Gotthard-Straßentunnel

Es hat mehrere Volksabstimmungen gegeben, die sich dagegen ausgesprochen haben, für den alpenquerenden Straßenverkehr in der Schweiz die Kapazität zu erweitern. Witzigerweise ist es gerade die SVP, eine dieser vielen Schweizer Parteien, die wählerstärkste sogar, die einerseits immer betont, wie wichtig sie Volksabstimmungen findet und wie europafeindlich und vor allem wie sparsam sie ist, die sich jetzt am meisten dafür ausspricht, dem europäischen Transitverkehr (und dem Inlandverkehr) mehr Straßenkapazität zu spendieren… Sparsamkeit ist relativ, wenn es ums Auto, die Landwirtschaft oder das Militär geht, dann kann es nicht teuer genug sein. Ein Muster, das man von „budgetbewussten“ politischen Organisationen auch aus anderen Ländern gut kennt. Warum es so oft diese Dreierkombination ist, weiß ich nicht.

Nun ja, der Gotthardstraßentunnel soll eine gründliche Renovierung benötigen. Damit in dieser Zeit dem MIV trotzdem ein Tunnel zur Verfügung steht, erwägt man einen zweiten zu bauen, der dann während der Renovierung benutzt werden kann. Danach sollen dann beide Tunnel für je eine Richtung befahren werden, aber jeweils nur einspurig. Die andere Spur soll zum Randstreifen werden und abgesperrt werden, damit die Regel eingehalten wird, dass die Kapazität nicht erhöht wird, wie dies in der Alpeninitiative definiert worden ist. Diese Konstruktion wird mit der Sicherheit gerechtfertigt.

Wenn die Verbesserung der Sicherheit so vordringlich wäre, könnte man sehr einfach die Höchstgeschwindigkeit in dem bestehenden Tunnel von 80 km/h auf 60 km/h herabsetzen und etwas Geld in eine gute und vollständige Geschwindigkeitsüberwachung investieren. Das würde nur einen Bruchteil kosten und alleine die Sicherheit sehr verbessern. Die Fahrzeit würde sich um etwa 4 Minuten verlängern, was bezogen auf eine lange Strecke nicht so stark ins Gewicht fallen dürfte.

Die Trennung der Fahrtrichtungen lässt sich auch durch eine Mittelleitplanke erzielen. Die kann aber auch zur Falle werden, wenn es Probleme gibt, während zumindest kleinere Fahrzeuge dann wenden und den Tunnel in die sicherere Richtung verlassen können. Eine versenkbare Mittelleitplanke könnte dieses Problem aber lösen.

Man sollte auch nicht vergessen, dass neuere Autos in 15 Jahren sicher Mechanismen haben können, die die Spur automatisch halten, so dass das Risiko von Frontalzusammenstößen sich stark verringert. Vielleicht ist man bis dann auch auf die Idee gekommen, auf andere Verkehrsmittel zu setzen, die weniger gefährlich und umweltschädlich sind. Interessanterweise will man hier vollendete Tatsachen schaffen, bevor der neue Basistunnel für die Bahn in Betrieb genommen wird. Dieser hat sicher das Potential, einen größeren Teil des alpenquerenden Verkehrs zu bewältigen als die heute Bahnstrecke, die auch weiterhin zur Verfügung stehen wird.

Unter anderem Umverkehr, der VCS und der Verein Alpeninitiative sprechen sich gegen den Bau einer zweiten Straßenröhre aus.

Es ist auch heute schon ein Anachronismus, so einen Tunnel nur für Autos zu bauen. Da eine schmalere zweite Röhre als „Rettungsstollen“ vorhanden ist, könnte man diese für Radfahrer verwenden, die schnell auf die andere Seite kommen wollen, egal wie interessant die Passstraße ist.

Diese Überlegungen gelten natürlich in ähnlicher Form auch für andere Verkehrsverbindungen, die ein großes Hindernis wie einen Meeresarm oder ein Gebirge queren.

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