In der Ukraine erlebt man wegen des Überfalls der russischen Faschisten auf das Land heute, dass das Stromsystem meistens, aber nicht immer zuverlässig funktioniert. So kommt es zu Stromausfällen von ein paar Stunden oder sogar ein paar Tagen. Es ist übrigens eine große Leistung, dass das Stromsystem wirklich trotz allem die allermeiste Zeit funktioniert.
Was ich gesehen habe, um damit als Privathaushalt umzugehen:
- Akkuspeicher („Powerstation“), um die nötigsten Geräte weiterbetreiben zu können
- Diesel oder Benzingenerator für kurzzeitigen Spitzenbedarf oder das Aufladen der Akkus
- Akkulampen zusätzlich zu den normalen Lampen
- Wasser in Eimern und Flaschen, da mit dem Strom auch das Wasser ausfallen kann
- Wer kann und ein Einfamlienhaus hat, baut sich zusätzlich Solarzellen aufs Dach
Diese Kombination ergänzt sich gut. Solar bringt bei gutem Tageslicht Strom, man kann die Akkus aufladen und ev. energieintensive Vorgänge laufen lassen und spart Treibstoff für den Generator.
Was kann man daraus für die deutsche Energiewende lernen? Zum einen wird im kleinen genau das gemacht, was man in Deutschland „zentral“ machen möchte, also Solarenergie und Windenergie plus Speicher (Akku, Pumpspeicher) für kurzzeitige Speicherung plus Verbrennungskraftwerke für „Dunkelflauten“ und vor allem auch ein Anreiz, den Stromverbrauch in die Zeiten zu verschieben, in denen Strom im Überfluss da ist.
Die bekannte Problematik ist, dass es für Dunkelflauten nur diffuse Ideen gibt:
- Einfach Gas-/Kohle- und Ölkraftwerke als Backup vorhalten und die Menge, die man dann emittiert, „macht den Kohl nicht fett“
- Mit Elektrolyse grünen Wasserstoff herstellen und damit die Backupkraftwerke betreiben
- So viel von der Kurzzeitspeicherung mit Akkus und Pumpspeicherwerken, die wirklich lösbar ist, reden, bis suggeriert wird, dass die Langzeitspeicherung irgendwie auch gehen wird, was mit dem derzeitigen Stand der Technik nicht der Fall ist.
- Gigantische Überkapazitäten bauen, damit es auch bei wenig Wind und wenig Sonne noch ansatzweise genug Strom gibt.
- Hoffen, dass Wind, Solar und ein europaweites Hochspannungsnetz jede Dunkelflaute auffangen können.
- Einfach den Strom in Dunkelflautenzeiten verknappen und teuer machen, wenn halt mal eine Dunkelflaute nicht kompensiert werden kann.
- Hoffen auf eine „Wundertechnologie“, die das Problem der Langzeitspeicherung löst und bezahlbar ist.
- Unter denjenigen, die Klimaschutz wollen und Kernenergie für eine mögliche Option halten, ein Anteil von Kernenergie am Gesamtmix. Das entschärft das ganze System.
Nun kann man aber auch paranoid sein und glauben, dass es nicht gelingen wird, mit der Energiewende dauerhaft ein stabiles System zu bauen. Sei es aus der Befürchtung heraus, dass das System so nicht mehr stabil ist, sei es aus der Erfahrung,wenn dies tatsächlich so eintrifft, werden die Menschen sich überlegen, genau in die oben beschriebenen Lösungen zu investieren, also eigenen Solarzellen, wenn man ein Haus hat, eigene Akkuspeicher sowieso, ein kleiner Notstromgenerator, der nicht elektrisch, sondern mit Benzin oder Diesel oder Gas angetrieben wird und ganz harmlos ein paar Akkulampen.
Die Frage ist nun, wie umwelt- und klimafreundlich sind tausende kleine Nostromaggregate im Betrieb? In der Ukraine kann man sich diese Frage nicht leisten, weil man mit dem Umständen einen funktionierenden Haushalt haben möchte. Aber ich denke, dass es der Energiewende gut täte, wenn man nicht Millionen kleiner Notstromaggregate braucht, um die Dunkelflauten zu überbrücken. Dass man sie braucht, um lebenswichtige Infrastruktur betreiben zu können, wenn der Strom ausfällt, ist selbstverständlich und war „schon immer“ so, das ist aber vom Gesamtvolumen nur wenig und spielt auch für Klima- und Umweltschutz keine große Rolle.