Tempolimit Vorteile

Wir haben inzwischen eine Diskussion über die Einführung von Tempolimits oder tiefere Tempolimits.

Ein paar Gedanken dazu…

In Deutschland darf gemäß „Richtgeschwindigkeit“ noch gerast werden. Das gilt für vierspurige außerörtliche Straßen und für Autobahnen, wobei das zweite doppelt gemoppelt ist bzw. irgendwelche Spezialfälle hinzunimmt, die es kaum gibt und bei denen es dann sowieso eine Geschwindigkeitsbeschränkung gibt, wie z.B. Autobahnen, die Teil einer Ortsdurchfahrt sind oder die weniger als vier Spuren haben. Man kann also sagen, sie gilt für vierspurige außerörtliche Straßen, solange nichts anderes ausgewiesen ist. Ich halte das für einen Anachronismus. Wir wissen heute, dass wir uns über Luftverschmutzung, Klimaschutz, Lärmschutz, Verkehrssicherhei, Flächenverbrauch und eine Verkehrswende weg von Autos und hin zu mehr umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, also Bahn, ÖPNV und Fahrrad, Gedanken machen müssen.

Leider hat die „rot-grüne-gelbe“ Koalition in Deutschland beschlossen, dass weiter gerast werden soll und sich so gemeinsam für die Interessen einer rasenden Minderheit unter den Autofahrern eingesetzt und „committed“.

Ein paar Argumente der pro-Raser-Fraktion:

  • Man kann ein Tempolimit nicht überwachen
  • Ein Tempolimit bringt nur eine Einsparung von x%
  • Die deutschen Straßen sind soooooo sicher (wegen oder trotz Rasen)
  • Man kommt schneller voran
  • Man hat mehr Spaß
  • Dicke Autos, die auch bei niedrigen Geschwindigkeiten viel verbrauchen und viel emittieren, würden trotzdem gekauft
  • Es lenkt ab, immer auf den Tacho schauen zu müssen

Zu der „Überwachung“: Man sieht, dass Deutschland bei den Bußen für die Überschreitung von Geschwindigkeitsbeschränkungen ein Discount-Land ist. In den skandinavischen Ländern und in der Schweiz kostet es dagegen z.B. richtig viel. Und dort werden dort Geschwindigkeitsbeschränkungen zufällig sehr viel seltener überschritten. Ich denke, dass man sich daran orientieren könnte, zumal „Flensburger Punkte“ in einer zunehmend internationalen Welt ein bisschen den Nutzen verlieren, wenn man sie nicht durch ein europäisches System ersetzt. Vielleicht wäre das aber auch wieder zu schwerfällig… Also einfach wesentlich höhere Geldstrafen und bei gröberen Überschreitungen dann auch einkommensabhängig.

Man hätte schon seit vielen Jahren in die Autos Mechanismen einbauen können, die eine Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit schlicht und einfach verhindern. Heute würde man dafür Bilderkennung und eine Kamera im Fahrzeug benutzen, es ließe sich aber rein technisch sicher auch über Funksignale oder über regelmäßig aktualisierte Kartendaten lösen. Man müsste natürlich gegen Halter von „frisierten“ Fahrzeugen, die diese Mechanismen außer Kraft setzen, etwas härter und systematischer vorgehen, als in den 70er und 80er Jahren gegen die Halter von „frisierten“ Mofas. Die hatten gesetzlich eine vmax von 25 km/h, aber fast jeder hat sie abgeändert so dass man erheblich schneller fahren konnte, woraus man schließen kann, dass kaum jemand erwischt wurde oder dass es kaum Konsequenzen hatte.

Auf Straßen mit mehr als einer Spur pro Richtung oder mit einem Verkehrsaufkommen oberhalb eines gewissen Wertes (z.B. 10’000 Fahrzeuge pro Tag) könnte man eine komplette Geschwindigkeitsüberwachung installieren, also z.B. mit Messtellen alle 1000 Meter. Der vielfach vorgebrachte Vorwurf, dass der Staat oder die Polizei sich mit Radarmessungen finanziert, würde dann nicht mehr gelten, weil man sich fest darauf verlassen könnte, erwischt zu werden, wenn man schneller als erlaubt fährt. Das würde also kaum noch jemand tun und es ist davon auszugehen, dass die Einnahmen sehr viel tiefer als heute wären. Die Messtellen müsste man also durch Maut, Mineralölsteuer, Fahrzeugsteuern etc. finanzieren. Wenn man nun noch bei einer gewissen Häufung der Geschwindigkeitsüberschreitung das Fahrzeug überprüfen würde, könnte man auch die „frisierten“ Fahrzeuge finden.

Ein Tempolimit von 130 gegenüber dem „unbegrenzten Rasen“ wird gerne als Argument für eine „verhältnismäßig kleine“ Einsparung gebracht. Aber warum muss es unbedingt 130 sein? 55 mph (ca. 90 km/h) hat sich in vielen Gegenden in der Vereinigten Staaten seit fast 50 Jahren bewährt, z.B. in New York. Auf einzelnen Strecken sind explizit 65 mph (104 km/h). Würde man also generell eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 90 km/h außerorts einführen und auf einigen vierspurigen außerörtlichen Streckenabschnitten mit relativ geringem Verkehrsaufkommen in dünn besiedelten Gegenden explizit 100 km/h zulassen, dann dürfte die Einsparung gegenüber dem heutigen Zustand schon größer ausfallen. Ich glaube auch, dass sich längerfristig ein Teil der Autokäufer für ein weniger stark motorisiertes Fahrzeug entscheiden würde, wenn man es sowieso auf öffentlichen Straßen nicht ausfahren darf. Und zwar nicht nur in Deutschland selbst, sondern auch in den Nachbarländern. Mir sind schon Schweizer begegnet, die sich ein entsprechend für den Alltag übermotorisiertes Auto gekauft haben, einfach weil sie damit einige Male in Deutschland rasen wollen. Längerfristig würden die Emissionen also noch mehr heruntergehen. Und gerade jetzt, wo die Umstellung auf Elektrofahrzeuge stattfindet, ist es ein guter Zeitpunkt, auf tiefere Geschwindigkeiten umzustellen. Für dreistellige Geschwindigkeiten gibt es Züge und Flugzeuge.

Dass es einen Sicherheitsgewinn bringt, ist glaube ich klar und wenn man an Vision Zero denkt, sollte man diesen auch mitnehmen.

Spaß haben ist schön, aber ich denke, dass es nicht eine öffentliche Aufgabe ist, „Spielplätze“ für Raser im Umfang eines ganzen Netzes zu errichten. Dafür gibt es Rennbahnen wie Nürburgring, wo man für Geld auch mal eine Runde drehen darf. Und ich denke, dass es Nachfrage gäbe, noch mehr davon rentabel zu betreiben. Aber das Rasen gehört nicht auf öffentliche Straßen.

Das Rasen wird häufig als Argument für Fahrradverbote verwendet. Wenn man aber Tempo 90 außerorts als „Default-Regel“ hat, egal welche Farbe die Schilder haben und wieviele Spuren die Straße hat, und maximal 100 explizit ausweist, beseitigt man den Anreiz, Fahrradverbote zu verhängen, um das Rasen zu ermöglichen. Und für eine echte Verkehrswende brauchen wir weniger Autos, die dann auch noch langsamer, kleiner und leichter sind, zu einem höheren Prozentsatz als heute elektrisch gefahren werden und die vor allem auch insgesamt weniger Kilometer im Jahr zurücklegen. Fahrradverbote und vor allem die exzessiven Fahrradverbote, die man heute kennt, widersprechen der Idee einer echten Verkehrswende. Außerdem wird immmer über den „Schilderwald“ geklagt. Diesen könnte man lichten, wenn man Autobahnshcilder, Kraftfahrstraßenschilder, Fahrradverbotsschilder und fast alle Schilder, die eine Maximalgeschwindigkeit von 90 oder mehr ausweisen, ins Altmetall stecken kann, weil die „Default-Regel“ von 90 km/h dann auf einem sehr großen Teil aller außerörtlichen Straßen passen würde.

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