Gepäckversand

Irgendwann einmal konnte man mit bei der Bahn „Gepäck aufgeben“, man brachte es zum Bahnhof und erhielt es am Zielbahnhof zurück. Meistens war die Reisezeit des Gepäcks etwas länger als die eigene, so dass man es etwas vor der Reise aufgeben musste. Das funktionierte auch zu kleineren Bahnhöfen, die ja immer „besetzt“ waren und international innerhalb von Europa, wobei Europa möglicherweise nicht alle Länder des Kontinents umfasste, aber viele… Es ging auch mit Fahrrädern…

Den Service braucht man nicht sehr oft, er ist personalintensiv und lebt davon, dass man in jedem Bahnhof besetzte Schalter hat.

Nun hat man diesen Service in drei Ländern auf verschiedene Art weiterentwickelt. Ich nehme Deutschland, Schweden und die Schweiz.

Ein Problem war und ist in vielen Ländern, dass ein großer Teil der Züge oder alle Züge keine Fahrräder mitnehmen. Da konnte man das Problem mit dem „Aufgeben“ des Fahrrads lösen. Für einige Leute ist es schwierig, das eigene Gepäck beim Zugfahren mitzuschleppen. Oder nur unbequem. Für die Zielgruppe, die einem dabei als erstes einfällt, Rentner, ist eine bessere Lösung, das Gepäck zu Hause abzuholen, was zumindest in Deutschland gegen Aufpreis auch möglich war. Das mit der Bequemlichkeit hat sich etwas relativiert, weil heute fast alle Koffer Rollen haben. Ein weiterer Anwendungsfall ist, dass man sehr viel Gepäck hat und nicht alles auf einmal selber mitnehmen kann.

In der Schweiz hat man in fast allen Zügen die Möglichkeit Fahrräder mitzunehmen. Der Service des „Aufgebens“ für Fahrräder und auch Gepäck von Bahnhof zu Bahnhof ist aber so geblieben. International geht weniger, weil die anderen Bahnen nicht mehr mitmachen und natürlich gehen nur noch größere Bahnhöfe. Soweit ich gesehen habe, behandeln die Schweizer Eisenbahner das aufgegebene Gut einigermaßen pfleglich.

In Schweden ist es tief in der Seele des Eisenbahners verankert, dass man natürlich keine Fahrräder mitnehmen darf. Früher, also z.B. 1984, war der Service des „Aufgebens“ aber zur Perfektion getrieben. Ich kam ca. 5-10 min vor der Abfahrt des Zuges im Bahnhof an, gab das Fahrrad auf und nahm es am entsprechenden Ort im Zielbahnhof direkt nach meiner Ankunft wieder in Empfang. Die waren genauso schnell wie ich und es fuhr im selben Zug mit. Und war hinterher noch fahrfähig.

16 Jahre später war es so, dass man zum Aufgeben der Fahrräder irgendwo ins Industriegebiet musste. Die Fahrräder waren deutlich länger unterwegs, wurden auf völlig anderen Wegen transportiert und benötigten am Ende etwa dreistellige Beträge pro Fahrrad für die Reparatur. Man sagte mir, so ein Speichenbruch oder so etwas sei normal beim Transport und nur bei Rahmenbruch könne man reklamieren. Fahrräder im selben Zug mitzunehmen geht in Schweden in manchen Nahverkehrsnetzen und in manchen norwegischen, deutschen und dänischen Zügen, die bis weit nach Schweden hinein unterwegs sind.

In Deutschland ist auch das Thema, Fahrrad im Zug mitzunehmen, sehr viel besser geworden. In den 80er Jahren war es total undenkbar, das ICs Fahrräder mitnehmen, heute ist das normal geworden. Wobei die Nachtzüge eigentlich ein sehr zuverlässiger Zug für Fahrradtransport waren und dort hat es leider eine Reduktion auf ein sehr kleines Kernnetz gegeben. Das „Aufgeben“ wurde irgendwann mal „optimiert“. Es wurde nur noch der eigentlich bequemere Weg des Abholens zu Hause (bzw. am Urlaubsdomizil oder bei der Arbeit) angeboten. Die Gepäckschalter und die örtliche Infrastruktur dazu wurden abgerissen, umgebaut, in Läden umgewandelt oder sonst wie beseitigt. Es wurde an eine externe Firma, „Hermes“, abgegeben. Inzwischen macht Hermes auch Versand zwischen Hermes-Shops. Und Hermes-Shop zu sein ist eine Zusatzeinnahme für Läden, die etwas anderes als Kerngeschäft haben.

Nun kam die Situation, das einmal zu testen, weil ich mehr Gepäckstücke hatte, als ich auf einmal mitnehmen könnte. Beim Hermesshop hatte ich mich erkundigt und es schien alles gut. Beim Bahnhof konnte ich das „Gepäckaufgeben“ buchen. International (nur AT, CH und Südtirol) 50 EUR pro Gepäckstück, was in Ordnung ist. Sie wollten, dass ich den ganzen Tag da bin, da die Abholzeit nur sehr begrenzt steuerbar ist. Gegen Aufpreis kann man sie auf 4 Stunden lange Zeitfenster limitieren. Wenn man Homeoffice machen kann, ist das eine Möglichkeit, sonst kostet es einen Urlaubstag oder man muss Nachbarn haben, die da weiterhelfen. Der Hermes-Paketshop ist ja ein guter Nachbar und dafür prädestiniert.

Am Abend vorher brachte ich ihm das Gepäck, aber er sagte, er müsse das doch noch abklären. Als ich es am nächsten Morgen noch einmal brachte, war klar, dass dieser Weg verschlossen war. Die beste Chance war, noch einmal zu bezahlen. 15 EUR pro Gepäckstück und sie gingen an einen Paketshop in Lörrach mit guter ÖV-Anbindung in der Nähe der Grenze.

Ein paar Tage später suchte ich die Telefonnummer des Shops und man sagte mir, dass man keinen Platz habe und daher Gepäckannahme verweigere. Hermes konnte man anrufen. Es gab ein Menu, durch das man sich hangeln konnte. Am Ende gab es entweder einen Menschen, der nicht zuständig war, weil ich die falschen Menüpunkte gewählt hatte, oder es kam die Ansage, dass ich es doch bitte in den nächsten Tagen noch einmal versuchen wollte. Mit Kreativität hatte ich noch mehr Telefonnummern von Hermes herausgefunden, aber es blieb dabei. Eine Online-Anfrage wurde auch nicht breantwortet.

Am Ende suchte ich andere Hermes-Paketshops mit Google in Lörrach und in der Nähe von Lörrach und es stellte sich heraus, dass einer davon die Gepäckstücke bekommen hatte. Die Kontaktdaten, die ich beim Aufgeben angegeben hatte, waren nicht benutzt worden, um mich darüber zu informieren. Beim Abschicken ist es übrigens auch nicht aufgefallen, was auch schon erstaunlich ist.

Man kann einen guten Service auch kaputt-optimieren. Dass es ein selten benötigter Service ist und dass man zwei große Anwendungsfälle (Fahrrad und Rentner) gelöst hat, verkleinert natürlich das Volumen. Aber es bleibt doch unverständlich, wieso die Kombination, die ich gebraucht hätte, nicht gegen entsprechende Bezahlung angeboten werden konnte. Und wieso die Kommunikation drumherum so schlecht funktioniert hat.

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Stuttgart 21 – Kopfbahnhof 21 – Umstieg 21

Es gibt immer noch Diskussionen bezüglich Stuttgart 21 (Wikipedia) und das ist auch gut so. Gab es früher das Alternativkonzept Kopfbahnhof 21, das heute obsolet ist, weil durch die jahrelange Bautätigkeit Fakten geschaffen worden sind, ist heute ein neues Alternativkonzept Umstieg 21 im Umlauf, das darauf basiert, den Kopfbahnhof wieder in ähnlichem Zustand herzustellen wie vor dem Umbau und die bereits ausgebrochenen Tunnelabschnitte für Busbahnhöfe, Parkplätze und Museen zu nutzen.

Man sollte einmal überlegen, was die Kritikpunkte an dem Projekt sind. Zum einen wird kritisiert, dass es zu teuer sei. Das mag stichhaltig sein oder nicht, aber durch die bereits erbrachten Bauleistungen ist dieses Argument weitgehend obsolet geworden. Der andere, aus meiner Sicht stichhaltigere Kritikpunkt ist, dass der neue Bahnhof mit den nur zweigleisigen Zulaufstrecken und nur acht Bahnsteiggleisen nicht ausreichend Kapazität bietet. Man kennt es von anderen Bahnhöfen mit gleich vielen oder sogar etwas mehr Gleisen, wie z.B. Bern, Hamburg, Köln oder Mannheim, dass der Mangel an Bahnsteiggleisen und Gleisen bei den Zulaufstrecken ein Problem ist, das das System störungsanfälliger macht oder einfach nur zu Einschränkungen im Angebot führt. In Bern will man den Bahnhof erweitern, im viel überfüllteren Hamburg denkt man nur an kleinere Optimierungen.

Die Logik ist einmal abgesehen von Verspätungen, dass man den Fahrplan sehr stark auf die Ausnutzung der knappen Kapazitäten ausrichten muss und nicht darauf, möglichst gute Anschlüsse zu ermöglichen. Außerdem ist es möglich, dass ein Teil der Züge an auswärtige Bahnhöfe ausgelagert werden muss, so dass Anschlüsse nur noch mit Bahnhofswechsel und damit mit großem Zeitverlust möglich sind.

Nun haben Durchgangsgleise naturgemäß eine höhere Kapazität als Stumpfgleise eines Kopfbahnhofs und die Verteilung der Ein- und Ausfahrten auf zwei Seiten des Bahnhofs hilft auch sehr. Aber dass acht Gleise und zweigleisige Zulaufstrecken für Stuttgart ausreichen, um einen guten und stabilen Bahnbetrieb zu machen, ist wohl eine Illusion.

Die Empfehlungen waren schon vorher, entweder die Zulaufstrecken viergleisig auszubauen und den Bahnhof mit zwölf statt acht Gleisen auszustatten oder einen Teil der oberirdischen Gleise des Kopfbahnhofs zu erhalten.

Angesichts des bereits vorhandenen Baufortschritts und der bereits strapazierten Kosten würde ich heute empfehlen, den Durchgangsbahnhof wie geplant fertigzustellen und ergänzend acht Gleise des Kopfbahnhofs für den Regionalverkehr zu erhalten. Die „städtebauliche Dividende“, die ohnehin hoffnungslos überschätzt wurde, könnte man immer noch teilweise in Anspruch nehmen. Es ließen sich Teile des Bahnhofs und des Gleisfelds nutzen. Man könnte die Zulaufstrecken zu den verbleibenden Kopfbahnhofsgleisen auch einhausen und dann überbauen, wenn Bedarf nach weiteren Flächen besteht.

In diesem Szenario hat der neue Durchgangsbahnhof durchaus Vorteile, weil er für die Fernzüge und einen Teil der Regionalzüge den zeitlich und betrieblich aufwändigen Fahrtrichtungswechsel überflüssig macht und weil er in einigen Relationen Fahrzeitgewinne ermöglicht. Man sollte diese nicht überbewerten. Stuttgart 21 kostet etwa so viel wie die Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm und bringt nur einen Bruchteil der Fahrzeitersparnis. Aber es bleibt doch eine potentielle Verbesserung, die man mitnehmen und nicht wie bei „Umstieg 21“ wegwerfen sollte.

Wichtig ist, dass es einen zentralen Umsteigebahnhof gibt, an dem fast alle Züge im Raum Stuttgart halten, um möglichst gute Anschlüsse und Umsteigeverbindungen in alle Richtungen zu ermöglichen.

Bezüglich der Strecke nach Horb sollte man sich überlegen, diese direkter zu bauen und nicht über den spitzwinkligen Umweg über den Flughafen. Eine Ausfädelung im Süden des Fildertunnels und eine kurze Verbindungsstrecke nach Süden würde das gewährleisten. Die Strecke nach Horb und Zürich soll ja auch beschleunigt werden…

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Güterzug-NBS Köln – Mainz

Die meisten längeren Bahnstrecken in Deutschland und auch in den meisten anderen Ländern Europas entstanden vor dem ersten Weltkrieg. Abgesehen von dem nördlichen Teil der Vogelfluglinie und einigen kurzen Neubaustrecken für die S-Bahn sind nach dem zweiten Weltkrieg bis etwa 1990 kaum neue Bahnstrecken in Betrieb genommen worden und man fährt noch im wesentlichen auf dem Netz des 19. Jahrhunderts. In den letzten 25 Jahren sind natürlich einige Hochgeschwindigkeitsstrecken fertiggestellt worden (Hannover – Würzburg, Mannheim – Stuttgart, Frankfurt – Köln, Wolfsburg – Berlin, Nürnberg – Ingolstadt, Nürnberg – Erfurt – Leipzig).

Das mit den Strecken aus dem 19. Jahrhundert muss nicht so schlecht sein, wie es klingt, denn man hat die Strecken damals teilweise schon sehr zukunftsträchtig trassiert, soweit es das Gelände ohne großen Mehraufwand erlaubte, und man hat sie im Laufe der Jahrzehnte immer wieder modernisiert. So waren schon in den 70er Jahren einzelne Strecken dieser alten Strecken für 200 km/h ausgebaut und der Ausbau für 160 km/h war bei elektrifizierten Strecken, die nicht speziell kurvig waren, quasi der Standard.

Weil wir die Bahn als Reisende benutzen, neigen wir dazu zu übersehen, dass auch der Güterverkehr ein wichtiger Bereich des Bahnverkehrs ist. Im Verhältnis hat der Reiseverkehr wohl an Bedeutung gewonnen und vor allem werden im Güterverkehr weniger Punkte angefahren, aber auf den großen Entfernungen spielen Güterzüge eine große Rolle und auf manchen Strecken machen sie sogar den Großteil des Verkehrs aus, zum Beispiel zwischen Karlsruhe und Basel oder allgemeiner zwischen der Schweiz und den Nordseehäfen, womit vor allem Rotterdam und dann Antwerpen und Hamburg gemeint sind.

Nun hat man etwa die Verbindung von Rotterdam bis Basel mit zwei Ausnahmen mindestens viergleisig ausgebaut. Der betreffende Abschnitt zwischen Karlsruhe und Basel fehlt noch, wobei eine Umleitungsstrecke und damit ein zweites Gleispaar auf der französischen Seite weitgehend existiert, aber nur begrenzt nutzbar ist und sicher nicht für den gesamten Bedarf auf dieser Verbindung ausreicht. Zwischen Duisburg und der niederländischen Grenze bei Arnheim wird die Strecke gerade dreigleisig ausgebaut. Auf die etwas weniger wichtige Anbindung von Hamburg und Antwerpen gehe ich hier nicht weiter ein.

Zwischen Karlsruhe und Duisburg gibt es eigentlich immer mindestens sechs Gleise.

Etwa seit den 80er Jahren hat man längere Strecken für den Fernverkehr neu gebaut. Diese waren meistens für eine Geschwindigkeit von 250, 280 oder 300 km/h ausgebaut und erlaubten sowohl schnellen Reisezügen (z.B. ICE) als auch nachts Güterzügen dort zu fahren. Diese gemeinsame Nutzung macht den Bau erheblich teurer, weil Güterzüge schlecht Steigungen bewältigen können und weil man die Kurvenradien sehr groß machen muss, damit die Überhöhung der äußeren Schiene in der Kurve sowohl bei 250 km/h (oder mehr) als auch bei 100 km/h passend ist und zu große seitliche Kräfte vermieden werden können. Das erfordert mehr Tunnel und Brücken als eine reine ICE-Strecke, wie zwischen Frankfurt und Köln. Ob diese Entscheidung richtig war oder ob es besser gewesen wäre, nur für den ICE (und ähnliche Züge) zu bauen, sei dahingestellt. Es scheint, dass der Unterschied in den Baukosten bei etwa 30 % liegt und man gewinnt wirklich neue Kapazitäten und auch kürzere und eventuell steigungsärmere Verbindungen für den Güterverkehr.

Nun ist zwischen Frankfurt und Köln auch eine Neubaustrecke gebaut worden, die nur für ICEs nutzbar ist. Da diese Strecke nicht nur etwa 1-2 Male pro Stunde befahren wird, sondern eher 4-6 Male pro Stunde, ist diese Entscheidung sicher sinnvoll gewesen. Außerdem gibt es drei Strecken für den Güterverkehr auf beiden Seiten des Rheins und über Siegen, wobei die beiden Rheinstrecken auch noch flach sind, aber natürlich einen größeren Umweg bedingen.

Da das Rheintal von Offenburg bis Rotterdam auch relativ dicht besiedelt ist, werden diese Strecken auch für verschiedene Züge im Personenverkehr intensiv genutzt. Es fährt sogar trotz der parallel laufenden Hochgeschwindigkeitsstrecke noch stündlich ein IC, um Bonn, Koblenz und Mainz anzubinden. Es wäre sicher interessant gewesen, zumindest die linksrheinische Strecke etwas auszubauen, insbesondere bei längeren Rheinschleifen Tunnel zu bauen, die diese abkürzen.

Aber wie es aussieht, gibt es nun ein Projekt, um eine Neubaustrecke von Mainz nach Köln zu bauen, die primär für den Güterverkehr sein soll. Das ist als „weiterer Bedarf“ eingestuft worden, also unklar, ob und wann es gebaut wird.

Diese Strecke soll etwas westlich der Schnellfahrstrecke verlaufen und Anbindungen südlich an die Rheinstrecke bei Andernach und Koblenz haben. Sollte man sie für 200 km/h oder auch nur für 160 km/h oder 180 km/h ausbauen, wäre schon die Verbindung für die ICs von Koblenz nach Mainz über diese neue Strecke schneller als über die Bestandsstrecke. Eine Nutzung mit Reisezügen macht es aber erforderlich, alle längeren Tunnel mit zwei getrennten Röhren zu bauen, was wohl bei einer reinen Güterzugstrecke vermeidbar ist. Und es stellt sich wieder die Frage der Kurvenradien, die bei einer reinen Güterzugstrecke, die nur für 120 km/h ausgebaut werden muss, kleiner sein können. Da auf diesem Abschnitt sehr viele Güterzüge unterwegs sind, müsste man wohl die Strecke zwischen Koblenz und Mainz zumindest abschnittsweise dreigleisig ausbauen, damit genügend Kapazität für Güterzüge und ICs vorhanden ist, wenn man wirklich den größten Teil des Güterverkehrs auf diese neue Strecke verlagern möchte. Nördlich von Koblenz würde man die Strecke wahrscheinlich ohnehin nur für den Güterverkehr nutzen.

Koblenz ist ein relativ wichtiger Bahnknotenpunkt, weil dort die Moselstrecke angebunden ist, die nach Frankreich, Luxemburg, ins westliche Rheinland-Pfalz und ins Saarland führt. Deshalb sollten dort auch weiterhin mindestens stündlich ICs halten und es ist auch sinnvoll, eine Anbindung an eine mögliche Güterzugstrecke zu bauen. Von Koblenz nach Norden weitet sich das Rheintal auf und die vorhandenen Strecken sind weniger kurvig und auch weitgehend für 160 km/h ausgebaut. Hier stellt sich nur die Frage, ob man die Strecken von Bonn Hbf und von Bonn Beuel bis Köln dreigleisig oder viergleisig ausbauen sollte, weil es auf diesem Abschnitt sehr viel Regionalverkehr gibt.

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Vogelfluglinie

Es soll ein neuer Tunnel unter dem Fehmarnbelt gebaut werden, der sowohl einen Straßen- als auch einen Schienenanteil enthält.

Zum Straßenanteil möchte ich hier ausdrücklich schreiben, dass ich den Ansatz, Straßen nur für den motorisierten Individualverkehr zu bauen, als Anachronismus ablehne und das gilt ausdrücklich auch in diesem Fall.  Es wäre die bei weitem sinnvollste Lösung, wie beim Ärmelkanal nur einen Bahntunnel zu bauen.  Wenn es einen Straßentunnel geben sollte, dann sollte dieser nicht das umweltfreundlichste Straßenverkehrsmittel ausschließen, also für Radfahrer geöffnet sein.  Wenn das zu gefährlich ist, dann ist es das wegen der Autos der Fall. Die einzige sinnvolle Konsequenz wäre also ein Autoverbot und nicht ein Fahrradverbot.  Dasselbe gilt auch für die Zulaufstrecken, wo man auf dänischer Seite noch keine ernsthafte für Radfahrer freigegebene Straße nach Rødby gebaut hat.  Auf der deutschen Seite wurden übrigens Straßen, die gemeinsam für Radfahrer und Autos nutzbar waren, in Fahrradverbotsstraßen umgewandelt und damit ersatzlos für den modernen nichtmotorisierten Verkehr gestrichen, mit Umleitungsstrecken, die nicht ausgeschildert sind und riesige Umwege, zusätzliche Steigungen, Ampeln und andere Hindernisse beinhalten, um den Autoverkauf durch gezielte Behinderung und Verhinderung des Fahrradverkehrs zu fördern.  In diesem Sinne bleibt die Forderung bestehen, das Straßenkonzept für die Fehmarnbeltquerung besser vor oder spätestens nach der Inbetriebnahme noch einmal zu überdenken und an die Bedürfnisse moderner umweltfreundlicher Verkehrsmittel anzupassen.

Zum Schienenteil ist grundsätzlich nichts einzuwenden.  Ein zweigleisiger Bahntunnel stellt eine effiziente Nutzung des teuren Tunnelbaus dar, das Unfallrisiko ist bei einem Bahntunnel verhältnismäßig niedrig und er ist wegen elektrischer Züge auch in Bezug auf die Frischluft unproblematischer als ein Straßentunnel mit motorisierten Fahrzeugen.  Interessant ist hier vor allem die Bahnanbindung auf beiden Seiten.

Der Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Dänemark besagt, dass die Bahnverbindungen beiderseits zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren sind. Ausgenommen sind nur zwei Brücken, die eingleisig bleiben dürfen. Die entsprechende dänische Brücke soll nun aber doch durch einen Neubau für eine moderne zweispurige Nationalstraße und eine zweigleisige Bahnstrecke mit vmax=200 km/h ersetzt werden, weil sie ans Ende ihrer Lebensdauer gekommen ist und den gestiegenen Belastungen durch die neue Vogelfluglinie nicht mehr gewachsen sein soll. Auch für die Fehmarnsundbrücke auf der deutschen Seite wird gesagt, dass sie durch eine zweite parallele Querung ergänzt oder ersetzt werden soll, wobei es noch sehr nebelig ist, was dort kommen soll.

Interessant ist, dass man hier inzwischen auf beiden Seiten mit 200 km/h als Entwurfsgeschwindigkeit plant.  Konkret bedeutet das, dass Abschnitte, die sich für diese Geschwindigkeit grundsätzlich eignen, einem minimalen Ausbau unterzogen werden, um dieses Tempo zu ermöglichen.  Auf der deutschen Seite ist dies etwa für den Abschnitt auf Fehmarn der Fall.  Zwischen Lübeck und Fehmarn wird nun ein weitgehender Neubau geplant.  Es soll Neutrassierungen bei Oldenburg, Großenbrode, und auf dem größten Teil des Weges zwischen Oldenburg und Bad Schwartau geben.  Die längeren neugebauten Abschnitte werden weitgehend oder vollständig für 200 km/h freigegeben sein. Auf der dänischen Seite wird eine Neubaustrecke von Kopenhagen via Køge nach Ringsted gebaut, die sogar für 250 km/h geeignet sein soll und schon recht weit fortgeschritten ist. Von dort wird die Strecke über Vordingborg bis zu dem Tunnel weitgehend oder ganz für 200 km/h ausgebaut. Der Umweg von Køge nach Vordingborg über Ringsted bleibt. Der kürzere Weg über Rønnede würde eine längere Neubaustrecke erfordern. Auch mit diesem Umweg werden sich wohl gute Fahrzeiten erzielen lassen.

Es sollte aber erwähnt werden, dass sich für den Nahverkehr Verschlechterungen ergeben.  Neustadt wird weiterhin angebunden bleiben, obwohl es weit östlich der neuen Strecke liegt, weil hier ein Teil der heutigen Strecke als Stichstrecke von Süden her nach Neustadt erhalten bleiben soll.  Die Anbindung von Neustadt nach Norden, die heute schon wegen des nur nach Süden angebundenen Kopfbahnhofs neben der Hauptstrecke schon suboptimal ist, wird ganz entfallen.  In vielen Fällen werden die Bahnhöfe ersetzt durch Neubauten an der neuen Strecke. Sie rücken dadurch weiter   vom jeweiligen Ortskern ab.  Das bringt für den Lärmschutz Vorteile, weil Güterzüge und Fernverkehr weiter vom Ortskern geführt werden, aber es macht die Nahverkehrshalte wie z.B. Scharbeutz, Timmendorfer Strand, Lensahn, Oldenburg und Großenbrode für den Nahverkehr unattraktiver, weil sie weiter abgelegen positioniert sein werden.  Hier wäre ein Verbesserungsvorschlag, im südlichen Teil die alte Bahnstrecke zwischen Ratekau und Haffkrug als reine Nahverkehrsstrecke eingleisig zu erhalten, falls die Anzahl der Reisenden dafür hoch genug ist.

Eine andere grundsätzlich denkbare Möglichkeit wäre es, von Eutin her die Strecke von Kiel nach Lübeck an die neue Strecke nach Norden und Süden anzubinden. Die Verbindung nach Norden gab es mal, sie war jedoch als Anbindung an die damalige Vogelfluglinie nicht wirklich attraktiv, zumal damals noch eine Fähre von Kiel nach Korsør fuhr, die eine interessante Alternative für die Fahrt von Kiel nach Kopenhagen bot. Mit der neuen schnelleren Vogelfluglinie könnten sich die Verhältnissse ändern.  So könnten auch Züge von Kiel nach Lübeck die schnellere Strecke nutzen und man könnte auch direkte Züge von Kiel nach Dänemark führen und so noch zusätzliches Fahrgastpotential erschließen. Heute hat man die Wahl entweder eine lange Busfahrt von Kiel nach Oldenburg zu wählen oder über Lübeck zu fahren, was die Verbindung von Kiel nach Kopenhagen sehr verlängert. Das mag als Gedanke für die Zukunft gelten.

Interessant ist aber auch die Fortsetzung südlich von Lübeck.  Während heute fast zwingend alle Güterzüge von Skandinavien nach Deutschland Hamburg queren müssen, weil sie über Flensburg geführt werden und sinnvolle weiträumige Umfahrungen fehlen, könnte bei der erwarteten Verlagerung eines großen Teils dieses Verkehrs auf die neue Vogelfluglinie Hamburg leicht östlich umfahren werden.  Hierfür bieten sich die Strecke von Lübeck nach Lüneburg an, die nach ihrer Elektrifizierung und mindestens partiellem zweigleisigem für den Verkehr von Hannover und allem, was südlich davon liegt, eine sinnvolle Abkürzung darstellen würde.  Für den Verkehr in die neuen Bundesländer und nach Bayern wäre auch die Verbindung von Lübeck nach Bad Kleinen denkbar, mit einer Verbindungskurve nach Süden, um an Bad Kleinen vorbei ohne Fahrtrichtungswechsel direkt nach Lübeck zu fahren.  Sie müsste sinnvollerweise vollständig zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Dies steht seit der Wiedervereinigung zusammen mit einem Ausbau für 160 km/h auf der Liste der Projekte zur Deutschen Einheit, wartet aber noch auf die Umsetzung. Der Zeitpunkt dafür ist jetzt wirklich gekommen.

Für den Fernverkehr von Berlin und z.B. Leipzig nach Kopenhagen ist der heute praktizierte Umweg über Hamburg gleich doppelt absurd. Er kostet viel Zeit und verdirbt die Chance, hier schnelle Verbindungen zu schaffen. Außerdem ist Hamburg ein überlasteter Engpass, an dem man einen Teil der Fahrgäste vorbeiführen könnte.  Deshalb wäre es die Empfehlung, direkte Züge von Berlin über Schwerin und Lübeck oder über Büchen und Lübeck nach Kopenhagen zu führen.  Eventuell wären weitere Verbindungen auf der Strecke von Lüneburg nach Lübeck oder von Schwerin nach Lübeck sinnvoll, um etwa von Hannover, Magdeburg, Halle und Leipzig an Hamburg östlich vorbei zu fahren.

Die Empfehlung ist, die Strecke von Lübeck nach Bad Kleinen und Schwerin auf jeden Fall zweigleisig auszubauen und zu elektrifizieren und die Geschwindigkeit soweit mit relativ geringen Anpassungen möglich auf 160 oder besser 200 km/h zu erhöhen.  Die Strecke von Lüneburg nach Lübeck sollte auf jeden Fall auch elektrifiziert werden, um einen Bypass für Hamburg zu haben.  Hier wäre ein zweigleisiger Ausbau sicher nützlich. In einem ersten Schritt könnte ein abschnittsweiser zweigleisiger Ausbau ausreichen.

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EU-Kommission: Deutschland wegen schlechter Luft am Pranger

EU-Kommission Deutschland wegen schlechter Luft am Pranger
(Frankfurter Rundschau 2018-01-31)

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Heise schreibt über Verkehrswende…

Die Verkehrswende beginnt – überall

Es ist auf jeden Fall interessant, darüber etwas zu lesen.

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New Discussions about Rail Connection from Finland to Kirkenes

Deutsch

Some activity can be observed concerning the question of a railroad connection from northern Finland to Kirkenes in Norway.

Such a railroad would start in Rovanienmi or Kemijärvi and go to Ivalo in northern Finland. From there it would pass the Lake Inari (Inarijärvi) either like todays highway in the west or a bit shorter in the east and lead to Kirkenes at the Russian Norwegian border and the Barents Sea.

Kirkenes has a good port that usually remains ice-less throughout the winter because of the Gulf Stream. It is the eastern end point of the Hurtigruten and there is currently the only road crossing the border from Norway to Russia. Kirkenes can currently only be reached from the land side only by road or by the Kirkenes–Bjørnevatn Line, a railroad that connects the port a a mine just 8.5 kilometers south. It is used mainly for transport of iron ore, depending on the activity of the mine and the world market prices of iron ore.

It seems to be reasonable to expand the port of Kirkenes. The new capacities could be offered to Finland and Russia. Discussions of connecting to Nikel (Никель) in Russia have been slowed down by Russia in an effort to support the port of Murmansk (Мурманск). But the project of connecting to Finland, even though about ten times as far, is being seriously considered. This would allow Finland easier access to the world makets, especially for transatlantic trade. In addition the route will gain importance due to the global warming, which is already making the Northeast passage north of Sibiria a more reasonable route to eastern Asia. It is shorter and cheaper than going via the Suez Canal, but the effect of global warming is still not so strong that this has become the main route. If such a rail connection to Finland existed, it would be possible to use Kirkenes also as port for parts of Russian and Central Europe including the Baltic States both to Asia and the Americas, by just using railroad connections between Finland and Russia that already exist. Finland and Russia both use a broad gauge of 1524 mm or 1520 mm, respectively, that is similar enough to allow usage of both gauges by the same freight trains.

The short line near Kirkenes could be converted to broad gauge or to dual gauge or a new track could be built parallel to it. It would be necessary to build about 550 km of track. Probably road transport could profit also, if the shorter route east of Lake Inari were chosen, because it is likely that a highway parallel to the railroad would close the 20 km long gap between the Finnish and Norwegian highway networks east of Lake Inari.

The shorter connection to Skibotn that was discussed earlier, seems to be irrelevant now. Of course, Skibotn does not have a serious port, which would have to be built, possibly causing some resistance and for sure costing a lot of money. The railroad could also be extended to Tromsø, but that would make it longer anyway and I have not heard of easy expansion options of the port of Tromsø.

Sometimes in Finland it is suggested to build a Tunnel from Finland to Estonia as well to connect to Europe. But I do not see this as a requirement, since the potential of freight transport would anyway come mostly from Finland. Other parts of Europe are already today be connected by train via ferries from Estonia to Finland or without ferries via Russia or via Sweden. One break of gauge will be in the route anyway.

Currently a feasibility study concerning the railroad connection from Finland to Kirkenes is being performed. Sometimes the term „Arctic Ocean Line“ is used for this project. I would assume that we are talking about an electrified single track railroad with short double track sections. The decision is supposed to be made in 2019. This inspires discussions like this article. We will see were this will lead. I am in favor of the project.

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Lokale Rekorde

Es ist witzig, wie sich irgendwelche lokalen „Rekorde“ ins Bewusstsein einschleichen. Ich kann mich erinnern, dass in Schleswig-Holstein einmal bekannt war, dass die Rolltreppen zum Fußgänger- und Radfahrertunnel mit einem Höhenunterschied von 28 Metern die längsten in Europa oder sogar in der Welt seien. Zweifel kamen auf, weil zum Beispiel ein Maastunnel in Rotterdam oder ein Scheldetunnel in Antwerpen gefühlt viel längere Rolltreppen hatte, aber das kann täuschen. Schaut man sich genauer um, so findet man aber, dass diese Aussage mit der längsten Rolltreppe Europas einfach absurd falsch ist.

In vielen Orten der ehemaligen Sowjetunion war es üblich, Metrolinien oder zumindest einzelne Stationen sehr tief unter der Erde zu bauen. Offensichtlich hat man diese Technologie beherrscht. Und weder Baukosten noch der höhere Aufwand für die Benutzung haben davor abgeschreckt, gelegentlich so zu bauen. Ob der Grund in instabilen oberflächennahen Schichten lag, wie man im Fall von Sankt Petersburg gelegentlich hört, in der Verwendbarkeit als Schutzraum, wie man z.B. im Fall von Moskau hört, will ich nicht beurteilen. In Moskau soll es gemäß Gerüchten noch ein zweites kleineres Metro-System geben, das noch weit unterhalb der öffentlichen Metro liegt und mit dem die Evakuierung der damaligen sowjetischen Führungselite im Notfall ermöglicht worden wäre.

In Kiew ist das Gelände, auf dem die Stadt steht, so bergig, dass eine Metro diese Höhenunterschiede nicht auf den kurzen Distanzen bewältigen kann. Das ist das einzige Argument, das wirklich zweifelsfrei zutrifft, während es in den anderen Fällen stimmen mag oder nicht. Die zur Zeit tiefste Metrostation der Welt ist Арсенальна (Arsenalna) in Kiew liegt 105.5 Meter unter der Erdoberfläche. Man erreicht sie mit zwei Rolltreppen, von denen die längere mindestens 52 Höhenmeter Unterschied bewältigen muss. Andere Metro-Stationen in Kiew, wie z.B. Золоті ворота (Soloti Worota / Goldenes Tor) liegen auch etwa 100 Meter unter dem Boden, so dass die längere der beiden Rolltreppen mindestens 50 Meter lang sein muss. Es gibt auch ebenerdige Stationen oder solche, die nahe der Oberfläche liegen, was einfach von der Topographie abhängt. Rolltreppen in Metrostationen in Kiew und Sankt Petersburg laufen etwa doppelt so schnell wie man es in westlichen Teilen Europas gewohnt ist. Trotzdem hat man bei den tiefsten Stationen mal um die 5 Minuten allein für die Rolltreppen.

Man sieht also ganz klar, dass diese schönen lokalpatriotischen Rekorde schlicht und einfach erfunden wurden oder von Leuten in Umlauf gesetzt wurden, die nicht ernsthaft recherchiert hatten. Aber jeder hat es geglaubt, es wurde in Schulen unterrichtet u.s.w. Es gibt viele derartige Beispiele. Der „größte Wasserfall in Europa“ befindet sich gemäß vielen Schweizern in Neuhausen. Weniger gebildete Ausländer meinen, dass er in Schaffhausen sei, das direkt daneben liegt. Da Island zu Europa gehört und es dort wesentlich größere Wasserfälle gibt, sollte man darüber noch einmal nachdenken. Der Rheinfall ist ein bekannter Wasserfall, er ist schön und er ist mitten in einem dicht besiedelten Gebiet für viele Menschen leichter zu erreichen als der Dettifoss.

Manchmal gibt es einfach mehrere Methoden zur Ermittlung des Rekords. So kann man mehrere Jahrhundert-Rekordsommer in dichter Folge haben, weil auf verschiedene Arten gemessen wird und für jede Metrik ein anderer Sommer der wärmste ist. Das ändert natürlich nichts daran, dass es eine Klimaerwärmung gibt, die man erkennen kann, wenn man über viele Jahre mit derselben Metrik misst.

Ein anderes interessantes Beispiel war eine Übungsaufgabe, die in einem Institut in einer guten deutschen Universität jedes Jahr gestellt wurde. Die Studenten sollten die Höhe des Institutsgebäudes messen. Man schrieb einfach von älteren Studenten ab und die Assistenten benutzten auch die Musterlösung von vor Jahren zur Korrektur. Dann kam ein neuer Assistent und machte sich die Mühe, alles nachzumessen.

So bekamen nun alle Studenten ohne Ausnahme 0 Punkte statt der vollen Punktzahl, wie sonst immer. Denn die Höhe stimmte nicht. Das war nun natürlich interessant, dass alle jahrelang mit falschen Werten arbeiteten. Die Frage war also, woher das „Gerücht“ kam. Tatsächlich hat jener Assistent das interessant gefunden und recherchiert. So war der herumkopierte Messwert viele Jahre früher völlig korrekt ermittelt worden. Aber man hat dann das Gebäude noch um ein Stockwerk erhöht. Ab da stimmten die Werte nicht mehr, aber es hat niemand daran gedacht oder es hat sogar niemand gemerkt.

Auch in Zeiten von Onkel Donald ist das Konzept der Wahrheit nicht abgeschafft. Aber früher wie heute ist es gut, wenn man selber denkt, gelegentlich Dinge hinterfragt und nicht einfach blind alles glaubt, was einem vorgesetzt wird.

Übrigens ist die Батьківщина-Мати (Mutter der Heimat) in Kiew wesentlich größer als die Statue of Liberty (Freiheitsstatue) in New York. Wer hätte das gedacht?

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Stromschiene oder Oberleitung

Die meisten Bahnstrecken sind mit Oberleitungen elektrifiziert.

Es gibt aber ein zweites System, bei dem meist eine seitliche Stromschiene stattdessen verwendet wird. Im Falle der Londoner Metro (Underground und Overground) gibt es zusätzlich noch eine zweite Stromschiene in der Mitte des Gleises. Solche Systeme werden oft bei Metro-Systemen eingesetzt, die meistens betrieblich vollkommen vom übrigen Bahnverkehr verlaufen und die in der Regel auch auf eigenem Bahnkörper ohne Querungen von Straßen mittels Bahnübergängen gebaut worden sind, ziemlich oft in Tunneln.

Bei S-Bahnen oder S-Bahn-ähnlichen Bahnsystemen gibt es diese Stromschienenlösung auch gelegentlich. Im deutschen Sprachraum ist das konkret in Hamburg und Berlin der Fall. Der Vorteil und gleichzeitig Nachteil ist, dass man die Gleise schlecht von anderen Zügen nutzen kann. Ein Vorteil ist es, weil man dann eher dazu neigt, für die S-Bahn komplett separate Gleise zu bauen, was die Störungsanfälligkeit des Systems verringert und dichte Taktfolgen ohne Einschränkung des normalen sonstigen Bahnverkehrs ermöglicht. Das hat man in Berlin und Hamburg so gemacht. In Frankfurt hatte man jahrzehntelang auf wichtigen Strecken Mischbetrieb von S-Bahn und Fernverkehr mit vielen Verspätungen für beide Verkehrsträger. Es ist aber auch ein Nachteil, weil man dort, wo es tatsächlich vorteilhaft wäre, die Gleise gemeinsam für S-Bahn und anderen Bahnverkehr zu nutzen, Schwierigkeiten bekommt. Es gibt die Möglichkeit, neben der S-Bahn nur mit Dieselzügen dort zu fahren oder ein Gleis doppelt zu elektrifizieren, mit Oberleitung und Stromschiene. Oder man kann auch Züge zu bauen, die wahlweise mit Oberleitung und Stromschiene fahren können, wie dies in Hamburg geschehen ist, um S-Bahnlinien auf wenig befahrenen Strecken ins weitere Umland zu verlängern.

Außerhalb von Deutschland sind mir in London und New York größere Netze bekannt, die mit Stromschiene elektrifiziert sind, wobei dort zum Teil sogar Fernzüge beide Stromversorgungssysteme unterstützen müssen, weil die S-Bahn-Gleise, die nur mit Stromschiene elektrifiziert sind, auch vom Fernverkehr genutzt werden.

Was sind Vorteile der beiden Systeme? Stromschienen sind etwas kostengünstiger als Oberleitungen und man kann etwas kleinere Tunnelquerschnitte befahren. Optisch sind sie weniger sichtbar als Oberleitungen. Oberleitungen erlauben höhere Geschwindigkeiten und bieten mehr Sicherheit gegen versehentliche Berührung bei Bahnübergängen oder auch bei sich illegal im Gleisbereich aufhaltenden Personen.

Konkret stellt sich die Frage gerade bei der Bahnstrecke der AKN von Hamburg-Eidelstedt nach Kaltenkirchen. Diese soll elektrifiziert werden und von einer S-Bahn-Linie befahren werden. Es würde sich in vielerlei Hinsicht die Stromschienenlösung anbieten. Der Grund, trotzdem auf Oberleitung zu setzen, ist wohl das Problem mit den Bahnübergängen. Es gibt zwar Bahnübergänge an S-Bahn-Strecken mit Stromschiene, bei denen auch keine größeren Probleme bekannt sind. Und es ist sowieso sinnvoll Bahnübergänge durch Brücken zu ersetzen. Aber es ist zwar erlaubt, vorhandene Strecken mit Stromschiene und Bahnübergängen zu betreiben, aber bei Neubauten und Neuelektrifizierungen ist das nicht mehr erlaubt. Und die Beseitigung der Bahnübergänge auf dieser Strecke wird noch lange dauern. So wird man wohl mit Oberleitung elektrifizieren, teure Zweisystem-S-Bahnen einsetzen, die es in Hamburg schon gibt, und gewinnt immerhin langfristig die Möglichkeit, dort auch Regionalzüge elektrisch fahren zu lassen, wenn die Verbindung einmal bis Neumünster elektrifiziert worden ist. Trotzdem ist es bedauerlich, dass die Bürokratie hier so eine umständliche Lösung erzwingt. Stattdessen sollte man für eine Übergangszeit neue Bahnübergänge mit Stromschiene als Ausnahme genehmigen und die Bahnübergänge dann natürlich alle mittelfristig beseitigen.

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