Covid-19-Restriktionen trotz Impfung?

Und solche überzogenen und weitgehend nutzlosen Restriktionen führen dazu, dass man alle Möglichkeiten zur Umgehung dieser Restriktionen ausreizt.
Ich halte von Ausgangssperren und Kilometergrenzen und Einstellung öffentlicher Verkehrsmittel nichts.

Maßnahmen, die heute noch für eine vorübergehende Zeit, maximal bis alle Impfwilligen geimpft sind, sinnvoll sein können:

  • Homeofficepflicht bei allen Berufen, wo das möglich ist
  • Schließung von Restaurants, Kinos, Theatern, Stadien, Fitnessstudios, Läden mit nicht täglichem Bedarf, … Vorsicht: mit Augenmaß, was „täglichen Bedarf“ betrifft.
  • Uni/Schule mit Remote-Unterricht. Mir scheint, dass das sehr problematisch ist und die Ausbildung remote nicht wirklich gut klappt, von daher auch nur solange nötig…
  • Einschränkung von Demonstrationsrecht
  • Verbot von Großveranstaltungen (openair, Konzerte, Karneval,…)
  • Verbot von religiösen Veranstaltungen mit vielen Personen
  • Testpflicht vor Flugreisen
  • Tägliche Tests/Schnelltests (oder 2..3x pro Woche) von Schülern, Lehrern, Verkäufern, Gesundheitspersonal… die noch nicht geimpft sind.
  • ….

Ganz wichtig: Sobald ein bestimmter Prozentsatz (z.B. 20%) der Menschen geimpft ist, sollte man aus diesen Restriktionen aussteigen können, sobald man die zweite Impfung hinter sich hat. Also Kino, Theater, Stadion, Konzert, Kirche, Museum, Einkauf, Restaurant, Bar, Diskothek, Fitnessstudio… alles was für diesen steigenden Personenkreis offen hat… Es ist wichtiger, das Vertrauen aufzubauen, dass es eine Rückkehr zur Normalität gibt als dass man hier die ultimative „Gerechtigkeit“ durch unnötige Restriktionen zelebriert. Und es ist auch wichtig, den dahinterstehenden Betrieben eine kleine Chance zu geben, sich aus eigener Kraft zu erholen.

Maßnahmen, die man noch etwas länger beibehalten kann:

  • Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Läden (auch für Geimpfte)
  • Abstandspflicht/-empfehlung
  • Desinfektionsmittel überall

Es mag beim Besuch eines Kinos für einige Monate praktikabel sein, von jedem Besucher den Impfausweis zu kontrollieren. Aber für das Maskentragen gibt es keinen solchen Kontrollpunkt und man sieht den Menschen nicht an, ob sie geimpft sind. Daher sollte Maskenpflicht dort wo sie gilt, für alle gelten, unabhängig von der Impfung.

Im Gespräch ist jetzt, Restriktionen für Genese, Geimpfte und Getestete aufzuheben. Das ist gut und angemessen. Man sollte aber beachten, dass Getestete nur nachgewiesen haben, dass sie einige Zeit vorher „clean“ waren. Und dass es ein kleines Risiko gibt, dass sie sich von anderen Getesteten oder sogar von Geimpften anstecken. Dagegen sind die Geimpften nach heutigem Wissensstand zumindest mit den besseren Impfstoffen (BionTech, Moderna, SputnikV) vor schweren Erkrankungen weitestgehend geschützt.

Aber auch Masken und Abstandspflicht müssen weg, spätestens sobald das Restrisiko ähnlich klein ist wie bei einer normalen Grippe. Wobei ich denke, dass Masken eine gute Idee sind, wenn man z.B. erkältet ist, wie das in Japan seit Jahrzehnten normal ist. Und Desinfektionsmittel werden uns sicher auch erhalten bleiben. Aber für ein unerreichbares Null-Risiko bezüglich C19 dauerhaft auf das normale Leben zu verzichten ist total falsch. Freiheit ist so wertvoll, dass sie auch gewisse Risiken verdient.

#ZeroCovid und #NoCovid halte ich in der Zeit, wo es reale Impfstoffe gibt, für nicht mehr vertretbar. #FlattenTheCurve ist noch für eine begrenzte Zeit sinnvoll.

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Impftourismus

Man liest gelegentlich über „Impftourismus“. Einige Länder bieten diese Möglichkeit ganz offiziell an oder tun dies zumindest zeitweise, z.B. San Marino oder Serbien. Andere bieten es „inoffiziell“ an, also mit Beziehungen bzw. mit Geld an einen „Reiseveranstalter“, der die Beziehungen mitbringt. Der Anreiz ist natürlich groß, weil Menschen einerseits Angst haben, krank zu werden, andererseits aber auch genug von den Restriktionen haben. Mit der Zeit wird sich für viele Länder die Frage stellen, was sie mit dem Impfstoffen machen, die übrig sind, wenn einmal die ganze Bevölkerung oder zumindest alle, die das wollen, geimpft sind.

Es kann ein Geschäftsmodell werden, den Tourismus wieder anzukurbeln, indem man normalen Touristen als „Bonus“ die Möglichkeit gibt, sich gratis oder gegen Geld impfen zu lassen. Gratis ist auch nicht so schlimm, weil es genug Geld mit dem zusätzlichen Tourismus ins Land bringt. Aber eigentlich ist es sinnvoll, dafür Geld zu nehmen. Ein Land kann auch seinen im Ausland lebenden Bürgern oder Menschen, die dem Land nahe stehen (z.B. Russlanddeutsche für Deutschland, auch wenn sie keinen deutschen Pass haben), anbieten. Das hat Serbien vielleicht so gemeint, weil die Anmeldung für die Impfung auf einer Webseite erfolgte, die nur auf Serbisch angeboten wurde. Oder die Impfung wird Menschen angeboten, die beruflich viel in dem Land zu tun haben, sei es als Grenzgänger, sei es, weil sie z.B. im Transportgewerbe arbeiten. Oder ein Land, das Gebiete besetzt hält, impft auch die eigenen Bürger, die in dem besetzten Gebiet wohnen, obwohl sie ja formell nicht in ihrem Land wohnen.

Oft wird „Impftourismus“ als verwerflich bezeichnet. Warum? Man hat sich sehr auf eine bestimmte Impfreihenfolge festgelegt und einige Menschen identifizieren sich ideologisch sehr mit dieser Impfreihenfolge. Ein Impftourist wird als jemand wahrgenommen, der sich in der langen Schlange vordrängelt. Aber wenn man diesen Vergleich etwas weiter denkt, dann tritt der Impftourist nur aus der Schlange heraus und lässt allen anderen, die nach ihm kommen, den Vortritt, weil er ja in seinem Land gar keinen Impfstoff verbraucht. Dann trägt er auch noch zur Bekämpfung der Pandemie bei, weil er ja danach nicht mehr oder zumindest in viel geringerem Maße als vorher zur Weiterverbreitung des Infektionsgeschehens beiträgt. Die zweimalige Reise zu dem „Offshore-Impfzentrum“ ist allerdings wahrscheinlich eine Flugreise. Also rein vom Umweltgedanken weniger wünschenswert. Und es ist auch mit der Gefahr verbunden, sich ausgerechnet auf dieser Reise anzustecken. Von daher relativiert sich der Vorteil vielleicht etwas, aber ich sehe es immer noch als vorteilhaft an.

Wegen der zwei Impfungen ist es für jemanden, der berufstätig ist und ein „normales“ Einkommen hat, sicher keine sehr einfache Möglichkeit, weil man selten so langen Urlaub am Stück hat und weil eine so langer Hotelaufenthalt oder die zweimalige Anreise ins Geld gehen. Aber einige Leute können das machen und tun es auch.

Vielleicht sollte man weniger an klassische Touristen denken. Es gibt Menschen, die ein sehr internationales Leben haben. Zum Beispiel:

  • Internationale Fernbeziehungen
  • Ex-Pats, die für die Arbeit immer mal kurz oder länger an verschiedenen Orten arbeiten. Vielleicht sind sie dort gemeldet, vielleicht in ihrem Heimatland
  • Ruheständler, die in ein kostengünstigers Land ziehen
  • Langzeitreisende, die eine mehrjährige Weltreise machen

Das sind oft Menschen, die sich für längere Zeit in einem Land aufhalten, wo sie aber nicht ihren Wohnsitz haben. Im Sinne der Bekämpfung der Pandemie ist es wünschenswert, diese auch zu impfen, zumindest wenn alle „Einheimischen“ geimpft sind. Dasselbe gilt auch für Touristen, die sich längere Zeit irgendwo aufhalten. Und alle diese Menschen können z.B. in einem Land wohnen, wo Impfungen schlecht verfügbar sind oder wo sie einfahc gerade mal nicht sind und sie nicht wegen der Impfung kurz mal nach Hause fliegen wollen.

Wenn in einigen europäischen Ländern einmal fast Leute geimpft sind, die das wollen, stellt sich die Frage des weiteren Vorgehens. Einige Länder werden die Impfstoffe verschenken, einige verkaufen und einige werden auch versuchen, damit den Tourismus anzukurbeln. Oder eben einfach ganz normal Leute impfen, die die Impfung wollen und dafür bezahlen.

Mit dem Verschenken an ärmere Länder ist es so eine Sache. Das ist sicher gut und richtig und es ist wünschenswert, dass alle Länder, die das wollen, genug Impfstoffe bekommen, um ihre Bevölkerung zu impfen, weil man die Pandemie nur wirklich weltweit stoppen kann. Das wird wahrscheinlich auch passieren. Was passiert aber, wenn ein Land genug Impfstoff bekommt, um 10% der Bevölkerung zu impfen? Die anderen 90% vielleicht irgendwann, ein paar Monate später?

  • Impfen sie die ältesten 10% der Bevölkerung? Die sterben dann trotzdem innerhalb der nächsten Zeit, an etwas anderem als Covid-19 und es ist für das Stoppen der Pandemie dort nicht viel erreicht. Auch wenn man es diesen Menschen natürlich gönnt.
  • Impfen sie die Menschen mit den meisten Kontakten wie Verkäufer, ÖV-Mitarbeiter, Lehrer und Personen, die im Gesundheitssystem arbeiten? Das würde zur Eindämmung der Pandemie und damit für die Menschheit insgesamt wahrscheinlich am meisten bringen.
  • Impfen sie die reichsten 10%
  • Impfen sie die Politiker, deren Familien und Freunde, die Polizei und die Armee?

Wahrscheinlich bringen diese geschenkten Impfungen erst wirklich viel, wenn es erheblich mehr als 10% sind. Aber das wird auch erreicht werden, einfach etwas später als in den Ländern, die dafür viel Geld gezahlt haben.

Was man tun sollte:
Wenn jetzt Impfausweise kommen, sollte man Impfungen im Ausland dort genauso eintragen wie Impfungen im heimischen Impfzentrum. Vielleicht mit etwas Vorsicht bei Ländern mit exzessiver Korruption, sonst gehen alle Impfgegner dort gegen Geld Impfausweise ohne Impfung besorgen…
Was man auch tun sollte, ist Menschen, die als Impftourist die erste Impfung bekommen haben, die zweite Impfung zuhause ermöglichen. Ich denke, dass das heute schon kein Problem mehr darstellen sollte.
Und es ist normal, dass z.B. Grippeimpfung jedem angeboten wird, der dafür bezahlt, solange sie nicht knapp ist. Auch der Zustand sollte sich bei Covid19-Impfungen einstellen. Es gibt Menschen, die sehr international leben und die dann in einem Land, wo sie nicht angemeldet sind, die Impfung bekommen wollen. Gerne gegen Geld und nicht gratis. Es gibt Impfgegner, die es sich anders überlegen. Und es gibt auch in Europa Länder, die mit ihrem Impfprogramm sehr langsam vorankommen. Für Menschen aus diesen Ländern ist es auch eine Chance, sich in einem Land impfen zu lassen, das genug Impfstoff bestellt hat.

Wird der Impftourismus ein Massenphänomen? Davon ist nicht auszugehen, schon gar nicht, solange man zwei Impfungen braucht. Aber es könnte ein Bonus sein für Menschen, die sowieso Urlaub machen und so einen ganz kleinen Beitrag dazu leisten, den Tourismus wieder anzukurbeln.

Ohnehin zeichnet es sich ab, dass man die Impfungen nach sechs bis zwölf Monaten auffrischen sollte. Und vielleicht dann für ein paar Jahre jährlich oder sogar halbjährlich. Von daher wird das Thema Covid-19-Impfungen uns noch eine Weile begleiten. Und die Firmen, die sich ein großes Stück aus dem Kuchen schneiden können, werden daran gut verdienen. Von den 200 Impfstoffprojekten werden wahrscheinlich nur eine Handvoll langfristig damit gute Geschäfte machen, was dann im guten Verhältnis zu dem eingegangen unternehmerischen Risiko steht.

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Elektromobilität

Man liest immer mehr über Elektromobilität. Und dann auch mal, dass es wegen der Akkus doch nicht so toll ist und dass man doch mal „Wasserstoff“ probieren sollte. Und dann auch mal von „Elektromobilität“ für Lastwagen.

Man sollte diese Schwierigkeiten nicht unterschätzen. Lithium ist teuer und knapp und ob man wirklich die Autos und Lastwagen 1:1 durch solche mit Akkus ersetzen kann oder sollte, ist nicht so klar.

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass heute in Europa ein großer Teil des Stroms aus umwelt- und klimaschädlichen Verbrennungskraftwerken kommt. Die sollen ja alle durch klimaneutrale Energieträger ersetzt werden. Es gibt tolle Pläne dazu und deren Anfang sieht auch gut aus, aber es wird schwierig, ohne Kernenergie allein den Strombedarf zu decken, wenn die Kohle- und Gaskraftwerke ausgeschaltet werden. Siehe Ausstieg aus Kohle, Kernenergie und Gasenergie gleichzeitig. Dann nochmal viel mehr Strom aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, um auch noch die Autos und Lastwagen damit versorgen zu können und zwar mit den gewohnten Größen und PS-Zahlen? Das wird wohl nichts.

Es gibt aber funktionierende Elektromobilität. Statt Akku nimmt man als einen der beiden Leiter das Gleis und als den anderen die Oberleitung. Nennt sich elektrifizierte Bahnstrecke. Der Vorteil ist, dass die Bahn wesentlich energieeffizienter ist und man deshalb mit derselben Energiemenge viel weiter kommt. Außerdem entfällt der Akku mit aufwändiger Produktion, das Problem des Lithiums, das Problem der Feuergefahr der Akkus… Ja, alles kann man in den Griff bekommen. Vielleicht…

Aber mit elektrifizierten Bahnstrecken hat man es seit über hundert Jahren im Griff und heute eine hochentwickelte, ausgereifte Technik.

Was auch funktionert sind E-Bikes. Die haben einen phantastischen Wirkungsgrad und fahren nur bis zu 50 km/h, wodurch sie einfach sehr wenig Energie verbrauchen, so dass die Größe der Akkus und auch der Energiebedarf für das Laden relativ klein sind.

Elektroautos werden ihren Platz haben. Aber sehr viel weniger als heute, leichter, kleiner, schwächer motorisiert und langsamer. Oder größer, wenn sie tatsächlich so viel befördern. Man muss tatsächlich auch weniger Energie verbrauchen, damit es überhaupt aufgehen kann. Und ja, genau deshalb: Das mit den fliegenden Autos als Massenverkehrsmittel wird nichts.

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Strategien zum Umgang mit Covid-19

Nun, nach gut einem Jahr, kann man sehen, welche Wege verschiedene Länder gegangen sind.

Ich denke, man kann sehen, dass es in machen Ländern Strategien gab, und in anderen Ländern in Panik reagiert wurde, meist mit suboptimalen Entscheidungen.

Natürlich gibt es Abstufungen.

Beispiele für Länder mit Strategien sind Schweden, das Vereinigte Königreich und Neuseeland.

Neuseeland hat zu einem frühen Zeitpunkt reagiert und durch Einschränkungen der Kontakte und der Einreise erreicht, dass die Krankheit mehrmals für längere Zeit fast verschwunden war. Eine kleine Zahl von Fällen lässt sich verfolgen. Bei Einreise gibt es eine Quarantäne und Tests. Auf diesem Weg haben sie wenige Fälle, wenige Todesfälle und ein einigermaßen normales Leben. China hat diesen Weg auch verfolgt und einige andere Länder. Und es gibt eine treue Schar von Fans dieser Strategie, die das für die einzig richtige Lösung halten und unbedingt diesen Weg gehen wollen, auch in Zeiten, in denen schon Impfstoffe existieren. Für europäische Länder ist das ganze schwieriger zu erreichen, weil die Länder viele einigermaßen offene Grenzen haben, die zum Teil täglich, z.B. auf dem Arbeitsweg, überquert werden. Aber man könnte es ja auf EU-Ebene umsetzen und Norwegen, die Schweiz und die kleineren Länder zwingen, mitzumachen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Preis dafür aber enorm hoch, weil so viele Leute die Krankheit haben und man sehr viel Zeit bräuchte, um es auf diesem Weg auf einen Stand nahe null zu bringen.

Das Vereinigte Königreich (Großbritannien und Nordirland) hat 2020 eher chaotisch agiert, wie viele andere Länder auch, und viele Fälle und durch die Maßnahmen auch gleichzeitig eine starke Schädigung der Wirtschaft erreicht. Aber bei dem allerwichtigsten Punkt, der Impfstoffbeschaffung, haben sie strategisch gut gehandelt und sich um frühe Belieferung mit Impfstoffen bemüht und dafür auch entsprechend mehr Geld auf den Tisch gelegt. Da der volkswirtschaftliche Effekt einer Impfung etwa 50 Mal so groß ist wie ihre Kosten, und das frühere Impfen auch entsprechend wichtig ist, war dieser Weg absolut richtig. Die Vereinigten Staaten, einige Golfstaaten, Chile, Serbien und vor allem Israel haben auch Impfstoffe so gut beschafft, dass sie schnell alle Impfwilligen damit versorgen können. Wenn man die Sache in zwei Jahren anschauen wird, wird sich herausstellen, dass auch diese Länder es insgesamt gut gemacht haben, trotz aller Fehler im Jahr 2020.

Schweden hat ebenfalls eine kluge Strategie gewählt. Man hat sich darauf eingestellt, dass man die Krankheit lange Zeit nicht loswerden wird und Maßnahmen erlassen, die ein halbwegs normales Leben ermöglichen. Die Ermüdung aufgrund der Maßnahmen, die in anderen Ländern eintritt, konnte man so vermeiden, die Menschen sind glücklicher als in den meisten Covid-19-betroffenen Ländern und es bestehen noch Reserven bezüglich der Toleranz, um temporär härtere Einschränkungen zu tolerieren und mitzutragen. Mein Eindruck in Schweden war, dass die meisten Menschen mit der Strategie zufrieden waren. Für demokratisch denkende Menschen ist das ein wichtiges Kriterium. Wie sich gezeigt hat, ist die Krankheit auch in Schweden nicht „explodiert“, sondern hat sich auch über ein ganzes Jahr gerechnet nur langsam, wenn auch etwas schneller als in vielen anderen Ländern, ausgebreitet. In der Rangfolge der am schlimmsten betroffenen Länder Europas war Schweden nicht automatisch mit Weißrussland zusammen auf dem ersten Platz, sondern das hat immer wieder gewechselt und auch Länder mit härteren Maßnahmen waren zeitweise sehr viel schlimmer betroffen. Zählt man Todesfälle pro Million Einwohner, kommt Schweden auf Platz 29 (Stand 2021-04-23) und liegt damit in Europa im Mittelfeld. Also, auf Eigenverantwortung und auf die Maßnahmen, die man auch für viele Jahre ohne allzu große Einschränkungen im Leben ertragen kann, zu setzen, hat sich bisher als legitime Strategie herausgestellt. Zum Argument der geringeren Besiedlungsdichte: Der Zahlenwert ist beindruckend tief. Aber der allergrößte Teil der Bevölkerung wohnt in mittleren und größeren Städten und dicht besiedelten Gebieten unter Verhältnissen, die sehr ähnlich wie in Deutschland oder der Schweiz sind. Dass es noch zusätzlich zu dem kleinen dicht besiedelten Teil des Landes eine große, sehr dünn besiedelte Fläche gibt, spielt hier keine große Rolle, weil diese Fläche aufgrund der geringen Einwohnerzahl nicht ins Gewicht fällt. So paradox es klingt, man kann für die Zwecke der Covid-19-Strategien davon ausgehen, dass Schweden und Deutschland und die Schweiz ähnlich dicht besiedelt wären. Gerne kann man mit wirklich fundierten Analysen der Daten und der Lebensverhältnisse die gefühlte, erlebte und epidemiologische Bevölkerungsdichte ermitteln… Als Schwedenurlauber sehen wir natürlich überwiegend den dünn besiedelten Teil des Landes und bekommen eventuell ein falsches Bild.

Viele andere Länder haben mehr oder weniger keine echte Strategie entwickelt, sondern sich von Angst und einem sehr eingeschränkten und verzerrten Blickwinkel leiten lassen und es sind mehr oder weniger chaotische Vorgehensweisen herausgekommen, die viel Schaden bei den Menschen und der Wirtschaft angerichtet haben, aber die Krankheit auch nicht viel besser eingedämmt haben, als z.B. Schweden. Dazu kam, dass man in der EU die ehemals dümmste Ministerin aus Deutschland zur EU-Kommissionspräsidentin gemacht hat und ihr mehr oder weniger die Strategie zur Impfstoffbeschaffung überlassen hat. So ist trotz enormer finanzieller Mittel herausgekommen, dass es erst bis zum Herbst 2020 oder noch viel später überhaupt genug Impfstoff geben wird, um alle Impfwilligen zu impfen. Dann hat man noch bei der Priorisierung der Impfungen darauf gesetzt, zuerst Senioren zu impfen, was für die angestrebte Herdenimmunität einen sehr geringen Beitrag leistet. Bis auch Berufe wie z.B. Verkäufer geimpft werden, was wirklich massiv zur Herdenimmunität beitragen würde, wird noch viel Zeit vergehen. Noch schlimmer ist, dass diese Impfpriorität quasi religiösen Charakter bekommen hat, im Sinne von Religionsfanatismus ala Taliban und man womöglich lieber Impfstoff wegwirft als jemanden aus tiefer priorisierten Gruppen zu impfen. Man versteckt sich hinter einer inkompetenten Ethikkomission, weil an Angst hat, für eine Entscheidung die Verantwortung zu tragen, die immer Kollateralschäden haben wird, egal wie man sich entscheidet. Und nun setzt man die Impfung mit AstraZeneca aus, weil man ein paar Fälle sieht, die dadurch krank geworden sein könnten und sogar gestorben sind, nicht aber die Todesfälle, die man durch etwas zugigeres Impfen vermeiden könnte. Und wo man es nicht geschafft hat, bei den bevorzugten Lieferanten genug und früh genug Impfstoffe zu beschaffen, wird auch verschlafen, für alternative Lieferanten aus China, Russland und Indien das Zulassungsverfahren zügig und unbeeinflusst von politischen Präferenzen und Vorurteilen seriös durchzuziehen und dort zusätzlich einzukaufen. Diese Lieferanten könnten immerhin etwas liefern, zusätzlich zu dem bereits eintreffenden Impfstoff der bisherigen Lieferanten. So könnte man das Impfen beschleunigen und das (sehr geringe) Risiko bezüglich Impfstoffen noch mehr diversifizieren. Wenn man schneller impft, ist auch die Reihenfolge nicht mehr so wichtig. Was auch versäumt wird: Wenn diejenigen, die einen Impftermin haben, nicht auftauchen, sollte man eine Warteliste führen, die für alle Personen über 18 Jahre offen ist, die sich an dem Tag kurzfristig Zeit nehmen können, und diese Personen mit der übrig gebliebenen Impfstoffmenge des Tages impfen, soweit sie eben reicht. Gerade bei Senioren gibt es sehr viele mögliche Gründe, nicht zum Impftermin aufzutauchen, mit oder ohne Abmeldung. Je mehr und je früher Lehrer, Verkäufer, Bahnschaffner, Busfahrer, Apotheker, Ärzte, Krankenpfleger, Flugbegleiter, Polizisten, Kellner u.s.w. geimpft werden, desto besser.

Wenn man die ganze Sache in ein paar Jahren einmal anschauen wird, wird man sehen, dass die Länder mit einer Strategie mit dem Blick aufs große Ganze besser gefahren sind als diejenigen, die sich von kurzfristigen Ängsten und dem Blick auf das, was sie zufällig gerade sahen, haben steuern lassen.

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Ammoniak und Hydrazin als Benzinersatz

Gelegentlich hört man die Idee, Ammoniak (NH_3) als Ersatz für Benzin zu verwenden. Wie kommt man darauf? Es wird viel darüber gesprochen, dass Wasserstoff die Zukunft sei. Also wird auch Wasserstoff als Treibstoff propagiert. Der Nachteil von Wasserstoff ist, dass er sich nur bei extrem tiefen Temperaturen verflüssigen lässt. Das ist für den Alltagsgebrauch zu aufwändig und deshalb muss Wasserstoff als Gas unter Hochdruck gespeichert werden, was die möglichen Mengen einschränkt und auch Aufwand und Risiko in der Handhabung mit sich bringt. Eine weitere Idee zur Speicherung von Wasserstoff ist die Löslichkeit von Wasserstoff in Metall, insbesondere in Palladium. Da Ammoniak bei -33 Grad flüssig wird, kann man diesen in flüssiger Form mitführen. Und Ammoniak wird in riesigen Mengen hergestellt. Natürlich aus Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird und aus Stickstoff, den man aus der Luft gewinnt. Aber andere Wasserstoffquellen ließen sich auch verwenden. Wenn man Ammoniak verbrennt, entsteht je nach Temperatur und Druckverhältnissen Stickstoff, Wasserdampf und Stickoxide. Ammoniak wird zu einem großen Teil genau dazu hergestellt, um Stickoxiden und dann letztlich Salpetersäure und Nitrate zu gewinnen. Die erste Frage ist also, ob ein Verbrennungsmotor, der Ammoniak verbrennt, nicht mehr Stickoxide ausstößt als heutige Verbrennungsmotoren. Oder ob man das mit realistischem Aufwand verhindern oder neutralisieren kann. Dann ist die Herstellung von Ammoniak ein aufwändiger und energieintensiver Prozess, der sich durch den hohen Nutzen in der chemischen Industrie rechtfertigen lässt. Aber Ammoniak in viel größeren Mengen herzustellen und zu verbrennen ist eher eine abwegige Idee. Hydrazin (N_2H_4) statt Ammoniak zu verwenden wird auch gelegentlich vorgeschlagen, weil Hydrazin schon beim Zerfall in Stickstoff und Ammoniak Energie freigibt. Aber es ist eine sehr giftige Verbindung.

Wie bei der Herstellung von Kohlenwasserstoffen aus Kohlendioxid und Wasser sind Ammoniak und Hydrazin als Ausgangsstoffe für die weitere Verarbeitung in der chemischen Industrie sehr nützlich. Deshalb ist die Ammoniaksynthese eine der bedeutendsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts überhaupt. Aber zum Verbrennen im großen Stil, also etwa in dem Umfang wie heute Benzin und Diesel und Kerosin im Verkehrssektor verbrannt wird, zu schade, zu teuer, zu ineffizient und auch einfach nicht realistisch. Für gewisse Nischen kann es natürlich ein Ansatz sein, den man prüfen könnte.

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Frohe Ostern

Frohe Ostern!

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Transalpines Kanalnetz

Es wurde gerade ein neues Projekt beschlossen, in den Alpen ein Kanalnetz für größere Binnenschiffe zu bauen. So soll der Lkw-Flut entgegengetreten werden.

Es ist geplant, die Kanäle in den Alpentälern verlaufen zu lassen und die Höhenunterschiede mit Schleusen oder Schiffshebewerken zu überwinden. Natürliche Seen, größere Flüsse und auch Stauseen sollen in das Wasserstraßennetz eingebunden werden.

Zur Querung von Alpenkämmen werden je nach Situation zwei verschiedene Ansätze verfolgt. Entweder wird ein Tunnel gebaut, durch den die Schiffe fahren können. Oder der Kanal wird mit Schleusen oder Hebewerken wirklich über die Passhöhe geführt, üblicherweise mit einem längeren Einschnitt bei der Passhöhe, von dem auch die Passstraßen profitieren können. Statt mühsam auf 2004 Meter Höhe mit schöner Aussicht zu klettern, werden dann z.B. 1871 Meter reichen und im Bereich der Passhöhe hat man dann ein längeres künstliches Tal mit steilen Wänden und der Straße direkt neben dem Kanal.

Da es ja darum geht, einen ganzjährig geöffneten Verkehrsweg zur Verfügung zu stellen, auch in Höhenlagen mit sehr niedrigen Temperaturen im Winter, werden dem Wasser Chemikalien zugesetzt, die besser als normales Salz ein Einfrieren im Winter verhindern. Schiffe im alpenquerenden Verkehr müssen entsprechend beschichtet werden, damit ihnen die Chemikalien im Wasser nicht schaden.

So kann ein großer Teil des Lkw-Verkehrs auf das umweltfreundliche Binnenschiff verlagert werden und wegen der Dichte des Kanalnetz ist für viele Verbindungen nicht einmal mehr ein Lkw für die letzten Kilometer nötig. Durch Anbindung an die italienischen, slowenischen, Kroatischen und französischen Mittelmeerhäfen sowie an Donau und Rhein entsteht so eine gesamteuropäische Güterverkehrsdrehscheibe.

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Covid-19-Impfstoffe

Nach den Informationen, die man aus Medien und dem Internet bekommt, scheinen Tozinameran (der Impfstoff von BioNTech und Pfizer) und MRNA-1273 (der Impfstoff von Moderna) am besten zu sein. Die Produktionsmengen dieser Impfstoffe sind aber für längere Zeit fast komplett verplant: Einerseits für Länder wie Israel, die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich, die beim Bestellen von Impfstoffen daran gedacht haben, das Leben ihrer Bürger zu schützen, andererseits aufgrund der Impfstrategie für Senioren und „Risikogruppen“. Man kann und sollte die Impfstrategie hinterfragen, aber letztlich ändert es nichts daran, dass für die meisten jüngeren Menschen und Menschen mittleren Alters außerhalb dieser drei Länder diese beiden Impfstoffe auf absehbare Zeit noch nicht zur Verfügung stehen. Und es zählt jede Woche.

Eine sinnvoller Kompromiss wäre es, die beiden besten Impfstoffe z.B. in Deutschland und in der Schweiz weiterhin gemäß der beschlossenen Priorisierung zu verimpfen und andererseits zusätzlich Impfstoffe wie z.B. Sputnik V und AstraZeneca allen Impfwilligen unabhängig von der Priorisierung anzubieten. Natürlich müssen sie dafür eine Zulassungsverfahren durchlaufen. Wie das Beispiel Ungarns zeigt, ist es wahrscheinlich vorteilhafter, ein nationales Zulassungsverfahren zu initiieren und nicht auf eine EU-weite Zulassung zu warten.

Das Angebot könnte sein, relativ bald eine Impfung z.B. mit Sputnik V oder AstraZeneca zu bekommen. Und z.B. zwei Wochen nach der zweiten Impfung wieder alles machen zu können, was man vor Covid19 durfte, bis auf weiteres vielleicht noch mit Maske beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln. So könnte man jüngeren Menschen das normale Leben schneller zurückgeben und die restlichen Senioren und Risikopersonen weiterhin mit dem Tempo impfen, das von Frau von der Leyen ausgehandelt wurde. Wer lieber einen der beiden besten Impfstoffe haben will, kann entsprechend noch ein paar Monate länger warten und mit den Restriktionen leben. Es wäre für alle ein Gewinn, wenn schneller geimpft wird.

Es ist ohnehin anzunehmen, dass man noch ein paar Jahre lang die Impfungen jährlich auffrischen muss. Zum Auffrischen wird man dann ohnehin bessere Impfstoffe bekommen. Und irgendwann wird die jährliche Covid-19-Impfung vielleicht einmal mit der Grippeimpfung kombiniert.

Ohnehin werden in der nächsten Zeit noch weitere Impfstoffe auf den Markt kommen, und man wird sehen, wie gut sich diese bewähren. Vielleicht sind einige davon ebenso gut oder sogar besser als die beiden zuerst genannten.

Es finden zur Zeit Studien statt, um Impfstoffe in der Altergruppe ab 12 Jahren einzusetzen und man kann damit rechnen, dass Impfungen für Personen ab 12 Jahren im Sommer möglich sein werden, jedoch wohl vorerst nur mit den beiden erstgenannten Impfstoffen, die ohnehin knapp sind. Für Kinder von 2 bis 12 Jahren sollen ebenfalls Studien durchgeführt werden. So kann man Schulen und Kindergärten wieder normal betreiben. Eventuell lässt sich das auch vorher schon erreichen, wenn man Lehrer und Eltern impft und wirklich häufig und systematisch testet.

Inspiriert durch einen Artikel in der NZZ.

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Modelle zur Verbreitung von Covid-19

Man liest einiges dazu, wie sich die Krankheit Covid-19 verbreitet uns auswirkt.

Vielleicht einmal Zeit für einen Faktencheck der Modelle, mit denen in der Regel argumentiert wird.

Annahme 1: Alle Menschen geben das Virus mit derselben Wahrscheinlichkeit weiter. Daraus werden Prozentsätze abgeleitet, wie viele Menschen geimpft werden müssen, damit die sogenannte „Herrenimmunität“ erreicht ist.

Annahme 2: Alle Menschen haben abgesehen von mehr oder weniger in der Weltbevölkerung gleichverteilten Faktoren wie Alter und Vorerkrankungen etwa das gleiche Risiko schwer zu erkranken. Oder sagen wir zufällig gewählte Gruppen von 1000 Menschen haben etwa das gleiche durchschnittliche Risiko. Natürlich macht das medizinische System und dessen Auslastungsgrad und Ausstattung einen Unterschied für den weiteren Verlauf, sobald ein ernsthafte Erkrankung eingetreten ist.

Vor einem Jahr war es sinnvoll, mit diesen Modellen zu arbeiten, weil man es nicht besser wusste.

Man kann also ganz vereinfacht mit einer Differentialgleichung arbeiten, z.B. g steht für die gesunden Menschen, k für die kranken Menschen und t für die Zeit:

    \[k'=gk\]

oder wer es lieber so schreiben will

    \[\frac{dk}{dt}=gk\]

Das berücksichtigt noch nicht, dass Menschen wieder gesund werden und danach zumindest für eine gewisse Zeit aus der Gleichung herausfallen.
Wenn man das tun will, kommt man zum SIR-Modell und es wird schon recht kompliziert.

Einen Aspekt sieht man im realen Leben, der sich auch im SIR-Modell findet, der aber in der allgemeinen Diskussion vergessen wird. Das ist die eigentliche Kontaktrate. Jemand, der z.B. im Homeoffice arbeitet und vorbildlich nur alle paar Wochen Hamsterkäufe macht, hat eine sehr tiefe Kontaktrate. Jemand, der in einem Altersheim wohnt und zumindest in der jetzigen Zeit alle Aktivitäten meidet, die ihn mit anderen Menschen zusammenbringen, hat täglich Kontakte mit den Mitbewohnern, den Mitarbeitern und eventuell einer kleinen Gruppe von Besuchern. Ein Lehrer mit Präsenzunterricht hat Kontakt mit immer denselben Schülern. Und ein Verkäufer oder Flugbegleiter hat jeden Tag mit anderen Menschen Kontakt.

Man sieht daraus: Menschen sind in sehr verschiedenem Maße „Multiplikatoren“ für die Krankheit. Man kann Menschen, die häufige Kontakte haben, aber immer mit derselben Personengruppe, sehr gut (aber natürlich nicht perfekt) schützen, wenn man täglich für alle Kontaktpersonen Schnelltests macht. Das wäre in Kindergärten, Schulen, Altersheimen, Pflegeheimen, Krankenhäusern z.B. der Fall. Wenn man also möglichst schnell die echten Multiplikatoren impft, also Menschen, die mit vielen anderen Menschen in Kontakt kommen und wo man den Personenkreis nicht gut eingrenzen kann, z.B. Verkäufer, dann sollte das sich schnell in tieferen Zahlen auswirken. Wenn man Menschen impft, die wenige Kontakte haben oder zumindest immer nur mit einem festen Personenkreis, dann wird man, wie jetzt beobachtet, kaum Auswirkungen sehen, weil über die Multiplikatoren die Krankheit weiter verbreitet wird. Der Prozentsatz von Geimpften, die für die Herdenimmunität nötig ist, hängt also sicher davon ab, welche Gruppen man impft.

Man sieht, dass einige Länder sehr wenige Restriktionen eingeführt haben, andere sehr viele. In den Vereinigten Staaten hat man z.B. die Wirtschaft ziemlich an die Wand gefahren, aber trotzdem eine halbe Million Tote zu beklagen, natürlich auf eine ziemlich große Bevölkerungszahl bezogen. In Schweden und Weißrussland hat man relativ wenige Restriktionen eingeführt und es sind dort auch mehr Leute gestorben als im europäischen Durchschnitt. Aber man sieht auch in Schweden die Krankheit nicht mit fast exponentiellem Wachstum immer mehr Menschen erwischt hat, sondern es hat wie anderswo auch nur einen sehr kleinen Teil der Bevölkerung wirklich erwischt. Natürlich waren die Menschen etwas vorsichtiger, man hat überall Desinfektionsmittel, z.T. Plexiglasscheiben in Läden u.s.w. Aber das Leben war noch einigermaßen normal verglichen mit Ländern, die extreme Restriktionen erfunden haben. Und nach meinem Eindruck waren die Menschen damit auch zufriedener.

Möglicherweise ist nur ein Teil der Menschen überhaupt für die Krankheit empfänglich oder hat zumindest die Neigung zu einem Ausbruch mit Symptomen. Und wie groß dieser Teil ist, kann von genetischen und kulturellen Faktoren abhängen. Oder von lokalen „Moden“ bei der medizinischen Behandlung. Oder von Klima und Umweltverschmutzung. So kam es zu „Hotspots“ in Norditalien und in den Vereinigten Staaten, aber anderswo blieb der Verlauf für Pandemie-Verhältnisse relativ ruhig. Oder einfach nur zu anderen Zeiten an Orten, die einmal „Hotspot“ waren.

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Circle Line Zürich

Es gibt einen Vorschlag für eine neue S-Bahn-Linie in Zürich (2. Link), die die verschiedenen Hochschulstandorte verbinden soll. Da es sich um eine Ringlinie handeln würde, wird sie „Circle Line“ genannt.

Zunächst ein paar Gedanken zu den verteilten Hochschulstandorten. Diese sind natürlich historisch gewachsen, aber manchmal findet man es auch ohne Not „kind of cool“, einen Stadtteil dadurch aufzuwerten, dass man ihm einen weiteren Standort der Universität zuweist. In Kiel hat man z.B. die Universität, die einigermaßen kompakt in einem Gelände an der Olshausenstraße ein paar Kilometer nordwestlich der Innenstadt lag, für die neue technische Fakultät einen Standort auf dem Ostufer zugewiesen, obwohl bei der Olshausenstraße mit etwas gutem Willen noch Flächenreserven verfügbar gewesen wären. Es gibt sehr oft für jemanden, der an einem Standort studiert, Veranstaltungen, die an dem anderen Standort stattfinden. Auch wenn die wichtigsten Fächer eines Studienganges an einem Standort gebündelt sind, gibt es doch z.B. Vorlesungen für Mathematik und Naturwissenschaften oder Sprachkurse, die am anderen Standort stattfinden. Es kann auch mal interessant sein, einzelne Vorlesungsstunden oder ein ganzes Semester einer Vorlesung eines anderen Faches zu besuchen, um den Horizont zu erweitern oder einfach aus Interesse. Das ist mit dem heutigen Bologna-System nicht mehr so einfach wie z.B. in den 80er und 90er Jahren, aber man sollte es nicht unnötig erschweren. Sinnvoll ist natürlich, wenn die ganze Hochschule sich auf dieselben Zeitslots einigt, also z.B. Beginn immer 15 Minuten nach der vollen Stunde und Vorlesungsdauer 45 Minuten. Wenn man innerhalb des Campus den Hörsaal wechselt und ein Fahrrad hat, dann reichen die 15 Minuten normalerweise aus. Aber um zu dem anderen Standort zu fahren, braucht man fast immer etwas mehr. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln oft sogar noch etwas länger. Nun könnten die Dozenten jeweils zu den Standorten kommen, um den Studenten ihre Vorlesung dort anzubieten, wo sie sich halt normalerweise aufhalten. Weil mehr als ein Hörer in der Vorlesung sitzt, ist das insgesamt zeitlich effizienter. Aber für den Dozenten ist es auch blöd, einen großen Teil seiner Arbeitszeit mit Wegen zu verbringen und der sitzt am längeren Hebel, also sind es häufiger die Studenten, die die Wege haben. Wenn irgendwie möglich sollte man also versuchen, eine Hochschule an einem Standort zu bündeln. Nachträglich ein Institut an einen anderen Standort zu verlegen und so alles an einem Standort zusammenzuführen ist sicher manchmal möglich, aber gerade bei Fächern, die nicht nur Büros und Hörsäle, sondern auch Labors brauchen, ist der Aufwand dafür meist unrealistisch groß. Man muss also damit leben, wenn es erst einmal so ist.

In Zürich und in vielen anderen Städten ist es nun aber Tatsache, dass Hochschulen auf mehrere, weit relativ voneinander entfernte Standorte verteilt sind, z.B. die ETH Zürich. Die liegen etwa 6.5 Kilometer und 90 Höhenmeter auseinander. Auch die davon unabhängige Universität Zürich ist auf zwei Standorte verteilt, die etwas 3 km und 40 Höhenmeter auseinanderliegen, mit Ampeln für die meisten Studenten auch mit dem Fahrrad gerade etwas zu viel für 15 min zwischen zwei Vorlesungen. Mit Bus und Tram schafft man es auch nicht unter 15 Minuten.

Da wurde nun die Idee aufgebracht, dass eine S-Bahn-Ringlinie diese Standorte verbindet. Es könnte auch eine U-Bahn sein, das ist mehr eine Frage der organisatorischen Zuordnung und der Benennung, aber in Zürich ist eine S-Bahn plausibler. Es gibt in Zürich mehrere unabhängige S-Bahn-Systeme, die jeweils nicht die Strecken der anderen befahren. Neben dem großen System der SBB gibt es die SZU und zwei Schmalspurlinien, die streckenweise wie eine Straßenbahn verlaufen. Man könnte also eine unterirdische Ringlinie bauen, die komplett unabhängig von dem restlichen Netz ist, die Teil des SZU-Netzes ist oder die Teil des SBB-Netzes ist. Damit könnte man Fahrzeiten von unter 10 Minuten zwischen den jeweiligen Standorten erzielen und noch den Hauptbahnhof einbinden. Selbst wenn zu den passenden Zeiten alle fünf Minuten oder öfter gefahren würde, könnte man den Raumwechsel in 15 Minuten mitsamt den Fußwegen, Wartezeiten und Zeiten für Lifte oder Rolltreppen nicht schaffen. Aber es wäre wesentlich schneller als heute.

Wird man so ein System bauen? Es ist sicher interessant, das zu prüfen. Und es wäre nicht ausschließlich ein System für Studenten und Mitarbeiter der Hochschulen, sondern würde auch andere Verkehrsbedürfnisse abdecken. Aber es ist doch eher unwahrscheinlich, dass das in der nächsten Zeit kommt. Es gibt viele interessante Projekte, die um das Budget konkurrieren und für so eine Ringlinie müsste man sicher eine oder zwei Milliarden CHF investieren. Vielleicht wird am Ende eine Straßenbahnlinie gebaut, die weniger kostet und wesentlich längere Fahrzeiten hat, aber zumindest die benötigte Kapazität bietet.

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