Corona-Krise und Verkehrswende

Man hört viel davon, dass die Coronakrise die Verkehrswende voranbringe, weil ja jetzt weniger gefahren und fast nicht geflogen wird und die Emissionen zurück gegangen sind.

Das ist aber ein temporärer Effekt. Es ist leider davon auszugehen, dass die Corona-Krise ein riesiger Rückschlag für die Verkehrswende sein wird.

Ein großer Erfolg der letzten Jahre ist ein leichter Trend hin zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, Züge im Fernverkehr und städtischer Nahverkehr in Ballungsräumen und Großstädten. In der Schweiz noch mehr, dort schließt es sogar Mittelstädte und Überlandlinienbusse („Postbus“) ein.

Nun wurde empfohlen, möglichst wenig öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Das bleibt bei einigen Leuten hängen und Bakterien und Viren gibt es ja immer, nur sind die normalerweise nicht so gefährlich und unser Immunsystem kann damit umgehen.
Klar wird es nicht ohne ÖV gehen und ein großer Teil wird wieder damit fahren, aber nicht so viele, wie vorher.

Ein anderer Trend könnte sein, dass Leute mehr also vorher aus Städten auf Land oder in Vororte ziehen, wo es weniger „Dichte“ und damit weniger Ansteckungsrisiko gibt. Naïve Menschen denken, damit sogar etwas für die Umwelt zu tun, denn auf dem Land ist die Luft besser als im „Moloch“ Stadt und man kauft auch mal was beim Biobauern direkt ein. Das ist aber in der Summe ein schwerwiegender Irrtum. Die kurzen Wege und die gute Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel führen dazu, dass in Schweizer Großstädten zum Teil nur noch die Hälfte der Haushalte Autos haben und die Zahl war (vor Corona) noch am Sinken. Man legt Wege mit dem Fahrrad, mit ÖPNV oder gar zu Fuß zurück und findet sowieso keinen Gratisparkplatz. In abgeschwächter Form gilt das auch in Deutschland.

Es wird dringend nötig sein, die Verkehrswende wieder auf Kurs zu bringen, sobald die Verkehrsmenge wieder zunimmt.

Was wir nicht brauchen:

  • Wir brauchen sicher keine Subvention des Autokaufs
  • Wir brauchen keine eine weiteren Straßenprojekte nur für Autos.
  • Wir brauchen keine Subventionen für Fluggesellschaften ohne Gegenleistung für den Umwelt- und Klimaschutz
  • Kurzstreckenflüge
  • Benutzungspflichtige Radwege auf denen man langsamer als auf der Straße ist
  • Konzentration auf Alibi-Projekte wie Elektrobusse mit Akku
  • Fliegende Autos
  • Die heutigen PS-Giganten mit denselben Kilometerleistungen einfach in Elektroautos

Was wir brauchen:

  • Straßen für alle, die auch von Radfahrern genutzt werden können, um schnell voranzukommen.
  • Parkraumverknappung wie in der Schweiz auch in Deutschland
  • Eine flächendeckende Maut für Autos und Lastwagen und Fernbusse, vor allem Citymaut
  • Ein modernes Tempolimit, z.B. wie in der Schweiz oder etwas tiefer: 50/80/120
  • Autos die Geschwindigkeitsbeschränkungen automatisch erkennen und deren Überschreitung (ohne illegale Manipulation am Fahrzeug) schlicht unmöglich machen
  • Besteuerung von Flugtreibstoffen und Flugtickets mindestens im Umfang wie bei anderen Verkehrsmitteln
  • Verlagerung der Investitionen in Verkehrsinfrastruktur zur Schiene
  • Beschleunigtes Elektrifizierungsprogramm
  • Echte kreuzungsfreie Radschnellwege
  • Mehr Nachtzüge
  • Elektromobilität mit Bahn, Tram, Metro, Trolleybus, E-Bike und schwächeren, langsameren Autos die dem Transportzweck entsprechend dimensioniert sind

Das sind nur ein paar Stichpunkte, aber es ist und bleibt wichtig, die Verkehrswende trotz Coronavirus wieder auf Kurs zu bringen…

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Fliegende Autos

Viele Menschen haben sich seit langem „fliegende Autos“ als den ultimativen Fortschritt in der Verkehrstechnik vorgestellt. Und zwar nicht als eine Spezialität für eine kleine Gruppe, wie heute Hubschrauber, sondern als Massenverkehrsmittel.

Einige von uns haben in jungen Jahren öfter oder gar jährlich Das Neue Universum gelesen und waren fasziniert davon, was es an Technik schon gab, fast gab oder in Zukunft geben würde. Das hat mich auch fasziniert. Daraus wurden dann lebenslange Träume. Für einige von uns der Traum von den fliegenden Autos für alle. Andere haben es damals schon als Unsinn erkannt.

Die Frage, was in der Hinsicht rein technisch machbar wäre oder in den nächsten Jahrzehnten einmal machbar werden könnte, will ich erst einmal ausklammern.

Worauf man sich aber verlassen kann, ist dass das Fliegen noch einmal mehr Energie benötigt als das Fahren. Und wie sich jetzt zeigt, ist der jetzige Verbrauch an fossilen Brennstoffen unter dem Aspekt der Treibhausgasemissionen und der Klimaerwärmung schon zu hoch und sollte massiv zurückgehen.

Nun gibt es natürlich Ideen, wie man das lösen könnte. Man kann sich zum Beispiel das ganze mit Elektroantrieb vorstellen. Zum Fliegen ist das nicht ganz unproblematisch, weil die Akkus recht schwer sind und das Gewicht stört beim Fliegen. Oder mit Solarantrieb. Ein Solarflugzeug mit 63 Metern Flügelspannweite hat eine Weltumrundung mit Solarenergie gemacht. Leider etwas sperrig für den Alltagsgebrauch. Dann kommt Wasserstoff oder e-Fuel ins Spiel. Die Idee ist, dass man elektrische Energie nutzt, um damit Wasserstoff oder mit etwas komplexeren chemischen und elektrochemischen Prozessen sogar Kohlenwasserstoffe wie Kerosin herzustellen.

Nun stellt sich aber heraus, dass es in Europa extrem schwierig ist, überhaupt aus der Kohleverstromung auszusteigen. Und mit Kohlestrom Wasserstoff oder e-Fuels herzustellen, ist einfach absurd, weil der Gesamtwirkungsgrad des Systems viel schlechter ist als z.B. Kohleverflüssigung. Wasserstoff kann man auch sehr effizient durch chemische Prozesse aus Erdgas gewinnen. Solange die Kraftwerkskapazitäten es nicht leisten können, dass innerhalb von Europa etwa die 1.2-fache Menge des reinen Elektrizitätsbedarfs aus regenerativen Energiequellen und eventuell Kernenergie oder Kernfusion gewonnen werden können, erhöht man die CO_2-Emissionen, wenn man elektrische Energie verwendet, um chemische Brensstoffe aus CO_2 und Wasser zu gewinnen. Selbst bei einer Steigerung des Tempos beim Kohleausstieg ist es schwer vorstellbar, dass das Ziel vor 2050 überhaupt erreichbar ist. Und dann könnte man Wasserstoff oder andere brennbare Gase oder Flüssigkeiten herstellen, die sich als saisonaler Energiespeicher für Zeiten mit wenig Wasser, Wind und Sonne nutzen ließen, als Ausgangsstoff für Synthese von Chemikalien und Kunststoffen und vielleicht in kleinem Umfang als Energieträger für Verkehrsmittel. Für Auto- und Flugverkehr im heutigen Umfang und mit den heutigen Motorleistungen oder gar für fliegende Autos wird es kaum reichen. Damit das funktioniert, wird man in Zukunft sehr viel größere Anteile des Verkehrs als heute mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrrädern zurücklegen. Und die verbleibenden Autos und Motorräder werden auf weniger Energieverbrauch optimiert und viel tiefere Höchstgeschwindigkeiten als heute haben und außerdem noch kleiner und leichter sein. Dass es einmal fliegende Autos als Massenverkehrsmittel geben wird ist unrealistisch. Auch einige andere beliebte Zukunftsszenarien, z.B. die Idee, auf den Mars umzuziehen, wenn man die Erde zerstört hat oder den Mond als Ziel für den Massentourismus zu erschließen, muss man auch als unrealistische Phantasie ansehen.

Nun kommt das ganze für viele von uns etwas überraschend. Einige Menschen haben bis vor kurzem an eine Zukunft mit noch mehr Energieeinsatz geglaubt, die der Fortschritt schon herbei zaubern könnte. Und jetzt zeigt sich, dass wir in dem Bereich an Grenzen stoßen, wenn wir nicht die Erde durch extreme und extrem schnelle Klimaerwärmung stark schädigen wollen.

Vielleicht ist das ein Grund, warum die Überbringer der Nachricht und Zerstörer der (schon immer unrealistischen) Träume so viel Hass auf sich ziehen.

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Aktuelles Thema: Kaufprämien für Autokauf

In Deutschland wird gerade sehr massiv darüber nachgedacht, größere Subventionen für die Autoindustrie und indirekt für die Autoförderung lockerzumachen.

Für den typischen Auto-Motor-Sport-Stammtisch wird das auch noch als „Umweltschutzmaßnahme“ verkauft, weil ja neuere Autos „umweltfreundlicher“ sind als ältere.

Allein der Coronavirus ist schon Autoförderung genug, weil jetzt monatelang von der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel abgeraten wird und diese möglichst nur 20% besetzt fahren sollen. Das wird bei vielen Menschen mit einer durchschnittlichen oder leicht überdurchschnittlichen Bakterien- und Virenphobie hängen bleiben. Noch schlimmer: Leute werden teilweise aus dicht besiedelten Kernbereichen, wo die Wege kurz sind und wo man sowieso häufig kein Auto hat oder dieses nur selten benutzt, weil man fast alles mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad macht, wegziehen. Das Leben auf dem Land ist gesünder, Virusärmer aber es macht unsere Welt abgasreicher, auch wenn sich die Abgase genau dort am meisten häufen, wo viele Haushalte gar kein Auto mehr haben.

Es werden größere Anstrengungen gebraucht, um den Stellenwert der öffentlichen Verkehrsmittel, den sie vorher hatten, wiederherzustellen und einen Zersiedlungsboom zu verhindern.

Klar, in vielen Bereichen wird es nicht anders gehen. Ohne leistungsfähigen ÖPNV ersticken größere Ballungsräume im Stau, egal wie viel man sich für den autogerechten Ausbau anstrengt. Deshalb haben z.B. Städte wie Dubai oder Los Angeles angefangen, Metrosysteme zu bauen.

Aber nun ausgerechnet für das schädlichste Alltagsverkehrsmittel Subventionen in Form von Kauf- und Abwrackprämien einführen ist absurd.

Wir sollten über die Einführung einer City-Maut in dicht besiedelten urbanen Gebieten nachdenken. Als Faustregel könnte die etwa so viel kosten wie die Fahrt von fünf Personen für die gleiche Strecke mit dem ÖPNV mit Einzelfahrkarten.

Längerfristig brauchen wir eine flächendeckende Maut. Nicht Lkw-Maut oder Pkw-Maut, sondern Motorfahrzeug-Maut, die sich nach Parametern des Fahrzeugs berechnet (Länge, Höhe, Breite, Gewicht,…) und die mit den realen Maßen für Lastwagen eben zur heutigen Lkw-Maut wird und mit den entsprechend niedrigeren Werten für Autos zur Pkw-Maut.

Ich halte eine Staffelung für sinnvoll. Man kann Zonen definieren, also dicht besiedelte Zonen, Wohngebiete, Innenstädte sind am teuersten und Straßen in unbewohntem Gebiet am billigsten. Oder man kann auch die hypothetische Fahrzeit in Rechnung stellen. In der Innenstadt ist der Verkehr langsamer und da kostet der Kilometer mehr. Staureiche Strecken kosten mehr. Strecken mit Geschwindigkeitsbeschränkung wegen Lärmschutz kosten mehr und verstärken den Lärmschutzeffekt. Der erste Schritt wäre sicher, mit der teuersten Zohne in den inneren Bereichen der Großstädte zu beginnen, eben mit der Citymaut.

Mit weniger Autos wird Radfahren und straßengebundener ÖPNV attraktiver und schneller, vor allem, wenn der ÖPNV öfter fährt und man weniger warten muss.

Hier sagt Arnold Schwarzenegger etwas über Unterstützung von Kohle.

Das gilt nicht nur für veraltete Energieträger in den Vereinigten Staaten. Es gilt sinngemäß auch in anderen Ländern. Und es gilt auch für Verkehrstechnologien.

Auch Ökonomen beurteilen diese Kaufsubvention negativ. Oder ökonomieorientierte Medien:
FAZ

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Wasserstoff statt Strom

Schon in den 70er und 80er Jahren geisterten Ideen herum, dass man einfach den Strom durch Wasserstoff ersetzen sollte, der mit Sonnen- und Windenergie gewonnen wird.

Es wurde gedacht, man können das Stromnetz in Frage stellen, weil es die Achillesferse des Energiesystems ist und damit die Kernenergie indirekt angreifen. Widerstand gegen Stromtrassen bekam entsprechend hohe Priorität. Einige terroristische Gruppen verlegten sich auf Sabotage von Stromleitungen, erst mit Sprengstoff, dann hatten sie gelernt, wie es mit Eisensägen unauffälliger und billiger geht.

Nun stellt sich aber heraus, dass man die Stromnetze bei einem gestiegenen Anteil von alternativen Energien sogar in viel größerem Maße braucht als bei Kernkraftwerken, die weitgehend in der Großregion standen, wo der Strom gebraucht wurde, so dass das Leitungssystem nur zum Ausgleich diente, aber nicht zur Übertragung des gesamten Energiebedarfs einer Großregion über weite Strecken. Bei starkem Wind würde man das aber gerne tun, denn dann ist z.B. in Norddeutschland, wo die Windturbinen stehen, ein großer Überschuss vorhanden. Noch weiter gedacht könnte man mit Solarenergie aus der Sahara Strom gewinnen. Oder mit Wasserkraftwerken in dünn besiedelten Gegenden, was ja schon gemacht wird.

Warum nun Wasserstoff? Man kann die gewonnene Elektrizität nutzen, um Elektrolyse zu betreiben und dann durch elektrochemische und chemische Prozesse Wasserstoff, aber letztlich auch Methan, längerkettige Alkane und alles, was sich aus Erdöl, Erdgas und Kohle gewinnen lässt. In chemischer Form kann man Energie leicht speichern und wenn man sie dann verfeuert oder zu Plastik macht, das irgendwann verbrannt wird, dann gibt man nur CO_2 ab, das vorher aus der Atmosphäre geholt worden ist. Man kann elektrische Energie sehr gezielt bedarfsgerecht gewinnen. Das klingt alles verlockend.

Nur leider hat das Gesamtsystem einen sehr schlechten Wirkungsgrad. Wasserstoff, den man mit Sonnenenergie gewinnt und später verfeuert, um Strom zu gewinnen braucht ein Vielfaches der Fläche wie die direkte Nutzung der Elektrizität. Der Grund liegt in der Thermodynamik und dem Carnot-Wirkungsgrad, der eine obere Grenze darstellt. Der reale Wirkungsgrad ist noch tiefer und auch bei der Elektrolyse ist der Wirkungsgrad unter 100%. Eine Brennstoffzelle kann diesen Wert überbieten, aber die Technik hat sich noch nicht gegen Verbrennungsmotoren und -turbinen durchgesetzt, schon gar nicht im großtechnischen Bereich.

Es ist durchaus denkbar und sogar wahrscheinlich, dass wir irgendwann solche Technik einsetzen, um einen Teil des Stroms, also Überschüsse, in chemische Energie umzuwandeln. Das kann der Speicherung und dem Transport für spätere Rückgewinnung eines Teils der Energie dienen, aber auch Öl und Gas als chemischen Rohstoff ersetzen.

Heute wird Wasserstoff in großen Mengen in der chemischen Industrie benötigt. Und meines Wissens wird dieser überwiegend aus Erdgas gewonnen. Wir verbrennen auch direkt Erdgas und andere fossile Energieträger für Heizung, Prozesswärme und vor allem für Kraftwerke und im Verkehrsbereich. Solange ein Teil des Stroms aus Verbrennungskraftwerken stammt und wir andererseits mit Strom Wasserstoff herstellen, führt das nur dazu, dass wir insgesamt viel mehr Erdgas verbrauchen, als wenn wir daraus direkt chemisch Wasserstoff gewinnen. Diese Technik bringt also erst Vorteile, wenn wir die Stromgewinnung fast ausschließlich auf zumindest CO_2-arme Energiequellen auslegen.

Heute ist es am nützlichsten, wenn man diese Dinge wohl erforscht und weiterentwickelt, aber den Strom zunächst dafür nutzt, die Verbrennungskraftwerke loszuwerden. Für Speicherung sind Pumpspeicherwerke die beste Idee und man kann sicher noch viel größere als heute bauen, z.B. in ehemaligen Braunkohlelöchern.

Wenn in Europa fast keine Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerke mehr mit fossilen Energieträgern arbeiten, erst dann ist der Zeitpunkt gekommen, Öl und Gas im großen Umfang durch mittels Sonnen- und Windenergie aus Wasser und Luft gewonnene brennbare Gase und Flüssigkeiten zu ersetzen und damit Gaskraftwerke, Industrie und z.B. Flugverkehr klimafreundlicher zu machen und eben auch Energie längerfristig zu speichern.

Die Stromnetze werden aber immer noch das bei weitem vernünftigste und effizienteste Mittel sein, um Elektrizität, die zur Zeit ihrer Erzeugung benötigt wird, direkt zu transportieren. Elektrochemie wird eine sinnvolle Ergänzung sein.

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