Chemie in Garten und Landwirtschaft

Vielen von uns ist es unsympathisch, Chemikalien im Garten oder in der Landwirtschaft einzusetzen und es ist auch gut, dies zu hinterfragen.

Nun ist aber die Frage, was „natürlich“ und was „chemisch“ ist. Alle Chemikalien sind grob gesagt durch Stofftrennung, chemische Reaktionen und vielleicht Mischung aus natürlich vorkommenden Rohstoffen hergestellt worden. Andere als natürlich vorkommende Rohstoffe haben wir gar nicht zur Verfügung. Umgekehrt besteht ein „Bio-Ei“ auch genau wie jede Chemikalie aus Atomen und Molekülen und wenn man es kocht, finden chemische Reaktionen statt. Wird es dadurch zum Chemie-Ei?

Eier, Fleisch, Gemüse, Obst und vieles andere kann die Industrie nicht herstellen. Man kann sagen, dass sie es heute nicht kann oder dass sie es nie wirklich können wird, aber es wird meines Wissens z.B. daran gearbeitet, z.B. synthetisches und vielleicht damit sogar vegetarisches Fleisch herzustellen…

Aber Pflanzen brauchen gewisse Mineralien. Die sind im Boden vorhanden und werden von Pflanzen, die vorher dort wuchsen, freigegebenen, wenn man sie kompostiert, am Ort belässt, unterpflügt oder verbrennt und die Asche am Ort belässt. Das reicht aber von der Menge nicht für die heutige Weltbevölkerung aus, man muss also zusätzlich düngen. Nun kann man sich für den eigenen Garten Guano leisten. Das kostet zwar viel Geld, aber die Mengen, die man braucht, sind nicht so endlos groß und es macht vielen Leuten Spaß, ihren eigenen Garten so zu pflegen. Die Inhaltsstoffe davon, die von den Pflanzen benötigt werden, kann die Industrie aber sehr wohl in Form von Kunstdünger herstellen. Egal ob Kunstdünger, Guano oder das, was man so aus der Tierhaltung auf das Feld bringt, ist es wichtig, die Dosierung nicht zu hoch zu wählen und den Dünger zu einer Zeit auszubringen, in der die Pflanzen ihn tatsächlich aufnehmen. Sonst landet er im Grundwasser und Gewässern und führt zu ernsthafter Verschmutzung, weil zu große Mengen Dünger Trinkwasser ungenießbar machen und das natürliche Gleichgewicht in Gewässern massiv stören, im Extremfall verwandeln sich Gewässer durch Eutrophierung in stinkende Kloaken, weil das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen beschleunigt wird, aber die Prozesse zum aeroben Abbau dieser Biomasse nicht genug Sauerstoff im Wasser finden. Zwar haben die Pflanzen ja Sauerstoff produziert, als sie gewachsen sind, aber dieser ist in dieser Menge nicht im Wasser lösbar.

Ist es nun umweltfreundlicher, wenn man „natürlichen“ Dünger, von dem es ohnehin nur begrenzt viel gibt, um die halbe Erde transportiert oder wenn man diesen aus Mineralien, Erdgas und Luft gewinnt, was auch mit Transporten verbunden ist? Das ist nicht einfach zu beantworten, ohne genauere Analysen. Solange es einen kleinen Teil der Hobbygärtner betrifft, die dadurch mehr Spaß an ihrem eigenen Gemüse haben, fällt das ohnehin nicht ins Gewicht. Und die Masse der Landwirtschaft ist auf Kunstdünger angewiesen, um die heutigen Mengen liefern zu können.

Kritischer sind Gifte. Man kann sie gegen allerlei Schädlinge, aber auch gegen Unkraut einsetzen. Im Extremfall züchtet man Pflanzen, die speziell immun gegen ein starkes Gift sind und spritzt genau dieses Gift auf den Acker. Diese Gifte sind in vielen Fällen auch für uns gefährlich. Solange man besonders gefährliche Gifte meidet, sie zum richtigen Zeitpunkt anwendet und in der richtigen Dosierung, ist das wohl nicht so kritisch. Die meisten von uns essen ihr Leben lang auf diese Art angebaute Produkte und die Lebenserwartung ist heute trotz dieser Gifte nicht so schlecht. Vielleicht könnte es noch besser sein. Aber das ist nicht alles. Wir schädigen durch die Gifte möglicherweise die Natur und die Böden langfristig. Man hört vom Bienensterben, das wohl hauptsächlich durch die Varromilbe verursacht wird, aber gelegentlich werden Pestizide auch als ein weiterer Faktor vermutet. Diese Thematik sollte man also im Auge behalten und den Gifteinsatz so gering wie möglich halten und gegebenenfalls besonders gefährliche Substanzen ersetzen, wo das möglich ist.

Interessant ist, dass man anscheinend das Pflügen teilweise durch den Einsatz von Chemikalien einsparen kann. Das Pflügen ist ein sehr energieintensiver Vorgang. Außerdem fördert es wohl die Erosion des Ackerbodens, was ein Faktor zu sein scheint, den man nicht vernachlässigen sollte. Deshalb sollte man auch hier statt des Reflexes, dass Chemie böse ist, abwägen, was weniger schädlich ist.

Ich weiß die Antworten auf viele dieser Fragen nicht, aber man sollte sie wissenschaftlich fundiert beantworten.

Wir haben sicher in einem Teil der Landwirtschaft biologische Landwirtschaft, die für sich diese Fragen auf etwas andere Weise beantwortet als der Rest der Landwirtschaft. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, dass hier mit verschiedenen Methoden und Philosophien experimentiert wird und es ist zu hoffen, dass gute Ideen aus der „biologischen Landwirtschaft“ auch bei den restlichen Bauern Einzug halten.

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Plastik in den Ozeanen

Man hört immer wieder davon, dass es ein Problem mit Plastik in den Ozeanen gibt, das sich dort anhäuft. Abgesehen davon, dass es nicht sehr schön ist, stellt sich die Frage, was es schadet. Wenn es nicht biologisch abgebaut wird, ist es dann nicht ähnlich wie Steine und anderes in der Natur vorkommendes neutrales Material? Das stimmt so nicht ganz. Da Plastik weich ist, wird es von Meereslebewesen mit Nahrung verwechselt und gefressen und kann zu Schädigungen führen, einfach weil es nicht wie normales Futter verdaut werden kann. Je nach Plastiksorte ist es auch fein verteilt mehr oder weniger toxisch. Durch Wellen wird der Plastikmüll zerrieben und dann wandern die kleinen Teile in die Nahrungskette. Andererseits werden auch Kunststoffe sehr wohl von Bakterien abgebaut, aber der Prozess dauert sehr lange. Der Nachschub kommt viel schneller als das Material abgebaut wird.

Nun liest man hauptsächlich zwei sich widersprechende Angaben über die Herkunft.

Aussage 1 ist, dass 90%, manchmal 95%, 98% oder 99% aus zehn Flüssen stammen: Indus, Gelber Fluss (Huang He), Weißer Fluss (Hai He), Ganges, Perlfluss, Amur, Mekong, Jangtse, Nil und Niger.

Quellen dazu:

Man sollte genauer hinschauen. Von dem Plastik, das aus Flüssen in die Meere kommt, machen diese zehn Flüsse den größten Beitrag aus.

Aussage 2 ist, dass es aus allen möglichen Quellen stammt. Häufig wird die Schifffahrt als ein großer Verschmutzer erwähnt.

Quellen:

Es erstaunt ein wenig, dass dieser Plastikmüll, der immerhin ein wertvoller Energieträger oder gar Rohstoff sein könnte, einfach so weggeworfen wird. In Gebieten mit hoher Dichte an Plastikmüll könnte man ihn wahrscheinlich ökonomisch gewinnbringend einsammeln und nutzen. Einmal über den ganzen Ozean verteilt ist das wohl nicht mehr realistisch. Der naheliegendste Weg ist ein direktes Recycling, was mit sauberem sortenreinem Plastikmüll möglich ist. Das ist bei eingesammeltem Müll kaum noch der Fall. Die Frage ist, ob man gemischten Plastikmüll nicht wie Erdöl als Rohstoff nehmen kann, der durch aufwändige Prozesse geschleust wird und aus dem schließlich beliebige Kunststoffe hergestellt werden können. Solange sowohl Erdöl als auch die Entsorgung in der Natur so billig sind, lohnt sich das vielleicht noch nicht.

Europa hat sicher andere Umweltprobleme, die global und lokal stärker ins Gewicht fallen als Plastikmüll, insbesondere der Straßenverkehr, Luftverkehr und die Kohlekraftwerke. Dort sollte man durchaus die Priorität setzen und Aktionismus beim Plastikmüll birgt die Gefahr, dass man von den größeren Problemen ablenkt. Aber um glaubwürdig zu sein, ist es sicher gut, auch in diesem Bereich noch besser zu werden und natürlich Einfluss auf die Länder zu nehmen, die besonders viel Müll ins Meer bringen.

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Hambacher Forst

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In der Nähe von Köln ist der Hambacher Forst geräumt worden, um die weitere Landschaftszerstörung für den Braunkohletagebau voranzutreiben. Dieser Energieträger ist einfach veraltet und man sollte sich von ihm möglichst schnell verabschieden. Arnold Schwarzenegger hat es in einem Video an „Onkel Donald“ recht gut auf den Punkt gebracht. Was für Nordamerika zutrifft, trifft aber auch für Europa zu. Braunkohle ist noch einmal klimaschädigender als Steinkohle und erst recht als Erdgas oder gar regenerative Energieträger. Es spricht alles dagegen. Allerdings haben die Regierenden mit dem hastigen Ausstieg aus der Kernenergie einen massiven Beitrag zu dieser Fehlentwicklung geleistet.

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Alterung von Brücken

Viele Brücken sind in den 50er, 60er und 70er Jahren gebaut worden. Je nach Belastung, Konstruktionsmethode und Qualität der Arbeit werden nun viele davon reparaturbedürftig oder müssen ersetzt werden. Oder man verzichtet auf sie. In seltenen und tragischen Fällen, wie jetzt in Genua, stürzen Brücken sogar ein.

Andererseits wäre das auch eine Chance, Fehlentwicklungen zu korrigieren, die viel zu wenig genutzt wird.

Ein paar Fragen, die man sich stellen könnte:

  • Reicht es eventuell aus, statt eines kompletten Brückeneubaus eine zweispurige Brücke für Lkws und Busse daneben zu bauen und die alte Brücke nur mit Fahrzeugen bis zu wenigen Tonnen Gewicht noch viele Jahre sicher zu betreiben?
  • Kann man auf weniger verkehrsreichen Strecken eine Brücke sparen, wenn man darauf verzichtet, eine Straße für den MIV durchgängig kreuzungsfrei zu halten, und sie durch einen Kreisel oder eine Ampel ersetzen?
  • Kann man in Verbindung mit einer kapazitätsoptimalen Geschwindigkeitsbeschränkung die Anzahl der Spuren verkleinern statt vergrößern und dadurch Kosten sparen?
  • Kann man schmalere Spuren bauen und eine niedrigere Geschwindigkeitsbeschränkung festlegen, um bei gleichem Sicherheitsniveau Kosten zu sparen?
  • Kann man beim Brückenneubau moderne, umweltfreundliche und energieeffiziente Fahrzeuge wie Fahrräder und öffentliche Verkehrsmittel stärker berücksichtigen? Also auf jeden Fall eine Nutzung für Radfahrer auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn berücksichtigen und wo sinnvoll Gleise für Bahn oder Straßenbahn aufnehmen?
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Ländervergleich Investitonen Schiene

Es ist interessant, wie verschieden die Priorität des Schienenverkehrs bei den Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur in verschiedenen Ländern ist.

Hier kam mal wieder ein Vergleich der Allianz pro Schiene, bei dem Deutschland ziemlich mittelmäßig abschneidet… Oder man kann statista.com anschauen… Auch die NZZ äußert sich dazu.

Man sollte immer beachten, dass Investitionen in Verkehrsinfrastruktur in der Regel für eine Zeit von vielen Jahrzehnten genutzt werden, gewisse Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen vorausgesetzt. Es ist also interessant, was in den letzten Jahrzehnten gelaufen ist.

Die Bahnnetze in Europa und Nord- und Südamerika sind zu einem großen Teil im 19. Jahrhundert gebaut worden, zum Teil noch in bis in die 20er Jahre, aber danach gab es jahrzehntelang nur noch minimale Erweiterungen. Nun eignen sich Bahnstrecken aus dem 19. Jahrhundert durchaus dazu, dort 200 km/h oder mehr zu fahren, wenn man sie entsprechend ausbaut und wenn damals vorausschauend gebaut worden ist oder es wegen des Geländes einfach war, geradeaus und mit großen Kurvenradien und geringen Steigungen zu bauen.

Aber im 19. Jahrhundert saß auch der eine oder andere Onkel General mit am Tisch, als die Bahnstrecken geplant wurden und man baute nicht unbedingt so, wie es für den Verkehr optimal war, sondern musste auch „strategische“ Gesichtspunkte berücksichtigen. Ein krasses Beispiel dafür ist das Bahnnetz in Schweden, wo viele wichtige Strecken nicht an der Küste verlaufen, wo die meisten Menschen wohnen, sondern weit im Landesinnern.

Außerdem haben sich Siedlungs- und vor allem Wirtschaftsstrukturen seitdem geändert.

Nun baut man einerseits Hochgeschwindigkeitsstrecken neu, andererseits S-Bahn-Systeme. Gelegentlich entstehen auch Güterzugstrecken. Von der Streckenlänge ist das aber nur ein Bruchteil des vorhandenen Netzes, von Ausnahmen wie z.B. Spanien oder China abgesehen, wo man quasi in den letzten Jahrzehnten daran ist, ein komplett neues Bahnnetz auf Hochgeschwindigkeitsstandard zu bauen.

Im Straßenbau wurde etwa seit den 20er Jahren viel Geld aufgewendet. Und es wurden großzügige Straßen zu einer Zeit gebaut, als die Anforderungen noch niedrig waren und man kostengünstig bauen konnte.

Andererseits unterscheiden sich Länder darin, wie gut die Bahnnetze vor dem zweiten Weltkrieg ausgebaut wurden. Italien hat schon in den 20er und 30er Jahren Hochgeschwindigkeitsstrecken im damaligen Sinne gebaut, die sich mit 180 km/h und vielleicht mit etwas Verbesserungen auch mit 200 km/h befahren ließen, wohlgemerkt in gebirgigem Gelände, wo es nicht automatisch so herausfällt. Großbritannien hatte im 19. Jahrhundert sehr viel Geld und eine sehr starke Wirtschaft und man hat das Bahnnetz sehr großzügig ausgebaut. Die Strecken sind sehr gerade und oft viergleisig. In anderen Ländern waren und sind durchaus wichtige Hauptstrecken über längere Strecken nur eingleisig. Dafür finden sich einige Beispiele in Deutschland, z.B. zwischen Münster und Dortmund oder zwischen Stuttgart und Zürich. In der Schweiz ist das sehr häufig der Fall. Dort sind viele wichtige Strecken über längere Strecken nur eingleisig, z.B. Zürich-Schaffhausen, Zürich-Chur, Zürich-Zug, Zug-Arth-Goldau, Zug-Luzern, Bellinzona-Locarno, Visp-Spiez, Bern-Neuenburg, um einige Beispiele zu nennen. Auch hat man in anderen Ländern die Standardgeschwindigkeit von etwa 160 km/h für normal ausgebaute Hauptstrecken vorgesehen, natürlich nur dort, wo Gelände, Trassierung und Ausbau es erlauben. In der Schweiz findet man Geschwindigkeiten über 160 km/h fast nur auf den wenigen komplett neu gebauten Strecken und über 140 km/h auch nur auf einigen wenigen Streckenabschnitten, wie man bei Openrailwaymap sehen kann. Andererseits hat man in der Zeit, als die Bahnstrecken im großen Stil gebaut wurden, eindrucksvolle Bahnstrecken über die Alpen gebaut. Und damals war die Schweiz eines der ärmeren Länder in Europa.

Es wurde sicher viel getan, um den Bahnverkehr in der Schweiz zu verbessern, und die Projekte, in die investiert wurde, wurden durchaus in den meisten Fällen sinnvoll gewählt. Aber verglichen mit England und Italien hat die Schweiz aus der Zeit bis etwa 1930 ein in vielen Aspekten bescheideneres Bahnnetz geerbt.

Die Zahlen für die einzelnen Länder sind sicher nicht so einfach zu vergleichen, aber es bleibt die Gesamtaussage, dass in fast allen Ländern Europas die Investitionen in Verkehrsinfrastruktur sehr einseitig für Straßen und dort wiederum speziell für Autos aufgewendet wurden, wenn man einen Zeitraum von etwa 50-100 Jahren betrachtet, was man tun sollte.

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Fernheizung

Fernheizungsnetze zu bauen ist im Vergleich zu anderen Leitungsnetzen in einem Punkt anspruchsvoll: Man braucht eine gute Wärmeisolation, sonst wird das System witzlos. Man braucht im Wärmetauscher beim Konsumenten etwa eine Temperatur oberhalb von 333 K (60°C / 140°F), um auf thermischem Wege Legionellenbefall des Wassers zu verhindern, was Leitungsnetze erfordert, die mit entsprechend höheren Temperaturen arbeiten. Nun möchte man aber die Temperaturdifferenz zur Umgebung möglichst klein halten, damit die Wärmeverluste im Leitungsnetz und die Isolationskosten nicht zu hoch werden. Es gibt durchaus Möglichkeiten, mit niedrigeren Temperaturen zu arbeiten, was aber entsprechenden Mehraufwand bedingt und für gelegentlich benötigte höhere Temperaturen am Zielort zusätzliches Aufheizen oder eine Wärmepumpe erfordert.

Es verursacht schon einigen organisatorischen Aufwand solche Netze zu bauen, aber es ist in dicht besiedelten Gebieten sinnvoll. Warum?

Wenn in Kern- oder Verbrennungskraftwerken Wärmeenergie in mechanische Energie umgesetzt wird, hat man mit der thermodynamisch bedingten Begrenzung des Wirkungsgrades zu tun. Diese sind Wärmekraftmaschinen und es gilt für den Wirkungsgrad rein von der Thermodynamik her der Maximalwert:

    \[\eta_\text{Carnot} = \frac{T_\mathrm{max}-T_\mathrm{min}}{T_\mathrm{max}} = 1 - \frac{T_\mathrm{min}}{T_\mathrm{max}}\]

Real verschlechtert sich dieser noch, aber Wasserturbinen und Generatoren kann man vom Wirkungsgrad sehr weit in die Nähe von 100% bringen, was bei dem Schritt der Wandlung von Wärme in mechanische Energie hier nicht möglich ist. So haben Wärmekraftwerke reale Wirkungsgrade von 30 bis 45 %. Es gibt völlig andere Ansätze, wie Brennstoffzellen, die nicht dieser Begrenzung unterliegen, aber die sind keine Lösung für heutige Großkraftwerke und wir werden noch sehen, was für Wirkungsgrade sich damit erzielen lassen. Für Kernkraftwerke bringen Brennstoffzellen auch keine Verbesserung.

Die restliche Energie verschwindet als Abwärme über Kühlwasser in Flüssen und anderen Gewässern oder über Kühltürme in der Atmosphäre. Sie wird weggeworfen, wenn man mal von der möglichen erheblichen Umweltschädigung durch die Abwärme absieht, vor allem wenn Gewässer erheblich aufgeheizt werden.

Mit Fernwärme kann man diese Abwärme nutzen, mit relativ geringen Abstrichen beim elektrischen Wirkungsgrad des Kraftwerks. Heizt man mit Gas, wird dieses idealerweise zu einem sehr hohen Prozentsatz für die Wärmegenerierung genutzt. Heizt man elektrisch, nutzt man z.B. bei Strom aus einem Gaskraftwerk nur jene bis zu 45% für die Heizung, von Leitungsverlusten etc. einmal abgesehen. Nun kann der Strom aus Wasserkraft, Windenergie oder Sonnenenergie stammen. Aber wenn man ihn zur Wärmeerzeugung nutzt, verhindert man, dass dieser „Ökostrom“ Strom aus Kohlekraftwerken ersetzen kann, solange es in Europa noch erhebliche Mengen an Kohlestrom gibt. Deshalb gilt das auch in Ländern, die fast nur Ökostrom haben. Wenn auch dort mit Ausnahme von Island mit seiner geothermischen Energie keine Fernwärmenetzen sinnvoll mit Abwärme gespeist werden können, ist es doch für die Gesamtbilanz nützlich, wenn man in Ländern wie Norwegen mit Gas und nicht mit Strom heizt und einen Stromüberschuss exportiert. Dasselbe gilt erst recht für Kantone mit hohem Wasserkraftanteil in der Schweiz.

Fernwärmenetze kann man bis etwa 20-30 km Leitungslänge bauen, wenn die Besiedlungsdichte im Zielgebiet hoch genug ist. Z.B. könnte man in der Schweiz Abwärme von Kernkraftwerken nutzen, um die nahe gelegenen Orte mit Fernwärme zu versorgen. Es gibt Fernwärmenetze, die von der Abwärme von Kernkraftwerken gespeist werden und man braucht sich keine Sorgen zu machen, dass im Heizkörper radioaktives Wasser landet. Es finden sich in dem Fall zwei Wärmetauscher zwischen dem Reaktorkern und dem Heizkörper, einer im Haus und einer im Kernkraftwerk. Auch die Kühltürme verdampfen nicht radioaktives Wasser aus dem Primärkreislauf, das wäre sonst wahrscheinlich schädlicher als ein normalerweise abgeschlossener Heizkörper.

Interessant ist die Verbreitung von Fernwärme in verschiedenen Ländern. In den Vereinigten Staaten wurde dieser Energieträger schon früh benutzt und es gibt in einigen Städten entsprechende, inzwischen leicht veraltete Netze. Aber dort ist der Anteil der Fernwärme nur bei 5%, während Russland, Lettland, die Ukraine und Dänemark auf über 60% kommen. Deutschland liegt mit etwa 20% im Mittelfeld.

Es bleibt zu hoffen, dass die Länder mit gut ausgebauten, aber leicht veralteten Netzen diese renovieren und nicht auf ineffizientere Verfahren zurückfallen. Und dass diese umweltfreundliche Energieform auch in dicht besiedelten Gebieten anderer Ländern Zulauf finden wird.

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Sommerzeit

Heute fängt wieder die sogenannte Sommerzeit an.

Lohnt sich das? Man sagt, dass die Energieersparnis nicht signifikant sei.

Für öffentliche Verkehrsmittel und insbesondere für die Bahn gibt es jedes Mal Unregelmäßigkeiten und Zusatzaufwände, um diese Zeitumstellung zu bewältigen. Man fährt z.B. sowohl nach Winter- als auch nach Sommerzeit in der Nacht. Oder man lässt Züge eine Stunde stehen. Oder man hat halt eine Stunde Verspätung… Es mag nicht so auffallen, weil man ja auch sonst ab und zu Verspätungen hat, aber für einen sauberen Bahnbetrieb wäre es sicher ein Gewinn, auf diese zweimalige Zeitumstellung zu verzichten.

Link: 20min

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EU-Kommission: Deutschland wegen schlechter Luft am Pranger

EU-Kommission Deutschland wegen schlechter Luft am Pranger
(Frankfurter Rundschau 2018-01-31)

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Heise schreibt über Verkehrswende…

Die Verkehrswende beginnt – überall

Es ist auf jeden Fall interessant, darüber etwas zu lesen.

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Braunkohle

Braunkohle gibt es in vielen Ländern der Erde. Aber in Deutschland ist sie in mehreren Gebieten ziemlich verbreitet und wird auch in großem Stil abgebaut. Der amerikanische Präsident wurde zu Recht für sein Ende des „war on coal“ und den Ausstieg aus dem endlich erreichten Klimaabkommen von Paris kritisiert. Aber gerade die BRD ist heute in unnötig hohem Maße dabei CO_2 zu emittieren, einerseits durch eine Verkehrspolitik, die einseitig das Auto uns insbesondere das Rasen fördert und andererseits durch den Atomausstieg und den daraus resultierenden Kohleboom. Insbesondere Kohle verursacht allgemein hohe CO_2-Emissionen bei der Verbrennung, während bei Erdgas- und Erdölverbrennung Verbindungen mit Luftsauerstoff reagieren, die einen höheren Wasserstoffanteil gebunden enthalten, was dazu führt, dass ein kleinerer Teil der Emissionen CO_2 und ein größerer Teil Wasserdampf (H_2O) ist. Leider ist Braunkohle hier noch einmal ungünstiger, weil sie viel Wasser enthält, was einen Teil der Verbrennungsenergie für die Trocknung absorbiert. Warum nimmt man eigentlich nicht die Abwärme dafür? Außerdem enthält Braunkohle weniger Brennwert, man muss also bei der Verbrennung mehr Material durch den Ofen schleusen und erwärmen. Die CO_2-Emissionen pro Kilowattstunde sind also höher als bei Steinkohlekraftwerken und viel höher als bei Gaskraftwerken oder gar bei Kernkraftwerken, die natürlich auch nicht ganz CO_2-neutral sind. Außerdem werden dabei andere Schadstoffe freigesetzt, sogar Quecksilber in bedenklichen Mengen. Andere Emissionen (oder hier), wie Feinstaub und Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Stickoxide konnten durch Elektrofilter und Rauchgaswäsche reduziert werden, aber sie sind natürlich immer noch vorhanden. Allein aus diesen Gründen sollte man aus der Kohleverstromung und speziell aus der Braunkohleverstromung aussteigen. Ich denke, dass es immer noch besser ist, Kernkraftwerke als Kohlekraftwerke zu betreiben.

Nun kommt aber eine Absurdität dazu. War es bei der Steinkohle an Saar und Ruhr die absurde Subventionierung des Bergbaus mit riesigen Summen und die Arbeit der Bergleute in ungesunden und gefährlichen Bergwerken, sehen wir bei der Braunkohle eine Zerstörung ganzer Landstriche. Dörfer, Straßen, Wälder und landwirtschaftliche Flächen werden einfach weggebaggert und ein riesiges Loch angelegt. Das Grundwasser wird massiv abgepumpt, um in dem bis zu 400 m tiefen Loch arbeiten zu können. Flüsse werden verlegt und so ändert sich der Wasserhaushalt.

Es werden neue Straßen angelegt, die den Braunkohletagebau weiträumung und auch unmittelbar umgehen. Dort sieht man völlig bizarre und absurde Planungsmuster, die offenbaren, welche Verkehrsinfrastruktur das BRD-Regime sich vorstellt. Es werden fast nur Straßen mit Fahrradverboten gebaut und so reine Autozonen geschaffen, die Radfahrer nur mit großen Umwegen durchqueren können. Das Fahrrad wird zum reinen Sportgerät degradiert, mit dem man eine Runde fahren kann, aber nicht effektiv und schnell von A nach B kommen kann. Man kann sich vorstellen, dass die Autokonzerne sich diese Absatzförderung durch systematische Be- und Verhinderung des Fahrradverkehrs einiges kosten lassen, auch die eine oder andere Million in die Taschen der diversen Politiker.

Hierzu als Beleg ein Auszug aus einem Schreiben von „Straßen NRW“:
vielen Dank für Ihre Anfrage bezüglich einer Radwegeverbindung entlang der A44n in Nord-Süd-Richtung.
Bei der A44n zwischen den Autobahnkreuzen Jackerath und Holz handelt es sich um eine Ersatzverpflichtung für RWE aus dem Braunkohlenplan:
Die Bundesautobahn A44 wurde durch den Braunkohletagebau im Jahr 2005 in Anspruch genommen und vorab die A61n 6streifig ausgebaut, da diese den Umleitungsverkehr aufnehmen musste. Im Herbst diesen Jahres wird die A44n wieder hergestellt und zwar 6streifig, da ab 2019 die A61 zwischen den Anschlussstellen Jackerath und Wanlo für den Tagebau in Anspruch genommen wird. Die Ersatzverpflichtung besteht für RWE ausschließlich für die Wiederherstellung der Autobahnen.
Im Zuge der Rekultivierung der Tagebauflächen im Bereich Garzweiler II wird ein Flurbereinigungsverfahren durchgeführt. Hier ist auch die Anlage von Wirtschaftswegen und Hauptwirtschaftswegen unter anderem auch in Nord-Südrichtung vorgesehen. Dieses Verfahren führt die Bezirksregierung Düsseldorf in Abstimmung mit der Gemeinde Jüchen durch. Das Wirtschaftswegenetz geht nach Erstellung in das Eigentum der Gemeinde über. Dieses berücksichtigt sicherlich auch die Nutzung durch den Radverkehr.

Im Klartext: Das vor der Landschaftsbeseitigung vorhandene Straßennetz wird für Radfahrer ersatzlos beseitigt, es wird vage angedeutet, dass es irgendwann einmal ein Gebastel geben könnte, mit dem Ortskundige mit viel Zeit auf Umwegen und durch den Schlamm von Traktorspuren und Gülle noch das Gebiet durchqueren können. RWE schafft nur Ersatz für Autofahrer.

Dörfer werden in der Regel umgesiedelt, das heißt, dass ein entsprechendes Ersatzdorf in der Nähe gebaut wird. Das ist aber nie mehr dasselbe wie das vorige Dorf, so eine Umsiedlung funktioniert nicht. Das relativiert sich natürlich, weil viele von uns irgendwann ihre Heimatstadt oder ihr Heimatdorf verlassen, um einer Ausbildung oder einer Arbeit in einem anderen Ort nachzugehen oder weil man eine Partnerin oder einen Partner gefunden hat und einen gemeinsamen Wohnort. Trotzdem geht damit ein Stück Kultur verloren und viele Menschen verlieren ihre Heimat und ihr Umfeld.

Hinterher werden dann die Löcher gefüllt. Das ist möglich, wenn man den Abraum aus anderen Löchern nutzt, um das Volumen der abgebauten Kohle aufzufüllen. In einigen Fällen werden sogar künstliche Berge mit dem Abbaumaterial aufgeschüttet. Ein Teil der Löcher bleiben dann bestehen. Sie werden meist zu Seen, was aber ein Prozess ist, der Jahrzehnte dauert. Die Tagebaue in Garzweiler und Hambach sollen noch etwa bis 2040 in Betrieb sein und man schätzt, dass es danach bis etwa 2100 dauern wird, die Löcher zu füllen. Man könnte natürlich einen Kanal zum Rhein oder zu einem anderen großen Fluss in der Nähe bauen und sogar die Fallenergie mit einem kleinen Kraftwerk nutzen, aber das ist in extrem dicht besiedelten Gebieten teuer wird wohl kaum so geschehen. So bleibt für mindestens ein Jahrhundert eine zerstörte Landschaft.

Es wird Zeit, mit diesem Unsinn aufzuhören und den Braunkohleabbau zu beenden.

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