Führerlose Züge

Aufzüge in Gebäuden haben nur selten einen Fahrstuhlführer und fahren automatisch gemäß den Anforderungen der Fahrgäste. Das ist schon seit Jahrzehnten so. Nun ist die Rede davon, dass Autos einmal automatisch gesteuert werden könnten und vielleicht würde damit das Unfallrisiko, dass von diesem Verkehrsmittel ausgeht, etwas verringert. Ob das so bald kommt oder doch noch nicht, sei dahingestellt. Sicher ist, dass es für den Bahnverkehr sehr viel einfacher ist und etliche U-Bahnlinien fahren schon vollautomatisch und führerlos, z.B. in Nürnberg oder in Dubai.

Nun hat es einen Beitrag im SBB-Blog zu diesem Thema gegeben. Dort meint man, dass das kein aktuelles Thema sei. Ein interessanter Teilaspekt ist übrigens in den Kommentaren angesprochen worden. Wenn man Leuten, die sich für den Beruf interessieren und denen bewusst ist, dass führerlose Züge in den nächsten Jahrzehnten einmal kommen könnten, keine Perspektive gibt, was sie dann tun könnten, könnte es knapp werden, genug Lokführer zu finden, an denen im Moment Mangel herrscht. Man kann aber auch die Gegenfrage stellen: In welchem Beruf hat man heute noch einen Perspektive bis zum Ruhestand? Wechsel gehören heute zum Berufsleben dazu.

Die Kondukteure konnte man leichter einsparen, indem man einfach verlangt hat, dass alle Fahrgäste vor dem Betreten des Zuges eine Fahrkarte gekauft haben müssen. Auch diese Umstellung ist in vielen kleinen Schritten erfolgt und hat jahrzehnte gedauert. Zunächst glaubte man noch, dass der Lokführer die Fahrkarten verkaufen müsse, aber seit einigen Jahren ist in Regionalzügen der Automat oder der Fahrkartenschalter oder die Online-Fahrkarte vor der Fahrt zu kaufen und man gewöhnt sich langsam daran.

Wenn Züge führerlos fahren sollen, braucht man größere Investitionen in die Zugsicherung, die Triebfahrzeuge und Steuerwagen. Das lässt sich sicher nachrüsten, aber die Einführung wird eine Weile dauern. Dennoch glaube ich, dass das kommen wird. Zunächst in einfachen Systemen wie U-Bahnen, auf denen die Züge immer dieselbe Strecke fahren und wo sich eine fast lückenlose Absicherung der Strecke durch Bahnsteigtüren in absehbarer Zeit umsetzen lässt. U-Bahnen sind aber auch mitten in der Stadt unterwegs und da hat man die Möglichkeit, relativ schnell Leute zu schicken, die irgendwelche Probleme beheben können. Auf Zügen, die auf Fernverkehrsstrecken unterwegs sind, kann so etwas länger dauern. Zumindest bis vor kurzem sollte ein Lokführer kleinere Reparaturen an der Lok machen können oder zumindest gezielt die richtige Unterstützung anfordern können.

Die richtige Idee könnte sein, dass man Lokführer und Zugbegleiter in einer Person zusammenfasst. Auf bestimmten Abschnitten oder wenn es Probleme gibt, muss diese Person vielleicht im Führerstand anwesend sein, aber sie kann dann während der Fahrt durch den Zug gehen, Fahrkarten kontrollieren und die Fahrgäste beraten. Sobald es nötig ist, kann er oder sie einen Alarm erhalten und zum Führerstand zurückkehren. So stelle ich mir die Zukunft des Lokführerberufs vor. Für diejenigen, die heute Lokführer werden wollen, ist das sogar eine gewisse Perspektive, aber ich kann nichts versprechen und kenne nicht einmal die langfristigen Pläne der verschiedenen Bahnen. Was sicher ist, ist dass verschiedene Bahnen diese Art von Umstellung stark zeitversetzt vornehmen werden. In einem europäischen Arbeitsmarkt wird man nach Erwerb von entsprechenden Sprachkenntnissen also möglicherweise bei einer anderen Bahn weiterarbeiten können. Aber die Bahnen sind nicht primär dafür da, Arbeitsplätze für ihre Mitarbeiter anzubieten, sondern Reise- und Transportmöglichkeiten für die Menschen in ihrem Einzugsgebiet.

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