Verkehrswegeausbau und Verkehrswende

Viele haben es schon gemerkt, dass wir an einer Verkehrswende nicht vorbeikommen.

Einige stellen sich darunter vor, dass man dank üppigen Subventionen genauso dicke und schnelle Autos wie heute, nur mit Elektroantrieb kaufen wird und dann weiter so viel rasen kann und dann ist es umweltfreundlich. Durch administrative Maßnahmen wird sichergestellt, dass der ganze Strombedarf, einschließlich des zusätzlichen Strombedarfs für die Elektroautos, aus erneuerbaren Energien stammt und ungefähr so viel kostet wie heute.

Wir müssen aber beim Realitätscheck feststellen, dass der Kernenergieausstieg wirklich forciert wird und die Braunkohlekraftwerke immer noch nicht abgeschaltet sind. Deren versprochene Abschaltung liegt in der fernen Zukunft und basiert auf vagen Hoffnungen, dass man dann genug Strom für den Bedarf inklusive Autos hinbekommt.

Realistisch gesehen bedeutet aber Verkehrswende, dass man beim Flugverkehr und beim Autoverkehr kein Wachstum mehr haben sollte, eher einen Rückgang zugunsten von Fahrrad, Bahn und ÖPNV. Das heißt, neuen Straßen, die nur für Autos sind, brauchen wir sicher nicht mehr zu bauen. Neue Straßen sollten keine Fahrradverbote haben, sondern für alle Straßenverkehrsmittel oder nur für Fahrräder oder ÖPNV gebaut sein. Das hätte man schon in den 50er und 60er Jahren wissen können. Aber seit fast hundert Jahren hat man einseitig in Straßenbau und speziell Autoförderung investiert, mit einer gewissen Renaissance von Bahn und ÖV etwa ab den 80er Jahren, je nach Region etwas früher oder später. Nun konnte man in den 50er und 60er Jahren unkompliziert und billig bauen. Heutige Projekte müssen Naturschutzgebiete berücksichtigen, Lärmschutz und Bürgerinitiativen, die sich speziell gegen Bahnprojekte stark machen. Man muss also viel länger planen und bauen und dann kostet es auch ein Vielfaches.

Für die Verkehrswende wäre es sinnvoll, wenn man beim Bau von echten kreuzungsfreien Radschnellwegen und neuen Bahnstrecken einmal berechnet, was dieses Projekt unter den Bedingungen der 50er und 60er Jahre gekostet hätte. Die Differenz bei den Baukosten für gleichen Ausbaustandard mit mehr Tunneln und Brücken kann man durch eine flächendeckende Maut für Autos auf allen Straßen finanzieren. So eine flächendeckende Maut ist heute ohne weiteres machbar. Die Schweiz hat seit vielen Jahren eine Mautlösung für Lkw im Einsatz, die das ganze Straßennetz abdeckt und von der man nie etwas gehört hat. Sie muss also ziemlich problemlos funktionieren und immer funktioniert haben. Mit heutiger IT kann man das auch für Lkw und Pkw in einem größeren Land flächendeckend einführen.

Es ist sinnvoll, dass Benzinautos für die Fahrt mehr bezahlen als Elektroautos, aber es ist nicht sinnvoll, dass die Elektroautos gratis fahren und z.B. Züge für die Streckenbenutzung etwas bezahlen müssen. Von daher brauchen wir möglichst bald eine Kombination aus Maut und Mineralölsteuer.

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