Covid-19: Wie viele Restriktionen sind sinnvoll

Wir wissen noch nicht, was eine Analyse in ein paar Jahren zu der ganzen Geschichte ergeben könnte.

Aber vielleicht sollte man sich einmal Gedanken machen, welche Restriktionen sinnvoll sind und welche man eher hinterfragen sollte.

Es gibt einige Maßnahmen, die sinnvoll und nützlich sind und die sich für eine längere Zeit durchhalten lassen.

Man kann sich daran gewöhnen, im Bahnhof, im Zug, in anderen öffentlichen Verkehrsmitteln, im Laden oder auch zu Fuß auf der Straße, wenn viele Leute unterwegs sind, eine Maske zu tragen und soweit möglich, etwas Abstand zu halten. Das bringt etwas und schadet nur relativ wenig. Wenn der Zug sehr voll ist, kann man eine besser Maske tragen, die auch dem Träger mehr Schutz bietet. Ich habe von den besseren Masken eine kleine Anzahl gekauft und trage sie, wenn z.B. im Zug fast alle Plätze besetzt sind. Normalerweise sitzen die Leute aber so, dass von vier Plätzen in einer Sitzgruppe nur zwei belegt werden, wenn das möglich ist. Die Masken wurden in Japan und einigen ostasiatischen Ländern schon vorher getragen, wenn z.B. jemand erkältet war und das Risiko, andere anzustecken, verringern wollte.

Bei Berufen und Tätigkeiten, die Homeoffice zulassen, sollte man das zumindest für einen Teil der Tage praktizieren. Es geht dabei nicht nur um das Ansteckungsrisiko am Arbeitsplatz selbst, sondern auch um die Arbeitswege. Wenn jemand in einer Tätigkeit, die sich prinzipiell für Homeoffice eignet, zuhause nicht sehr effizient arbeiten kann, sollte man auch die Option anbieten, im Büro zu arbeiten. Schon wenn ein größerer Teil der Leute Homeoffice macht, ist viel gewonnen für alle.

Mit den Schulen ist es ein bisschen ein trauriges Kapitel gewesen. Natürlich geht es auch darum, andere Kinder zu treffen. Aber nach dem, was ich gehört habe, haben es einige wenige Schulen, in der Regel teure Privatschulen, geschafft, das der Unterricht über das Internet einigermaßen effizient stattfinden konnte. Viele Lehrer und wohl auch ganze Schulen haben das nicht auf die Reihe bekommen und praktisch fast nichts gemacht in der Zeit. Ein Problem ist, dass es zwar viele gute Video-Software gibt, aber dass diese häufig mit den Datenschutzbestimmungen, an die Schulen gebunden sind, nicht vereinbar ist, so dass nur wenige Softwarelösungen übrig bleiben. Und die müssen dann bei Schülern und Lehrern laufen. Das ist lösbar, aber wie es scheint, nur von einem kleineren Teil der Schulen wirklich gut gelöst worden. Hinzukommt, dass dieses Thema noch äußerst emotional ist, weil es unserem Weltbild entspricht, dass Kinder ordentlich zur Schule gehen müssen. Die teuren Privatschulen haben hier natürlich im Vergleich noch einen Vorteil, weil dort bei den Familien meistens auch ein eigenes Zimmer für jedes Kind und ein eigener Computer für jedes Kind und eine gute Internetanbindung verfügbar ist oder gekauft werden kann. Und die Schule hat Geld für die Investitionen auf ihrer Seite. Trotzdem denke ich, dass dort noch Potential ist und man auch Lösungen finden könnte, bei denen die Kinder in der Schule vor Ort lernen, bei denen der Unterricht via Internet nicht gut funktioniert hat. Die Frage ist allerdings auch aufgetaucht, ob Schüler überhaupt viel zur Verbreitung der Krankheit beitragen, was angeblich nicht der Fall sein soll. Zu gewinnen gibt es aber auch etwas, wenn die Lehrer von zuhause arbeiten können und wenn die Schüler weniger Plätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln belegen und dadurch für Berufspendler, die vor Ort arbeiten müssen, mehr Platz ist, um größere Abstände zu halten.

Wie sieht es aus mit Veranstaltungen und Orten, wo viele Leute aufeinander treffen? Sollen Kinos, Restaurants, Fitnessstudios, Sportarenen, Diskotheken, Karneval, Demonstrationen, Konferenzen, Festivals,… stattfinden? Oder gibt es Leute, die sich freuen, wenn man das Demonstrationsrecht einschränkt und vielleicht auch vergisst, die Restriktionen wieder aufzuheben? Ich denke, dass Restriktionen in diesem Bereich weh tun, weil es für einige Leute ein wichtiger Teil des Lebens ist oder weil die dahinter stehendes Businesse nicht beliebig lange ohne Einnahmen überleben können. Das sind also schmerzhafte Einschränkungen, die man sich gut überlegen sollte. Für typische Großveranstaltungen sehe ich tatsächlich im Moment keine Grundlage, aber es scheint sinnvoll, dass man z.B. Kinos, Restaurants oder Fitnessstudios erlaubt, offen zu haben, solange gewisse Sicherheitsregeln eingehalten werden.

Einige Länder haben Bahnverkehr und ÖPNV für einige Monate komplett eingestellt. Das sollte man nicht tun. In der Schweiz wurde vorbildlich der ÖPNV und der Bahnverkehr aufrechterhalten, aber zu den Zeiten, wo sehr viel weniger Fahrgäste unterwegs waren, um ca. 30% reduziert. Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in dieser schwierigen Zeit eine sehr wichtige Funktion für das Funktionieren des Landes wahrgenommen haben. Die Einnahmen sind aber naturgemäß sehr viel tiefer gewesen. Schwarzfahrer haben die Chance gesehen, ohne Fahrkarte zu fahren, weil zeitweise Fahrkarten überhaupt nicht kontrolliert wurden. Die Züge fuhren mit sehr viel weniger Fahrgästen und das war ja sogar erwünscht, um mehr Abstand zu ermöglichen. Vielleicht könnte man die Bahnen und die ÖPNV-Betreiber für diese Einnahmeverluste einmalig finanziell unterstützen, was sich z.B. mit einer Mineralölsteuererhöhung finanzieren ließe.

Es gibt Länder wie Neuseeland, die lange Zeit fast gar keine Fälle hatten. Es ist mehr als verständlich, dass diese Länder Einreise aus anderen Ländern erschweren. Generell sehe ich aber keinen Nutzen darin, Einreise aus Ländern und Regionen, die ein ähnliches Niveau an Infizierten aufweisen, zu verbieten, wie es zum Teil gemacht wurde und immer noch gemacht wird. Das ist Aktionismus, der Eindruck macht und einigen Leuten sogar gefällt, aber nichts bringt. Für Einschränkungen von Reisen aus Ländern mit sehr viel höherem Niveau habe ich Verständnis. Hier stellt sich aber die Frage, warum man z.B. in der Schweiz die Dauer der Quarantäne nicht verkürzen kann, wenn man einen Test macht. Auch wenn es ein Restrisiko gibt, dass der Test ein falsches Ergebnis liefert, so ist dieses Risiko im Vergleich zu dem Grundrisiko, das man bei verantwortungsbewusstem Leben sowieso hat, verhältnismäßig klein. Und jede unnötige Restriktion kostet auch etwas. 10 oder 14 Tage zuhause zu sitzen, kann Leute auch krank machen, zumindest wenn es ihnen schon vorher etwas schlecht geht.

Generell neige ich inzwischen dazu, das viel geschmähte schwedische Modell positiver zu sehen. Natürlich sollte man Maßnahmen, die viel bringen und wenig schaden, praktizieren. Auch in Schweden herrschte im Juni und Juli, als ich dort war, keine Normalität, sondern man lebte vorsichtiger, auch wenn es wenige konkrete harte Restriktionen und mehr Appelle an die Eigenverantwortung gab. Als großer Vorteil könnte es sich erweisen, dass die Menschen und auch die Ökonomie in Schweden noch nicht so „müde“ sind, wie in anderen Ländern. Es gibt also noch Spielraum für temporäre oder auch längerfristige Einschränkungen, wo das nötig ist und für mehr eigenverantwortliche Vorsicht. Wenn man dagegen in Ländern, die monatelang fast komplette „Lockdowns“ hatten, sieht, wie die Masken zwar getragen werden, aber als Kinnschutz, stellt sich die Frage wirklich, ob Schweden nicht am Ende mit am besten abschneiden wird. Eigenverantwortung wird und sollte immer die wichtigste Komponente bleiben, denn viele Dinge lassen sich nicht mit starren Regeln erfassen, aber man kann sie „richtiger“ machen. Nur als Beispiel, man kann täglich einkaufen oder einmal pro Woche oder vielleicht sogar nur alle 2 oder 3 Wochen. Man kann Homeoffice praktizieren, wo es möglich ist, effizient zuhause zu arbeiten und die Verkehrsmittel und Büros für diejenigen entlasten, die unbedingt vor Ort arbeiten müssen oder wollen.

Was auf jeden Fall vernünftig ist, ist auf konkrete Fälle reagieren. Mit genügend Tests wäre es eine Strategie, die Krankheit so auf Null zu bringen. Das scheint aber nicht dir reale Strategie der meisten Länder zu sein, mit wenigen Ausnahmen. Realistisch ist wohl heute, die Krankheit auf einem insgesamt erträglichen Niveau zu halten und auf die Verfügbarkeit eines Impfstoffes zu setzen, der gegen Ende dieses Jahres oder im ersten Quartal des nächsten Jahres kommen könnte.

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Covid-19: Ein paar Gedanken zur Ausbreitung

Im März hat man mit Modellen gerechnet, die von einer etwa gleichmäßig verteilten Anfälligkeit ausgehen und einer gewissen Ansteckungswahrscheinlichkeit. Und einer gewissen Gefährlichkeit der Krankheit. Das waren Schätzwerte aufgrund der damaligen Datenlage.

Nun kam es in einigen Hotspots (China, Iran, Norditalien, New York, Spanien, Elsass) zu vielen Krankheitsfällen und auch Todesfällen. Zum Teil waren die Krankenhäuser überfordert und konnten Patienten nicht mehr adäquat helfen.

Länder haben sehr verschiedene Strategien verfolgt, z.B. Weißrussland hat kaum Restriktionen verhängt, Schweden relativ wenige. Aber es wurde grenzüberschreitendes Reisen extrem erschwert und teilweise unterbunden. Eine etwas absurde Einschränkung zu einem Zeitpunkt, zu dem das Virus in fast allen Ländern angekommen war. Verständlich ist es nur in Ländern, die „clean“ oder fast „clean“ sind, wie z.B. Færøer oder Neuseeland oder anscheinend heute auch China. Einige Länder haben sehr drastische Einschränkungen vorgenommen und die Züge, Metros und andere öffentliche Verkehrsmittel fuhren nicht und die Leute mussten zwangsweise zuhause bleiben. Irgendwann musste man das aufheben.

Nun gehen die Zahlen in vielen Ländern zurück, auch in Schweden und Weißrussland.

Natürlich ist man vorsichtiger, hält Abstand, wäscht und desinfiziert sich oft die Hände, trägt vielleicht Masken und vermeidet Menschenansammlungen u.s.w.

„Nichts“ zu tun wäre sicher kein guter Weg gewesen, und Weißrussland hat sicher weniger intensive Kontakte mit anderen Ländern und auch dadurch eine langsameren Verlauf bekommen als es die Schweiz oder Deutschland mit derselben Strategie gehabt hätten. In der Schweiz hätte eine Woche früher oder später gemäß NZZ durchaus einen großen Unterschied gemacht.

Aber kann das ursprüngliche Modell erklären, was wir heute beobachten? Es hatte erst etwa ein Prozent der Menschen die Krankheit und heute hat unter ein Prozent den Virus aktuell in sich. Eine Verlangsamung wegen Immunisierung kann also nicht als Erklärung dienen, im Gegenteil, die Ausbreitung müsste sich beschleunigen, wenn nicht die heutigen relativ geringen Maßnahmen gut ausreichen würden.

Die Beobachtung legt die Frage nahe, ob es individuelle und regionale Faktoren gibt, die dazu führen, dass Menschen empfindlicher oder unempfindlicher für die Krankheit sind. Das heißt, ein Teil der Menschen kann sich relativ leicht anstecken, der Rest ist weniger gefährdet, angesteckt zu werden. Ein Teil der Menschen ist gefährdet, einen schlimmen Verlauf zu erleben oder sogar nicht zu überleben, ein Teil kann die Krankheit gut überstehen. Wenn nun dieses gefährdete Prozent die Krankheit hatte, könnte man damit erklären, dass es sich auch mit wenigen Restriktionen nicht mit einem fast exponentiellen Verlauf ausbreitet.

Waren Hotspots Orte, wo neben der hohen Bevölkerungs- und Kontaktdichte auch noch andere Faktoren sich negativ auswirkten? Genetische Faktoren, Umweltverschmutzung, Besonderheiten in der medizinischen Behandlung, vorherige harmlose Erkrankungen oder was auch immer?

Ich weiß keine Antworten.

Aber ich bin etwas erstaunt, wie wenig man erfährt, bzw. wie wenig die ursprünglichen Modelle hinterfragt oder auf eine neue Grundlage gestellt werden.

Ich denke aber, dass sich für diese Krankheit so etwas wie das „schwedische Modell“ insgesamt als ein sinnvoller Weg erwiesen hat und übertriebene Lockdowns unverhältnismäßig waren. Wenn man versteht, woher die Hotspots kamen und für die Hotspots stärkere Maßnahmen einsetzt, wäre auch das sinnvoll. Und man kann noch mehr tun als die Schweden, ohne dass es weh tut. Masken beim Einkaufen und im ÖV zu tragen kostet nicht sehr viel, nervt nur moderat und ist vielleicht nützlich. Grenzschließungen sind dagegen wenn überhaupt nur sinnvoll zwischen Ländern, bei denen es ein großes Gefälle bei den Fallzahlen gibt, aber als generelle Maßnahme aber völlig unsinnig. Es wird Zeit, die Grenzen in Europa wieder zu öffnen und visumfreies Reisen zwischen allen europäischen Ländern (nicht nur EU, Schweiz, Norwegen) zu ermöglichen, wo es vorher möglich war, insbesondere z.B. für Ukraine, Serbien, Moldawien, Mazedonien,…

Es scheint gut auszusehen bezüglich Impfstoffen. In Russland soll angeblich ab Mitte August ein Impfstoff zugelassen werden und zunächst für medizinisches Personal angewendet werden. Es gibt weit über hundert Projekte, von denen etliche in der „Phase 3“ sind oder diese in den nächsten Tagen und Wochen starten. So könnte es noch 2020 erste zugelassene Impfstoffe auch in anderen Ländern als Russland geben. Möglicherweise muss aber die Impfung regelmäßig wiederholt werden, damit sie wirkungsvoll ist. Und möglicherweise schließt sie eine Ansteckung nicht ganz aus, aber bringt die Krankheit auf ein harmloseres Gefährlichkeitsniveau oder es gelingt sogar, sie ganz aus der Welt zu schaffen.

Sehr ärgerlich ist, dass immer noch viele sonst seriöse Quellen absurderweise primär die absoluten Zahlen in einem Staat darstellen statt die Zahlen pro 100’000 Einwohner. Damit kann man schön zeigen, wie schlecht es Trump macht. Er macht es auch schlecht, aber um das zu zeigen, muss man schon sinnvolle Zahlen (pro 100’000 Einwohner) heranziehen und weitere Nebenbedingungen. Und vielleicht auch überlegen, welche Zusatzfaktoren eine Rolle spielen, womit wir beim Ausgangspunkt diese Artikels wären.

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Corona-Krise und Verkehrswende

Man hört viel davon, dass die Coronakrise die Verkehrswende voranbringe, weil ja jetzt weniger gefahren und fast nicht geflogen wird und die Emissionen zurück gegangen sind.

Das ist aber ein temporärer Effekt. Es ist leider davon auszugehen, dass die Corona-Krise ein riesiger Rückschlag für die Verkehrswende sein wird.

Ein großer Erfolg der letzten Jahre ist ein leichter Trend hin zu den öffentlichen Verkehrsmitteln, Züge im Fernverkehr und städtischer Nahverkehr in Ballungsräumen und Großstädten. In der Schweiz noch mehr, dort schließt es sogar Mittelstädte und Überlandlinienbusse („Postbus“) ein.

Nun wurde empfohlen, möglichst wenig öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen. Das bleibt bei einigen Leuten hängen und Bakterien und Viren gibt es ja immer, nur sind die normalerweise nicht so gefährlich und unser Immunsystem kann damit umgehen.
Klar wird es nicht ohne ÖV gehen und ein großer Teil wird wieder damit fahren, aber nicht so viele, wie vorher.

Ein anderer Trend könnte sein, dass Leute mehr also vorher aus Städten auf Land oder in Vororte ziehen, wo es weniger „Dichte“ und damit weniger Ansteckungsrisiko gibt. Naïve Menschen denken, damit sogar etwas für die Umwelt zu tun, denn auf dem Land ist die Luft besser als im „Moloch“ Stadt und man kauft auch mal was beim Biobauern direkt ein. Das ist aber in der Summe ein schwerwiegender Irrtum. Die kurzen Wege und die gute Verfügbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel führen dazu, dass in Schweizer Großstädten zum Teil nur noch die Hälfte der Haushalte Autos haben und die Zahl war (vor Corona) noch am Sinken. Man legt Wege mit dem Fahrrad, mit ÖPNV oder gar zu Fuß zurück und findet sowieso keinen Gratisparkplatz. In abgeschwächter Form gilt das auch in Deutschland.

Es wird dringend nötig sein, die Verkehrswende wieder auf Kurs zu bringen, sobald die Verkehrsmenge wieder zunimmt.

Was wir nicht brauchen:

  • Wir brauchen sicher keine Subvention des Autokaufs
  • Wir brauchen keine eine weiteren Straßenprojekte nur für Autos.
  • Wir brauchen keine Subventionen für Fluggesellschaften ohne Gegenleistung für den Umwelt- und Klimaschutz
  • Kurzstreckenflüge
  • Benutzungspflichtige Radwege auf denen man langsamer als auf der Straße ist
  • Konzentration auf Alibi-Projekte wie Elektrobusse mit Akku
  • Fliegende Autos
  • Die heutigen PS-Giganten mit denselben Kilometerleistungen einfach in Elektroautos

Was wir brauchen:

  • Straßen für alle, die auch von Radfahrern genutzt werden können, um schnell voranzukommen.
  • Parkraumverknappung wie in der Schweiz auch in Deutschland
  • Eine flächendeckende Maut für Autos und Lastwagen und Fernbusse, vor allem Citymaut
  • Ein modernes Tempolimit, z.B. wie in der Schweiz oder etwas tiefer: 50/80/120
  • Autos die Geschwindigkeitsbeschränkungen automatisch erkennen und deren Überschreitung (ohne illegale Manipulation am Fahrzeug) schlicht unmöglich machen
  • Besteuerung von Flugtreibstoffen und Flugtickets mindestens im Umfang wie bei anderen Verkehrsmitteln
  • Verlagerung der Investitionen in Verkehrsinfrastruktur zur Schiene
  • Beschleunigtes Elektrifizierungsprogramm
  • Echte kreuzungsfreie Radschnellwege
  • Mehr Nachtzüge
  • Elektromobilität mit Bahn, Tram, Metro, Trolleybus, E-Bike und schwächeren, langsameren Autos die dem Transportzweck entsprechend dimensioniert sind

Das sind nur ein paar Stichpunkte, aber es ist und bleibt wichtig, die Verkehrswende trotz Coronavirus wieder auf Kurs zu bringen…

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Intensive und Extensive Größen: Sinnvolle Karten und Zahlen zu Covid-19 & Coronavirus

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Wir werden überflutet mit Informationen zur Ausbreitung und Eindämmung der Covid-19-Krankheit und des verursachenden Coronavirus.

Leider haben die meisten Karten und Tabellen absolute Zahlen im Auge. Da ist China immer weit vorne.

Wir sollten uns aber Gedanken machen, was sinnvolle Zahlwerte sind, die wirklich etwas aussagen.

Ich möchte eine Anleihe aus der Thermodynamik und der physikalischen Chemie machen. Dort spricht man von intensiven Größen und extensiven Größen.

Eine Intensive Größe beschreibt primär eine Eigenschaft einer Substanz, eine extensive Größe primär die Menge.

Ein paar Beispiele:

Typische intensive Größen sind Temperatur, Dichte, Druck, Konzentration eines Reinstoffs in einem Gemisch, Energiedichte etc.

Typische extensive Größen sind Masse, Gewicht, Volumen, Anzahl der Moleküle/Atome…, elektrische Ladung, Energie etc.

Nun kann man viele Größen intensiv oder extensiv betrachten. Z.B. die elektrische Ladung an sich ist eine extensive Größe. Wenn ich mein System verdopple, ist die Ladung auch verdoppelt. Das kann für einen Kondensator als Energiespeicher die wichtigste Größe sein. Deshalb arbeiten Elektrotechniker damit.

Aber für die physikalische Chemie ist es vielleicht interessanter, die Ladungsdichte zu betrachten. Also Ladung pro Volumen, Ladung pro Molekül, Ladung pro Kilogramm. Das System verhält sich lokal anders, wenn die Ladungsdichte größer ist.

Häufig befasst man sich aber mit Enthalpie, das ist die „innere Wärmeenergie“ und mit Entropie, für deren Erklärung ich heute auf den Wikipedia-Artikel und die Lehrbücher über physikalische Chemie verweisen möchte.

Enthalpie und Entropie kann man als Gesamtgrößen betrachten, die sich mit Verdopplung des Systems auch verdoppeln. Das ist interessant, weil sich der erste Hauptsatz der Thermodynamik mit der Energieerhaltung und der zweite Hauptsatz der Thermodynamik mit der immer steigenden Entropie befassen. Dabei sehen wir intuitiv ein System als gegeben an, das kann das ganze Universum sein und dafür gilt es. Glauben wir. Mit einem Trick für schwarze Löcher. Es gilt aber auch für kleinere abgeschlossene Systeme, die keine Energie und keine Materie mit der Umwelt austauschen. Oder annähernd für annähernd abgeschlossene System.

Nun kann man aber aus Entropie und Enthalpie auch entsprechende intensive Größen bilden. Z.B. in dem ma sie „pro mol“ rechnet, also letztlich ins Verhältnis zur Anzahl der Moleküle setzt, nur mit griffigeren Zahlen. Dann kann man viele Dinge auch damit formulieren. Das hat mein Buch über physikalische Chemie so gemacht, wenn ich mich richtig erinnere.

Oft sind die intensiven Größen interessanter. Die Verdopplung des Systems sollte idealerweise nichts ändern, wenn man einmal vernachlässigt, dass das System sich am Rand anders als in der Mitte verhält oder dass eine Mindestgröße da sein muss, damit die Granularität durch Moleküle und Atome vernachlässigbar wird. Ein zu großes System kann auch uninteressant werden, weil sich dort verschiedene Effekte abspielen und man Dinge datenmäßig durchmischt, die für sich genommen interessanter wären.

Nun zur COVID-19-Pandemie.

Wir haben sehr oft Tabellen und Karten, die absolute Zahlen angeben. Wieviele Menschen haben in Land xy die Krankheit bekommen, wieviele sind gestorben, wieviele sind gesund geworden. Zum Teil sind auf den Karten dann die einwohnerreichen Länder dunkelrot, weil es dort naturgemäß viele Fälle gibt. Und kleine Länder sind hell. Länder unter 1’000’000 Einwohner werden meistens weggelassen. Die sind aus Optik der extensiven Größen uninteressant.

Hier sollte man unbedingt primär mit intensiven Größen arbeiten. Also mit Fällen pro Einwohner, oder wem das mehr behagt, pro Million Einwohner für griffigere Zahlen. Man kann auch Fälle pro Fläche betrachten, aber die Größe ist weniger interessant, weil in dünner besiedelten Gebieten naturgemäß schon die absoluten Zahlen pro Fläche kleiner sind. Und es kann sogar wegen größere Distanz zu weniger Fällen pro Einwohner führen. Daher: Einfach immer mit Fällen pro Million Einwohner rechnen und dann hat man eine vernünftige Basis. Außer bei Größen, die schon per se intensiv sind, wie z.B. die Mortalitätsrate und die prozentuale Zunahme.

Was auch noch sinnvoll wäre: Flächenmäßig und einwohnermäßig kleine Länder wie die Schweiz kann man als eine Einheit betrachten, zumindest wenn man eine Karte von Europa oder der ganzen Erde zeichnet. Die Frage ist, ob es sich lohne, flächenmäßig große Länder wie Schweden, Finnland und Norwegen in Regionen zu teilen und getrennt zu betrachten. Die Karte gibt das her und Norden und Süden zu unterscheiden kann interessant sein. Auf jeden Fall sollte man für Länder, die viele Einwohner haben, soweit es von den Daten möglich ist, eine Unterteilung in Regionen vornehmen. Für kleine, sehr dicht besiedelte Länder bringt das nichts, weil die auf der Karte zu klein sind und weil auch wahrscheinlich die Ausbreitung über die kurze Distanz zu schnell erfolgt, um sinnvoll zu differenzieren. Aber Länder wie die Vereinigten Staaten, Brasilien, Indien, China mit vielen Einwohnern und viel Fläche sollte man unbedingt in Regionen aufteilen. Ich würde schon bei mittleren Ländern wie Ukraine, Deutschland, Frankreich, Italien etc. nach Möglichkeit in eine kleine Anzahl von Regionen aufteilen. So kann man Tabellen und Karten bekommen, die zumindest eine relevante Aussage transportieren, soweit es die Daten hergeben.

Natürlich muss man sich im Klaren sein, dass die Daten ungenau sind. Ich gehe von einem Fehler bis zu Faktor zehn aus. Und wir haben nicht einmal Vergleichbarkeit zwischen Ländern, weil überall nach verschiedenen Kriterien gemessen wird.

Eigentlich sollten langsam genug Daten weltweit zur Verfügung stehen, dass man die realen Zahlen sehr viel genauer schätzen könnte, als die „offiziellen“ Zahlen. Ich meine nicht eine „ad-hoc“-Schätzung, sondern eine Schätzung durch ein kompetentes Team aufgrund von vielen Daten und unter Verwendung von viel Rechenleistung.

Aber egal wie ungenau die Daten sind, wenn man sie als intensive Größe versteht, sind sie schon viel sinnvoller als die Absurdität, mit absoluten Zahlen und verschieden großen Systemen (Staaten) Karten und Tabellen zu füllen. Und bitte klar dazuschreiben, was für Zahlen man darstellt. Auch wenn „Mathe“ nicht das Lieblingsfach war.

Und es lohnt sich, interessante und gut ausgearbeitete Ideen aus einem Fachgebiet zu abstrahieren und auf ein völlig anderes Fachgebiet anzuwenden. Wir haben z.B. die Entropie aus der Thermodynamik in die Informationstheorie übernommen. Das ist nicht dasselbe, aber es die abstrakten Ideen sind doch ähnlich genug, dass man sogar dasselbe Wort verwendet.

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Corona-Virus und Verkehr

Wegen der vom Corona-Virus ausgelösten COVID-19-Krankheit wird auch der Verkehr vorübergehend mit einem zusätzlichen schwerwiegenden Problem konfrontiert. Die öffentlichen Verkehrsmittel, die wir uns so sehr wünschen, sind jetzt auch potentiell Orte der Ansteckung. Vor allem bei der normalerweise wünschenswerten guten Auslastung.

Die Slowakei und die Tschechische Republik haben deshalb den Bahnverkehr weitgehend oder ganz eingestellt.

Mir gefällt aber viel besser, was die Schweiz macht.

Dort fuhren bis jetzt fast alle regulären Züge im Inland. Nur rein touristische Angebote und Gruppenreisen werden abgesagt. Züge in die Nachbarländer fallen teilweise aus oder haben einen verkürzten Laufweg. Grundsätzlich muss man mit Änderungen rechnen und es wird vielleicht auch bald Ausfälle geben, weil Bahnpersonal krank ist. Und es wird darum gebeten, von vermeidbaren Fahrten abzusehen und Arbeitswege möglichst nicht in die Hauptverkehrszeit zu legen. Zusammen mit den Bestrebungen, Homeoffice zu machen, ist das hilfreich. Die Züge sind weniger voll, gerade weil das volle Programm gefahren wird und sich die Leute mit größerem Abstand setzen können, was Schweizer sowieso soweit wie möglich tun, aber jetzt natürlich noch systematischer. Nun wird auch in der Schweiz das Angebot reduziert.

In Linienbussen ist der Bereich in der Nähe des Fahrers abgesperrt, man kann bei ihm keine Fahrkarten kaufen und die vordere Tür darf nicht benutzt werden. Warum wird der Busfahrer besser geschützt als die Fahrgäste? Das hat einen sehr einfachen Grund. Als Busfahrer ist man den ganzen Tag im Bus. Innerhalb kürzester Zeit wären also sämtliche Busfahrer krank. Als Fahrgast fährt man nur eine kurze Strecke und die Chance, dass man sich nicht ansteckt ist größer. Wenn der krankheitsbeddingte Ausfall von Fahrern verzögert und vermieden werden kann, kann man weiterhin das maximale Platzangebot haben und damit den Fahrgästen ermöglichen, mehr Abstand zu halten.

Dass fast alle auf Autos umsteigen, ist keine wirkliche Option. Dann würde zur Hauptverkehrszeit der Verkehr völlig zusammenbrechen. Außerdem haben viele Haushalte in der Schweiz gar kein Auto, meiner eingerechnet.

Fahrräder sind platzeffizienter und wirklich in der jetzigen Situation hilfreich. Soweit es die Wege zulassen, sollte man sie also mit dem Fahrrad zurücklegen.

Und es gelten natürlich die Empfehlungen des BAG.

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