Bahnverkehr in Schaffhausen

Da sich in dem Ort, wo ich nun einmal wohne, bezüglich der Bahnanbindung einiges getan hat, schreibe ich darüber einmal, auch wenn die beiden Fahrplanwechsel mit den großen Neuerungen nun schon einen Monat oder sogar ein Jahr zurückliegen.

Der Bahnhof von Schaffhausen selbst hat heute sechs Gleise, wobei eine Erweiterung um einen Bahnsteig für das sechste Gleis erst gut ein Jahr alt ist. Ein zweiter Bahnhof existiert in Herblingen, einem Stadtteil im Osten der Stadt. Dieser liegt fern von allen Wohngebieten mitten in einem Industriegebiet. Im zusammenhängend bebauten Gebiet hat die direkt angrenzende Nachbargemeinde Neuhausen einen weiteren Bahnhof.

Es gibt fünf Bahnstrecken, die auf die Stadt zulaufen. Die deutsche Bahn hat eine Strecke von Basel auf der Nordseite des Rheins über Schaffhausen nach Singen und dann weiter auf dem Nordufer des Bodensees nach Friedrichshafen und Lindau. Diese Strecke ist zwischen Schaffhausen und Singen zweigleisig schon seiten den späten 80er-Jahren elektrifiziert. Dabei ist die Oberleitung und das Lichtraumprofil so angelegt, dass sowohl Loks mit deutschen als auch mit Schweizer Stromabnehmern dort fahren können. So kommen Züge von Zürich nach Stuttgart mit einem Lokwechsel in Singen, wo sich sowieso die Fahrtrichtung ändernt, aus.

Die Strecke von Schaffhausen nach Basel ist auf den westlichen 60 km von Waldshut nach Basel zweigleisig und seit Dezember 2013 auch auf den östlichen 20 km von Schaffhausen nach Erzingen. Dieser 20 km lange Abschnitt ist auch seit 2013 elektrifiziert. Es war eine der letzten Bahnstrecken in der Schweiz, die nicht elektrifiziert war, wahrscheinlich sogar die letzte, wenn man von kurzen Güterzugstrecken und Museumsbahnen absieht.

Nach Süden gibt es zwei Strecken, eine führt über Bülach und westlich am Flughafen vorbei nach Zürich und eine etwas weiter östlich mit relativ vielen Schlangenlinien nach Winterthur. Die Strecke nach Winterthur ist eingleisig, hat aber zwei kurz zweigleisige Abschnitte. Die Strecke nach Zürich ist seit Dezember 2012 auf zwei kurzen Abschnitten zwischen Neuhausen und Jestetten sowie zwischen Rafz und Hüntwangen-Wil zweigleisig und schon lange auf der südlichen Hälfte ab Eglisau. Der Ausbau der beiden zusätzlichen Abschnitte lief unter dem Titel „Anbindung an den Hochgeschwindigkeitsverkehr“, weil zu der Zeit ICE-Züge zwischen Zürich und Stuttgart fuhren, wenn auch nur mit Geschwindigkeiten weit unter 200 km/h. Die sollten die 125 km/h wenigstens auf einer zweigleisigen Strecke fahren, sonst kann man das ja nicht Hochgeschwindigkeitsverkehr nennen. Immerhin ist die Strecke jetzt ausgebaut und es können zwei schnelle Züge pro Stunde zwischen Schaffhausen und Zürich zusätzlich zu den Nahverkehrszügen (hier S-Bahn genannt, auch wenn sie nur stündlich) fahren.

Die letzte Strecke führt am Südufer von Rhein und Bodensee nach Osten. Diese ist eingleisig und wird fast ausschließlich von Nahverkehrszügen befahren, die überall halten, aber das schon seit vielen Jahren in einem sauberen Halbstundentakt.

Mit dem Ausbau ist es jetzt möglich, den Vorortverkehr für Schaffhausen selbst aber auch als Zubringer zu anderen Zügen, vor allem nach Zürich, auszubauen. So sollen in alle Richtungen die S-Bahnen oder Nahverkehrszüge alle halbe Stunde fahren und zur Hauptverkehrszeit alle Viertelstunde. Dass man so etwas wie Vorortverkehr oder S-Bahn-Verkehr für eine Stadt mit nominell etwa 35000 Einwohnern und mit Umgebung immer noch unter 100’000 Einwohnern aufbaut, ist verglichen mit deutschen Städten von dieser Größe schon nicht schlecht. Wenn ich an das ähnlich große Rendsburg denke, so gibt es dort ein paar Eilzüge (heute RegionalExpress genannt), die etwas mehr als stündlich mit relativ wenigen Halten in drei Richtungen fahren. Aber auch dort tut sich etwas und man möchte einige Verbindungen auf Halbstundentakt verdichten und vielleicht sogar eine kurze Strecke wieder in Betrieb nehmen. Aber wenn man in www.sbb.ch die ersten 50 Fahrten nach 6:00 in Schaffhausen und in Rendsburg anschaut, dann sieht man, dass diese in Schaffhausen gerade bis 7:50 reichen und in Rendsburg bis 13:33 reichen. Damit hat Schaffhausen etwa viermal zu viele Zugabfahrten wie Rendsburg. Sogar in Kiel sind die ersten 50 Züge ab 6:00 erst um 8:20 gefahren, dagegen dauert es in Zürich nur 7 Minuten, bis die ersten 50 Züge ab 6:00 gefahren sind. Aber wenn man Karlsruhe anschaut, sind es dort auch nur 33 min. Vielleicht gibt es in Deutschland auch ein Nord-Süd-Gefälle, was Bahnverkehr betrifft und die noch südlichere Schweiz setzt das noch sinngemäß fort? Ob Italien dann noch eine weitere Steigerung ist?

Für den Fernverkehr nach Norden gibt es in Schaffhausen keine Strecke. Man muss je nach Fahrplansituation über Erzingen – Waldshut – Basel, Singen – Stuttgart, Singen – Schwarzwald – Offenburg oder Singen – Friedrichshafen – Ulm fahren. Die Verbindung nach Lindau und auf diesem Weg nach Münster ist anschlussmäßig in den letzten Jahren so schlecht geworden, dass der Weg nach München immer über Ulm führte statt über die direktere Strecke via Lindau.

Eine vage Idee ist es, die fehlenden 80 km auf der Strecke von Schaffhausen nach Basel auch zu elektrifizieren. Eine kleine Besonderheit ist, dass dies zwar die kürzestete und mit einer Stunde Fahrzeit schnellste Verbindung zwischen zwei Schweizer Städten ist, aber nicht nur durch deutsches Gebiet führt, sondern wirklich von der deutschen Bahn gefahren wird. Nun haben viele Bewohner der Schweiz ein Halbtax-Abo, was der BahnCard 50 in Deutschland etwa entspricht, oder ein Generalabonnement, was der BahnCard 100 entspricht, also alle Bahnfahrten (und Tramfahrten und Busfahrten) in der Schweiz für ein ganzes Jahr pauschal bezahlt. Das gilt zwischen Schaffhausen und Basel aber nur, wenn man den 45 min längeren Weg über Zürich nimmt. Gelegentlich liest man davon, dass es Wünsche gibt, auf dieser Strecke auch die Möglichkeit anzubieten mit Schweizer Fahrkarten zu fahren, also Generalabonnement und Halbtax-Abo zu nutzen.

Noch vager ist die Idee, die Strecke von Singen nach Friedrichshafen auf dem Nordufer des Bodensees zu elektrifizieren, während dies für die Strecken von Friedrichshafen nach Ulm und Lindau schon beschlossen ist, wenn es sich auch immer wieder verzögert. Die Strecke von Lindau nach München soll auch komplett elektrifiziert werden, damit IC(E)-Züge von Zürich nach München durchgängig elektrisch fahren können.

Man sieht also, solche Dinge brauchen lange, aber immerhin sind jetzt innerhalb von relativ kurzer Zeit einige Verbesserungen umgesetzt worden.

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