Nahverkehr in London

Viele von uns lernen Englisch in der Schule und da mehr oder weniger England das einzige Land zu sein scheint, wo diese Sprache gesprochen wird, behandeln sehr viele Textbeispiele England und insbesondere London. So weiß jeder, dass dort die Busse rot und doppelstöckig sind und die U-Bahnen „Underground“ heißen.
Die rote Farbe der Busse hat sich gehalten und doppelstöckig sind sie auch oft, obwohl man wohl eine Zeit lang damit experimentiert hat, von den Doppelstockbussen wegzukommen. Entscheidend ist für städtischen Nahverkehr ja, dass der Fahrgastwechsel möglichst schnell geht und da ist ein Doppelstockbus mit nur zwei Türen einfach mit einem Doppelgelenkbus mit fünf Türen nicht konkurrenzfähig. Nun hat London aber verglichen mit anderen Millionenstädten in Europa und Nordamerika ziemlich schmale und kurvige Straßen und da ist es dann wieder ein Vorteil, wenn die Busse nicht so viel Platz brauchen und wendig sind. Außerdem gibt es in vielen Ländern eine Norm, dass Straßenfahrzeuge in der Regel nicht höher als vier Meter sein sollen und dass die Brücken entsprechend dimensioniert sind. In Großbritannien scheint man etwas mehr Höhe zu erlauben und eine Busfahrerin hat mir gesagt, dass Ihr Bus 14’9″ hoch sei, was etwa 4.5 Meter sind. Natürlich gibt es auch normale Busse, wo weniger Fahrgastandrang herrscht, aber die Doppelstockbusse überwiegen. Sie werden anscheinend von verschiedenen Firmen betrieben, unter anderem auch von einer Tochter der deutschen Bahn. Aber die rote Fahrbe haben sie alle.

Durch die innerstädtische Maut und die knappen Parkplätze ist die Menge der Autos im innerstädtischen Straßenverkehr für die Größe der Stadt einigermaßen moderat. Fahrräder sind in der letzten Zeit populärer geworden. Busse sind brauchbarer, wenn sie nicht dauernd im Stau stehen.

Wichtig ist aber vor allem das Metro-System. Ich finde das Wort „Metro“ besser als „U-Bahn“ und möchte es bevorzugt verwenden. Es ist international verständlich und Metro-Linien laufen nur zu einem Teil unterirdisch. Gerade London ist ein gutes Beispiel dafür.

Es gibt drei größere Metro-Systeme. Bekannt ist „London Underground“, was man mehr als eine Markenbezeichnung als als generischen Begriff ansehen sollte. Die Linien haben Farben und Bezeichnungen, aber keine Nummern. Der Name ist verwirrend, weil die „Underground“-Linien nur im zentralen Bereich überwiegend unterirdisch verlaufen. Da die Linien aber sehr lang sind und sich weit von dem Stadtzentrum entfernen, sind die oberirdischen Anteile sehr groß. Einige Linien verlaufen auch in zentralen Lagen oberirdisch oder in Gräben. Das zweite System ist „London Overground“. Das dritte System ist „Dockland Light Rail“, ein im Osten der Stadt verlaufendes Netz, das die aufstrebenden Stadtteile in nicht mehr für die Häfen benötigten Gebieten anbindet. Dessen Züge fahren automatisch, sind etwa so groß wie größere Straßenbahnen, verkehren aber komplett auf separatem Gleiskörper, meist ebenerdig oder aufgeständert. Es gibt noch zwei oder drei weitere Metro-Systeme, die jeweils nur eine einzige Linie haben und deren Namen ich immer wieder vergesse. Im Netzplan der Metro stehen sie drin.

Das Tarifsystem für die Metro sieht vor, dass man eine Fahrkarte hat und diese beim Betreten und beim Verlassen maschinell lesen lässt. So wird der Fahrpreis für die Route berechnet und von der Oyster Card abgebucht. Wenn man Einzelfahrscheine hat, wird überprüft, ob man die richtige Strecke gekauft hat. Umwege, die man bei der Fahrt macht, sind egal, vielleicht wird die Zeit noch gemessen und wenn man exzessiv lange unterwegs ist, kostet es mehr.

Da London die älteste Metro der Welt hat, haben viele Tunnel einen sehr kleinen Querschnitt. Die Züge passen dazu und man hat deshalb Türen, die schon in den abgerundeten oberen Teil des Wagenkastenaufbaus hineinreichen. Wenn man also am Rand steht, muss man beim Schließen der Türen den Kopf einziehen. Witzig ist, wie oft gesagt wird, dass es keine Störungen gibt: „There is a good service on all lines“. Oder eben mit Ausnahmen…

Zur Hauptverkehrszeit sind die Metro-Züge meistens sehr voll. Auf den Bahnsteigen stehen dann Mitarbeiter des Londoner Nahverkehrs und koordinieren das Ein- und Aussteigen, damit möglichst wenig Zeit verloren geht. Sie halten ein Mikrofon in der Hand und bedienen die Lautsprecheranlage, während sie mittendrin stehen. So etwas habe ich sonst nur in Japan gesehen. Wenn ein Zug voll ist, lässt man ihn abfahren und wartet auf den nächsten. Spätestens beim dritten kommt man mit, nach meiner Erfahrung. Und die fahren um die Zeit alle 1-3 Minuten. In Japan würde man eher in einen sehr vollen Zug trotzdem noch einsteigen, weil der nächste sowieso schon so voll ankommt.

Neben Bussen und Metros gibt es noch S-Bahnen. Wie in den vielen nicht-deutschsprachigen Ländern sind das einfach Züge, die halt wie S-Bahnen fahren. Ich will hier S-Bahn nicht als etwas, was genau so in der lokalen Sprache bezeichnet wird verstehen, sondern als generischen Begriff. Es mag also in der lokalen Sprache z.B. „RER“, „S-tåg“, „Pendeltåg“, „Cercanías“, „Szybka kolej miejska“, „servizio ferroviario suburbano“ oder „Commuter Railroad“ heißen.

Sie dienen überwiegend dem Nahverkehr in die Stadt und aus der Stadt heraus. Ein großes Projekt ist eine neue Ost-West-Verbindung durch die ganze Stadt, genannt „Crossrail“, die für die S-Bahn gebaut wird. Sie soll einige der vielen Kopfbahnhöfe im Stadtgebiet miteinander verbinden.

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