Chemie in Garten und Landwirtschaft

Vielen von uns ist es unsympathisch, Chemikalien im Garten oder in der Landwirtschaft einzusetzen und es ist auch gut, dies zu hinterfragen.

Nun ist aber die Frage, was „natürlich“ und was „chemisch“ ist. Alle Chemikalien sind grob gesagt durch Stofftrennung, chemische Reaktionen und vielleicht Mischung aus natürlich vorkommenden Rohstoffen hergestellt worden. Andere als natürlich vorkommende Rohstoffe haben wir gar nicht zur Verfügung. Umgekehrt besteht ein „Bio-Ei“ auch genau wie jede Chemikalie aus Atomen und Molekülen und wenn man es kocht, finden chemische Reaktionen statt. Wird es dadurch zum Chemie-Ei?

Eier, Fleisch, Gemüse, Obst und vieles andere kann die Industrie nicht herstellen. Man kann sagen, dass sie es heute nicht kann oder dass sie es nie wirklich können wird, aber es wird meines Wissens z.B. daran gearbeitet, z.B. synthetisches und vielleicht damit sogar vegetarisches Fleisch herzustellen…

Aber Pflanzen brauchen gewisse Mineralien. Die sind im Boden vorhanden und werden von Pflanzen, die vorher dort wuchsen, freigegebenen, wenn man sie kompostiert, am Ort belässt, unterpflügt oder verbrennt und die Asche am Ort belässt. Das reicht aber von der Menge nicht für die heutige Weltbevölkerung aus, man muss also zusätzlich düngen. Nun kann man sich für den eigenen Garten Guano leisten. Das kostet zwar viel Geld, aber die Mengen, die man braucht, sind nicht so endlos groß und es macht vielen Leuten Spaß, ihren eigenen Garten so zu pflegen. Die Inhaltsstoffe davon, die von den Pflanzen benötigt werden, kann die Industrie aber sehr wohl in Form von Kunstdünger herstellen. Egal ob Kunstdünger, Guano oder das, was man so aus der Tierhaltung auf das Feld bringt, ist es wichtig, die Dosierung nicht zu hoch zu wählen und den Dünger zu einer Zeit auszubringen, in der die Pflanzen ihn tatsächlich aufnehmen. Sonst landet er im Grundwasser und Gewässern und führt zu ernsthafter Verschmutzung, weil zu große Mengen Dünger Trinkwasser ungenießbar machen und das natürliche Gleichgewicht in Gewässern massiv stören, im Extremfall verwandeln sich Gewässer durch Eutrophierung in stinkende Kloaken, weil das Wachstum von Wasserpflanzen und Algen beschleunigt wird, aber die Prozesse zum aeroben Abbau dieser Biomasse nicht genug Sauerstoff im Wasser finden. Zwar haben die Pflanzen ja Sauerstoff produziert, als sie gewachsen sind, aber dieser ist in dieser Menge nicht im Wasser lösbar.

Ist es nun umweltfreundlicher, wenn man „natürlichen“ Dünger, von dem es ohnehin nur begrenzt viel gibt, um die halbe Erde transportiert oder wenn man diesen aus Mineralien, Erdgas und Luft gewinnt, was auch mit Transporten verbunden ist? Das ist nicht einfach zu beantworten, ohne genauere Analysen. Solange es einen kleinen Teil der Hobbygärtner betrifft, die dadurch mehr Spaß an ihrem eigenen Gemüse haben, fällt das ohnehin nicht ins Gewicht. Und die Masse der Landwirtschaft ist auf Kunstdünger angewiesen, um die heutigen Mengen liefern zu können.

Kritischer sind Gifte. Man kann sie gegen allerlei Schädlinge, aber auch gegen Unkraut einsetzen. Im Extremfall züchtet man Pflanzen, die speziell immun gegen ein starkes Gift sind und spritzt genau dieses Gift auf den Acker. Diese Gifte sind in vielen Fällen auch für uns gefährlich. Solange man besonders gefährliche Gifte meidet, sie zum richtigen Zeitpunkt anwendet und in der richtigen Dosierung, ist das wohl nicht so kritisch. Die meisten von uns essen ihr Leben lang auf diese Art angebaute Produkte und die Lebenserwartung ist heute trotz dieser Gifte nicht so schlecht. Vielleicht könnte es noch besser sein. Aber das ist nicht alles. Wir schädigen durch die Gifte möglicherweise die Natur und die Böden langfristig. Man hört vom Bienensterben, das wohl hauptsächlich durch die Varromilbe verursacht wird, aber gelegentlich werden Pestizide auch als ein weiterer Faktor vermutet. Diese Thematik sollte man also im Auge behalten und den Gifteinsatz so gering wie möglich halten und gegebenenfalls besonders gefährliche Substanzen ersetzen, wo das möglich ist.

Interessant ist, dass man anscheinend das Pflügen teilweise durch den Einsatz von Chemikalien einsparen kann. Das Pflügen ist ein sehr energieintensiver Vorgang. Außerdem fördert es wohl die Erosion des Ackerbodens, was ein Faktor zu sein scheint, den man nicht vernachlässigen sollte. Deshalb sollte man auch hier statt des Reflexes, dass Chemie böse ist, abwägen, was weniger schädlich ist.

Ich weiß die Antworten auf viele dieser Fragen nicht, aber man sollte sie wissenschaftlich fundiert beantworten.

Wir haben sicher in einem Teil der Landwirtschaft biologische Landwirtschaft, die für sich diese Fragen auf etwas andere Weise beantwortet als der Rest der Landwirtschaft. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, dass hier mit verschiedenen Methoden und Philosophien experimentiert wird und es ist zu hoffen, dass gute Ideen aus der „biologischen Landwirtschaft“ auch bei den restlichen Bauern Einzug halten.

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