Gepäckversand

Irgendwann einmal konnte man mit bei der Bahn „Gepäck aufgeben“, man brachte es zum Bahnhof und erhielt es am Zielbahnhof zurück. Meistens war die Reisezeit des Gepäcks etwas länger als die eigene, so dass man es etwas vor der Reise aufgeben musste. Das funktionierte auch zu kleineren Bahnhöfen, die ja immer „besetzt“ waren und international innerhalb von Europa, wobei Europa möglicherweise nicht alle Länder des Kontinents umfasste, aber viele… Es ging auch mit Fahrrädern…

Den Service braucht man nicht sehr oft, er ist personalintensiv und lebt davon, dass man in jedem Bahnhof besetzte Schalter hat.

Nun hat man diesen Service in drei Ländern auf verschiedene Art weiterentwickelt. Ich nehme Deutschland, Schweden und die Schweiz.

Ein Problem war und ist in vielen Ländern, dass ein großer Teil der Züge oder alle Züge keine Fahrräder mitnehmen. Da konnte man das Problem mit dem „Aufgeben“ des Fahrrads lösen. Für einige Leute ist es schwierig, das eigene Gepäck beim Zugfahren mitzuschleppen. Oder nur unbequem. Für die Zielgruppe, die einem dabei als erstes einfällt, Rentner, ist eine bessere Lösung, das Gepäck zu Hause abzuholen, was zumindest in Deutschland gegen Aufpreis auch möglich war. Das mit der Bequemlichkeit hat sich etwas relativiert, weil heute fast alle Koffer Rollen haben. Ein weiterer Anwendungsfall ist, dass man sehr viel Gepäck hat und nicht alles auf einmal selber mitnehmen kann.

In der Schweiz hat man in fast allen Zügen die Möglichkeit Fahrräder mitzunehmen. Der Service des „Aufgebens“ für Fahrräder und auch Gepäck von Bahnhof zu Bahnhof ist aber so geblieben. International geht weniger, weil die anderen Bahnen nicht mehr mitmachen und natürlich gehen nur noch größere Bahnhöfe. Soweit ich gesehen habe, behandeln die Schweizer Eisenbahner das aufgegebene Gut einigermaßen pfleglich.

In Schweden ist es tief in der Seele des Eisenbahners verankert, dass man natürlich keine Fahrräder mitnehmen darf. Früher, also z.B. 1984, war der Service des „Aufgebens“ aber zur Perfektion getrieben. Ich kam ca. 5-10 min vor der Abfahrt des Zuges im Bahnhof an, gab das Fahrrad auf und nahm es am entsprechenden Ort im Zielbahnhof direkt nach meiner Ankunft wieder in Empfang. Die waren genauso schnell wie ich und es fuhr im selben Zug mit. Und war hinterher noch fahrfähig.

16 Jahre später war es so, dass man zum Aufgeben der Fahrräder irgendwo ins Industriegebiet musste. Die Fahrräder waren deutlich länger unterwegs, wurden auf völlig anderen Wegen transportiert und benötigten am Ende etwa dreistellige Beträge pro Fahrrad für die Reparatur. Man sagte mir, so ein Speichenbruch oder so etwas sei normal beim Transport und nur bei Rahmenbruch könne man reklamieren. Fahrräder im selben Zug mitzunehmen geht in Schweden in manchen Nahverkehrsnetzen und in manchen norwegischen, deutschen und dänischen Zügen, die bis weit nach Schweden hinein unterwegs sind.

In Deutschland ist auch das Thema, Fahrrad im Zug mitzunehmen, sehr viel besser geworden. In den 80er Jahren war es total undenkbar, das ICs Fahrräder mitnehmen, heute ist das normal geworden. Wobei die Nachtzüge eigentlich ein sehr zuverlässiger Zug für Fahrradtransport waren und dort hat es leider eine Reduktion auf ein sehr kleines Kernnetz gegeben. Das „Aufgeben“ wurde irgendwann mal „optimiert“. Es wurde nur noch der eigentlich bequemere Weg des Abholens zu Hause (bzw. am Urlaubsdomizil oder bei der Arbeit) angeboten. Die Gepäckschalter und die örtliche Infrastruktur dazu wurden abgerissen, umgebaut, in Läden umgewandelt oder sonst wie beseitigt. Es wurde an eine externe Firma, „Hermes“, abgegeben. Inzwischen macht Hermes auch Versand zwischen Hermes-Shops. Und Hermes-Shop zu sein ist eine Zusatzeinnahme für Läden, die etwas anderes als Kerngeschäft haben.

Nun kam die Situation, das einmal zu testen, weil ich mehr Gepäckstücke hatte, als ich auf einmal mitnehmen könnte. Beim Hermesshop hatte ich mich erkundigt und es schien alles gut. Beim Bahnhof konnte ich das „Gepäckaufgeben“ buchen. International (nur AT, CH und Südtirol) 50 EUR pro Gepäckstück, was in Ordnung ist. Sie wollten, dass ich den ganzen Tag da bin, da die Abholzeit nur sehr begrenzt steuerbar ist. Gegen Aufpreis kann man sie auf 4 Stunden lange Zeitfenster limitieren. Wenn man Homeoffice machen kann, ist das eine Möglichkeit, sonst kostet es einen Urlaubstag oder man muss Nachbarn haben, die da weiterhelfen. Der Hermes-Paketshop ist ja ein guter Nachbar und dafür prädestiniert.

Am Abend vorher brachte ich ihm das Gepäck, aber er sagte, er müsse das doch noch abklären. Als ich es am nächsten Morgen noch einmal brachte, war klar, dass dieser Weg verschlossen war. Die beste Chance war, noch einmal zu bezahlen. 15 EUR pro Gepäckstück und sie gingen an einen Paketshop in Lörrach mit guter ÖV-Anbindung in der Nähe der Grenze.

Ein paar Tage später suchte ich die Telefonnummer des Shops und man sagte mir, dass man keinen Platz habe und daher Gepäckannahme verweigere. Hermes konnte man anrufen. Es gab ein Menu, durch das man sich hangeln konnte. Am Ende gab es entweder einen Menschen, der nicht zuständig war, weil ich die falschen Menüpunkte gewählt hatte, oder es kam die Ansage, dass ich es doch bitte in den nächsten Tagen noch einmal versuchen wollte. Mit Kreativität hatte ich noch mehr Telefonnummern von Hermes herausgefunden, aber es blieb dabei. Eine Online-Anfrage wurde auch nicht breantwortet.

Am Ende suchte ich andere Hermes-Paketshops mit Google in Lörrach und in der Nähe von Lörrach und es stellte sich heraus, dass einer davon die Gepäckstücke bekommen hatte. Die Kontaktdaten, die ich beim Aufgeben angegeben hatte, waren nicht benutzt worden, um mich darüber zu informieren. Beim Abschicken ist es übrigens auch nicht aufgefallen, was auch schon erstaunlich ist.

Man kann einen guten Service auch kaputt-optimieren. Dass es ein selten benötigter Service ist und dass man zwei große Anwendungsfälle (Fahrrad und Rentner) gelöst hat, verkleinert natürlich das Volumen. Aber es bleibt doch unverständlich, wieso die Kombination, die ich gebraucht hätte, nicht gegen entsprechende Bezahlung angeboten werden konnte. Und wieso die Kommunikation drumherum so schlecht funktioniert hat.

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