Alpentransit

Zur Zeit wird recht viel Geld investiert, um die Verkehrsverbindungen im grenzüberschreitenden Verkehr über die Alpen auszubauen. Unter anderem investiert die Schweiz etwa 24 Milliarden CHF (20 Milliarden EUR) in die alpenquerenden Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Italien, aber auch Österreich baut mit Italien zusammen einen neuen Brenner-Basistunnel und zwischen Frankreich und Italien auf der Verbindung von Lyon nach Turin wird wahrscheinlich ein Basistunnel gebaut werden. Verglichen mit dem Vereinigten Königreich (Großbritannien und Nordirland), das keine Straßenverbindung zum Rest von Europa und nur eine einzige zweigleisige Bahnstrecke unter dem Ärmelkanal hat, ist das recht viel. Allerdings muss man verstehen, dass Italien traditionell stärker mit den nördlicher gelegenen Ländern verbunden war, als das Vereinigte Königreich mit seiner Insellage. Die Grenzen haben sich geändert und fallen keineswegs mit den Sprachgrenzen zusammen und es gibt auch mehrsprachige Übergangszonen, während der Ärmelkanal zwischen England und Frankreich eine recht stabile natürliche Grenze bildet. Außerdem spielt die Seeschifffahrt hier eine kleinere Rolle, während sie im Verkehr zwischen dem europäischen Festland und dem Vereinigten Königreich durchaus ein attraktiver Verkehrsträger ist, mindestens für den Güterverkehr.

Interessanterweise hat sich die Frage der Finanzierung seit dem 19. Jahrhundert sehr verschoben. Im 19. Jahrhundert hat Deutschland der Schweiz noch einen erheblichen Zuschuss zum Bau des alten Gotthardtunnels geleistet. Heute haben sich die Kräfteverhältnisse anscheinend geändert und die Schweiz finanziert den gesamten Ausbau der NEAT (neue Alpentransversale) mit Gotthard- und Lötschbergbasistunnel selbst und bezahlt wahrscheinlich sogar noch einen erheblichen Zuschuss für den entsprechenden Ausbau auf italienischer Seite, der zur Zeit nur sehr schleppend vorangeht. Heute lässt sich die Schweiz mit Mehrkosten, aber durchaus real über Frankreich und Österreich umfahren, aber um den hohen Lebensstandard zu erhalten, ist die Schweiz sehr stark vom Außenhandel und damit vom Transitverkehr durch die EU und vom Handel und Verkehr mit der EU abhängig. Durch die Finanzierung dieser Projekte kann sich die Schweiz weiterhin eine gute Anbindung an die Nachbarländer sichern und mitgestalten, auf welche Art der Transitverkehr durch die Alpen erfolgt, also in diesem Fall mit einem möglichst großen Bahnanteil, um die empfindlichen Täler nicht durch übermäßigen Lkw-Verkehr zu belasten.

Auf deutscher Seite wird übrigens erheblich in die Anbindung der Schweiz und der NEAT-Alpenquerung investiert und die Strecke von Karlsruhe nach Basel wird für etwa 7 Milliarden EUR viergleisig und überwiegend für 250 km/h ausgebaut und damit zu einer der leistungsfähigsten und schnellsten Bahnstrecken in Deutschland aufgewertet. Keine deutsche Stadt von der Größe von Basel oder sogar von der Größe von Zürich bekommt eine so gute Anbindung, wenn sie nicht zufällig auf einer Verbindung zwischen größeren Orten liegt.

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Ein Gedanke zu „Alpentransit

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