln und nutzen. Einmal über den ganzen Ozean verteilt ist das wohl nicht mehr realistisch. Der naheliegendste Weg ist ein direktes Recycling, was mit sauberem sortenreinem Plastikmüll möglich ist. Das ist bei eingesammeltem Müll kaum noch der Fall. Die Frage ist, ob man gemischten Plastikmüll nicht wie Erdöl als Rohstoff nehmen kann, der durch aufwändige Prozesse geschleust wird und aus dem schließlich beliebige Kunststoffe hergestellt werden können. Solange sowohl Erdöl als auch die Entsorgung in der Natur so billig sind, lohnt sich das vielleicht noch nicht.

Europa hat sicher andere Umweltprobleme, die global und lokal stärker ins Gewicht fallen als Plastikmüll, insbesondere der Straßenverkehr, Luftverkehr und die Kohlekraftwerke. Dort sollte man durchaus die Priorität setzen und Aktionismus beim Plastikmüll birgt die Gefahr, dass man von den größeren Problemen ablenkt. Aber um glaubwürdig zu sein, ist es sicher gut, auch in diesem Bereich noch besser zu werden und natürlich Einfluss auf die Länder zu nehmen, die besonders viel Müll ins Meer bringen.

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Hambacher Forst

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In der Nähe von Köln ist der Hambacher Forst geräumt worden, um die weitere Landschaftszerstörung für den Braunkohletagebau voranzutreiben. Dieser Energieträger ist einfach veraltet und man sollte sich von ihm möglichst schnell verabschieden. Arnold Schwarzenegger hat es in einem Video an „Onkel Donald“ recht gut auf den Punkt gebracht. Was für Nordamerika zutrifft, trifft aber auch für Europa zu. Braunkohle ist noch einmal klimaschädigender als Steinkohle und erst recht als Erdgas oder gar regenerative Energieträger. Es spricht alles dagegen. Allerdings haben die Regierenden mit dem hastigen Ausstieg aus der Kernenergie einen massiven Beitrag zu dieser Fehlentwicklung geleistet.

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Alterung von Brücken

Viele Brücken sind in den 50er, 60er und 70er Jahren gebaut worden. Je nach Belastung, Konstruktionsmethode und Qualität der Arbeit werden nun viele davon reparaturbedürftig oder müssen ersetzt werden. Oder man verzichtet auf sie. In seltenen und tragischen Fällen, wie jetzt in Genua, stürzen Brücken sogar ein.

Andererseits wäre das auch eine Chance, Fehlentwicklungen zu korrigieren, die viel zu wenig genutzt wird.

Ein paar Fragen, die man sich stellen könnte:

  • Reicht es eventuell aus, statt eines kompletten Brückeneubaus eine zweispurige Brücke für Lkws und Busse daneben zu bauen und die alte Brücke nur mit Fahrzeugen bis zu wenigen Tonnen Gewicht noch viele Jahre sicher zu betreiben?
  • Kann man auf weniger verkehrsreichen Strecken eine Brücke sparen, wenn man darauf verzichtet, eine Straße für den MIV durchgängig kreuzungsfrei zu halten, und sie durch einen Kreisel oder eine Ampel ersetzen?
  • Kann man in Verbindung mit einer kapazitätsoptimalen Geschwindigkeitsbeschränkung die Anzahl der Spuren verkleinern statt vergrößern und dadurch Kosten sparen?
  • Kann man schmalere Spuren bauen und eine niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkung festlegen, um bei gleichem Sicherheitsniveau Kosten zu sparen?
  • Kann man beim Brückenneubau moderne, umweltfreundliche und energieeffiziente Fahrzeuge wie Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel stärker berücksichtigen? Also auf jeden Fall eine Nutzung für Radfahrer auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn berücksichtigen und wo sinnvoll Gleise für Bahn oder Straßenbahn aufnehmen?
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Ländervergleich Investitonen Schiene

Es ist interessant, wie verschieden die Priorität des Schienenverkehrs bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur in verschiedenen Ländern ist.

Hier kam mal wieder ein Vergleich der Allianz pro Schiene, bei dem Deutschland ziemlich mittelmäßig abschneidet… Oder man kann statista.com anschauen… Auch die NZZ äußert sich dazu.

Man sollte immer beachten, dass Investitionen in Verkehrsinfrastruktur in der Regel für eine Zeit von vielen Jahrzehnten genutzt werden, gewisse Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen vorausgesetzt. Es ist also interessant, was in den letzten Jahrzehnten gelaufen ist.

Die Bahnnetze in Europa und Nord- und Südamerika sind zu einem großen Teil im 19. Jahrhundert gebaut worden, zum Teil noch in bis in die 20er Jahre, aber danach gab es jahrzehntelang nur noch minimale Erweiterungen. Nun eignen sich Bahnstrecken aus dem 19. Jahrhundert durchaus dazu, dort 200 km/h oder mehr zu fahren, wenn man sie entsprechend ausbaut und wenn damals vorausschauend gebaut worden ist oder es wegen des Geländes einfach war, geradeaus und mit großen Kurvenradien und geringen Steigungen zu bauen.

Aber im 19. Jahrhundert saß auch der eine oder andere Onkel General mit am Tisch, als die Bahnstrecken geplant wurden und man baute nicht unbedingt so, wie es für den Verkehr optimal war, sondern musste auch „strategische“ Gesichtspunkte berücksichtigen. Ein krasses Beispiel dafür ist das Bahnnetz in Schweden, wo viele wichtige Strecken nicht an der Küste verlaufen, wo die meisten Menschen wohnen, sondern weit im Landesinnern.

Außerdem haben sich Siedlungs- und vor allem Wirtschaftsstrukturen seitdem geändert.

Nun baut man einerseits Hochgeschwindigkeitsstrecken neu, andererseits S-Bahn-Systeme. Gelegentlich entstehen auch Güterzugstrecken. Von der Streckenlänge ist das aber nur ein Bruchteil des vorhandenen Netzes, von Ausnahmen wie z.B. Spanien oder China abgesehen, wo man quasi in den letzten Jahrzehnten daran ist, ein komplett neues Bahnnetz auf Hochgeschwindigkeitsstandard zu bauen.

Im Straßenbau wurde etwa seit den 20er Jahren viel Geld aufgewendet. Und es wurden großzügige Straßen zu einer Zeit gebaut, als die Anforderungen noch niedrig waren und man kostengünstig bauen konnte.

Andererseits unterscheiden sich Länder darin, wie gut die Bahnnetze vor dem zweiten Weltkrieg ausgebaut wurden. Italien hat schon in den 20er und 30er Jahren Hochgeschwindigkeitsstrecken im damaligen Sinne gebaut, die sich mit 180 km/h und vielleicht mit etwas Verbesserungen auch mit 200 km/h befahren ließen, wohlgemerkt in gebirgigem Gelände, wo es nicht automatisch so herausfällt. Großbritannien hatte im 19. Jahrhundert sehr viel Geld und eine sehr starke Wirtschaft und man hat das Bahnnetz sehr großzügig ausgebaut. Die Strecken sind sehr gerade und oft viergleisig. In anderen Ländern waren und sind durchaus wichtige Hauptstrecken über längere Strecken nur eingleisig. Dafür finden sich einige Beispiele in Deutschland, z.B. zwischen Münster und Dortmund oder zwischen Stuttgart und Zürich. In der Schweiz ist das sehr häufig der Fall. Dort sind viele wichtige Strecken über längere Strecken nur eingleisig, z.B. Zürich-Schaffhausen, Zürich-Chur, Zürich-Zug, Zug-Arth-Goldau, Zug-Luzern, Bellinzona-Locarno, Visp-Spiez, Bern-Neuenburg, um einige Beispiele zu nennen. Auch hat man in anderen Ländern die Standardgeschwindigkeit von etwa 160 km/h für normal ausgebaute Hauptstrecken vorgesehen, natürlich nur dort, wo Gelände, Trassierung und Ausbau es erlauben. In der Schweiz findet man Geschwindigkeiten über 160 km/h fast nur auf den wenigen komplett neu gebauten Strecken und über 140 km/h auch nur auf einigen wenigen Streckenabschnitten, wie man bei Openrailwaymap sehen kann. Andererseits hat man in der Zeit, als die Bahnstrecken im großen Stil gebaut wurden, eindrucksvolle Bahnstrecken über die Alpen gebaut. Und damals war die Schweiz eines der ärmeren Länder in Europa.

Es wurde sicher viel getan, um den Bahnverkehr in der Schweiz zu verbessern, und die Projekte, in die investiert wurde, wurden durchaus in den meisten Fällen sinnvoll gewählt. Aber verglichen mit England und Italien hat die Schweiz aus der Zeit bis etwa 1930 ein in vielen Aspekten bescheideneres Bahnnetz geerbt.

Die Zahlen für die einzelnen Länder sind sicher nicht so einfach zu vergleichen, aber es bleibt die Gesamtaussage, dass in fast allen Ländern Europas die Investitionen in Verkehrsinfrastruktur sehr einseitig für Straßen und dort wiederum speziell für Autos aufgewendet wurden, wenn man einen Zeitraum von etwa 50-100 Jahren betrachtet, was man tun sollte.

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