Häufig wird davon gesprochen, wie billig eine kWh aus Wind- und Solarenergie ist. Wir sollten anerkennen, dass es ein riesiger Erfolg ist, dass diese Technologien sich so weit entwickelt haben, dass man nun relativ kostengünstig damit Strom gewinnen kann, wenn gerade die Sonne scheint oder der Wind weht.
Gehen wir einmal davon aus, dass eine kWh aus Wind- und Solarenergie einen Preis
hat und eine kWh aus Kernenergie einen Preis
mit
.
Dieser Vergleich ist aber etwas irreführend. Um mit Solar- und Windenergie dasselbe Ergebnis zu erzielen muss man zusätzlich zu den Windturbinen und Solarparks noch etwas haben:
- ein sehr viel teureres Netz
- Speicher für minuten- oder stundenweise Speicherung
- Backupkraftwerke für 100% des Bedarfs für längere Perioden mit wenig Sonne und wenig Wind
- Eine installierte Leistung an Solarenergie und Windenergie, die eine vollständige Versorgung mit Wind alleine und Solarenergie alleine ermöglicht, wenn nur eine der beiden Wetterbedingungen erfüllt ist.
- Ggf. Elekrolysoren für „grünen Wasserstoff“ (
) oder „E-Methan“ (
) für saisonale Speicherung - Speicher für Wasserstoff oder E-Methan
Das kommt alles dazu und damit ist EE insgesamt im Schnitt pro kWh schon offensichtlich viel teurer als Kernenergie.
Alles sieht ganz anders aus, wenn man viel Wasserkraft hat, wie z.B. Norwegen, Island, Österreich oder die Schweiz, vor allem wenn die Wasserkraft auch im Winter viel Energie hergibt und man nicht auf die Schneeschmelze warten muss, bis wieder die volle Kapazität verfügbar ist.
Es ergibt keinen Sinn kWh nuklear vs. kWh aus erneuerbaren Energien zu vergleichen. Viel besser ist Szenarien zu vergleichen. Dabei würde ich Ingredienzen, die wir schon haben, oder die low hanging fruits sind, voraussetzen:
- existierende EE wird weiter verwendet
- Smartmeter und angebotsabhängiger Energieverbrauch für zeitlich flexible Prozesse wird genutzt
- Speichertechnologien mit Pumpspeichern und Akkumulatoren werden genutzt
Nun die Szenarien:
- maximaler Ausbau von erneuerbarer Energie und Speicher und fossile Kraftwerke als Backup. Das ist in etwa das derzeitige oder zukünftige deutsche Modell.
- maximaler Ausbau von erneuerbarer Energie und Speicher und Backupkraftwerke mit E-Methan oder grünem Wasserstoff.
- maximaler Ausbau von erneuerbarer Energie und Speicher und Backupkraftwerke überwiegend mit Kernenergie, ev. in kleinen Mengen mit grünem Wasserstoff/E-Methan, Einspeisepriorität für erneuerbare Energie
- maximaler Ausbau von erneuerbarer Energie und Speicher und Backupkraftwerke überwiegend mit Kernenergie, ev. in kleinen Mengen mit grünem Wasserstoff/E-Methan, Einspeisepriorität für
-arme Energie. Kernenergie und EE gleichberechtigt, priorisiert im Einzelfall nach ökonomischen und technischen Kriterien. Das ist mehr oder weniger der französische Weg.
Bewertung:
- gibt Klimaziele schleichend auf und ist teuer
- ist unbezahlbar bzw. bringt Verlust der Konkurrenzfähigkeit und Deindustrialisierung.
- Nutzt Lastfolgefähigkeit geschickt aus, weil Speicher und eventuell grüner Wasserstoff und Kernenergie sich ergänzen.
- Hat alle Vorteile von 3., ist aber ökonomisch und technisch sinnvoller und bezüglich Klimaschutz gleichwertig. Frankreich ist heute schon bei der Stromversorgung komplett
-arm.
Ich sehe für Länder ohne viel Wasserkraft nur die Lösung 4. wirklich als brauchbar an, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Ergänzung:
- zur Laufzeit von Kernkraftwerken: Man rechnet heute mit regelmäßigen Upgrades mit ca. 80 Jahren Laufzeit
- zum Uran: man kann Uran aus Meerwasser gewinnen.
- zur Endlagerung: Finnland zeigt, dass man ein Endlager bauen kann. Das muss man in Deutschland auch machen. Auch ohne Kernenergie braucht man es z.B. für radioaktive Abfälle aus der Medizin.
Meine Präferenzen:
- Ich halte sehr viel von Wasserkraft
- Klimaschutz sollten wir ernst nehmen
- Nur ein ökonomisch realistisches Szenario ist nachhaltig.
Links
- Energiewende
- Zement, Stahl, Aluminium und Ammoniak – Beispiele für energieintensive Industrien
- Uran aus Meereswasser
- Ausstieg aus Kohle, Kernenergie und Gasenergie gleichzeitig
- Irregeleitete Umweltorganisationen
- Wasserstoff statt Strom
- Klimaerwärmung: europaweit denken
- Braunkohleausstieg vor Kernenergieausstieg
- Klimaerwärmung
- Wie weiter mit den verwüsteten Braunkohleabbaugebieten
- Dynamische Strompreise
- Braunkohleausstieg: Ersatz für Braunkohleverstromung
- Braunkohlelöcher als Pumpspeicherkraftwerke nutzen
- Braunkohleausstieg bis 2038
- Braunkohle
- Kernenergie
- Bio-Treibstoff
- Kohleboom
- Kollateralschäden fossiler Brennstoffe
- Hat die Kernenergie 1.8 Millionen Menschenleben gerettet?
Anmerkung
Dieser Blog war jetzt ca. 4 Jahre nicht sehr aktiv. Ich strebe an, wieder regelmäßig zu schreiben, etwa einmal im Monat. Ich bleibe dabei bis auf weiteres dabei, überwiegend auf Deutsch zu schreiben.